- Wechsel zu Ducati für 2027 und 2028, offiziell seit dem 24. Juni 2026
- 13 Podestplätze, zwei Pole-Positions und drei schnellste Rennrunden in zweieinhalb MotoGP-Jahren, aber noch kein Grand-Prix-Sieg
- Erster Einsatz auf der Desmosedici beim Test in Valencia am 1. Dezember, zwei Tage nach dem Saisonfinale
Sechs Jahre KTM enden im Dezember. Was danach kommt, ist die größte Umstellung in der bisherigen Laufbahn von Pedro Acosta: ein italienisches Werksteam, eine neue Maschine und ein Teamkollege, an dem sich seit Jahren jeder Fahrer misst. In einem ausführlichen Interview, das er kurz nach der Sommerpause und vor dem Rennwochenende in Silverstone gab, redet der Spanier deutlich weniger über Rundenzeiten als über sich selbst. Über Erfolg, über Frust, über Distanz und darüber, warum er sich im Fahrerlager bewusst außen hält.

Warum hat Pedro Acosta keine Freunde im Fahrerlager?
Acosta hält bewusst Abstand zu den anderen Fahrern, weil er echte Nähe zu direkten Konkurrenten für unmöglich hält. Er beschreibt es als Vorteil und nicht als Verlust.
„I’ve never had friends in the paddock, and I’m glad that’s the case because, that way, I don’t have any qualms about overtaking anyone.“ Übersetzt: „Ich hatte nie Freunde im Fahrerlager, und ich bin froh darüber, denn so habe ich keine Bedenken, irgendjemanden zu überholen.“
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Auf die Frage, ob er sich als schwarzes Schaf der Familie fühle, antwortet er mit einem Vielleicht. Er versteht, dass die meisten Fahrer eng miteinander umgehen und dass man mit jedem ein Gespräch führen kann. Er hält es trotzdem für schwierig, ehrlich zu jemandem zu sein, der exakt denselben Traum verfolgt. Wer diesen Traum erreichen wolle, gehe sportlich gesehen über Leichen. Und wenn er selbst nicht ehrlich sein könne, gehe er lieber einen Schritt zurück und halte Abstand.
Er ordnet das auch historisch ein. Die großen Rivalitäten der Vergangenheit zwischen Rossi und Biaggi, zwischen Crivillé und Doohan oder zwischen Rossi und Marquez seien keine einfachen Beziehungen gewesen. Genau diese Schärfe fehle der MotoGP derzeit.
Warum verlässt Acosta KTM nach sechs Jahren?
Acosta ist mit KTM nicht vollständig im Reinen und sagt offen, dass ihm die Geduld ausgegangen ist. Er sieht keinen kurzfristigen Weg zu einer siegfähigen Maschine.
Er betont dabei, dass der Hersteller in jeder Phase seiner Laufbahn alles gegeben habe, was möglich war. KTM habe ihm den Moto3-Titel ermöglicht und alle Werkzeuge geliefert, um in der Moto2 zu gewinnen. Trotzdem sei er an einem Punkt angekommen, an dem er eine neue Herausforderung brauche. Er wolle nicht arrogant klingen, aber seit seiner Ankunft in der MotoGP sei er die erste KTM im Feld gewesen. Wäre die Aussicht auf ein konkurrenzfähiges Motorrad näher gewesen, wäre er womöglich geblieben.
„I’ve believed in this project for three years, and I’ve given it one opportunity after another. But I think I can go further, and that’s why I decided to leave.“ Übersetzt: „Ich habe drei Jahre an dieses Projekt geglaubt und ihm eine Chance nach der anderen gegeben. Aber ich denke, ich kann weiter kommen, und deshalb habe ich entschieden zu gehen.“
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Vermissen wird er nach eigener Aussage vor allem die Menschen. In den kleinen Klassen fuhr er unter dem Dach von Ajo Motorsport, faktisch aber im Werksteam von KTM.

Wie geht Acosta mit dem fehlenden MotoGP-Sieg um?
Acosta bezeichnet sich selbst nicht als erfolgreich, weil der erste Sieg in der Königsklasse fehlt. Den entscheidenden Anstoß, den Druck anders zu verteilen, gab ihm sein Trainer.
Im vergangenen Jahr sei der Umgang damit schwierig gewesen. Er habe geglaubt, dass es seine eigene Schuld sei, wenn er nicht gewinne. Wer etwas als eigene Verantwortung ansehe, werde diesen Stress noch schwerer los. Sein Trainer Carmelo Morales half ihm nach eigener Darstellung am meisten, das anders zu sehen. Morales habe einen anderen Blick auf den Rennsport und habe ihm klargemacht, dass es eine klare Begrenzung gebe. Das Problem sei gewesen, dass er vom Motorrad viel mehr verlangt habe, als es leisten konnte. Jedes Mal sei er dabei gestürzt.
Also lernte er, ein anderes Ergebnis zu akzeptieren. Ein fünfter Platz sei nicht schlecht, und wenn das Material passe, sei ein Podestplatz möglich. Genau darin sieht er den Grund, warum er in dieser Saison konstanter war, trotz der technischen Probleme in der ersten Saisonhälfte. In Silverstone wurde er Fünfter.
Was erwartet Acosta bei Ducati?
Acosta erwartet vor allem, dass Ausreden wegfallen. Genau das begrüßt er ausdrücklich.
Er sei niemand, der mit dem Finger auf andere zeige, um deutlich zu machen, dass etwas nicht seine Schuld sei. Im kommenden Jahr könne genau das eintreten: keine Ausreden mehr, und wenn es nicht laufe, sei es seine eigene Verantwortung. Das mache ihn sehr glücklich. Er sei ein sehr direkter Typ, auch sich selbst gegenüber, und er halte das für einen Gewinn für seine Laufbahn.
„I have no idea what I’m going to find in that garage, but I don’t feel any pressure. Marc is in the final stage of his career and I’m just starting mine.“ Übersetzt: „Ich habe keine Ahnung, was mich in dieser Box erwartet, aber ich spüre keinen Druck. Marc ist in der Endphase seiner Karriere, ich stehe erst am Anfang meiner eigenen.“
Marquez kenne jeden im Werk, während er selbst nach sechs Jahren bei KTM Zeit brauche, um sich an eine komplett italienische Box zu gewöhnen. Der Vertrag läuft über zwei Jahre, und Acosta plant den Einstieg in zwei Etappen: im ersten Jahr den Rhythmus finden, im zweiten Jahr sehen, was daraus wird. Dass Ducati ihm den Werksplatz gibt, obwohl der erste Sieg fehlt, bezeichnet er als etwas, wofür er sehr dankbar sei.
Er ist damit der erste Fahrer seit Jorge Lorenzo 2017, der direkt ins Ducati-Werksteam wechselt, ohne zuvor in einem Kundenteam der Marke gefahren zu sein. Selbst Marquez fuhr zunächst eine Saison bei Gresini. Auf den Vergleich mit Lorenzos Wechsel zu Yamaha 2008, als dort Valentino Rossi den Ton angab, reagiert Acosta offen. So habe er das nie betrachtet. Lorenzo sei damals der dominierende Fahrer der 250er gewesen, er selbst habe bereits drei Jahre MotoGP hinter sich. Erwartungen habe er keine. Er wolle am Dienstag nach Valencia ankommen und sehen, was möglich ist.

Wie blickt Acosta auf den Unfall in Montmeló zurück?
Acosta beschreibt den Unfall mit Alex Marquez als Erlebnis, an das er sich zunächst nur lückenhaft erinnern konnte. Heute hat er ein klares Bild und übt Kritik am Ablauf.
Unmittelbar danach sei nichts Gutes in ihm vorgegangen. Bei diesem Adrenalinpegel denke man nicht klar. In einen solchen Unfall sei er zuvor noch nie verwickelt gewesen, und auch nach dem Rennen habe er Teile des Geschehens vergessen gehabt.
Inzwischen sieht er den Ablauf kritisch. Das Rennen zweimal neu zu starten sei wahrscheinlich nicht die klügste Entscheidung gewesen, weil danach der Unfall mit Johann Zarco, Francesco Bagnaia und weiteren Fahrern folgte. Nach zwei roten Flaggen sei es leicht, die Konzentration zu verlieren. Die Show müsse weitergehen, aber ohne Fahrer gebe es keine Show.
Angst auf der Strecke kennt er nach eigener Aussage nicht. Große Insekten machen ihm Angst, Stürze nicht. Wer seit der Kindheit Rennen fahre, für den sei das Motorradfahren etwas Natürliches, und ein Sturz gehöre zum Spiel. Nach schweren Stürzen habe er nie daran gezweifelt, am nächsten Tag wieder aufzusteigen.
Ein Werksfahrer ohne Supersportwagen
Von Acosta gibt es keine Bilder mit Luxusautos oder auf einer Yacht. Er sagt, er wolle zeigen, wer er wirklich ist, und es sei leicht, sich mitreißen zu lassen. Zu Hause lasse ihm ohnehin niemand die Gelegenheit dazu, abzuheben.
Einen kleinen Luxus gesteht er sich zu. Im vergangenen Jahr kaufte er ein Wohnmobil und verbringt seither viel Zeit damit, herumzufahren und an Seen zu übernachten. Von seinem ersten Gehalt hatte er sich einen Transporter für das Training gekauft und darin auf den Sitzen geschlafen, bis er in Barcelona beinahe erfror. Danach entschied er sich für etwas mehr Komfort.
Auch der Sommerurlaub passt ins Bild. Es waren nach seiner Aussage die ersten richtigen Ferien seines Lebens. Er reiste in die USA, besuchte ein NASCAR-Rennen und strich damit einen Punkt von seiner Liste.

Wo Acosta in der Saison 2026 steht
Acosta liegt derzeit auf Rang sieben der Fahrerwertung. Der Rückstand auf Tabellenführer Jorge Martin beträgt 77 Punkte, auf Marquez als Vierten 37 Punkte.
Innerhalb der Marke ist der Abstand deutlich: Acosta hat fast doppelt so viele Punkte wie der nächstbeste KTM-Fahrer Enea Bastianini. Vor Marquez und Ducati liegen mit Martin, Marco Bezzecchi und Ai Ogura drei Aprilia-Fahrer. Einen Grand-Prix-Sieg hat Acosta bislang nicht, er zählt zu nur vier Stammfahrern der Klasse ohne einen solchen Erfolg. Beim Saisonauftakt in Buriram gewann er allerdings seinen ersten Sprint.
Damit steht die Saison 2026 für ihn zwischen zwei Kapiteln. Sie ist zugleich das Ende der sechsjährigen KTM-Zeit und der Anlauf auf eine neue Ära, denn 2027 startet die MotoGP mit 850 Kubikzentimetern und Pirelli-Reifen. Ducati hat die vergangenen fünf Fahrertitel gewonnen.
Zur Entwicklung der Serie hin zu einem Event-Format nach dem Vorbild der Formel 1 äußert sich Acosta zustimmend. Die Fans hätten offenbar Freude daran, und die Fahrer nähmen an deutlich mehr Veranstaltungen teil. Er erinnert daran, dass man in Spanien vor zehn oder zwölf Jahren sonntagmorgens in eine Bar gehen konnte und dort die MotoGP im Fernsehen lief. Das sei heute seltener. Wenn solche Maßnahmen der Serie wieder zu Wachstum verhelfen, halte er das für gut.
Den Fahrern, die den umgekehrten Weg gehen, gibt er keine Ratschläge mit. Alex Marquez und Fabio Di Giannantonio wechseln zu KTM, und Acosta will, dass sie es selbst herausfinden. Sie würden mit außergewöhnlichen Leuten arbeiten. Er selbst habe in seinen ersten drei MotoGP-Jahren unter anderem mit Dani Pedrosa zusammengearbeitet, was ihm etwa beim Reifenmanagement geholfen habe. KTM wachse wieder.

➜ Dieser Artikel ist Teil unserer umfassenden Übersicht: MotoGP-Saison 2026: Der komplette Überblick – Teams, Fahrer, Kalender & WM-Stand. Dort findest du alle wichtigen Informationen zum Thema gebündelt.
Häufige Fragen
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Wann fährt Pedro Acosta zum ersten Mal die Ducati?
Der erste Einsatz ist für den 1. Dezember beim Test in Valencia geplant. Der Termin liegt zwei Tage nach dem Saisonfinale 2026 und markiert damit auch das Ende der Zusammenarbeit mit KTM.
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Wie lange läuft der Ducati-Vertrag von Pedro Acosta?
Der Vertrag umfasst die Saisons 2027 und 2028 und wurde am 24. Juni 2026 offiziell bekannt gegeben. Acosta plant den Einstieg in zwei Phasen: Eingewöhnung im ersten Jahr, Bewertung im zweiten.
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Warum hat Pedro Acosta KTM verlassen?
Nach eigener Darstellung ist ihm die Geduld ausgegangen. Er hat drei Jahre an das Projekt geglaubt, sieht aber keine kurzfristige Aussicht auf ein siegfähiges Motorrad und wollte eine neue Herausforderung.
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Was sagt das Pedro Acosta Interview über sein Verhältnis zu den anderen Fahrern?
Acosta hält im Fahrerlager bewusst Abstand und sagt, er habe dort nie Freunde gehabt. Er begründet das damit, dass eine ehrliche Beziehung zu jemandem, der denselben Traum verfolgt, kaum möglich sei.
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Wie viele Podestplätze hat Pedro Acosta in der MotoGP?
In zweieinhalb Jahren in der Königsklasse stehen 13 Podestplätze, zwei Pole-Positions und drei schnellste Rennrunden zu Buche. Ein Grand-Prix-Sieg fehlt bislang, beim Auftakt 2026 in Buriram gewann er aber seinen ersten Sprint.












