- Produktionsstopp seit dem 28. Juli 2026, Wiederanlauf der Endmontage am 24. August
- Kumamoto ist Hondas größtes Motorradwerk im eigenen Land, dort entstehen unter anderem die Gold Wing, die Super Cub und die CBR600RR
- Der Hochlauf erfolgt schrittweise, eine volle Auslastung hat Honda bislang nicht bestätigt
Ein Erdbeben in der Präfektur Kumamoto hat Ende Juli große Teile der japanischen Fahrzeugindustrie lahmgelegt. Betroffen war auch Honda, und zwar an mehreren Standorten gleichzeitig. Am härtesten traf es das Werk Kumamoto, das dem Erdbebenzentrum von allen betroffenen Fabriken am nächsten lag. Dort stand die Fertigung vier Wochen lang still. Inzwischen laufen die Bänder wieder, allerdings nicht sofort mit voller Kraft.

Seit wann läuft die Produktion in Kumamoto wieder?
Honda fertigt seit Montag, dem 24. August, wieder komplette Fahrzeuge in Kumamoto. Angekündigt hatte der Konzern das vier Tage vorher, am 20. August.
In der Mitteilung heißt es: “Now that the factory is nearing completion, Honda will resume finished vehicle production from Monday, the 24th. Going forward, we will continue to prioritize the safety of our employees and work in cooperation with all relevant parties to ensure a stable supply of our products.” Auf Deutsch: „Da das Werk kurz vor der Fertigstellung steht, nimmt Honda die Produktion von Fertigfahrzeugen ab Montag, dem 24., wieder auf. Wir werden auch weiterhin die Sicherheit unserer Mitarbeiter an erste Stelle setzen und mit allen Beteiligten zusammenarbeiten, um eine stabile Versorgung mit unseren Produkten sicherzustellen.“
Ganz still stand das Werk allerdings nicht die gesamte Zeit. Ursprünglich sollte die Fabrik bis zum 7. August geschlossen bleiben. Bereits am 5. August nahm Honda dort einzelne Abläufe wieder auf und erklärte damals: “We will continue to gradually resume production and aim to return to normal operations as soon as possible.” Übersetzt: „Wir werden die Produktion weiter schrittweise hochfahren und wollen so schnell wie möglich zum Normalbetrieb zurückkehren.“ Die Endmontage kompletter Motorräder folgte dann erst gut zwei Wochen später.
Welche Motorräder werden in Kumamoto gebaut?
In Kumamoto entstehen einige der bekanntesten Honda-Modelle, darunter die Gold Wing, die CBR600RR, die X-ADV und die Super Cub. Das Werk fertigt ausschließlich Motorräder und sogenannte Power Products, also motorisierte Geräte wie Generatoren oder Rasenmäher, aber keine Autos.
Die genauen Modelllisten gehen in den vorliegenden Berichten auseinander. Genannt werden neben den oben aufgeführten Modellen unter anderem auch die CRF450R, die GB350, die Africa Twin, die CB1100, die CBR1000RR, die Rebel 500, die CBR250RR sowie die Roller Giorno und Tact. Einzelne Berichte gehen so weit zu schätzen, dass rund die Hälfte des aktuellen Honda-Zweiradprogramms aus Kumamoto stammt. Diese Einschätzung stammt nicht von Honda selbst und lässt sich anhand der vorliegenden Angaben nicht überprüfen.
Das Werk liegt in Ozu im Bezirk Kikuchi, nordöstlich der Stadt Kumamoto. Es ging 1976 in Betrieb und war damals Hondas vierter Produktionsstandort in Japan. Bis heute ist es der größte Zweiradstandort des Konzerns im eigenen Land. Zur Belegschaft gibt es keine offizielle Zahl. Ein japanischer Branchendienst geht von 2.000 bis 3.000 Beschäftigten aus.

Was war am 28. Juli passiert?
Am 28. Juli 2026 erschütterte ein schweres Erdbeben die Präfektur Kumamoto auf der südjapanischen Insel Kyushu. Die Erschütterung dauerte nach vorliegenden Angaben rund 16 Sekunden.
Bei der Stärke weichen die Angaben voneinander ab. Die meisten Berichte nennen eine Magnitude von 6,8, einzelne Wirtschaftsmedien geben unter Berufung auf die japanische Wetterbehörde 7,1 an. Auch die Opferzahl hat sich im Lauf der Zeit verändert. Anfang August war von mindestens 13 Toten die Rede, spätere Berichte sprechen von 39 Todesopfern. Dazu kamen beschädigte Gebäude, unterbrochene Stromversorgung und gestörte Transportwege auf der gesamten Insel.
In den Fabriken selbst kam nach Angaben der vier betroffenen Hersteller niemand zu Schaden. Anders sah es beim Zulieferer Astemo im Ort Uki aus, der zur Honda-Gruppe gehört. Dort wurden laut einer japanischen Fachzeitung drei Beschäftigte verletzt, allerdings nicht schwer. Honda stoppte die Fertigung in Kumamoto unmittelbar nach dem Beben, um Gebäude und Anlagen zu prüfen und Schäden zu beheben. Wie stark das Werk tatsächlich getroffen wurde, hat der Konzern nicht im Detail mitgeteilt.
Warum standen auch Hondas Autowerke still?
Die Autowerke stoppten nicht wegen eigener Schäden, sondern weil Teile fehlten. Das Astemo-Werk in Uki wurde schwer beschädigt, und darüber lief die Versorgung mehrerer Honda-Standorte.
Betroffen waren das Werk Saitama mit dem Automobilwerk Yorii, wo unter anderem Civic, Civic Type R, ZR-V und Prelude gebaut werden, dazu ein Motorenwerk, ferner das Werk Suzuka sowie das Werk Yokkaichi von Honda Auto Body. Diese drei Standorte blieben bis mindestens zum 19. August geschlossen. Die Pause fiel teilweise mit den ohnehin geplanten Sommerferien zusammen. Inzwischen läuft die Fertigung an allen drei Standorten wieder.
Der Fall zeigt einen Punkt, der über Honda hinausgeht. Die Montagewerke selbst lagen weit vom Epizentrum entfernt und meldeten keine schweren Schäden. Stillgestanden haben sie trotzdem, weil ein einziger wichtiger Zulieferer ausfiel.

Wie stark traf das Beben die übrige Industrie?
Neben Honda mussten auch Toyota, Nissan und Mitsubishi Werke schließen. Kyushu ist zugleich ein Zentrum der japanischen Halbleiterfertigung, sodass das Beben gleich zwei Lieferketten auf einmal traf.
Toyota unterbrach die Arbeit in seinen Werken Miyata, Kanda und Kokura, zunächst nur für einen Tag, dann bis Ende Juli und schließlich bis zum 5. August. Nissan setzte die Fertigung in seinen beiden Kyushu-Werken ab dem 31. Juli teilweise aus, weil Zulieferer und Transportwege gestört waren. Der Ausfall kostete Nissan nach Branchenangaben rund 5.000 Fahrzeuge. Mitsubishi stoppte Teile der Produktion im Werk Okayama.
Bei den Chipherstellern traf es das Werk von Japan Advanced Semiconductor Manufacturing, der japanischen Tochter von TSMC, sowie Standorte von Sony und Renesas. Bei Renesas fielen Deckenplatten herunter, es gab Risse in Wänden und Wassereinbrüche. Der Verband der japanischen Automobilhersteller meldete sich am 29. Juli zu Wort. Sein Vorsitzender Koji Sato sprach davon, dass auch die Fahrzeugindustrie erheblich betroffen sei und viele Kollegen bei Händlern und Zulieferern Schäden erlitten hätten. Er kündigte an, die gesamte Branche werde gemeinsam reagieren, um die Sicherheit der 5,5 Millionen Menschen zu gewährleisten, die in Japan an der Fahrzeugindustrie hängen.
Was bedeutet der Neustart für Motorradkäufer?
Kurzfristig ändert sich wenig, denn Honda fährt die Produktion bewusst langsam hoch. Ob und wann Lieferungen in Europa spürbar verspätet ankommen, hat der Konzern nicht mitgeteilt.
Der Wiederanlauf erfolgt schrittweise. Damit will Honda zum einen die Sicherheit der Beschäftigten im Blick behalten, zum anderen prüfen, ob die Montagelinie und die Zulieferungen aus der Region wieder stabil laufen. Auch viele lokale Zulieferer waren vom Beben betroffen. Der Konzern hat bislang nicht bestätigt, dass das Werk seine volle Kapazität wieder erreicht hat. Von einer kompletten Normalisierung lässt sich deshalb noch nicht sprechen. Erklärtes Ziel ist es, die Produktionsmengen nach und nach anzuheben und Lieferverzögerungen für den japanischen Markt wie für das Ausland so gering wie möglich zu halten.
Für Honda ist Kumamoto ein neuralgischer Punkt im weltweiten Produktionsnetz. Fällt dieser Standort aus, betrifft das nicht nur Japan, sondern über kurz oder lang auch die Modellverfügbarkeit in Europa. Genau deshalb hat der Neustart eine Bedeutung, die über eine reine Werksmeldung hinausgeht.
Häufige Fragen
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Wann hat Honda Kumamoto die Produktion wieder aufgenommen?
Die Fertigung kompletter Fahrzeuge läuft seit Montag, dem 24. August 2026. Angekündigt hatte Honda den Schritt am 20. August. Bereits am 5. August waren einzelne Abläufe im Werk wieder angelaufen.
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Warum stand das Werk Honda Kumamoto still?
Auslöser war ein schweres Erdbeben in der Präfektur Kumamoto am 28. Juli 2026. Honda stoppte die Produktion unmittelbar danach, um Gebäude und Anlagen zu prüfen und Schäden zu beheben. Wie groß die Schäden im Werk genau waren, hat der Konzern nicht mitgeteilt.
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Welche Modelle baut Honda in Kumamoto?
Zu den dort gefertigten Modellen zählen die Gold Wing, die CBR600RR, die X-ADV, die Super Cub und die CRF450R. Je nach Quelle werden zusätzlich Modelle wie die GB350, die Africa Twin oder die Rebel 500 genannt. Das Werk baut außerdem Power Products, aber keine Autos.
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Wie stark war das Erdbeben in Kumamoto?
Die meisten Berichte nennen eine Magnitude von 6,8, einzelne Medien geben unter Berufung auf die japanische Wetterbehörde 7,1 an. Das Beben dauerte rund 16 Sekunden. Frühe Meldungen sprachen von mindestens 13 Toten, spätere Berichte von 39 Todesopfern.
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Sind auch andere Honda-Werke betroffen gewesen?
Ja, die Standorte Saitama, Suzuka und Yokkaichi mussten ebenfalls pausieren. Grund waren dort keine eigenen Schäden, sondern fehlende Teile nach der Beschädigung des Zulieferwerks Astemo in Uki. Alle drei Werke produzieren inzwischen wieder.












