- Nach dem ersten freien Training wurde Martin für das gesamte Wochenende freigegeben, er belegte Platz 20 mit 1,835 Sekunden Rückstand
- Im Practice war nach drei Runden und einem Rutscher in Kurve 12 Schluss, über das Weiterfahren wird am Samstagmorgen entschieden
- In der WM führt Marc Marquez mit 365 Punkten vor Martin mit 355 Punkten
Sechs Tage nach seinem Sturz im Sprint auf Phillip Island saß Jorge Martin wieder auf seiner Aprilia. Der Bruch der Speiche am rechten Handgelenk ist nicht verschoben, verheilt ist er aber längst nicht. Der Freitag beim Großen Preis von Malaysia brachte deshalb beides: einen Vormittag, der Hoffnung machte, und einen Nachmittag, der die Grenzen klar zeigte. Für den Titelkampf der MotoGP-Saison 2026 ist das eine heikle Lage. Martin liegt nur zehn Punkte hinter Marc Marquez, und der Ducati-Pilot war in Sepang in beiden Sessions der Schnellste.

Warum hat Jorge Martin das Practice in Sepang abgebrochen?
Martin fehlte die Kraft für eine wirklich schnelle Runde. Aprilia entschied deshalb gemeinsam mit MotoGP-Chefarzt Dr. Angel Charte, ihn am Nachmittag nicht mehr auf die Strecke zu schicken.
Das Practice am Freitagnachmittag ist für die Startaufstellung wichtig. Nur die zehn schnellsten Fahrer kommen direkt ins zweite Qualifying, kurz Q2. Für eine solche Zeitenjagd braucht ein Fahrer aber deutlich mehr Kraft im rechten Arm als für ruhige Runden. Genau daran haperte es nach Aussage von Teammanager Paolo Bonora. Er erklärte, dass es Martin schwerfällt, die nötige Kraft aufzubringen, sobald er auf eine schnelle Rundenzeit gehen will. Man wolle absolut kein Risiko eingehen und über Nacht abwarten, wie es ihm am Samstagmorgen geht. Aprilia teilte außerdem mit, dass Martin so mehr Zeit bekommt, sich für den Rest des Wochenendes zu erholen.
Wie kurz sein Einsatz war, zeigen die Zahlen. Martin drehte nur drei Runden. Seine einzige gültige schnelle Runde war eine 1:59.670 Minuten in der zweiten Runde. Damit stand er am Ende auf dem letzten Platz, 2,670 Sekunden hinter der Bestzeit. In der dritten Runde folgte ein Schreckmoment. In der schnellen Linkskurve 12 rutschte ihm das Vorderrad weg. Martin konnte die Aprilia abfangen, blieb auf dem Motorrad und wich in die asphaltierte Auslaufzone aus. Kurz danach bog er an die Box ab, besprach sich mit dem Team und mit Charte und kam nicht mehr zurück auf die Strecke.
Wie lief das erste freie Training für Martin?
Am Vormittag lief es besser, als viele erwartet hatten. Martin fuhr das komplette erste freie Training, insgesamt zwölf Runden in vier Ausfahrten, und wurde danach für das ganze Wochenende freigegeben.
Ganz ohne Hilfe ging es allerdings nicht. Martin fuhr mit einer Bandage an der Hand und nahm Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente. Beim Anziehen von Handschuhen und Helm brauchte er Unterstützung. Seine erste Runde war noch 3,9 Sekunden langsamer als die Bestzeit von Marquez. Danach wurde er Ausfahrt für Ausfahrt schneller, verkürzte erst auf 2,3 Sekunden und nach einer kurzen Unterbrechung des Trainings auf 1,8 Sekunden. Am Ende stand eine 2:00.747 Minuten. Das bedeutete Platz 20 und 1,835 Sekunden Rückstand auf die 1:58.912 Minuten von Marquez.
Bonora berichtete nach der ersten Ausfahrt, Martin habe es sich schlimmer vorgestellt. Die entscheidende Frage sei aber, was nach mehreren Runden passiert. Auf der Strecke waren Martin keine großen Probleme anzusehen. In den Pausen sprach er mit seinen Technikern über die Abstimmung des Motorrads, also über Einstellungen wie Fahrwerk und Elektronik. Nach dem Training kühlte er das rechte Handgelenk mit Eis und fuhr dann noch einmal hinaus, um die Übungsstarts zu absolvieren.
Schon als die Zeit im ersten Training ablief, stand Charte in der Aprilia-Box, um das Handgelenk zu untersuchen. Weniger als eine halbe Stunde nach dem Ende der Session meldete Aprilia, dass Martin für den Großen Preis von Malaysia renntauglich ist. Diese zweite Untersuchung war Voraussetzung dafür, dass er nach der ersten Freigabe vom Donnerstag weiterfahren durfte.

Wie geht es für Martin am Samstag weiter?
Am Samstagmorgen entscheiden Martin, Aprilia und die Ärzte, ob er weiterfährt. Tut er das, muss er in Q1, weil er im Practice die ersten zehn Plätze klar verpasst hat.
Der Zeitplan lässt wenig Luft. Das letzte freie Training beginnt um 03:10 Uhr deutscher Zeit, Q1 folgt um 03:50 Uhr. Der Sprint über zehn Runden startet um 08:00 Uhr. Bis dahin muss sich zeigen, ob die Nacht dem Handgelenk geholfen hat.
Martin selbst hatte schon vor dem Wochenende angekündigt, von Tag zu Tag zu entscheiden. Er sprach davon, dass er weiter probieren werde, selbst wenn er sich in einem Training nicht gut fühle, bis klar sei, ob es geht oder nicht. Gleichzeitig rechnete er nicht damit, sofort an seine Leistung aus Australien anknüpfen zu können. Ein Knochenbruch brauche seine Zeit, und diesen Prozess könne er nicht beschleunigen. Ohne den Titelkampf, so Martin, hätte er den Arm normalerweise für vier bis fünf Wochen in Gips gelegt.
Die Verletzung trifft ihn an einer ungünstigen Stelle. Mit der rechten Hand bedient er Gasgriff und Vorderradbremse. Dazu kommt, dass Sepang nach seiner eigenen Einschätzung eine Strecke ist, die viel von der rechten Seite verlangt. Bonora hatte deshalb schon am Donnerstag eine klare Linie ausgegeben. Martin dürfe auf keinen Fall noch einmal auf den Bruch stürzen. Wenn er sich sicher sei, das Rennen gefahrlos zu beenden, solle er fahren, sonst nicht. Der Teammanager deutete außerdem an, dass Martin seine Kräfte wahrscheinlich eher für die folgenden Rennen als für Sepang sparen müsse.
Was bedeutet der Freitag für den Titelkampf in der MotoGP-Saison 2026?
Der Druck auf Martin steigt. Gewinnt Marquez in Sepang Sprint und Grand Prix und holt Martin keine Punkte, wächst der Vorsprung auf 47 Punkte, bei dann noch drei ausstehenden Rennwochenenden.
Nach Malaysia folgen Katar vom 6. bis 8. November, Portimão vom 20. bis 22. November und das Finale in Valencia vom 27. bis 29. November. Martin selbst sieht vor allem die nächsten zwei Wochenenden als Problem. Er rechnet damit, in Portimão wieder normal fahren zu können, während Malaysia und Katar für ihn große Fragezeichen bleiben. Abschreiben will er die WM trotzdem nicht. Ist er konkurrenzfähig, sieht er sich weiter im Titelkampf. Wenn nicht, könne man ihn vergessen, sagte er vor dem Wochenende.
Bei Aprilia klingt es ähnlich. Bonora räumte ein, dass der Titel schwieriger geworden ist, betonte aber, dass das Team nicht aufgibt. Mit vier Rennwochenenden einschließlich Sepang sei die Meisterschaft noch lang. Marco Bezzecchi, Teamkollege von Martin, liegt mit 315 Punkten 40 Zähler hinter ihm und bleibt nach diesem Wochenende in jedem Fall WM-Dritter. Er hat Verständnis für Martins Versuch und sagte, er würde in dessen Lage genauso handeln.
Marquez wiederum nimmt seinen Rivalen ernst. Er verwies schon am Donnerstag auf die strengeren Regeln für ärztliche Freigaben, die es seit seiner eigenen Verletzung in Jerez 2020 gibt. Wer danach fit gemeldet werde, könne auch fahren, und zwar auf hohem Niveau, denn „adrenaline is the best painkiller“ (Adrenalin ist das beste Schmerzmittel). Für den Titelkampf sei es besser, wenn Martin auf der Strecke ist.

Marc Marquez dominiert den Freitag, Aprilia verliert Raul Fernandez
Während Martin mit seinem Handgelenk kämpfte, setzte Marquez die Bestzeiten. Im ersten freien Training lag er 0,474 Sekunden vor Bezzecchi und Pedro Acosta, die zeitgleich auf den Plätzen zwei und drei landeten. Im Practice fuhr er 1:57.000 Minuten, obwohl er früh in der Session in der letzten Kurve gestürzt war. Der Sturz passierte bei geringem Tempo, Marquez blieb unverletzt und machte mit seinem zweiten Motorrad weiter. Für seine letzte Ausfahrt verzichtete er sogar auf einen frischen weichen Hinterreifen. Sein Bruder Alex Marquez kam auf der Gresini-Ducati bis auf 0,109 Sekunden heran. Bester Aprilia-Fahrer war Ai Ogura vom Trackhouse-Team auf Platz drei, Bezzecchi zog als Sechster ebenfalls direkt in Q2 ein.
Leicht war der Freitag für niemanden. Nach heftigem Regen in der Nacht bot der Asphalt nur wenig Grip, die Motorräder wirkten auf der Strecke unruhig. Im ersten Training wurden 30 Grad Luft- und 36 Grad Asphalttemperatur gemessen.
Für Aprilia kam ein weiterer Rückschlag dazu. Raul Fernandez vom Trackhouse-Team musste das Wochenende nach dem ersten Training beenden. Sein rechter Zeigefinger, den er sich beim Sturz im Sprint von Indonesien gebrochen hatte, ließ kein vernünftiges Fahren zu. Nach einer Untersuchung durch den medizinischen Direktor der Meisterschaft wurde er für den Rest des Grand Prix für nicht startfähig erklärt. Fernandez reist zur weiteren Behandlung nach Spanien und will in Katar zurückkehren. Aprilia ist in Sepang damit nur noch mit drei Fahrern vertreten, und einer davon ist Martin, dessen Start selbst noch offen ist.

Häufige Fragen
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Warum ist Jorge Martin im Practice in Sepang nicht mehr gefahren?
Jorge Martin fehlte die Kraft im verletzten rechten Arm, um eine schnelle Runde zu fahren. Aprilia und MotoGP-Chefarzt Dr. Angel Charte entschieden deshalb gemeinsam, ihn nach drei Runden pausieren zu lassen. Er soll so mehr Zeit zur Erholung bekommen.
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Fährt Jorge Martin den Sprint in Sepang?
Das ist noch offen. Ärztlich ist Martin für das ganze Wochenende freigegeben, ob er weiterfährt, wird aber erst am Samstagmorgen entschieden. Fährt er, muss er zuerst durch Q1 um 03:50 Uhr deutscher Zeit, der Sprint startet um 08:00 Uhr.
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Welche Verletzung hat Jorge Martin?
Martin hat sich beim Sturz im Sprint auf Phillip Island die Speiche am rechten Handgelenk gebrochen. Der Bruch ist nicht verschoben und muss nicht operiert werden. Normalerweise würde der Arm nach Martins eigener Aussage vier bis fünf Wochen in Gips liegen.
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Wie steht die MotoGP-WM vor dem Sprint in Sepang?
Marc Marquez führt mit 365 Punkten vor Jorge Martin mit 355 Punkten. Marco Bezzecchi liegt mit 315 Punkten auf Platz drei. Nach Malaysia folgen noch Katar, Portimão und das Finale in Valencia.












