- McGuinness startet 2026 zum 30. Mal bei der Tourist Trophy auf der Isle of Man
- Der 23-fache TT-Sieger deutet an, nach der Senior-TT über ein Karriereende nachzudenken
- Honda stellt ihm die Entscheidung frei und sichert ihm volle Unterstützung zu
Mit 23 Siegen ist John McGuinness der dritterfolgreichste Fahrer in der über hundertjährigen Geschichte der Tourist Trophy. Nur Michael Dunlop mit 33 und der verstorbene Joey Dunlop mit 26 Siegen stehen in der ewigen Bestenliste vor ihm. Dass der Engländer auch 2026 noch mit Werksmaterial von Honda auf der Isle of Man antritt, ist alles andere als selbstverständlich. Denn die Rücktrittsfrage begleitet McGuinness seit Jahren, und dieses Mal klingt sie konkreter als je zuvor.

Warum könnte die TT 2026 McGuinness’ letzte sein?
Der Honda-Werkspilot hat in den vergangenen Wochen mehrfach angedeutet, dass das Ende seiner aktiven Karriere nahe sein könnte. Bei einem speziellen TT Podcast Live Event anlässlich seines 30-jährigen Jubiläums sagte McGuinness: „I can’t carry on forever. I don’t know when I should stop, what I should do, but hopefully I’ll know that time when to hang the boots up.“ („Ich kann nicht ewig weitermachen. Ich weiß nicht, wann ich aufhören sollte, was ich tun sollte, aber hoffentlich werde ich den richtigen Zeitpunkt erkennen, um die Stiefel an den Nagel zu hängen.“)
Die Entscheidung soll spätestens nach der Senior-TT fallen, dem traditionellen Abschlussrennen über sechs Runden auf dem 60,7 Kilometer langen Mountain Course. McGuinness formulierte das so: „I’m going to carry on this year, and then after the Senior, I’ll have a look at myself in the mirror and maybe decide to stop, or maybe carry on.“ („Ich mache dieses Jahr weiter, und nach der Senior-TT werde ich mich im Spiegel anschauen und vielleicht entscheiden aufzuhören, oder vielleicht weiterzumachen.“)
Was treibt McGuinness mit 54 Jahren noch an?
Trotz seines Alters gehört McGuinness weiterhin zu den schnellsten Fahrern auf dem Mountain Course. 2025 fuhr er im Superbike-Rennen auf Platz sieben, im Jahr davor wurde er Fünfter in der Senior-TT. Seine Rundenzeiten liegen nach wie vor über der magischen Marke von 130 Meilen pro Stunde, die er 2007 als erster Mensch überhaupt durchbrochen hatte. Bei einem kürzlichen Test in Donington stellte er sogar eine persönliche Bestzeit auf.
Im Interview mit Crash.net erklärte McGuinness, dass seine Motivation sich über die Jahre verändert hat. „I don’t get upset that I can’t win anymore. Ten years ago, I’d have been sulking not to win. But now I’m alright; I love just being on the track.“ („Es stört mich nicht mehr, dass ich nicht mehr gewinnen kann. Vor zehn Jahren hätte ich geschmollt, wenn ich nicht gewonnen hätte. Aber jetzt ist das in Ordnung. Ich liebe es einfach, auf der Strecke zu sein.“)
Kleine Dinge halten die Begeisterung am Leben. McGuinness beschrieb, wie er immer noch am Ende der Einfahrt auf den UPS-Transporter mit seiner neuen Alpinestars-Lederkombi warte, obwohl er in seiner Karriere schon unzählige Kombis getragen habe. Die Arbeit mit seinem Sohn Ewan, der als Mechaniker im Team mitarbeitet, und die Zusammenarbeit mit Teamkollege Dean Harrison geben ihm zusätzliche Motivation.

Wie hat sich McGuinness’ Rolle bei Honda verändert?
McGuinness räumte ein, dass sich sein Aufgabenbereich im Team verschoben hat. Die Speerspitze im Kampf um Siege ist inzwischen Dean Harrison, der 2025 zwei Superstock-TT-Rennen gewonnen hat. McGuinness selbst übernimmt zunehmend die Rolle eines Markenbotschafters. Er sprach darüber, dass er Harrison beim Gewinnen unterstützen wolle und die Arbeit im Team auch abseits der reinen Rennleistung genieße.
Bemerkenswert ist die Freiheit, die Honda seinem dienstältesten Fahrer einräumt. McGuinness berichtete, sein Teamchef Scott Hargreaves habe ihm gesagt: „If you want to stop, stop, and if you want to stop in the middle of the race, stop.“ („Wenn du aufhören willst, hör auf, und wenn du mitten im Rennen aufhören willst, hör auf.“) Honda habe ihm sogar angeboten, das Rennen vor einem Pub an der Strecke zu beenden und dort gemeinsam ein Bier zu trinken. Eine solche Haltung eines Werksteams gegenüber einem Fahrer ist ungewöhnlich und zeigt, welchen Stellenwert McGuinness bei Honda genießt.
Vom Schuleschwänzer zur TT-Legende: McGuinness’ Weg
Die Geschichte von John McGuinness auf der Isle of Man begann lange vor seinem ersten Rennstart. Als Elfjähriger schwänzte er die Schule, schnappte sich sein BMX, bestieg eine Fähre der Steam Packet Company und fuhr auf die Insel, um die TT zu sehen. Von diesem Moment an war klar, dass der Mountain Course sein Leben prägen würde.
McGuinness lernte zunächst den Beruf des Maurers als Absicherung, verfolgte aber konsequent seinen Traum, professioneller Rennfahrer zu werden. 1996 debütierte er bei der TT, bereits 1997 stand er erstmals auf dem Podium im Lightweight-Rennen. 1999 folgte der erste Sieg in derselben Klasse. Über die Jahrzehnte gewann er in nahezu jeder Kategorie: Lightweight 250, Singles, Lightweight 400, Supersport, Superstock, Superbike und sogar in der elektrischen TT-Zero-Klasse.
Sein 23. und bisher letzter Sieg gelang ihm 2015 in der Senior-TT. Obwohl dieser Triumph inzwischen ein Jahrzehnt zurückliegt, gehört McGuinness’ Name nach wie vor zu den ersten, die Fans auf der Startliste suchen.

Was macht die 130-mph-Runde von 2007 so besonders?
Der ikonischste Moment in McGuinness’ Karriere war nicht einer seiner Siege, sondern eine einzelne Runde. 2007, ausgerechnet im Jahr des 100-jährigen Jubiläums der TT, durchbrach er als erster Mensch die Marke von 130 Meilen pro Stunde (rund 209 km/h) im Rundenschnitt auf dem 60,7 Kilometer langen Kurs. Der legendäre Motorsportkommentator Murray Walker empfing ihn im Ziel.
Die offizielle TT-Website ordnet diese Leistung mit einem bemerkenswerten Vergleich ein: Mehr Menschen sind ins Weltall gereist als den Mountain Course mit einem Schnitt von 130 mph umrundet haben. Der sogenannte „130 Club“ gehört zu den exklusivsten Auszeichnungen im Motorsport. Bei der Classic TT 2026, die vom 17. bis 28. August stattfinden soll, wird McGuinness diesen historischen Moment nachstellen. Geplant ist eine Parade-Runde auf derselben Maschine und in derselben Lederkombi, demselben Helm und denselben Handschuhen, die er 2007 trug. Darüber hinaus wird eine Ausstellung seine dreißigjährige Karriere mit Motorrädern, Memorabilia und Erinnerungsstücken würdigen.
Was passierte beim North West 200?
Vor der TT stand 2026 auch der North West 200 auf McGuinness’ Programm. Dort hätte er seinen 100. Rennstart bei dem Dreieckrennen zwischen den nordirischen Städten Portstewart, Coleraine und Portrush feiern sollen. Daraus wurde allerdings nichts: Nach dem tödlichen Unfall des tschechischen Fahrers Kamil Holan am Donnerstag wurden sämtliche Läufe abgesagt. McGuinness bleibt damit bei 99 Starts beim North West 200.
2017 hatte McGuinness beim North West 200 eine schwere Beinverletzung erlitten, die seine Karriere beinahe beendet hätte. Er konnte erst 2019 bei der TT zurückkehren, allerdings auf einer Norton, was sich als sportliches Desaster erwies. Die COVID-Pandemie erzwang anschließend eine weitere Zwangspause, bis 2022 die Rückkehr zu Honda gelang und McGuinness seinen 100. TT-Start feiern konnte.

Welche Rennen fährt McGuinness bei der TT 2026?
McGuinness startet 2026 in drei Klassen: Superbike, Superstock und der Senior-TT. Die Trainingswoche beginnt am Montag, dem 25. Mai. Die Superbike-TT ist für den 31. Mai angesetzt, das Superstock-Rennen findet am 30. Mai und 3. Juni statt (in zwei Läufen), und die Senior-TT bildet am 6. Juni den traditionellen Abschluss.
Als persönliches Ziel nannte McGuinness gegenüber Crash.net: „Four top six finishes. Come home in one piece. And then the cherry on top would be a rostrum.“ („Vier Top-Sechs-Platzierungen. In einem Stück nach Hause kommen. Und dann wäre ein Podiumsplatz das Sahnehäubchen.“) Ein weiterer Podiumsplatz wäre nach seiner Einschätzung der krönende Abschluss.
McGuinness über verlorene Freunde und den Preis des Sports
Bei allem sportlichen Stolz vergisst McGuinness nicht die dunkle Seite des Straßenrennsports. Bei der TT Podcast Live Veranstaltung sprach er über die Freunde, die er im Laufe der Jahre verloren hat, und gedachte insbesondere Paul Bird, seinem ersten Förderer, der vor einigen Jahren verstorben ist. McGuinness sagte: „I’ve lost a lot of friends through it, and I’ll never ever forget them.“ („Ich habe viele Freunde dabei verloren, und ich werde sie niemals vergessen.“)
Er beschrieb seine Karriere als eine Reise, die weit über den reinen Rennsport hinausgeht. Der Junge aus Morecambe, der Maurer gelernt hat und von einer Karriere als Rennfahrer träumte, hat seine Chancen genutzt und nie wieder losgelassen. McGuinness bezeichnete sich selbst als einen einfachen Jungen aus dem Norden und sagte, er sei zutiefst demütig angesichts dessen, was er erreicht habe.

Wie geht es nach der TT 2026 weiter?
Sollte McGuinness seinen Helm tatsächlich an den Nagel hängen, könnte er sich vorstellen, dem Sport weiterhin in irgendeiner Form verbunden zu bleiben. Laut SpeedWeek deutete er das bei einer von Horst Saiger organisierten Veranstaltung mit dem Titel „Ein Abend mit John McGuinness“ an. Die Rolle als Markenbotschafter für Honda, die er bereits jetzt zunehmend ausfüllt, könnte dabei eine Option sein.
Fest steht, dass die Classic TT im August 2026 McGuinness unabhängig von seiner Entscheidung als Rennfahrer feiern wird. Und selbst wenn die Senior-TT am 6. Juni sein letztes Rennen sein sollte, hat der 54-Jährige längst einen festen Platz in der Geschichte des Motorsports eingenommen. Als dritterfolgreichster TT-Fahrer aller Zeiten, als erster Mensch, der den Mountain Course mit über 130 mph umrundete, und als ein Fahrer, der drei Jahrzehnte lang Generationen von Fans begeistert hat.
McGuinness selbst brachte es auf den Punkt: „It’s not too far away, let’s put it that way. It would be lovely to cross the line at the Senior and go, ‘That was great, finished sixth, done’.“ („Es ist nicht mehr weit weg, sagen wir es mal so. Es wäre schön, die Ziellinie bei der Senior-TT zu überqueren und zu sagen: ‘Das war großartig, Sechster geworden, fertig.’“)

➜ Dieser Artikel ist Teil unserer umfassenden Übersicht: Isle of Man TT 2026: Der komplette Überblick – Zeitplan, Fahrer, Teams & Ergebnisse. Dort findest du alle wichtigen Informationen zum Thema gebündelt.
Häufige Fragen
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Wann fährt John McGuinness bei der TT 2026?
McGuinness startet in drei Klassen bei der TT 2026: Superbike, Superstock und der Senior-TT. Die Trainingswoche beginnt am 25. Mai, die Senior-TT als Abschlussrennen findet am 6. Juni statt.
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Wie viele TT-Siege hat John McGuinness?
John McGuinness hat 23 Siege bei der Tourist Trophy errungen. Damit ist er der dritterfolgreichste Fahrer in der Geschichte der TT, hinter Michael Dunlop (33 Siege) und Joey Dunlop (26 Siege). Sein letzter Sieg gelang ihm 2015 in der Senior-TT.
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Hört John McGuinness nach der TT 2026 auf?
McGuinness hat angekündigt, nach der Senior-TT 2026 über seine Zukunft zu entscheiden. Er selbst sagte, er werde sich nach dem Rennen „im Spiegel anschauen“ und dann entscheiden, ob er aufhört oder weitermacht. Eine endgültige Entscheidung steht noch aus.
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Was war die 130-mph-Runde von John McGuinness?
2007, im Jahr des 100-jährigen Jubiläums der TT, durchbrach McGuinness als erster Mensch die Marke von 130 Meilen pro Stunde im Rundenschnitt auf dem Snaefell Mountain Course. Dieser Moment gilt als einer der bedeutendsten in der Geschichte der Tourist Trophy und wird bei der Classic TT 2026 mit einer Parade-Runde gefeiert.
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Für welches Team fährt John McGuinness 2026?
McGuinness fährt 2026 wie in den Vorjahren für Honda Racing UK. Sein Teamkollege ist Dean Harrison, der inzwischen die Speerspitze des Teams im Kampf um Siege bildet. McGuinness’ Rolle hat sich zunehmend in Richtung Markenbotschafter verschoben.











