- Anmeldung der Marken Deadwood und Low Bob ab dem 30. April 2026 in mehreren Ländern
- Beide Marken laufen in der Nice-Klasse 12 für „motorcycles and structural parts therefor“ (Motorräder und zugehörige Strukturteile)
- Eine mögliche Markteinführung wird frühestens für das Modelljahr 2027 oder 2028 erwartet
Markenanmeldungen führen nicht zwangsläufig zu neuen Motorrädern. Häufig gehören sie aber zu den frühesten Anzeichen dafür, dass ein Hersteller an neuen Modellen arbeitet. Bei Harley-Davidson tauchen nun gleich zwei bislang unbekannte Bezeichnungen auf, die sich gut in das aktuelle Umfeld des Unternehmens einordnen lassen: einen Führungswechsel an der Spitze und eine neu ausgerichtete Modellstrategie.

Was hat Harley-Davidson angemeldet?
Harley-Davidson hat die beiden Wortmarken Deadwood und Low Bob bei mehreren Markenämtern eingereicht. Den Anfang machte der 30. April 2026, an dem beide Namen in den USA hinterlegt wurden.
In den folgenden Tagen kamen weitere Länder hinzu. Die Marke Deadwood wurde am 30. April 2026 zusätzlich in Kanada und Großbritannien angemeldet, am 4. Mai in Mexiko sowie am 5. Mai in Thailand und in der Europäischen Union. Für Low Bob folgten nach der US-Anmeldung am 30. April die Eintragung in Großbritannien am 1. Mai, in Mexiko am 4. Mai sowie in Thailand und der EU am 5. Mai. Solche Mehrfachanmeldungen sind bei Harley-Davidson üblich, weil das Unternehmen seine Motorräder nicht nur in den USA, sondern auch international verkauft.
Beide Marken fallen in die sogenannte Nice-Klasse 12, die im internationalen Markenrecht für Fahrzeuge steht. In den Unterlagen sind sie für „motorcycles and structural parts therefor“ vorgesehen, also für „Motorräder und zugehörige Strukturteile“. Angemeldet wurden ausschließlich die Wörter selbst, nicht ein bestimmtes Logo, eine Schriftart oder ein Farbschema. In den USA haben beide Anträge die formalen Mindestanforderungen erfüllt und wurden vom Amt angenommen, waren zum Zeitpunkt der Anmeldung aber noch keinem Prüfer zugewiesen. Eine eingereichte Markenanmeldung ist dabei nicht dasselbe wie eine erteilte Markeneintragung.
Was könnte die Harley-Davidson Low Bob werden?
Die Low Bob deutet am ehesten auf ein Modell der Softail-Familie hin. Der Name reiht sich eng in die bestehende Nomenklatur ein, zu der unter anderem die Low Rider S und die Street Bob gehören.
Die Street Bob bildet derzeit den Einstieg in die Softail-Reihe, auch wenn sie mit rund 1.923 Kubikzentimeter Hubraum und einem angegebenen Gewicht von etwa 293 Kilogramm (646 Pfund) kaum den üblichen Vorstellungen von einem Einsteigermotorrad entspricht. Denkbar wäre eine kleinere Variante der Street Bob, die Motor und möglicherweise auch den Rahmen des angekündigten Einstiegsmodells Sprint übernimmt und so als günstigerer Cruiser unterhalb der Low Rider S positioniert wird.
Anders interpretiert, steht die Low Bob für einen sportlicheren Auftritt. So käme sie als Nachfolgerin der Fat Bob 114 infrage, die zuletzt im Modelljahr 2023 angeboten wurde, oder als besonders minimalistisch gehaltene Version der Low Rider S. In diese Richtung passt auch die Idee einer entkleideten, betont reduzierten Interpretation der Low Rider, die als Ausgangsbasis für individuelle Umbauten dienen könnte. Harley-Davidson hat im Zubehör- und Customizing-Geschäft traditionell einen Schwerpunkt, und ein bewusst schlicht gehaltenes Modell böte dafür viel Spielraum.

Woher stammt der Name Deadwood?
Deadwood verweist auf eine Stadt im US-Bundesstaat South Dakota. Sie ist als National Historic Landmark eingestuft, bekannt für ihre erhaltene Architektur aus der Zeit des Goldrauschs und für ihre Verbindung zu Figuren des Wilden Westens wie Wyatt Earp, Calamity Jane und Wild Bill Hickok.
Für Harley-Davidson hat der Ort eine besondere Nähe zur eigenen Kultur: Deadwood liegt rund 22 Kilometer westlich von Sturgis, wo eines der größten und ältesten Motorradtreffen der Welt stattfindet. Den Namen selbst gab es im Harley-Umfeld bereits einmal, allerdings nicht als Modell. Für das Modelljahr 2021 bot das Unternehmen über mehrere Baureihen hinweg eine Lackierung namens Deadwood Green an, einen gedämpften, fast olivgrünen Farbton, der in klarlackierter und in matter Denim-Ausführung erhältlich war. Als Bezeichnung für ein komplettes Motorrad wurde Deadwood bislang nie verwendet.
Welches Modell könnte sich hinter Deadwood verbergen?
Anders als bei der Low Bob gibt es für Deadwood keinen offensichtlichen Bezug zu einem bestehenden Modell. Der historische, vom Wilden Westen geprägte Klang des Namens passt jedoch eher zu einem Cruiser als zu einem Tourer.
Naheliegend erscheint deshalb ein Modell aus der Softail-Reihe mit betont nostalgischem Charakter, etwa eine Heritage Classic mit zusätzlichen Retro-Details. Möglich wäre auch ein Auftritt als limitiertes Sondermodell im Stil der früheren Icon-Reihe, wobei diese Kollektion noch unter dem vorherigen Vorstandschef Jochen Zeitz entstand und offen ist, ob sein Nachfolger Artie Starrs sie fortführt. Nicht ausgeschlossen ist ferner ein Modell auf Basis der flüssigkeitsgekühlten Revolution-Max-Plattform. Da Harley-Davidson für das Modelljahr 2027 die Rückkehr einer luftgekühlten Sportster angekündigt hat, müsste die bisherige, wassergekühlte Sportster S künftig ohne klar abgegrenzten Platz im Programm auskommen. Deadwood könnte hier als neue Bezeichnung dienen. Als wenig wahrscheinlich gilt dagegen ein Tourenmodell, da Harley-Davidson seine Tourenpalette zuletzt auf Street Glide und Road Glide gestrafft hat. Für ergänzende Modelle käme eher die Wiederbelebung eines Namens wie Road King infrage. Ähnlich verhält es sich bei den dreirädrigen Modellen, wo ein Name wie Freewheeler naheliegender wäre.

Wie ordnet sich das in Harleys Strategie ein?
Die Markenanmeldungen fallen in eine Phase des Umbruchs bei Harley-Davidson. Wenige Tage nach den ersten Eintragungen stellte der neue Vorstandsvorsitzende Artie Starrs die überarbeitete Geschäftsstrategie unter dem Namen Back to the Bricks vor, die einen verstärkten Fokus auf Kernprodukte, Markengeschichte und Fahrkultur vorsieht.
Ein zentraler Baustein dieser Ausrichtung ist die Sprint, ein neues, günstiges Einstiegsmodell, das ursprünglich vom früheren Vorstandschef Jochen Zeitz vorgestellt wurde und einen Zielpreis von unter 6.000 US-Dollar (rund 5.150 Euro) erreichen sollte. Zeitz hatte angekündigt, dass die Sprint von weiteren hubraumschwächeren Modellen begleitet werde, darunter ein Einstiegs-Cruiser, und zugleich die Rückkehr eines klassischen Modells in Aussicht gestellt. In dieses Umfeld lassen sich die Namen Deadwood und Low Bob einordnen. Neue Modelle werden allerdings nicht vor dem Spätsommer 2026 erwartet. Im Mittelpunkt der für das Modelljahr 2027 geplanten Vorstellung dürfte zunächst die Sprint stehen. Deadwood und Low Bob könnten anschließend folgen, je nach Zeitplan zum Modelljahr 2027 oder erst 2028.

Häufige Fragen
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Was bedeuten die Markenanmeldungen Harley-Davidson Deadwood und Low Bob?
Die Anmeldungen sichern Harley-Davidson die Rechte an den beiden Modellnamen Deadwood und Low Bob. Sie gelten als frühes Indiz für mögliche neue Motorräder, sind aber keine Garantie, dass die Modelle tatsächlich in Serie gehen.
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Wann könnten die Harley-Davidson Deadwood und Low Bob erscheinen?
Neue Modelle werden nicht vor dem Spätsommer 2026 erwartet. Eine Markteinführung von Deadwood und Low Bob gilt je nach Zeitplan für das Modelljahr 2027 oder 2028 als möglich, bestätigt ist bislang keiner der beiden Termine.
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Was könnte die Harley-Davidson Low Bob für ein Motorrad sein?
Die Low Bob wird am ehesten in der Softail-Familie erwartet. Diskutiert werden ein günstigerer Einstiegs-Cruiser unterhalb der Low Rider S oder ein sportlich-minimalistisches Modell in der Tradition der ausgelaufenen Fat Bob 114.
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Woher kommt der Name Deadwood?
Deadwood ist eine als National Historic Landmark eingestufte Stadt in South Dakota, die für ihre Goldrausch-Geschichte bekannt ist. Sie liegt rund 22 Kilometer westlich von Sturgis, dem Austragungsort eines der größten Motorradtreffen der Welt.
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Bedeutet eine Markenanmeldung, dass ein Modell sicher kommt?
Nein. Eine eingereichte Markenanmeldung ist nicht dasselbe wie eine erteilte Eintragung und verpflichtet den Hersteller nicht, das Modell zu bauen. In den USA wurden beide Anträge zwar angenommen, waren zunächst aber noch keinem Prüfer zugewiesen.












