- 79 PS (58 kW) und 73 Nm (54 lb-ft) aus dem 692,7 cm³ großen LC4-Einzylinder
- 20 Liter Gesamttankvolumen, verteilt auf einen 13-Liter-Hecktank und zwei Fronttanks
- 161,5 kg (356 lbs) ohne Kraftstoff, Auslieferung an die Händler ab Oktober 2026
Die Geschichte der neuen KTM 690 Rally beginnt nicht in Mattighofen, sondern in unzähligen Garagen. Seit Jahren gilt die 690 Enduro R als beliebteste Basis für selbst gebaute Rally-Maschinen. Wer Reichweite, Windschutz und ein Cockpit für die Navigation wollte, kaufte Fronttanks, einen Tower und Halterungen im Zubehörhandel und baute sich sein Motorrad selbst zusammen. Genau dieses Paket kommt jetzt als Serienmodell, und KTM stellt es ausdrücklich in die Tradition der 640 Adventure, die von 1997 bis 2007 gebaut wurde. Innerhalb des Modelljahrgangs 2027 ist die 690 Rally damit eine der Neuheiten, die keine neue Technik einführt, sondern eine bestehende Plattform neu ausrichtet.

Was unterscheidet die KTM 690 Rally von der 690 Enduro R?
Der wichtigste Unterschied liegt im Kraftstoff und im Cockpit. Die 690 Rally übernimmt Motor, Rahmen und Federelemente weitgehend von der 690 Enduro R, ergänzt aber zwei vorn montierte Tanks, einen eigenen Rally-Tower mit integrierter Windschutzscheibe und ein an lange Distanzen angepasstes Bodywork.
KTM beschreibt die Ausrichtung in der Pressemitteilung mit dem Fokus auf „extended range, stability, and long-distance usability“, also auf mehr Reichweite, Stabilität und Langstreckentauglichkeit. Die Kampagne zum Modell läuft unter dem Titel „GO OUT. MEET YOURSELF.“ Der Rahmen ist für das neue Zubehör vorbereitet: Laut Hersteller gibt es eigens eingeplante Befestigungspunkte, über die Tower und Fronttanks strukturell angebunden werden. Das ist der zentrale Vorteil gegenüber einem nachträglichen Umbau, bei dem die Anbauteile immer Fremdkörper bleiben.
Bemerkbar macht sich der Zuwachs auf der Waage. KTM nennt für die 690 Rally 161,5 kg (356 lbs) ohne Kraftstoff. Die 690 Enduro R steht nach derselben Messmethode bei 152 kg (335 lbs). Der Aufpreis in Kilogramm beträgt also 9,5 kg (21 lbs). Im Vergleich zu zweizylindrigen Reiseenduros bleibt das ein niedriger Wert.
Wie viel Reichweite bringt der 20-Liter-Tank?
Rechnerisch reicht eine Tankfüllung für rund 476 Kilometer. Die beiden Fronttanks fassen zusammen 7 Liter, der Hecktank kommt auf 13 Liter, macht 20 Liter Gesamtvolumen. Bei der 690 Enduro R liegt das Volumen bei etwa 13 Litern.
Die Rechnung stützt sich auf die angegebene CO2-Emission von 99 g/km, aus der sich ein Verbrauch von etwa 4,2 Litern auf 100 Kilometer ableiten lässt. In der Praxis dürfte der Wert je nach Untergrund und Fahrweise deutlich schwanken. Vollgetankt liegt das Gewicht bei etwa 180 kg (397 lbs).
Interessanter als die reine Zahl ist die Steuerung dahinter. Über eine Schaltereinheit am Lenker lässt sich auswählen, aus welchem Tank der Motor gerade versorgt wird, vorn oder hinten. Die Reserveanzeige bezieht sich dabei immer auf den gewählten Tank. Damit wird die Gewichtsverteilung zur Fahrentscheidung: Wer vorn leerfährt, verlagert Gewicht nach hinten, wer hinten anfängt, hält die Front schwerer. Die Fronttanks bestehen laut Berichten aus durchscheinendem Material, sodass sich der Füllstand auch von außen abschätzen lässt.
Der Hecktank selbst ist keine Neuentwicklung, sondern eine bekannte KTM-Lösung: Das Heck ist nicht Träger des Tanks, sondern der Tank ist selbsttragend und am Stahlrahmen verschraubt.

Motor, Fahrwerk und Bremsen im Detail
Beim Antrieb bleibt alles beim Bewährten. Der flüssigkeitsgekühlte LC4-Einzylinder mit 692,7 cm³ leistet 79 PS (58 kW) und liefert 73 Nm (54 lb-ft) Drehmoment, geschaltet wird über sechs Gänge. Die Motorsteuerung stammt von Keihin, arbeitet mit Ride-by-Wire und Doppelzündung. Bohrung und Hub liegen bei 105 und 80 Millimetern, die Kupplung ist eine hydraulisch betätigte Anti-Hopping-Kupplung, die ein Stempeln des Hinterrads beim schnellen Herunterschalten verhindert.
Für den Langstreckeneinsatz nennt KTM verlängerte Wartungsintervalle. Der Ölwechsel steht alle 15.000 Kilometer an, die Ventilspielkontrolle laut Berichten alle 30.000 Kilometer.
Das Fahrwerk bleibt endurotypisch. Vorn arbeitet eine WP XPLOR Upside-down-Gabel mit 48 Millimeter Standrohrdurchmesser und 265 Millimeter Federweg, deren Funktionen auf die beiden Holme aufgeteilt sind: Ein Holm übernimmt die Druckstufe, der andere die Zugstufe, die Einstellräder sitzen oben. Hinten kommt ein WP XPLOR Federbein mit Pro-Lever-Umlenkung und 250 Millimeter Federweg zum Einsatz, das sich in Zugstufe, High- und Lowspeed-Druckstufe sowie Federvorspannung verstellen lässt.
Der Rahmen ist ein pulverbeschichteter Chrom-Molybdän-Stahl-Gitterrohrrahmen, der Radstand liegt bei 1.506 Millimetern, der Steuerkopfwinkel bei 62,3 Grad, der Nachlauf bei 121 Millimetern. Die Bodenfreiheit gibt KTM mit 265 Millimetern an. Gebremst wird vorn über eine 300-Millimeter-Scheibe mit Brembo-Zweikolben-Schwimmsattel, hinten über eine 240-Millimeter-Scheibe mit Einkolbensattel. Die Speichenräder messen 1,85 x 21 Zoll vorn und 2,5 x 18 Zoll hinten, ab Werk montiert KTM Continental TKC 80.
Welche Elektronik hat die KTM 690 Rally an Bord?
Serienmäßig sind die Fahrmodi Street und Offroad sowie Kurven-ABS und kurvenabhängige Traktionskontrolle. Der eigentliche Rally-Modus ist laut Hersteller optional erhältlich.
Grundlage der Assistenzsysteme ist ein 6D-Sensor, der die Schräglage erfasst und Brems- sowie Traktionseingriffe entsprechend anpasst. Im optionalen Rally-Modus lassen sich Traktionskontrolle und Gasannahme individuell einstellen. Dort greift außerdem die Funktion Dynamic Slip Adjust: Sie erlaubt dem Hinterrad kurzzeitig mehr Schlupf, wenn zusätzliche Traktion nötig ist, und kehrt danach automatisch zur voreingestellten Stufe zurück.
Für den Geländeeinsatz gibt es das Offroad-ABS. Damit lässt sich das ABS am Hinterrad abschalten, während es vorn aktiv bleibt. Über eine eigene Taste kann das System auch vollständig deaktiviert werden. Die Kupplung stammt von Braktec und arbeitet hydraulisch, sie ist auf den ebenfalls optionalen Quickshifter+ vorbereitet, der Schaltvorgänge nach oben und unten ohne Kupplungshebel erlaubt.

Cockpit und Ergonomie
Im Rally-Tower sitzt ein 4,2 Zoll großes TFT-Display mit hinterleuchteten Schaltereinheiten. Darüber ist eine schwenkbare Halterung angebracht, die Platz für GPS-Geräte, Navigationsinstrumente oder ein Roadbook bietet. Die Konnektivität läuft über KTMconnect mit Abbiegehinweisen sowie Musik- und Telefonsteuerung, dazu kommen eine USB-C-Buchse und ein 12-Volt-Anschluss.
Die Formensprache des Towers orientiert sich an der 450 Rally Replica aus dem Rennsport, auch die LED-Beleuchtung ist von diesem Modell abgeleitet. Anders als beim Wettbewerbsgerät besteht die Struktur allerdings aus Kunststoff statt aus Karbon.
Bei der Ergonomie nennt KTM eine Sitzhöhe von 935 Millimetern. Einzelne Medienberichte führen abweichend 910 Millimeter, der Hersteller selbst bleibt bei 935 Millimetern. Die Fußrasten sind breit ausgeführt und sollen Schlammansammlungen verhindern, für den Straßenbetrieb lassen sich optionale Gummieinsätze montieren.
Was die 640 Adventure mit dem Projekt zu tun hat
Die 640 Adventure war zwischen 1997 und 2007 KTMs Angebot für harten Geländeeinsatz mit Straßenzulassung. Sie nutzte einen LC4-Einzylinder mit 625 cm³ und einem Fünfganggetriebe, die Leistung lag bei rund 54 PS (40 kW). Nach ihrem Auslaufen blieb im Modellprogramm eine Lücke, die über fast zwei Jahrzehnte offen war.
Der Motor selbst blickt auf eine noch längere Geschichte zurück. Die Wurzeln der LC4-Baureihe reichen bis 1987, als Joachim Sauer auf einem 350-LC4-Prototyp die Europameisterschaft im Enduro gewann. Später trieb das Konzept die Rallye-Motorräder an, mit denen KTM bei der Dakar erfolgreich war, bis geänderte Hubraumbestimmungen 2011 den Einsatz beendeten.

Wann kommt die KTM 690 Rally und was soll sie kosten?
Die Produktion startet im September 2026 im österreichischen Werk, bei autorisierten Händlern soll das Modell ab Oktober 2026 stehen. Einen Preis hat KTM noch nicht genannt.
Als Orientierung dient die technische Basis: Für die 690 Enduro R stehen derzeit 12.499 Euro (rund 14.565 US-Dollar) im Raum. Da die Rally zusätzliche Tanks, den Tower und die Verkleidung mitbringt, dürfte sie darüber liegen. Eine offizielle Bestätigung gibt es dafür nicht. Ausgeliefert wird das Modell mit der Premium-Herstellergarantie von bis zu vier Jahren, die voraussetzt, dass die Wartungen nach Serviceplan bei einem autorisierten Händler erfolgen.
Offen bleibt außerdem, ob KTM Details verändert hat, die im Datenblatt nicht auftauchen. Ob das Fahrwerk an das höhere Gewicht angepasst wurde oder die Getriebeabstufung überarbeitet ist, geht aus den bisherigen Angaben nicht hervor.

Häufige Fragen
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Was kostet die KTM 690 Rally?
Einen Preis hat KTM bislang nicht veröffentlicht. Als Anhaltspunkt gilt die technisch verwandte 690 Enduro R mit derzeit 12.499 Euro (rund 14.565 US-Dollar). Da die Rally zusätzliche Ausstattung mitbringt, ist ein höherer Preis wahrscheinlich, offiziell bestätigt ist das nicht.
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Wie viel PS hat die KTM 690 Rally?
Der LC4-Einzylinder mit 692,7 cm³ leistet 79 PS (58 kW) und liefert 73 Nm (54 lb-ft) Drehmoment. Geschaltet wird über sechs Gänge, die CO2-Emission gibt KTM mit 99 g/km an.
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Wie hoch ist die Sitzhöhe der KTM 690 Rally?
KTM nennt eine Sitzhöhe von 935 Millimetern. Einzelne Medienberichte führen abweichend einen Wert von 910 Millimetern. Die Bodenfreiheit liegt bei 265 Millimetern.
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Wann kommt die KTM 690 Rally zu den Händlern?
Die Produktion beginnt im September 2026 im österreichischen Werk, ab Oktober 2026 soll das Modell bei autorisierten KTM-Händlern verfügbar sein. Es läuft als Modelljahr 2027.
➜ Dieser Artikel ist Teil unserer umfassenden Übersicht: Neue Motorräder 2026: Alle Modelle, Neuheiten und Highlights im Überblick. Dort findest du alle wichtigen Informationen zum Thema gebündelt.

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