- Dean Harrison fährt drei Runden und erreicht 133,9 mph auf seinem Hybrid-Konzept aus Superbike-Motor und Superstock-Chassis
- Michael Dunlop geht auf der neuen Honda Superbike raus, kommt sofort zurück und lässt die Federvorspannung anpassen
- Josh Brookes erreicht 130,1 mph auf dem Superstock-Bike und wird mit 196 mph am Sulby im Speed Trap gemessen
Das erste zeitlich gewertete Qualifying der Isle of Man TT 2026 fand am Dienstagabend bei Rekordhitze und nahezu windstillen Bedingungen statt. Am Montagabend hatte ein Vorfall am Parliament Square, bei dem Zuschauer verletzt wurden, zum Abbruch des Trainings geführt. Das geplante Qualifying fiel aus. Für die Superbike- und Superstock-Fahrer war die Session am Dienstag ab 18:30 Uhr Ortszeit daher die erste Gelegenheit, eine gewertete Runde auf dem 60,7 Kilometer langen Mountain Course zu drehen. Dean Harrison nutzte das am konsequentesten und setzte sich mit deutlichem Vorsprung an die Spitze.

Warum war das erste Qualifying der TT 2026 so besonders?
Die Session am Dienstagabend bot Bedingungen, wie sie am Mountain Course selten vorkommen. Laut Veranstalter war es der heißeste Mai-Tag seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Vereinigten Königreich. Selbst an der Streckenpassage Windy Corner, die ihren Namen dem sonst konstanten Wind verdankt, herrschte Windstille. Für die Fahrer bedeutete das einerseits optimale Verhältnisse, andererseits stellte die Hitze eine zusätzliche körperliche Belastung dar.
Mehrere Fahrer berichteten, dass sie sich mit Ventilatoren und feuchten Tüchern kühlten, bevor sie auf die Strecke gingen. Ein Verkehrsunfall auf der öffentlichen Straße sorgte zudem für eine Verzögerung des Sessionstarts. Trotzdem nutzten die meisten Piloten die Zeit intensiv, da vor der Rennwoche nur noch begrenzt Qualifying-Sessions zur Verfügung stehen.
Was macht Dean Harrisons Hybrid-Konzept so besonders?
Dean Harrison fuhr mit einem Hybrid-Aufbau: einem Superbike-Motor mit Superbike-Bremsen, eingebaut in ein Superstock-Chassis. Dieses Konzept hatte sein Crew Chief Scott Harper entwickelt. Im Interview erklärte Harper, man habe schlicht die besten Komponenten des Superbikes in das Superstock-Chassis übernommen, weil das Gesamtpaket dort besser funktioniere. Harrison gewann damit bereits 2025 zwei Superstock-Rennen auf der Insel.
Harrison startete als Nummer drei und fuhr als einziger Pilot drei komplette Runden. Sein stehender Start brachte bereits 132,2 mph. In der zweiten, fliegenden Runde steigerte er sich auf 133,9 mph bei einer Rundenzeit von 16 Minuten und 54 Sekunden. Die dritte Runde absolvierte er auf dem Superstock-Bike. Die Kommentatoren betonten, dass Harrison diesen dritten Umlauf nur deshalb schaffte, weil er als einer der Ersten auf die Strecke ging. Wäre er zehn Sekunden später gestartet, hätte die Zeit nicht gereicht.

Warum kämpfte Michael Dunlop mit seiner Honda?
Michael Dunlop hatte vor der TT 2026 einen Markenwechsel vollzogen. Ursprünglich war geplant, dass er die Ducati Panigale V4 R auch beim Northwest 200 einsetzt. Stattdessen stieg er für die Superbike-Klasse auf eine Honda CBR1000RR-R Fireblade des Hawk Racing-Teams um. Für die Superstock-Klasse nutzt Dunlop eine BMW.
Bereits am Grid kam es zu einer ungewöhnlichen Szene: Sowohl die Honda Superbike als auch die BMW Superstock standen startbereit. Dunlop und sein Crew Chief diskutierten, welches Bike er nehmen sollte. Schließlich ging Dunlop auf der Honda raus, kam aber nach wenigen Metern direkt zurück in die Boxengasse. Er war sichtlich unzufrieden, gestikulierte und setzte sich vor einen Ventilator, um sich abzukühlen. Die Mechaniker passten daraufhin die Federvorspannung der Gabel an, um mehr Gewicht auf das Vorderrad zu bringen. Anschließend ging Dunlop erneut auf der Honda auf die Strecke.
Dunlop hält mit 33 Siegen den Allzeitrekord bei der Tourist Trophy. Bei der TT 2025 hatte er vier Siege geholt und damit den langjährigen Rekord seines Onkels Joey Dunlop von 26 Siegen deutlich übertroffen. Auf die Frage nach weiteren Zielen sagte Dunlop im Interview: „I just wanna make sure to keep winning. That’s the main thing.“ Er wolle weiterhin gewinnen und nicht nur dabei sein. Zum Honda-Wechsel meinte er knapp, die Situation habe die Vorbereitung nicht gerade erleichtert, aber man könne nichts daran ändern.
Bei der TT 2024 hatte Dunlop auf der Honda eine persönliche Bestzeit von 135,970 mph aufgestellt, den aktuellen Rundenrekord auf dem Mountain Course. In jenem Rennen führte er mit 20 Sekunden Vorsprung, als sich beim Tankstopp das Visier löste. Trotz dieses Rückschlags fuhr er auf der letzten Runde diese Rekordzeit. Im ersten Qualifying 2026 war er davon allerdings weit entfernt.
Wie schlägt sich Peter Hickman nach seinem schweren Crash?
Peter Hickman kehrte nach einem schweren Unfall bei der TT 2025 auf den Mountain Course zurück. Zusätzlich hatte er im März 2026 zwei Stürze bei den Daytona 200 erlitten, die den Nervenschaden in seinem Arm verschlimmerten. Trotzdem trat Hickman auf einer BMW des 8TEN Racing-Teams an.
Hickman wählte eine bewusst konservative Strategie und ging zunächst mit dem Superstock-Bike auf die Strecke. Auf beiden Maschinen nutzt er in diesem Jahr Kit-Elektronik statt des üblichen BSB-Spezifikationspakets, was das Fahren physisch einfacher machen soll. Im Interview erklärte er, dass Dean Harrison ihn bereits im Montagstraining auf dem Superbike überholt habe. Es habe seine ganze Willenskraft gekostet, Harrison nicht hinterherzujagen, denn er müsse aktuell in seinem eigenen Tempo fahren.
Nach dem Training am Montag sei er sogar etwas schneller gewesen als bei seinen Vorbereitungsrunden im Vorjahr, was er selbst nicht erwartet hatte. Seine Herangehensweise sei klar: Schritt für Schritt aufbauen, nicht an andere denken und mit einem Lächeln im Gesicht fahren.

Welche Fahrer fielen außerdem auf?
Josh Brookes zeigte erneut eine starke Leistung auf dem Mountain Course. Der erfahrene Superbike-Rennfahrer erreichte im Superstock-Qualifying 130,1 mph und wurde am Sulby Straight mit 196 mph im Speed Trap gemessen, rund fünf Meilen pro Stunde schneller als alle anderen. Auf der DAO Racing Honda macht der Australier laut Reifenhersteller Dunlop einen überzeugenden Eindruck.
Nathan Harrison platzierte sich ebenfalls in den vorderen Rängen und zeigte dabei eine aggressive, aber kontrollierte Fahrweise. Der H&H Motorcycles-Pilot gilt neben Davey Todd als einer der wenigen jüngeren Fahrer, die an der Spitze des Feldes mitfahren können.
Ian Hutchinson kam vom stehenden Start auf 128 mph. Im Vorfeld hatte er über die neue Streckenoberfläche gesprochen, besonders im Bereich Ginger Hall, wo der Kurs neu asphaltiert wurde. Die normalerweise holprige Passage sei nun so glatt, dass er seinen Fahrstil anpassen müsse, weil er sich nicht mehr auf die gewohnten Unebenheiten einstellen müsse.
John McGuinness startete mit der Nummer 1 in eine weitere TT-Saison. Der Veteran fuhr eine ruhige Session und wurde von seiner Familie im Fahrerlager begleitet, darunter seine Tochter und sein Sohn, der erstmals an verschiedenen Streckenabschnitten zuschaute. Conor Cummins berichtete von Problemen mit falschem Leerlauf an seiner Bathams BMW, ein Problem, das bei Superstock-Bikes häufiger auftritt als bei Superbikes, deren Spezialgetriebe ungewollte Neutralstellungen weitgehend verhindern.
Davey Todd, als Startnummer 8 gesetzt, konnte verletzungsbedingt nicht antreten und war stattdessen als Gastkommentator in der TV-Übertragung zu hören.
Ausblick auf die restliche Qualifying-Woche
Am Mittwoch stehen zwei weitere Qualifying-Sessions auf dem Programm, sofern die Wetterbedingungen es zulassen. Der Donnerstag ist traditionell ein Ruhetag auf der Insel. Am Freitag findet die letzte Qualifying-Session statt, bevor am Samstag die Rennwoche beginnt. Für Dunlop und sein Honda-Team wird jede verbleibende Session entscheidend sein, um das Setup der Fireblade in den Griff zu bekommen. Harrison geht mit drei absolvierten Runden und der klaren Bestzeit als der am besten vorbereitete Fahrer in die nächsten Sessions.
Die TT 2026 steht im Zeichen mehrerer Markenwechsel und Teamveränderungen. Wie schnell die Fahrer ihre neuen Pakete auf den anspruchsvollsten Straßenkurs der Welt abstimmen, wird sich in den kommenden Tagen zeigen.

Häufige Fragen
-
Wer war der schnellste Fahrer im ersten TT 2026 Qualifying?
Dean Harrison fuhr mit 133,9 mph die schnellste Runde im ersten Superbike- und Superstock-Qualifying der TT 2026. Diese Zeit erzielte er in seiner zweiten, fliegenden Runde bei einer Rundenzeit von 16 Minuten und 54 Sekunden. Bereits vom stehenden Start kam er auf 132,2 mph.
-
Warum fährt Michael Dunlop bei der TT 2026 keine Ducati mehr?
Michael Dunlop wechselte vor der TT 2026 von der Ducati Panigale V4 R auf eine Honda CBR1000RR-R Fireblade des Hawk Racing-Teams. In der Superstock-Klasse setzt er auf eine BMW. Die Umstände des Wechsels wurden nicht im Detail öffentlich kommuniziert, Dunlop selbst sagte lediglich, die Situation habe die Vorbereitung nicht erleichtert.
-
Wie viele TT-Siege hat Michael Dunlop insgesamt?
Michael Dunlop hält mit 33 Siegen den Allzeitrekord bei der Isle of Man TT. Bei der TT 2025 hatte er vier Siege eingefahren und damit den langjährigen Rekord seines Onkels Joey Dunlop von 26 Siegen übertroffen.
-
Wann beginnt die Rennwoche der TT 2026?
Die Rennwoche der TT 2026 beginnt am Samstag nach Abschluss der Qualifying-Sessions. Am Mittwoch und Freitag stehen noch weitere Qualifying-Sessions an, der Donnerstag ist ein Ruhetag.
-
Ist Peter Hickman bei der TT 2026 am Start?
Peter Hickman tritt trotz seines schweren Unfalls bei der TT 2025 und zweier Stürze bei den Daytona 200 im März 2026 an. Er fährt für das 8TEN Racing-Team auf einer BMW und nutzt Kit-Elektronik, um die physische Belastung zu reduzieren.












