- Neuer FIM-Weltrekord über den fliegenden Kilometer: 235,526 km/h (146,349 mph)
- Maschine: Triumph Rocket III Roadster von 2012, Dreizylinder mit 2.295 cm³, beschwerter Seitenwagen
- Insgesamt acht neue Bestmarken bei den Speed Trials, alle noch nicht ratifiziert
Die Bonneville Motorcycle Speed Trials sind der wichtigste Termin im Kalender der FIM Land Speed World Records. Vom 23. bis 27. August 2026 traf sich das Teilnehmerfeld wieder auf der Salzfläche in Utah, rund 200 Kilometer westlich von Salt Lake City. Anders als im Vorjahr spielten diesmal sowohl das Salz als auch das Wetter mit, und das schlug sich unmittelbar in den Ergebnissen nieder. Eine der Fahrerinnen, die davon profitierten, war Liane Langlois aus Edmonton in der Provinz Alberta.

Wie schnell ist Liane Langlois in Bonneville gefahren?
Langlois erreichte über den fliegenden Kilometer 235,526 km/h (146,349 mph) und stellte damit einen neuen FIM-Weltrekord auf. Im Vorjahr hatte sie an derselben Stelle 219,403 km/h (136,331 mph) erreicht.
Die 51-Jährige ist die erste Kanadierin, die einen FIM-Landgeschwindigkeitsweltrekord auf einem Motorrad hält. Ihren Hinlauf am Dienstag beendete sie laut eigener Schilderung mit 146,9 mph. Auf der Rückfahrt hatte sie beim Schalten das Gefühl, dass etwas nicht stimmte, kam aber trotzdem mit 145,7 mph durch die gemessene Meile. Aus beiden Läufen ergab sich der offizielle Wert.
Bemerkenswert ist der Sprung, den sie in kurzer Zeit gemacht hat. Ihr allererster Lauf mit diesem Gespann lag 2024 noch deutlich niedriger. „The very first time I ran it in 2024, my very first pass was only 95mph!“ Übersetzt: „Als ich es 2024 zum allerersten Mal gefahren bin, lag mein allererster Lauf bei nur 95 Meilen pro Stunde.“ Aus 152,9 km/h wurden binnen dreier Jahre 235,5 km/h.
Warum zählt der Lauf als neuer Rekord und nicht als Verbesserung?
Weil Langlois in einer anderen Klasse angetreten ist. Ihr Gespann bekam für 2026 eine Frontverkleidung und eine Abdeckung über dem Seitenwagenrad, und genau diese Karosserie entscheidet über die Einteilung.
Bei den FIM Land Speed World Records sind alle Klassen geschlechtsneutral. Eingeteilt wird nach Antriebsart, Karosserie, Energiequelle, Hubraum und Zylinderzahl. Ihr Rekord von 2025 entstand mit unverkleidetem Gespann. Mit der neuen Karosserie fällt die Maschine in die Division B für teilverkleidete Gespanne, die nicht vollständig eingehaust sind wie ein Streamliner. Vor der Veranstaltung erklärte Langlois, das Ziel sei genau dieser Wechsel gewesen: etwas mehr Tempo und ein weiterer Weltrekord für Kanada.
Sie ordnete das Vorhaben selbst als Sonderfall ein und merkte an, dass sich sonst niemand einen Seitenwagen an ein Motorrad dieser Größe baue. Damit setze sie den Maßstab in dieser Klasse, und sie habe nicht vor, ihn niedrig anzusetzen.

Was hat die Verkleidung an der Rocket III verändert?
Die Verkleidung sollte den Luftwiderstand senken, brachte aber auch eine Unbekannte ins Spiel. Wie sich das Gespann damit fährt, konnte Langlois vorher nicht testen.
Die Maschine steht rund 1.400 Kilometer von ihrem Zuhause entfernt beim amerikanischen Team in North Dakota. Aufgebaut hat sie JKR Powersports, Basis ist eine Triumph Rocket III Roadster aus dem Jahr 2012 mit dem Dreizylinder mit 2.295 cm³ und einem beschwerten Seitenwagen. Vor der Veranstaltung sprach Langlois mit Jeremy Ragle, dem Inhaber von JKR Powersports, über die möglichen Folgen der Umbauten. Ihre Einschätzung: Die Frontverkleidung bringt Aerodynamik und ein sichereres Gefühl, die Abdeckung über dem Seitenwagenrad erhöht dagegen den Abtrieb, was das Fahrverhalten verändern kann.
Sie widersprach dabei auch der verbreiteten Annahme, ein Seitenwagen mache die Sache einfacher. Sie sei auf der Salzfläche auch zweirädrig unterwegs gewesen, und das Gespann verlange eine ganz andere Art von Körperkraft, um es geradeaus zu halten.
Der zweite Faktor war die Strecke selbst. Nach ihrer eigenen Darstellung hätte ihr Rekord bereits 2025 höher ausfallen können, doch das Salz wurde weich und das Wetter passte nicht. Für 2026 nannte sie als Ziel, deutlich über die Marke von 137 mph zu kommen. Am Ende wurden es 146,349 mph.
Wie funktioniert die Zeitmessung bei den FIM-Landgeschwindigkeitsrekorden?
Gemessen wird über eine fliegende Meile und einen fliegenden Kilometer, und zwar in beide Richtungen. Nach dem ersten Lauf haben die Fahrer zwei Stunden Zeit für den Rückweg, aus beiden Zeiten wird ein Durchschnitt gebildet, und dieser Mittelwert gilt als offizielle Geschwindigkeit.
Das erklärt auch, warum die Einzelwerte aus Langlois’ Schilderung nicht exakt mit der Rekordmarke übereinstimmen. Der Hin- und der Rücklauf lagen jeweils leicht daneben, der Durchschnitt ergab die 146,349 mph. Alle in Utah aufgestellten Bestmarken stehen zudem noch unter dem Vorbehalt der offiziellen Ratifizierung durch die FIM.

Welche weiteren Rekorde fielen bei den Bonneville Speed Trials 2026?
Insgesamt kamen acht neue Bestmarken zusammen, deutlich mehr als bei der Ausgabe 2025. Verantwortlich dafür waren nach Angaben der Veranstalter vor allem die besseren Bedingungen.
Delvene Reber, Besitzerin und Direktorin der Veranstaltung, die das Event 2004 mitgegründet hat, sprach von einer deutlich besseren Salzdecke als im Vorjahr und von mehreren gut nutzbaren Meilen Strecke. Lediglich zu Wochenbeginn habe es Sorgen wegen Wind gegeben. Schon vor der Veranstaltung hatte sie darauf hingewiesen, dass die Salzkruste 2025 sehr brüchig gewesen war und dass diesmal mehr Anmeldungen vorlagen.
Den ersten neuen FIM-Rekord setzte Tyrell Marlow gleich am Auftakttag mit einer Suzuki TL1000R von 2002. Der Zweizylinder kam über den fliegenden Kilometer auf 264,668 km/h (164,457 mph). Angus Wing verbuchte gleich zwei Bestmarken mit seinem Kawasaki-ZX-14-Gespann von 2009: 186,865 km/h (116,112 mph) in teilverkleideter Ausführung und 176,9 km/h (109,919 mph) ohne Verkleidung.
Die höchste Geschwindigkeit unter den Rekordfahrten erzielte Jay Allen, eine bekannte Größe in dieser Disziplin. Auf seiner zweizylindrigen Harley-Davidson Electra Glide von 2017 wurde er über den fliegenden Kilometer mit 292,650 km/h (181,844 mph) gemessen. Lisa Cipolla steigerte mit ihrer vierzylindrigen Kawasaki ZX-6R mit 600 cm³ von Zlock Racing LCC ihre beiden Vorjahreswerte auf 243,924 km/h (151,567 mph) teilverkleidet und 228,186 km/h (141,788 mph) unverkleidet.
Dass es bei diesen Rekorden nicht allein um hohe Geschwindigkeiten geht, zeigt der Fall von Ronald Knight. Der Amerikaner trat mit einer seltenen Yamaha LS2 von 1972 mit 100 cm³ an, einem Zweizylinder, der nur ein einziges Jahr gebaut wurde. Am zweiten Tag stellte er mit 92,941 km/h (57,751 mph) einen Rekord auf, verbesserte ihn am dritten Tag und legte am Schlusstag noch einmal auf 98,886 km/h (61,445 mph) nach.

Rivas und Håkansson bleiben unter ihren Zielen
Die beiden mit Abstand höchsten Zielmarken der Veranstaltung blieben unerreicht. Chris Rivas trat mit dem BUB Seven Streamliner an, um den absoluten Landgeschwindigkeitsweltrekord von 605,697 km/h (376,363 mph) anzugreifen, den Rocky Robinson 2010 aufgestellt hatte. Näher kam er nicht heran, ein Lauf mit 290,71 km/h (180,64 mph) galt aber als Fortschritt.
Eva Håkansson hatte es mit ihrem Elektro-Streamliner Green Envy auf die Bestmarke von Max Biaggi abgesehen, der 2021 in Cape Canaveral 455,737 km/h (283,182 mph) erreichte. Bei etwas über 250 mph begann sich ihre Windschutzscheibe unter der aerodynamischen Last zu verformen. Sie konnte zwar noch seitlich vorbeisehen, musste den Lauf aber vorzeitig abbrechen. Ihr bester Schnitt lag bei 395,899 km/h (246 mph).
Trotzdem fiel ihr Fazit positiv aus. Sie sprach vom besten Salz und der besten Strecke, die sie in sechzehn Jahren Landgeschwindigkeitsrennen in Bonneville erlebt habe, und davon, dass mit ein paar zusätzlichen Tagen eine Verstärkung der Scheibe möglich gewesen wäre. Alles Wesentliche habe funktioniert, der Antriebsstrang sei fehlerfrei gelaufen, und in dem Fahrzeug stecke ohne Weiteres eine Geschwindigkeit von 300 mph. Sie wolle aber Schritt für Schritt vorgehen: „It’s kinda like training for the Olympics.“ Übersetzt: „Das ist ein bisschen wie das Training für die Olympischen Spiele.“
Häufige Fragen
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Wie schnell war Liane Langlois beim Weltrekord 2026?
Liane Langlois erreichte 235,526 km/h (146,349 mph) über den fliegenden Kilometer. Der Wert ist der Durchschnitt aus Hin- und Rücklauf. Im Vorjahr hatte sie an gleicher Stelle 219,403 km/h (136,331 mph) erreicht.
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Welches Motorrad fährt Liane Langlois in Bonneville?
Sie fährt ein Seitenwagengespann auf Basis einer Triumph Rocket III Roadster aus dem Jahr 2012. Der Dreizylinder hat 2.295 cm³, das Gespann wurde von JKR Powersports aufgebaut und hat einen beschwerten Seitenwagen. Für 2026 kamen eine Frontverkleidung und eine Abdeckung über dem Seitenwagenrad dazu.
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Warum gilt der Lauf als eigener Weltrekord?
Weil die zusätzliche Karosserie die Maschine in eine andere FIM-Klasse einordnet, nämlich die Division B für teilverkleidete Gespanne. Die Klassen richten sich unter anderem nach Antriebsart, Karosserie, Hubraum und Zylinderzahl. Der Rekord von 2025 entstand mit unverkleidetem Gespann.
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Wie viele Rekorde gab es bei den Bonneville Motorcycle Speed Trials 2026?
Insgesamt acht neue Bestmarken, die noch ratifiziert werden müssen. Die schnellste davon fuhr Jay Allen mit 292,650 km/h (181,844 mph) auf einer Harley-Davidson Electra Glide. Die Angriffe auf den absoluten Rekord und den Elektro-Rekord blieben dagegen erfolglos.












