- Sieg mit 26,872 Sekunden Vorsprung vor Shaun Anderson
- Schnellste Rennrunde mit 113,028 mph (etwa 181,9 km/h) gleich zu Beginn
- Nur elf von mehr als dreißig gestarteten Fahrern erreichten das Ziel
Der Montagnachmittag auf der Isle of Man gehörte einem Fahrer, der auf dieser Strecke seit drei Jahrzehnten unterwegs ist. John McGuinness setzte sich im Historic-Senior-Rennen über drei Runden vom Start weg an die Spitze und gab die Führung bis zur Zielflagge nicht mehr ab. Für den 54-Jährigen aus Morecambe war es der vierte Erfolg in dieser Klasse und der erste Rennsieg überhaupt seit dem Classic TT 2019. Gestartet war das Rennen nach Angaben aus dem Fahrerlager um 12:30 Uhr Ortszeit, die Renndistanz betrug rund 113 Meilen (etwa 182 Kilometer).

Wie deutlich fiel der Sieg von John McGuinness aus?
McGuinness gewann mit 26,872 Sekunden Vorsprung auf Shaun Anderson. Schon nach der ersten von drei Runden lag er mehr als zwanzig Sekunden vorne, danach baute er den Abstand kontrolliert weiter aus.
Der Vorsprung wuchs Streckenabschnitt für Streckenabschnitt. Bei Glen Helen waren es 3,6 Sekunden, in Ballaugh bereits 7,6 Sekunden, am Ramsey Hairpin dann zwölf Sekunden. Am Ende der ersten Runde stand eine Zeit von 113,028 mph (etwa 181,9 km/h) auf der Tafel, die schnellste Runde des gesamten Rennens und das aus dem Stand heraus. Anderson kam auf 111,157 mph (etwa 178,9 km/h), Mike Browne auf 110,581 mph (etwa 178,0 km/h).
Auch die zweite Runde blieb auf hohem Niveau: 112,724 mph (etwa 181,4 km/h). Auf der Schlussrunde nahm McGuinness im zweiten Streckenteil sichtbar Tempo heraus, obwohl er zwischen Grandstand und Glen Helen noch die beste Sektorzeit setzte. Mit 112,283 mph (etwa 180,7 km/h) reichte es bequem. Nach Angaben des Veranstalters war es sein vierter Sieg in der Historic-Senior-Klasse. Laut Medienberichten handelt es sich zudem um seinen 27. Erfolg auf dem Mountain Course insgesamt, wobei in diese Zählung neben den 23 TT-Siegen auch die Erfolge beim Classic TT einfließen.
Wer gewann den Kampf um Platz zwei?
Shaun Anderson wurde Zweiter, obwohl Mike Browne kurz vor Schluss bereits an ihm vorbei war. Auf der letzten Bergabfahrt vom Mountain bekam Browne Probleme an seiner Norton und fiel zurück.
Der Zweikampf dahinter war deutlich enger als die Entscheidung an der Spitze. Anderson aus dem nordirischen Banbridge lag nach Runde eins klar vor Browne, doch der Ire arbeitete sich zurück. Ein starker Abschnitt zwischen Ballaugh und Ramsey brachte ihn auf eine halbe Sekunde heran, am Bungalow übernahm er Platz zwei mit hauchdünnen 0,124 Sekunden Vorsprung. Zu Beginn der Schlussrunde waren daraus 2,607 Sekunden geworden.
Dann kippte die Sache. Browne musste seine Norton ES2 über die letzten Kilometer schonen und verlor Zeit. Anderson drehte stattdessen die schnellste Runde seines Rennens mit 112,839 mph (etwa 181,6 km/h) und schnappte sich Platz zwei zurück. Browne kam als Dritter ins Ziel, 27,363 Sekunden hinter dem Sieger, und war damit der bestplatzierte Fahrer, der nicht auf einer Paton saß. Seine Schlussrunde fiel mit 110,098 mph (etwa 177,2 km/h) spürbar langsamer aus als die der beiden Fahrer vor ihm.

Warum kamen so wenige Fahrer ins Ziel?
Von den mehr als dreißig gestarteten Fahrern sahen nur elf die Zielflagge. Technische Defekte zogen sich durch alle drei Runden und trafen ausgerechnet die bekanntesten Namen im Feld.
Schon auf der ersten Runde war Jamie Coward mit der Norton von Craven Classic Racing an der Quarter Bridge draußen. Kurz darauf traf es Paul Jordan am Parliament Square, dort endete auch das Rennen von Joe Yeardsley. Michael Dunlop überquerte die Ziellinie nach Runde eins als Vierter und bog sofort an die Box ab, seine Royal Enfield war nicht mehr zu retten. Conor Cummins blieb an Windy Corner stehen. Dean Harrison, der die Norton von Chris Hughes Racing und Ted Woof fuhr, rückte durch Dunlops Ausfall zwar auf Rang vier vor, kam aber ebenfalls nur bis zur Quarter Bridge.
Auf der Schlussrunde riss die Serie nicht ab: Michael Sweeney, Michael Evans, Andy Hornby und Phil McGurk schieden aus. Der Australier David Johnson stürzte den Berichten zufolge bereits auf der ersten Runde bei Glen Helen und wurde mit dem Hubschrauber ins Noble’s Hospital gebracht, wo demnach der Verdacht auf Beinverletzungen bestand.
Hinter dem Podium blieb es dadurch in Bewegung. Barry Furber fuhr die Honda 500 von Martin Ireland Racing auf Platz vier. Will Loder wurde auf der Seeley Mk2 von Minnovation Racing Fünfter, nachdem Harley Rushton auf der Matchless bergab vom Mountain Zeit verloren hatte und auf Rang sechs zurückfiel. Ben Birchall, sonst im Seitenwagen unterwegs, wurde Siebter und war damit der erste Fahrer einer 350er im Ziel. Simon Collins, David Glover und Shelley Pike vervollständigten die besten zehn.
Was McGuinness nach dem Rennen sagte
Im Parc fermé sprach McGuinness vor allem über den Motor seiner Paton und über ein Problem, das ihn während der Fahrt beschäftigte. Der Ton war entsprechend erleichtert.
Er beschreibt, dass die Maschine im höchsten Gang am Begrenzer gelaufen sei und bergauf immer weiter gezogen habe: „The bike was flying, she was bouncing off the limiter in top [gear]. Up the mountain she was pulling and pulling – lovely!“ Auf Deutsch: „Das Motorrad flog nur so, es lief im höchsten Gang gegen den Begrenzer. Bergauf zog und zog es einfach weiter, herrlich!“
Ganz ohne Sorgen verlief der Ritt allerdings nicht. McGuinness berichtet von zu viel Spiel an der Kupplung, das er unterwegs selbst nachstellen musste: „I had a bit too much free play in the clutch; I was panicking. I was having to adjust it myself, a bit of on-the-road adjustments.“ Übersetzt: „Ich hatte etwas zu viel Spiel in der Kupplung und bin in Panik geraten. Ich musste das selbst nachstellen, ein paar Anpassungen während der Fahrt.“
Dass der Sieg nach so langer Zeit ausgerechnet in diesem Jahr kam, hat er im Ziel mit einem Seitenhieb auf sein Alter kommentiert: „I wish I was 24, not 50. But the bike’s never really missed a beat all week.“ Auf Deutsch: „Ich wünschte, ich wäre 24 und nicht 50. Aber das Motorrad hat die ganze Woche über praktisch nie gepatzt.“ Dem Team dankte er ausdrücklich, dabei nannte er Teamchef Roger Winfield beim Vornamen und verwies darauf, dass die Maschine in der Vergangenheit auch schon für Pech gesorgt habe.

Welche Rolle spielt die Paton für McGuinness?
Die Paton ist die Maschine, mit der McGuinness seine bisherigen Erfolge beim Classic TT geholt hat. Auch der Sieg von 2019 gelang ihm auf einem vergleichbaren Motorrad aus dem Team von Roger Winfield.
Paton ist ein italienischer Hersteller, dessen Rennmaschinen eng mit der Historic-Senior-Klasse verbunden sind. Die 500er aus dem Winfield-Rennstall hatte McGuinness bereits im Training an die Spitze der Zeitenliste gebracht, laut den Berichten dominierte er das Qualifying deutlich. Wie stark die Bauart in dieser Klasse ist, zeigte auch das Ergebnis: Die ersten beiden Plätze gingen an Paton-Fahrer, Browne auf der Norton war der beste Vertreter einer anderen Marke.
Die Beziehung zwischen Fahrer und Motorrad ist dabei nicht frei von Rückschlägen. McGuinness selbst spricht davon, dass die Maschine ihn mehrfach im Stich gelassen habe, ihm aber ebenso mehrere Siege eingebracht habe. Ein technisches Detail nannte er im Ziel fast beiläufig: Es sei das einzige Motorrad, auf dem er Gehörschutz trage, auf einem Superbike verzichte er darauf.
Das Rennen im Kontext des Classic TT 2026
Das Classic TT 2026 stand von Beginn an im Zeichen der dreißigjährigen Karriere von John McGuinness auf der Isle of Man, begleitet unter anderem von einer eigenen Ausstellung. Bereits am Samstag hatte er im Historic-Junior-Rennen als Dritter auf dem Podium gestanden, damals allerdings auf einer Honda und mit 99,232 mph (etwa 159,7 km/h) knapp unter der von ihm angepeilten 100-Meilen-Marke. Der Zeitplan der Veranstaltung war zuvor kurzfristig nach vorne gezogen worden.
Am selben Montagabend folgte das Junior-600-Rennen über zwei Runden, das Rob Hodson für sich entschied. Michael Dunlop trat dort nicht an. Abgeschlossen werden sollte das Classic TT 2026 am Dienstag mit dem Classic-Superbike-Rennen. Wie es für McGuinness bei der TT weitergeht, ist offen. Anfang des Jahres war er beim RST-Superbike-Rennen der Tourist Trophy Fünfter geworden, eine Entscheidung über seine sportliche Zukunft steht bislang aus.

Häufige Fragen
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Wer hat das Historic Senior Classic TT 2026 gewonnen?
John McGuinness hat das Historic-Senior-Rennen beim Classic TT 2026 gewonnen. Er fuhr die Paton 500 aus dem Team von Roger Winfield und siegte mit 26,872 Sekunden Vorsprung. Zweiter wurde Shaun Anderson, Dritter Mike Browne.
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Wie schnell war die schnellste Runde im Historic-Senior-Rennen?
Die schnellste Runde des Rennens lag bei 113,028 mph, das entspricht rund 181,9 km/h. Sie gelang John McGuinness gleich auf der ersten Runde aus dem stehenden Start heraus. Damit kam er nach eigener Aussage nah an seinen persönlichen Bestwert in dieser Klasse heran.
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Wann hat John McGuinness zuletzt ein Rennen gewonnen?
Vor diesem Sieg lag sein letzter Rennerfolg sieben Jahre zurück, nämlich beim Classic TT 2019. Auch damals saß er auf einer Paton. Insgesamt hat er 23 Siege bei der Tourist Trophy geholt.
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Warum sind beim Historic-Senior-Rennen so viele Fahrer ausgefallen?
Vor allem technische Probleme sorgten für eine hohe Ausfallquote, nur elf Fahrer erreichten das Ziel. Betroffen waren unter anderem Michael Dunlop, Dean Harrison, Jamie Coward und Conor Cummins. Der Veranstalter nannte keine Details zu den einzelnen Defekten.
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Was ist die Paton, mit der McGuinness gewonnen hat?
Die Paton ist eine Rennmaschine des italienischen Herstellers gleichen Namens, die eng mit der Historic-Senior-Klasse verbunden ist. McGuinness fährt eine von Roger Winfield vorbereitete 500er. Beim Classic TT 2026 belegten Paton-Fahrer die ersten beiden Plätze.












