- Ducati bildet 2027 das Werksteam mit Marc Marquez und Pedro Acosta.
- Morbidelli, Miller, Rins, Binder und Viñales droht der Verlust ihres MotoGP-Startplatzes.
- Bis zu fünf Rookies könnten in der Saison 2027 neu in der MotoGP starten.
Der Fahrermarkt der MotoGP ist so früh wie selten in Bewegung. Nach der Einigung zwischen den Herstellern und der MotoGP-Gruppe folgte eine Welle an Vertragsmeldungen, die das Bild für die Saison 2027 in kurzer Zeit fast vollständig gemacht hat. Für einige erfahrene Fahrer bleibt am Ende kein Cockpit übrig, während gleich mehrere Nachwuchsfahrer den Sprung in die Königsklasse schaffen. Der Umbruch zeigt sich quer durch das Feld, vom Werksteam bis zu den Kundenmannschaften.

Warum ist das MotoGP-Fahrerfeld für 2027 schon jetzt fast komplett?
Der Grund ist die Einigung zwischen den Herstellern und der MotoGP-Gruppe, die den Startschuss für zahlreiche Vertragsbekanntgaben gab. Direkt danach begannen die Teams, ihre Fahrer offiziell zu bestätigen. Nur noch wenige Plätze sind offen, und die lassen sich an einer Hand abzählen. Ungeklärt ist die Lage vor allem bei zwei Mannschaften. Beim VR46-Team laufen Gespräche mit Nicolò Bulega über einen Vertrag über ein Jahr mit Option auf ein weiteres. Dieses Angebot überzeugt ihn nur bedingt, es soll aber zugleich seine einzige Chance auf den Aufstieg sein. Bei Tech3 ist die zweite Reihe ebenfalls noch nicht entschieden.
Welche Fahrerpaarungen stehen für 2027 bereits fest?
Offiziell bestätigt sind die Werksteams von Ducati, Aprilia, Yamaha und KTM sowie das Team Gresini. Ducati geht mit Marc Marquez und Pedro Acosta an den Start. Aprilia setzt auf Marco Bezzecchi und Pecco Bagnaia. Yamaha bildet sein Werksteam mit Jorge Martin und Ai Ogura. KTM bestätigte zudem offiziell die Ankunft von Alex Marquez und Fabio Di Giannantonio im Werksteam. Auch Gresini meldete mit Joan Mir und Dani Holgado eine feste Paarung. Weitere Bekanntgaben sollen in den kommenden Tagen folgen, darunter der erwartete Wechsel von Fabio Quartararo zu Honda. Bei Trackhouse erhielt Raul Fernandez den gewünschten Zweijahresvertrag, an seiner Seite soll Enea Bastianini kommen.

Pedro Acosta trifft bei Ducati auf Marc Marquez
Für Acosta bedeutet der Schritt zu Ducati, dass er direkt neben einem der erfolgreichsten Fahrer der jüngeren Geschichte antritt. Er spricht offen davon, dass er die Zusammenarbeit als Gelegenheit sieht, von Marquez und dessen Erfahrung zu lernen. Acosta bezeichnet den Wechsel als Ehre: „It’s an honour to share a team with Marc.“ Auf Deutsch: „Es ist eine Ehre, ein Team mit Marc zu teilen.“ Er verweist darauf, dass Marquez der letzte aktive Fahrer sei, der noch gegen Größen wie Valentino Rossi, Dani Pedrosa und Jorge Lorenzo um Titel gekämpft habe.
Sportlich verlief Acostas laufende Saison wechselhaft. Nach seinem ersten Sprintsieg in Buriram, bei dem er Marquez hinter sich ließ, übernahm er früh die WM-Führung. Danach fiel er durch eine Reihe technischer Probleme an seiner KTM auf den siebten Platz zurück. Zuletzt musste er sich zudem wegen eines Karpaltunnelsyndroms am rechten Handgelenk operieren lassen.
Bagnaias Abschied von Ducati nach acht Jahren
Nach acht gemeinsamen Jahren trennen sich Ducati und Pecco Bagnaia am Saisonende. Teammanager Davide Tardozzi ordnet den Abschied als Ergebnis eines langen und erfolgreichen Weges ein. Er nennt dabei konkrete Zahlen: zwei WM-Titel, zwei Vizetitel, 31 Siege, 28 Pole-Positions und 63 Podestplätze. Diese Bilanz ist noch nicht abgeschlossen, weil die halbe Saison noch aussteht. Tardozzi weist die Darstellung zurück, das Team habe sich von Bagnaia losgesagt, und beschreibt die Verbindung als über die Jahre gewachsen und unzerbrechlich.
Für die Zukunft rechnet er damit, dass Bagnaia bei Aprilia ein konkurrenzfähiges Motorrad vorfindet, während Ducati mit Acosta einen im Fahrerlager begehrten Fahrer gewinnt. Auf ein mögliches Wiedersehen als Gegner reagiert Tardozzi emotional. Sollte er 2027 gemeinsam mit Bagnaia knapp neben dem Podest stehen, werde er vermutlich nichts sagen können: „I’ll just hug him.“ Auf Deutsch: „Ich werde ihn einfach umarmen.“ Tardozzi erinnert außerdem daran, dass Casey Stoner Bagnaia in einigen Rennen mit Ratschlägen zu Linienwahl und Herangehensweise geholfen habe.

Wie ernst ist die Verletzung von Marc Marquez?
Nach den Worten von Tardozzi kämpft Marquez weiterhin mit einem ernsten Problem an der rechten Körperseite, das Arm und Schulter betrifft. Tardozzi beschreibt, dass Marquez seinen Körper genau steuern müsse und in einem Wechselverhältnis aus Ärger und Rücksicht mit der Verletzung lebe. Sichtbar werde der Unterschied bei Rechts- und Linkskurven, weil Marquez die Arme nicht gleich einsetzen könne, was sich auch in den Geschwindigkeitsdaten zeige. Trotzdem habe Marquez zwei der vergangenen drei Rennen gewonnen, was Tardozzi als Ausnahmeleistung wertet. Beim Race of Champions ließ es Marquez ruhiger angehen, um sich auf die Meisterschaft zu konzentrieren.
Tardozzi bringt in diesem Zusammenhang auch den alten Streit zwischen Marquez und Rossi zur Sprache. Er spricht sich dafür aus, das Zerwürfnis aus dem Jahr 2015 nach elf Jahren beizulegen, und bezeichnet es als überfällig, dass zwei derart erfahrene Fahrer wieder miteinander reden. Nach seiner Einschätzung gab es damals Fehler auf beiden Seiten.
Warum geht Ai Ogura nicht ins Fitnessstudio?
Ogura setzt nach Aussage seines früheren Crewchefs Norman Rank auf Fahrkönnen statt auf reine Kraft und trainiert deshalb vor allem auf dem Motorrad. Rank, der Ogura in der Moto2 betreute, erklärt, dass dieser das Motorrad nicht mit roher Kraft, sondern mit Talent bewege. Rank sagt deutlich: „He doesn’t go to the gym, except when he has to.“ Auf Deutsch: „Er geht nicht ins Fitnessstudio, außer wenn er muss.“ Ogura sammle stattdessen viele Kilometer auf dem Motorrad, besitze mehrere Maschinen zu Hause und trainiere sogar auf Modellen mit 1000 Kubikzentimetern. Bei seinem aktuellen Team Trackhouse sei diese Herangehensweise anfangs ein Thema gewesen. Rank verweist zudem auf Oguras klaren Plan: Im ersten Jahr habe er regelmäßige Platzierungen unter den besten zehn angestrebt, im zweiten Jahr gehe es um Podestplätze und Siege.
Sportlich passt diese Entwicklung zum bisherigen Verlauf. In Assen feierte Ogura seinen ersten Sieg in der Königsklasse, nachdem er am selben Wochenende bereits im Sprint Zweiter geworden war. In der WM-Wertung liegt er in seiner zweiten MotoGP-Saison auf dem vierten Platz, 25 Punkte hinter der Spitze. Auf die Frage nach dem Titelkampf antwortet er nüchtern: „If the numbers say I’m fighting for the title, then that’s how it is: I’m fighting for the title.“ Auf Deutsch: „Wenn die Zahlen sagen, dass ich um den Titel kämpfe, dann ist das so: Ich kämpfe um den Titel.“ Ab der kommenden Saison verlässt Ogura Aprilia und wechselt ins Yamaha-Werksteam an die Seite von Jorge Martin, ein Platz, auf dem zuletzt Fabio Quartararo und Alex Rins saßen.

Welchen Veteranen droht 2027 das Aus?
Fünf erfahrenen Fahrern droht das Aus in der MotoGP: Franco Morbidelli, Jack Miller, Alex Rins, Brad Binder und Maverick Viñales könnten ohne freies Cockpit dastehen. Jeder von ihnen hat die Meisterschaft über Jahre geprägt, einige haben sogar einen Titel gewonnen. Ein Wechsel in die Superbike-WM gilt als naheliegend, ist nach der Darstellung im Fahrerlager aber nicht einfach. Die Fahrer müssten dort ihre finanziellen Vorstellungen anpassen, und es gibt nicht genügend Spitzenplätze.
Eine mögliche Ausnahme ist Luca Marini, der bei Tech3 unterkommen könnte. Er gilt wegen seiner Qualitäten als Testfahrer und wegen seines Auftretens im Team und gegenüber den Medien als aussichtsreicher Kandidat. An seiner Seite ist ein Rookie vorgesehen, wobei die Wahl zwischen Senna Agius und Manu Gonzalez fällt. Agius soll leichte Vorteile haben, auch wegen seines australischen Passes.
Zugleich rücken bis zu fünf Neulinge nach. Dani Holgado ist bei Gresini bestätigt, David Alonso erhält einen Platz bei Honda im LCR-Team, und Izan Guevara soll bei Pramac an der Seite von Toprak Razgatlioglu fahren. Dazu kommen der mögliche Aufsteiger Bulega sowie Agius oder Gonzalez. Für die kommende Saison zeichnet sich damit ein umfassender personeller Wechsel im Fahrerfeld ab, der die MotoGP-Saison 2027 schon vor ihrem Beginn prägt.

Häufige Fragen
-
Wer fährt 2027 im Ducati-Werksteam?
Im Ducati-Werksteam fahren 2027 Marc Marquez und Pedro Acosta. Acosta kommt von KTM und ersetzt Pecco Bagnaia, der das Team nach acht Jahren verlässt.
-
Welche Fahrer bilden ab 2027 das Yamaha-Werksteam?
Yamaha setzt ab 2027 auf Jorge Martin und Ai Ogura. Ogura wechselt von seinem bisherigen Team zu Yamaha, dort saßen zuletzt Fabio Quartararo und Alex Rins.
-
Welchen Fahrern droht 2027 das Aus in der MotoGP?
Franco Morbidelli, Jack Miller, Alex Rins, Brad Binder und Maverick Viñales droht der Verlust ihres Startplatzes. Ein Wechsel in die Superbike-WM gilt als schwierig, weil dort nur wenige Spitzenplätze frei sind.
-
Wie viele Rookies starten in der MotoGP-Saison 2027?
In der MotoGP 2027 könnten bis zu fünf Rookies antreten. Genannt werden Dani Holgado, David Alonso, Izan Guevara, Nicolò Bulega sowie Senna Agius oder Manu Gonzalez.
-
Warum trainiert Ai Ogura nicht im Fitnessstudio?
Nach Aussage seines früheren Crewchefs Norman Rank setzt Ogura auf Fahrkönnen statt auf reine Kraft. Er sammelt viele Kilometer auf dem Motorrad und geht nur ins Fitnessstudio, wenn es nötig ist.












