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Startseite » MotoGP in Miami? Liberty Media treibt den Umbau des Rennkalenders voran
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MotoGP

MotoGP in Miami? Liberty Media treibt den Umbau des Rennkalenders voran

By Andreas Denner9 Mai, 2026
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Liberty Media prüft ein zweites MotoGP-Rennen in den USA. Das Miami International Autodrome gilt als möglicher Austragungsort, doch die Sicherheitsfrage ist ungeklärt.
  • Liberty-CEO Derek Chang bestätigt Gespräche mit dem Miami-Veranstalter South Florida Motorsports
  • Die MotoGP soll näher an Großstädte rücken, Adelaide und Buenos Aires machen den Anfang
  • Fahrer wie Enea Bastianini kritisieren die Sicherheitskommission und fordern eine Fahrergewerkschaft

Liberty Media baut die MotoGP um. Das Medienunternehmen aus Colorado, das die Motorrad-Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr von Dorna Sports übernommen hat, verfolgt eine klare Strategie: mehr Rennen in Großstädten, mehr Zuschauer, mehr Umsatz. Im Rahmen eines Investorengesprächs zu den Quartalszahlen des ersten Quartals 2026 hat CEO Derek Chang erstmals öffentlich bestätigt, dass Miami als Austragungsort für ein zweites US-Rennen geprüft wird. Gleichzeitig wächst unter den Fahrern der Widerstand gegen die Sicherheitspolitik der neuen Eigentümer.

Enea Bastianini auf der Red Bull KTM Tech3 RC16 auf der Strecke in Austin – MotoGP Americas GP COTA 2026

Warum prüft Liberty Media ausgerechnet Miami für ein MotoGP-Rennen?

Miami steht als Standort im Fokus, weil dort mit dem Miami International Autodrome bereits eine Rennstrecke existiert. Die temporäre Anlage rund um das Hard Rock Stadium der Miami Dolphins wird seit 2022 für den Formel-1-Grand-Prix genutzt. Chang bezeichnete Miami in dem Investorengespräch als „a logical spot, because there’s already a track there“ (einen logischen Ort, weil dort bereits eine Strecke vorhanden ist).

Allerdings handelt es sich dabei nicht um einen klassischen Stadtkurs. Das Miami International Autodrome ist eine temporäre Anlage, die auf dem Gelände des Stadions aufgebaut wird. Für die Formel 1 funktioniert dieses Konzept, doch die MotoGP stellt grundlegend andere Anforderungen an die Sicherheitsinfrastruktur. Chang räumte ein, dass es „a lot of things that have to get worked out“ (viele Dinge, die geklärt werden müssen) gebe, insbesondere bei Sicherheitsfragen, „where you’ve got different requirements than Formula 1″ (wo es andere Anforderungen gibt als in der Formel 1).

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Der MotoGP-Kalender 2026 umfasst bereits 22 Rennen. Derzeit findet mit dem Grand Prix auf dem Circuit of the Americas in Austin, Texas, nur ein einziges US-Rennen pro Saison statt. Noch 2013 gab es drei Rennen in den Vereinigten Staaten. Das Austin-Rennen gilt laut mehreren Berichten als eines der am schlechtesten besuchten Events im Kalender und ist das einzige Rennen, bei dem regelmäßig keine Zuschauerzahlen veröffentlicht werden.

Was plant Liberty Media mit dem MotoGP-Kalender?

Die Miami-Pläne sind Teil einer umfassenderen Strategie. Liberty Media will die MotoGP näher an die Fans bringen, und das bedeutet nach Changs Worten: näher an die Städte. „Our stated objective is to get some of these races closer to cities where we can leverage off of the infrastructure, whether it’s the airport and long-distance travel, for both ourselves as well as for the fans who are coming in internationally, and the hotels and the restaurants and sort of ease of access“ (Unser erklärtes Ziel ist es, einige dieser Rennen näher an Städte zu bringen, wo wir die vorhandene Infrastruktur nutzen können, ob Flughäfen, Fernreiseanbindungen, Hotels, Restaurants oder die allgemeine Erreichbarkeit, und zwar sowohl für uns als auch für international anreisende Fans), erklärte Chang.

Erste Schritte in diese Richtung sind bereits vollzogen. Für 2027 hat die MotoGP den Umzug des Australien-Grand-Prix von Phillip Island nach Adelaide angekündigt, wo auf einer modifizierten Version des ehemaligen Formel-1-Stadtkurses gefahren werden soll. Auch die Rückkehr nach Buenos Aires für den Argentinien-Grand-Prix folgt diesem Muster. „We’re already starting to make progress on that“ (Wir machen bereits Fortschritte in diese Richtung), sagte Chang.

Das Vorbild ist klar: Liberty Media hat mit genau dieser Strategie die Formel 1 in den USA zum kommerziellen Erfolg geführt. Seit der Übernahme 2017 kamen Rennen in Miami, Las Vegas und zuletzt Madrid hinzu. Die Formel 1 erlebt in den Vereinigten Staaten einen Boom, der sich auch in den Zuschauerzahlen widerspiegelt. Allein der Miami-Grand-Prix der Formel 1 zieht laut Berichten über 275.000 Besucher pro Rennwochenende an.

Fabio Quartararo auf der Yamaha YZR-M1 in Schräglage bei Regen – MotoGP GP Spanien Jerez 2026

Welche Sicherheitsbedenken gibt es bei einem MotoGP-Rennen in Miami?

Genau an diesem Punkt wird die Diskussion grundsätzlich. Die MotoGP hat Straßenkurse und öffentliche Straßen aus gutem Grund aus dem Kalender gestrichen. In den 1970er- und 1980er-Jahren verabschiedete sich die Motorrad-WM von Austragungsorten wie Imatra in Finnland, dem Nürburgring und der Isle of Man TT, weil Fahrer bei Stürzen gegen streckenseitige Strukturen prallten und dabei tödlich verunglückten oder schwer verletzt wurden.

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Das Miami International Autodrome bringt genau diese Problematik zurück ins Spiel. Die Strecke ist von Betonmauern gesäumt und bietet kaum Auslaufzonen. Gebäude und Brücken rund um den Kurs schränken die Möglichkeiten ein, die Begrenzungen weiter nach hinten zu verlegen. Ein gestürzter MotoGP-Fahrer kann bei Geschwindigkeiten von über 300 km/h deutlich weiter rutschen als ein Formel-1-Pilot in seinem geschlossenen Cockpit. Die Anpassung der Strecke an MotoGP-Sicherheitsstandards wäre demnach ein erheblich größerer Aufwand als bei der Formel 1.

Auch der geplante Adelaide-Kurs ist in dieser Hinsicht noch nicht vollständig erklärt worden. Die MotoGP Sports Entertainment Group hat zwar ein Streckenlayout veröffentlicht, das eher einem Parkland-Kurs als einem klassischen Stadtkurs entspricht und Kiesbetten vorsieht. Doch konkrete Details zur Umsetzung der Sicherheitsinfrastruktur stehen noch aus.

Warum protestieren die Fahrer gegen Liberty Medias Kurs?

Die Sicherheitsdebatte rund um Miami und Adelaide findet nicht im luftleeren Raum statt. In der MotoGP-Saison 2026 hat sich eine wachsende Unzufriedenheit unter den Fahrern über den Umgang mit Sicherheitsfragen entwickelt.

Enea Bastianini, Fahrer im Red Bull KTM Tech3-Team, sprach sich beim Grand Prix von Spanien in Jerez offen über seine Frustration aus. Er erklärte, er habe 2026 an keiner einzigen Sitzung der Safety Commission teilgenommen, weil die Gespräche dort seiner Meinung nach keine Ergebnisse brächten. „We have the safety commission but it’s very difficult to talk in the safety commission and be satisfied for the future, if I’m honest, because we talk a lot every time but things don’t always change“ (Wir haben die Sicherheitskommission, aber es ist ehrlich gesagt sehr schwierig, dort zu sprechen und für die Zukunft zufrieden zu sein, weil wir jedes Mal viel reden, sich aber nicht immer etwas ändert), sagte Bastianini.

Bastianini verweist auf seine eigene Erfahrung. Beim Debüt der MotoGP in Balaton Park in Ungarn im August 2025 stürzte er in der Schikane an Kurve 12/13 und rutschte zurück auf die Strecke, direkt in den Weg des nachfolgenden Feldes. Luca Marini und Pedro Acosta konnten ihm nur knapp ausweichen. „I’m very curious to see how it will be in Balaton, the corner where I crashed. If it will be the same, what can we do? We can talk. But we need to resolve the problem, not talk“ (Ich bin sehr gespannt, wie es in Balaton sein wird, in der Kurve, in der ich gestürzt bin. Wenn es genauso sein wird, was können wir tun? Wir können reden. Aber wir müssen das Problem lösen, nicht nur reden), sagte der Italiener.

Auch 2021-Weltmeister Fabio Quartararo bestätigte, dass er sich von den Sitzungen der Safety Commission zurückgezogen hat. Er verwies auf ein grundsätzliches Problem: mangelnde Einigkeit unter den Fahrern. Beim Indien-Grand-Prix etwa, als unerwarteter Regen für chaotische Bedingungen sorgte, konnten sich die Fahrer nicht auf ein gemeinsames Vorgehen einigen. „They [F1] are years in front of us“ (Die [Formel 1] sind uns Jahre voraus), so Quartararo.

Bastianini fordert deshalb die Gründung einer Fahrervereinigung nach dem Vorbild der Grand Prix Drivers‘ Association (GPDA) in der Formel 1. „Three years ago we started talking about making something new for the riders, because there’s IRTA for the teams and nothing for the riders. For safety and for many other things I hope we will have something, because for us it will be a different world“ (Vor drei Jahren haben wir angefangen, über etwas Neues für die Fahrer zu sprechen, weil es die IRTA für die Teams gibt und nichts für die Fahrer. Für die Sicherheit und für viele andere Dinge hoffe ich, dass wir etwas bekommen, weil es für uns eine andere Welt wäre), erklärte Bastianini.

Die Formel 1 hat mit der GPDA seit den frühen 1960er-Jahren eine organisierte Fahrervertretung. Die MotoGP verfügt über kein vergleichbares Gremium. Versuche, 2023 eine ähnliche Vereinigung zu gründen, verliefen im Sande.

MotoGP Test Jerez 2026 KTM Enea Bastianini 03

Wie will Liberty Media Tradition und Expansion in Einklang bringen?

Chang betonte im Investorengespräch, dass es keinen radikalen Kahlschlag beim Kalender geben soll. „We don’t want a wholesale change-out of all the races. We have a long heritage here of races in many compelling locations. It makes a lot of sense to keep them there. They’ve been fixtures on the race calendar and they bring a lot to the sport and a lot to the identity of the sport“ (Wir wollen keinen kompletten Austausch aller Rennen. Wir haben hier eine lange Tradition mit Rennen an vielen faszinierenden Orten. Es ergibt Sinn, sie dort zu lassen. Sie sind feste Bestandteile des Rennkalenders und tragen viel zum Sport und seiner Identität bei), sagte der Liberty-CEO.

Chang nannte dabei gezielt Beispiele: Er sei 2026 bereits in Austin und Jerez gewesen und werde noch Mugello und Assen besuchen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, was die einzelnen Austragungsorte ausmacht. Man wolle die Fan-Erfahrung verbessern, ohne die Meisterschaft zu verfälschen. Auch an Standorten, die nicht verlegt werden, gebe es Verbesserungspotenzial.

Ob dieser Balanceakt gelingt, bleibt allerdings offen. Bei der Formel 1 hat die Hinwendung zu Stadtrennen und glamourösen Austragungsorten zwar kommerziellen Erfolg gebracht, gleichzeitig aber Teile der eingefleischten Fangemeinde verärgert. Traditionelle Rennstrecken gerieten unter Druck oder mussten sich auf Rotationssysteme einlassen. Für die MotoGP kommt erschwerend hinzu, dass die Sicherheitsanforderungen bei Motorradrennen grundlegend andere sind als im Automobilsport. Ein Miami-Grand-Prix der MotoGP wäre demnach ein langfristiges Projekt, wie Chang selbst einräumte: „It’s going to take time, just like it did with F1″ (Es wird Zeit brauchen, genau wie bei der Formel 1).

Dass die Debatte über spanische Austragungsorte parallel läuft, zeigt die Dimension des Umbruchs. MotoGP-Boss Carmelo Ezpeleta deutete in einer Pressekonferenz an, dass mindestens eines der derzeit vier Spanien-Rennen (Jerez, Barcelona, Aragon, Valencia) langfristig vom Kalender fallen könnte, da knapp 20 Prozent aller Rennen in einem einzigen Land nicht nachhaltig seien.

Fabio Quartararo auf der Yamaha YZR-M1 Seitenansicht – MotoGP Spanien GP Jerez 2026

Häufige Fragen

  • Wann könnte ein MotoGP-Rennen in Miami stattfinden?

    Ein konkreter Zeitplan existiert nicht. Liberty-CEO Derek Chang sprach von einem langfristigen Projekt und zog den Vergleich zur Formel 1, deren US-Expansion ebenfalls Jahre gedauert hat. Es gibt bisher keine offizielle Ankündigung eines Datums oder einer konkreten Vereinbarung mit dem Veranstalter South Florida Motorsports.

  • Welche Sicherheitsprobleme hat das Miami International Autodrome für die MotoGP?

    Die Strecke ist von Betonmauern gesäumt und verfügt über sehr begrenzte Auslaufzonen. MotoGP-Fahrer benötigen deutlich mehr Sicherheitsabstände als Formel-1-Piloten, da gestürzte Fahrer ungeschützt über den Asphalt rutschen. Gebäude und Brücken rund um die Strecke erschweren bauliche Anpassungen zusätzlich.

  • Warum boykottiert Enea Bastianini die MotoGP Safety Commission?

    Bastianini hat erklärt, 2026 an keiner Sitzung der Sicherheitskommission teilgenommen zu haben, weil dort zwar viel gesprochen, aber wenig verändert werde. Er verweist auf seinen eigenen Sturz in Balaton Park 2025, bei dem er nach einer Schikane zurück auf die Strecke rutschte und nur knapp nicht vom nachfolgenden Feld erfasst wurde.

  • Gibt es eine Fahrergewerkschaft in der MotoGP?

    Nein. Im Gegensatz zur Formel 1, die seit den 1960er-Jahren über die Grand Prix Drivers’ Association verfügt, hat die MotoGP keine offizielle Fahrervertretung. Bastianini und andere Fahrer fordern die Gründung einer solchen Vereinigung, bisherige Anläufe im Jahr 2023 scheiterten jedoch.

  • Welche Strecken könnten durch die Kalenderänderungen unter Druck geraten?

    Phillip Island wurde bereits durch Adelaide ersetzt. MotoGP-Boss Carmelo Ezpeleta deutete an, dass mindestens eines der vier spanischen Rennen langfristig wegfallen könnte. Das Austin-Rennen auf dem Circuit of the Americas kämpft mit rückläufigen Zuschauerzahlen. Traditionelle Strecken wie Mugello, Assen und Le Mans sollen laut Chang aber erhalten bleiben.

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Redakteur bei Motorrad Nachrichten. Fokus auf Technik, Szene und Motorradpolitik – neutral, sachlich, verständlich. Verantwortlich für die Seiten www.Motorcycles.News, www.Motorrad.Training und den YouTube-Kanal "Motorrad Nachrichten", sowie deren social Media-Seiten.

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