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Startseite » KTM-Enduros unter Verdacht: Was hinter der „Alibi-Zulassung“ wirklich steckt
KTM 300 EXC TPI ERZBERGRODEO 50
News

KTM-Enduros unter Verdacht: Was hinter der „Alibi-Zulassung“ wirklich steckt

By Andreas Denner27 Mai, 2026
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Eine internationale Recherche wirft KTM vor, systematisch illegale Sportenduros auf die Straße zu bringen. Die Vorwürfe klingen dramatisch, doch bei genauer Betrachtung zeigt sich ein deutlich differenzierteres Bild.
  • Zehn europäische Medienhäuser werfen KTM vor, Sportenduros mit einer „Alibi-Zulassung“ zu verkaufen
  • Verdeckte Händlerbesuche dokumentieren den Verkauf entdrosselter Maschinen mit Straßenzulassung
  • Das Kraftfahrtbundesamt hat eine Untersuchung eingeleitet
  • Ein Vergleich mit dem VW-Dieselskandal hält einer näheren Prüfung allerdings nicht stand

Seit dem 26. Mai 2026 steht KTM im Zentrum einer internationalen Recherche. Zehn Redaktionen aus ganz Europa waren daran beteiligt, koordiniert von der Pariser Organisation Climate Whistleblowers. Unter den Medienpartnern befanden sich ZDF frontal, der Spiegel, der ORF, der Standard, Le Monde und El País. Der Kern der Vorwürfe: KTM verkaufe über sein Händlernetz europaweit Sportenduros, die zwar auf dem Papier eine gültige Straßenzulassung besitzen, in der Praxis aber in einem Zustand an Kunden übergeben würden, der keine Typgenehmigung hat. Doch die Frage, wie viel davon tatsächlich dem Hersteller und wie viel der gesamten Kette aus Händlern und Käufern anzulasten ist, fällt in der medialen Aufarbeitung auffallend kurz aus.

KTM 300 EXC TPI Six Days
KTM-Enduros unter Verdacht: Was hinter der „Alibi-Zulassung" wirklich steckt 10

Was genau wird KTM vorgeworfen?

KTM liefert seine Sport-EXC-Modelle in einem gedrosselten Zustand an die Händler aus. In dieser Konfiguration verfügen die Maschinen über eine gültige Typgenehmigung und erfüllen alle geltenden Emissions- und Lärmvorschriften. Bei der KTM 300 EXC liegt die zugelassene Leistung bei etwa 11 kW (15 PS). Im entdrosselten Zustand erreicht dasselbe Modell rund 37 kW (50 PS), ist deutlich lauter und stößt erheblich mehr Schadstoffe aus.

Der zentrale Vorwurf lautet, dass KTM den gedrosselten Motorrädern die für den Umbau notwendigen Teile in dieselbe Lieferung beilegt. Händler in ganz Europa sollen die Maschinen daraufhin vor dem Verkauf entdrosseln und sie mit den Fahrzeugpapieren der gedrosselten Variante an Kunden übergeben. Ehemalige KTM-Mitarbeiter bestätigten gegenüber den Rechercheteams diese Praxis. Ein ehemaliger Werkstattleiter eines KTM-Partnerunternehmens formulierte es so: Keine dieser Enduros fahre legal auf der Straße.

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Was bei dieser Darstellung allerdings unter den Tisch fällt: KTM liefert ein Motorrad aus, das in seinem Auslieferungszustand legal zugelassen ist. Das Fahrzeug verlässt das Werk vorschriftskonform. Was danach damit geschieht, ob ein Händler auf Kundenwunsch die Drosselung entfernt oder ein technisch versierter Fahrer den Umbau selbst durchführt, ist ein Vorgang, der erst nach der legalen Auslieferung stattfindet.

Wie liefen die verdeckten Händlerbesuche ab?

Die beteiligten Redaktionen führten insgesamt 15 verdeckte Händlerbesuche in acht europäischen Ländern durch, darunter Deutschland, Frankreich, Belgien, Großbritannien, Italien und Österreich. In Norddeutschland besuchte das ZDF undercover einen KTM-Händler. Der Verkäufer riet dort offen von der gedrosselten Variante ab: „Das ist dann so zugeschnürt, dass das überhaupt nicht richtig funktioniert. Da hätte keiner Spaß dran, weder das Motorrad noch der Fahrer. Das ist dann wirklich nur für die Zulassung sozusagen, dass man das dann durchkriegt.“ Der Verkäufer bot die entdrosselte Enduro mit Fahrzeugpapieren und Straßenzulassung zum Verkauf an.

Das ZDF begleitete darüber hinaus mit versteckter Kamera den konkreten Kauf einer entdrosselten KTM-Enduro. Der Käufer erhielt ein Nummernschild und Fahrzeugpapiere, obwohl die entdrosselte Maschine über keine gültige Typzulassung verfügt. Er unterschrieb einen Zettel mit der Erklärung, dass die Maschine in diesem Zustand nicht für den Straßenverkehr zugelassen sei, und fuhr anschließend vor den Augen des Verkäufers vom Hof.

In Österreich erklärte ein KTM-Händler gegenüber dem ORF ganz offen: „Wenn ich die gedrosselt fahre, dann zerreißt es sie nach 20 Kilometern. Die ist nicht darauf ausgelegt.“ Auf der Brussels Motor Show erzählte ein KTM-Vertriebsmitarbeiter einer verdeckt arbeitenden Journalistin von Le Monde, dass KTM die Motorräder so entwickle, dass sie so schnell, so gut und so verlässlich wie möglich seien. Erst danach passe man sie auf die Straßenstandards an, um die Zulassungen zu erhalten. Die Händler würden die Drosselungen dann wieder zurückbauen. Der Mitarbeiter bezeichnete das Vorgehen selbst als „ein bisschen Betrug“.

Diese Händleraussagen sind zweifellos problematisch. Sie zeigen, dass einzelne Verkäufer die Entdrosselung nicht nur dulden, sondern aktiv empfehlen und die Straßenzulassung offen als reine Formalität darstellen. Das ist ein klares Fehlverhalten auf Händlerebene.

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KTM 300 EXC TPI Erzbergrodeo
KTM-Enduros unter Verdacht: Was hinter der „Alibi-Zulassung" wirklich steckt 11

Welche Abgaswerte wurden gemessen?

Der International Council on Clean Transportation (ICCT), die Organisation, die 2015 den VW-Dieselskandal mit aufdeckte, ließ eine entdrosselte KTM-Enduro an der Technischen Universität CZU in Prag untersuchen. ICCT-Europachef Peter Mock bezeichnete die Ergebnisse als „schockierend“: „Beim giftigen Kohlenmonoxid war es so, dass die Messwerte für diese entdrosselte Variante ungefähr so hoch sind wie bei einer alten Diesel-Lokomotive.“ Die Feinstaubemissionen seien um ein Vielfaches höher als bei einem Pkw. Die KTM 300 EXC TPI überschreite im entdrosselten Zustand die geltenden Abgaswerte um mehr als das Zehnfache, die Lautstärke liege beim Doppelten des zulässigen Werts.

Zur Einordnung: Diese Werte beziehen sich ausdrücklich auf den entdrosselten Zustand, nicht auf die homologierte Konfiguration. Im zugelassenen, gedrosselten Zustand erfüllt die KTM 300 EXC alle Grenzwerte. Außerdem hinkt der Vergleich mit einer Diesellokomotive methodisch erheblich. Ein Zweitakt-Benziner und ein Großdiesel sind grundverschiedene Verbrennungsverfahren mit völlig unterschiedlichen Schadstoffprofilen. Zweitakter produzieren bauartbedingt hohe Kohlenmonoxidwerte, Dieselmotoren dagegen sehr niedrige. Der Vergleich stellt also den schlechtesten Wert der einen Bauart neben den besten Wert der anderen. Er taugt als Schlagzeile, als wissenschaftliche Einordnung weniger.

Auch die Behauptung des ZDF, das entdrosselte Motorrad habe „dreimal so viel Leistung, wie es für den Straßenbetrieb zulässig wäre“, ist sachlich falsch. Eine allgemeine Leistungsobergrenze für Motorräder existiert im deutschen Straßenverkehr nicht. Eine KTM 1390 Super Duke mit 140 kW (190 PS) ist genauso legal zugelassen wie eine Suzuki Hayabusa mit 145 kW (197 PS). Die 15 PS der gedrosselten EXC sind keine gesetzliche Höchstleistung, sondern der homologierte Zustand dieses konkreten Fahrzeugs.

Was sagt KTM zu den Vorwürfen?

KTM weist die Vorwürfe zurück und betont, sämtliche Modelle im zulassungsfähigen Zustand auszuliefern: „Unsere Händler vertreiben in weiterer Folge die Fahrzeuge ausschließlich in diesem homologierten und für den Straßenverkehr zulassungsfähigen Zustand an Endkunden.“ Nachträgliche Anpassungen erfolgten laut KTM nur auf ausdrücklichen Wunsch des Kunden und seien für den Einsatz im Wettbewerb gedacht. Im Rahmen solcher Wettbewerbsumbauten weise der Händler den Endkunden ausdrücklich darauf hin, dass die Straßenzulassung erlischt.

KTM 300 EXC TPI im Gelaende
KTM-Enduros unter Verdacht: Was hinter der „Alibi-Zulassung" wirklich steckt 12

Ermittelt das Kraftfahrtbundesamt gegen KTM?

Das KBA hat auf Basis der Rechercheergebnisse eine Untersuchung eingeleitet. Die Behörde erklärte: „Werden im Rahmen der Untersuchung Vorschriftenabweichungen festgestellt, wird das KBA Maßnahmen gegen beteiligte Wirtschaftsakteure einleiten.“ Die EU-Kommission stellte klar, dass jegliche Änderungen an typgenehmigten Fahrzeugen dazu führten, dass diese nicht mehr den Vorschriften entsprächen. Der österreichische ÖAMTC räumte allerdings ein, dass eine gezielte Suche nach Motormanipulationen bei der regelmäßigen technischen Überprüfung weder vorgesehen noch realistisch durchführbar sei.

Warum der Vergleich mit dem Dieselskandal nicht trägt

In mehreren Berichten wird der Fall als „Abgasskandal auf zwei Rädern“ oder als neues „Dieselgate“ dargestellt. Dieser Vergleich ist bei näherer Betrachtung nicht haltbar, und das ist der entscheidende Punkt in dieser gesamten Diskussion.

Beim VW-Dieselskandal verkaufte ein Hersteller Fahrzeuge, die im Alltagsbetrieb die gesetzlichen Emissionsgrenzwerte nicht einhielten, obwohl sie laut Typgenehmigung genau das hätten tun müssen. Die Manipulation war in die Motorsoftware eingebaut. Der Käufer wusste nichts davon. Er kaufte ein Fahrzeug, das laut Papieren sauber war, aber in Wirklichkeit die Grenzwerte im Normalbetrieb systematisch überschritt. Es war ein Betrug am Kunden und an den Behörden, ohne dass der Fahrer überhaupt etwas tun musste.

Bei KTM ist die Ausgangslage grundlegend anders. Das Motorrad verlässt das Werk in einem Zustand, der die Typgenehmigung vollständig erfüllt. Im gedrosselten Zustand hält die KTM 300 EXC alle Abgas- und Lärmvorschriften ein. Erst durch einen nachträglichen Eingriff, sei es durch den Händler auf Kundenwunsch oder durch den Fahrer selbst, wird die Drosselung entfernt und die Straßenzulassung erlischt. Dieser Vorgang erfordert aktives Handeln. Niemand fährt versehentlich eine entdrosselte Sportenduro. Der Käufer weiß, was er kauft, und er weiß, was er tut, wenn er die Drosselung entfernen lässt.

Dass KTM die Umrüstteile mitliefert, ist sicher diskussionswürdig, und dass einzelne Händler die Entdrosselung aktiv empfehlen oder sogar vor Übergabe durchführen, ist klar rechtswidrig. Diese Händler tragen eine Mitverantwortung, die nicht kleinzureden ist. Aber der Schritt vom Hersteller, der ein legales Produkt ausliefert, zum Skandal auf der Ebene eines systematischen Herstellerbetrugs ist gewaltig. Bei VW musste der Kunde gar nichts tun, um betrogen zu werden. Bei KTM muss man erst selbst manipulieren. Das ist ein fundamentaler Unterschied.

KTM 300 EXC TPI im Einsatz
KTM-Enduros unter Verdacht: Was hinter der „Alibi-Zulassung" wirklich steckt 13

Warum haben Sportenduros überhaupt eine Straßenzulassung?

Dieser Hintergrund kommt in der aktuellen Berichterstattung oft zu kurz. Sportenduros sind keine Alltagsfahrzeuge. Es sind hochspezialisierte Wettbewerbsmaschinen, ausgelegt für Gelände, Schlamm, Felsen und extreme Steigungen. Sie verfügen über wenig Ölvolumen, kurze Wartungsintervalle und einen sehr engen Einsatzbereich. Der Endurosport in Europa funktioniert allerdings seit Jahrzehnten so, dass Etappen bei Wettbewerben nicht nur über abgesperrtes Gelände führen, sondern auch über öffentliche Wege und Straßen. Der DMSB beschreibt Enduro ausdrücklich als Sport, bei dem Etappen sowohl über öffentliche Wege und Straßen als auch durch unwegsames Gelände führen. Enduro-Motorräder müssen daher straßenverkehrskonform und zugelassen sein.

Die Drosselung ist also keine Trickserei, sondern die einzige Möglichkeit, ein solches Wettbewerbsmotorrad überhaupt mit Kennzeichen anbieten zu können. In den USA existieren für vergleichbare Fahrzeuge eigene Offroad-Kategorien mit separater Registrierung. In Kalifornien etwa unterscheidet man zwischen regulärer Straßenzulassung und OHV-Registrierung (Off-Highway Vehicle), sodass Offroad-Fahrzeuge eine eigene Kennung tragen, ohne den vollständigen Straßenzulassungsprozess durchlaufen zu müssen. Ein solches System fehlt in Europa, und genau in dieser regulatorischen Lücke entsteht das Spannungsfeld, das nun zu Schlagzeilen führt.

Die Werksbilder der KTM 300 EXC zeigen die Maschine konsequenterweise ohne Kennzeichenhalterung, ohne Rückspiegel und ohne Blinker, also als reines Sportgerät. KTM bewirbt das Produkt nicht als Straßenfahrzeug. Wer regelmäßig Motorrad fährt, bestätigt das: Eine Sport-EXC im Straßenverkehr, auf Landstraßen, in der Stadt oder auf der Autobahn, ist eine absolute Seltenheit. Diese Maschinen werden zu Trainings, auf Endurostrecken und zu Wettbewerben gebracht und dort bewegt.

Wie viele Fahrzeuge sind tatsächlich betroffen?

Die genaue Zahl entdrosselter KTM-Enduros im europäischen Straßenverkehr lässt sich nicht beziffern. In Österreich waren 2025 laut Statistik Austria rund 11.000 Enduros von KTM und den Schwestermarken GasGas und Husqvarna zugelassen. Für Deutschland wird die Zahl von 27.000 zugelassenen Maschinen dieser drei Marken genannt.

Diese Zahl ist allerdings irreführend. Sie umfasst auch Modelle, die mit dem Drosselungsthema nichts zu tun haben: die KTM 690 Enduro, die 690 SMC, die Adventure-Baureihen, diverse Supermoto-Modelle und weitere Straßenmotorräder mit eigener vollwertiger Typgenehmigung. Die tatsächlich betroffenen Sport-EXC-Modelle machen einen deutlich kleineren Anteil aus. Nach Zulassungszahlen des Industrieverbands Motorrad lagen die Neuzulassungen der relevanten Sport-EXC-Modelle der gesamten Konzerngruppe (KTM, Husqvarna, GasGas) 2024 bei 4.261 Einheiten und 2025 bei 464 Einheiten. Die große Differenz zwischen den Jahren erklärt sich durch die Euro-5+-Übergangsphase. Über eine typische Nutzungsdauer von fünf bis sieben Jahren ergibt sich ein geschätzter Bestand von 12.000 bis 16.000 Maschinen. Wie viele davon tatsächlich regelmäßig entdrosselt im öffentlichen Straßenverkehr bewegt werden, ist unbekannt. Diese Zahl liefert die Recherche nicht.

KTM 300 EXC TPI Modelljahr 2018
KTM-Enduros unter Verdacht: Was hinter der „Alibi-Zulassung" wirklich steckt 14

Was riskieren Fahrer entdrosselter KTM-Enduros?

Die rechtlichen Risiken sind erheblich. Laut dem Chefjuristen des österreichischen Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV), Armin Kaltenegger, drohen hohe Verwaltungsstrafen, der Führerscheinentzug und sogar strafrechtliche Konsequenzen. Bei einem Unfall mit einer Maschine, die nicht dem zugelassenen Zustand entspricht, droht zudem der Verlust des Versicherungsschutzes. Ermittlungen wegen Versicherungsbetrugs seien möglich.

Auch Händler können strafrechtlich belangt werden, wenn sie nicht deutlich darauf hinweisen, dass eine umgebaute Enduro keine Straßenzulassung mehr besitzt, oder wenn sie die Entdrosselung aktiv empfehlen. Für KTM selbst sieht Kaltenegger mögliche wettbewerbsrechtliche Folgen, da der Hersteller durch ein Angebot, das legal handelnde Wettbewerber nicht machen, einen Vorteil erziele.

Der auf Klimaklagen spezialisierte deutsche Umweltanwalt Remo Klinger ordnet die Praxis als „derart grob rechtswidrig und illegal, dass einem das selten so untergekommen ist“ ein und spricht von „klarer illegaler Manipulation“. Diese Einschätzung bezieht sich allerdings auf die Gesamtpraxis, also die Kette aus Herstellerlieferung, Händlerumbau und Straßennutzung, nicht isoliert auf die Werkauslieferung.

Welche Folgen könnte der Fall für die Motorradbranche haben?

Die politische Dimension reicht über KTM hinaus. Die mediale Zuspitzung erfolgt in einer Phase, in der ohnehin über Motorradlärm, Fahrverbote und Streckensperrungen diskutiert wird. Der durchschnittliche Leser einer Tageszeitung oder eines TV-Magazins unterscheidet selten zwischen einer hochspezialisierten Sport-EXC und einem normalen Straßenmotorrad. Im öffentlichen Eindruck droht der pauschale Vorwurf, Motorradfahrer würden betrügen, zu laut fahren und die Umwelt belasten. Das trifft dann auch die überwältigende Mehrheit der Motorradfahrer, die mit Wettbewerbsenduros und Entdrosselungen nichts zu tun hat.

KTM steht ohnehin in einer schwierigen Phase. Der Konzern durchlief 2024 ein Insolvenzverfahren und befindet sich im Wiederaufbau. Die Enthüllungen treffen das Unternehmen zu einem Zeitpunkt, an dem Vertrauen bei Kunden, Händlern und Investoren besonders wichtig wäre.

Ob sich aus den Recherchen tatsächlich ein Skandal von der Tragweite eines VW-Dieselskandals entwickelt, wird maßgeblich davon abhängen, welche Ergebnisse die KBA-Ermittlungen liefern. Der entscheidende Unterschied bleibt bestehen: Bei VW war der Betrug ins Produkt eingebaut, der Kunde war ahnungslos. Bei KTM verlässt ein legales Produkt das Werk. Was danach passiert, liegt in der Verantwortung von Händlern und Käufern. Dass einzelne Händler diese Verantwortung nicht ernst nehmen und die Entdrosselung aktiv vorantreiben, ist ein echtes Problem. Aber ein Hersteller, der ein vorschriftskonformes Fahrzeug ausliefert, ist kein Hersteller, der systematisch betrügt.

KTM 300 EXC TPI Enduro Wettbewerb
KTM-Enduros unter Verdacht: Was hinter der „Alibi-Zulassung" wirklich steckt 15

Häufige Fragen

  • Was ist die „Alibi-Zulassung“ bei KTM-Enduros?

    KTM liefert Sportenduros wie die 300 EXC in einem gedrosselten Zustand aus, der eine gültige Straßenzulassung ermöglicht. Händler sollen die Maschinen vor dem Verkauf entdrosseln und mit den Papieren der gedrosselten Variante an Kunden übergeben. Zehn europäische Medien bezeichnen dieses Vorgehen als Alibi-Zulassung.

  • Ist der KTM-Fall mit dem VW-Dieselskandal vergleichbar?

    Nein. Bei VW war die Manipulation in die Software eingebaut, der Käufer wusste nichts davon. Bei KTM verlässt ein vorschriftskonformes Fahrzeug das Werk. Die Entdrosselung erfolgt erst nachträglich durch Händler oder Fahrer. Der Käufer weiß, was er tut.

  • Ermittelt das Kraftfahrtbundesamt gegen KTM?

    Ja, das KBA hat auf Basis der Rechercheergebnisse eine Untersuchung eingeleitet. Bei festgestellten Vorschriftenabweichungen will die Behörde Maßnahmen gegen beteiligte Wirtschaftsakteure einleiten.

  • Was riskieren Fahrer entdrosselter KTM-Enduros?

    Hohe Verwaltungsstrafen, Führerscheinentzug und strafrechtliche Konsequenzen. Bei einem Unfall mit einer nicht dem zugelassenen Zustand entsprechenden Maschine droht der Verlust des Versicherungsschutzes.

  • Warum haben Sportenduros überhaupt eine Straßenzulassung?

    Enduro-Wettbewerbe in Europa führen auch über öffentliche Straßen. Die Drosselung ist die einzige Möglichkeit, Wettbewerbsmotorräder mit Kennzeichen anzubieten. In Europa fehlt eine eigene Offroad-Kategorie wie die OHV-Registrierung in den USA.

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Redakteur bei Motorrad Nachrichten. Fokus auf Technik, Szene und Motorradpolitik – neutral, sachlich, verständlich. Verantwortlich für die Seiten www.Motorcycles.News, www.Motorrad.Training und den YouTube-Kanal "Motorrad Nachrichten", sowie deren social Media-Seiten.

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