- 4,13 Kilometer, 15 Kurven, Baustart im Dezember 2026, erstes Rennen im November 2027
- Investition von 96 Millionen australischen Dollar (circa 59 Millionen Euro / 69 Millionen US-Dollar)
- 377 Bäume müssen weichen, 3.770 neue sollen gepflanzt werden
Adelaide übernimmt ab 2027 den Australien-GP vom Phillip Island Grand Prix Circuit. Damit verliert der Kalender eine schnelle Naturrennstrecke am Meer und bekommt dafür etwas, das es in der Geschichte der Weltmeisterschaft noch nie gab: ein Rennen mitten in einer Innenstadt. Der Vertrag läuft zunächst über sechs Ausgaben bis einschließlich 2032. Nach der ersten Präsentation im Februar 2026 liegt nun der überarbeitete Streckenplan vor, und der unterscheidet sich deutlich vom ersten Wurf.

Wie sieht das neue Layout der Adelaide-Strecke aus?
Der Kurs ist 4,13 Kilometer lang und hat 15 Kurven. Er entsteht auf dem Areal südöstlich der Innenstadt, auf dem von 1985 bis 1995 der Formel-1-Grand-Prix von Australien ausgetragen wurde.
Mehrere bekannte Abschnitte kehren zurück, darunter Stag Corner, Rundle Road, Brewery Bend und Dequetteville Terrace. Andere Passagen wurden neu gezeichnet, um die heutigen Sicherheitsanforderungen der FIM zu erfüllen. Die rechtwinkligen Kurven zwischen Wakefield Street und Flinders Street, die für Autos funktionierten, fallen für den Motorradsport weg. Am Entwurf beteiligt waren nach Angaben der Veranstalter das South Australian Motor Sport Board, die FIM, Motorcycling Australia, die MotoGP und Supercars Australia. Fachliche Beratung kam von Loris Capirossi, früherem 125er- und 250er-Weltmeister und heute Sicherheitsberater der MotoGP, sowie von Mark Skaife, fünfmaligem Supercars-Champion.
Auch die Supercars fahren künftig auf dem Kurs. Zwischen den Veranstaltungen wird die Strecke jeweils angepasst, weil beide Serien unterschiedliche Anforderungen haben.

Was hat sich gegenüber der ersten Planung geändert?
Die Strecke ist kürzer und hat weniger Kurven. Im Februar war noch von 4,195 Kilometern und 18 Kurven die Rede, jetzt sind es 4,13 Kilometer und 15 Kurven.
Mark Warren, Chef des South Australian Motorsport Board, spricht davon, dass mehr als 20 Entwurfsvarianten nötig waren, bis das jetzige Layout stand. Zu berücksichtigen waren die Wünsche zweier sehr unterschiedlicher Rennserien, die Nutzung des Geländes durch die Bevölkerung und der Umweltschutz.
Am deutlichsten sichtbar wird das an der Senna-Schikane. Ursprünglich sollte die Strecke dort auf die Wakefield Road führen. Nun wird die Schikane weiter in die Park Lands hineingezogen, die Strecke kreuzt die Wakefield Road und verläuft über das Gelände der heutigen Tennisplätze. Warren spricht darüber, dass diese Lösung rund 20 bedeutende einheimische Bäume gerettet habe und gleichzeitig den Abschnitt zwischen der Schikane und dem neuen Komplex aus den Kurven 8, 9 und 10 schneller und interessanter mache. Umweltschutz und Rennsport haben sich an dieser Stelle also nicht widersprochen, sondern zur selben Lösung geführt.
Dazu kommt ein neues zerlegbares Boxengebäude. Die bisherige provisorische Anlage hat nach Darstellung der Veranstalter das Ende ihrer Lebensdauer erreicht. Die Regierung von Südaustralien schreibt einen Ersatz aus, der die Auf- und Abbauzeiten um bis zu ein Drittel verkürzen soll. Die denkmalgeschützte Tribüne bleibt erhalten und wird in das neue Layout eingebunden.
Wie schnell werden die MotoGP-Maschinen in Adelaide?
Die Simulationen kommen auf eine Höchstgeschwindigkeit von rund 343 km/h und eine Rundenzeit von etwa einer Minute und 26 Sekunden.
Die Spitzenwerte werden auf den langen Geraden erreicht. Als prägendes Merkmal des Kurses gilt die Brabham-Gerade, die Modellrechnungen zu den mehr als 340 km/h beziehen sich auf den Abschnitt Dequetteville Terrace. Für die Supercars nennen die Veranstalter mehr als 275 km/h und Rundenzeiten um eine Minute und 33 Sekunden. Der Kurs ist als Mischung aus schnellen, fließenden Passagen und harten Bremszonen angelegt, mit großen Auslaufzonen an den kritischen Stellen. Die Kiesbetten für die Rennen sollen nur zeitweise eingebaut und danach wieder entfernt werden, damit das Gelände den Rest des Jahres nutzbar bleibt.
Warum gibt es Streit um die Bäume in den Park Lands?
Für den Umbau müssen 377 Bäume gefällt werden, darunter 42, die als bedeutend eingestuft sind. Genau daran entzündet sich der Widerstand gegen das Projekt.
Die übrigen 335 Bäume beschreibt die Regierung von Südaustralien als unreguliert, invasiv, abgestorben oder in schlechtem Zustand. Weitere 88 Bäume sollen an andere Stellen im Park verpflanzt werden, bei 22 laufen noch Untersuchungen im Wurzelbereich, um zu klären, ob sie stehen bleiben können. Insgesamt stehen im Streckenareal 8.895 Bäume, 95 Prozent davon bleiben nach Regierungsangaben unberührt.
Als Ausgleich sollen für jeden gefällten Baum zehn neue gepflanzt werden. Das ergibt rund 3.770 Neupflanzungen, alle als bereits herangewachsene Exemplare. Zieht man die gefällten Bäume ab, bleibt unter dem Strich ein Zuwachs von mindestens 3.393 Bäumen in den Adelaide Park Lands. Beide Zahlen tauchen in den offiziellen Angaben auf und meinen unterschiedliche Dinge, die eine die Pflanzungen, die andere den rechnerischen Netto-Gewinn.
Zusätzlich fließen 15 Millionen australische Dollar (circa 9 Millionen Euro / 11 Millionen US-Dollar) in ein Paket zur Wiederherstellung von Lebensräumen und Grünflächen, unter anderem am Torrens River. Umweltverbände hatten in den vergangenen Monaten gegen das Vorhaben protestiert, eine Petition zum Stopp des Projekts unterschrieben 43.000 Menschen.
Malinauskas verweist auf die Zusammenarbeit mit dem Conservation Council: „We have worked in close collaboration with the Conservation Council to ensure this project delivers the best possible outcome for all South Australians who do, or who want to use our magnificent Park Lands.“ Auf Deutsch: „Wir haben eng mit dem Conservation Council zusammengearbeitet, um sicherzustellen, dass dieses Projekt das bestmögliche Ergebnis für alle Südaustralier bringt, die unsere großartigen Park Lands nutzen oder nutzen wollen.“ Nach seiner Darstellung kommt der Conservation Council selbst zu dem Schluss, dass das Projekt einen naturpositiven Effekt mit Vorteilen für Lebensräume und Artenvielfalt haben werde.
Bis zum 20. September 2026 läuft eine öffentliche Beteiligung, bei der die Bevölkerung Südaustraliens den Entwurf, die geplanten Gemeinschaftsflächen und die vorgesehenen Pflanzbereiche kommentieren kann. Die Rückmeldungen sollen in die endgültige Detailplanung einfließen.
Wann wird gebaut und wann findet das Rennen statt?
Der Baustart ist für Dezember 2026 geplant, der Hauptteil der Arbeiten soll bis etwa April fertig sein. Das erste Rennen ist für November 2027 vorgesehen, ein genaues Datum steht noch aus.
Der zeitliche Abstand ist kein Zufall. Der neue Belag bekommt so mehrere Monate Zeit, sich zu setzen und auszuhärten, bevor die ersten Maschinen darüber fahren. Unterstützt wird der Bau vom Department for Infrastructure and Transport. Der Grand Prix soll vor dem bp Adelaide Grand Final stattfinden. Vor dem Baustart stehen noch weitere Schritte an, dazu gehört die endgültige Homologierung der Strecke.

Kosten, Erwartungen und was danach kommt
Das Projekt kostet nach Angaben von Malinauskas rund 96 Millionen australische Dollar. Die Regierung erwartet, dass MotoGP und Supercars zusammen jährlich mehr als 200 Millionen australische Dollar (circa 124 Millionen Euro / 144 Millionen US-Dollar) an wirtschaftlicher Wirkung erzeugen. Im Februar hatte Malinauskas allein für die MotoGP einen jährlichen Effekt von etwa 130 Millionen Euro (circa 151 Millionen US-Dollar) genannt.
Bei den Zuschauerzahlen orientieren sich die Veranstalter nach oben. Warren nennt den Thailand-Lauf der MotoGP mit 228.000 Besuchern an drei Tagen als Größenordnung, die ein sehr gutes Ergebnis wäre. Ein Nachtrennen ist derzeit nicht geplant, wurde von ihm aber auch nicht ausgeschlossen.
Über die Rennwochenenden hinaus soll das Gelände weiter genutzt werden. Vorgesehen sind Radrundkurse, verbesserte Sportanlagen und aufgewertete öffentliche Flächen. Ab 2028 soll außerdem der Santos Tour Down Under Classic auf den Adelaide Circuit zurückkehren.
Carlos Ezpeleta, Deputy CEO der MotoGP Group, ordnet den Entwurf so ein: „We have spent many months working closely with the FIM and our colleagues in Adelaide to design a MotoGP circuit that is both exciting and, most importantly, safe.“ Auf Deutsch: „Wir haben viele Monate eng mit der FIM und unseren Kollegen in Adelaide zusammengearbeitet, um eine MotoGP-Strecke zu entwerfen, die spannend und vor allem sicher ist.“ Er spricht außerdem darüber, dass von Beginn an mit örtlichen Beteiligten gearbeitet wurde und ein Projekt dieser Größe zwangsläufig Einschränkungen mit sich bringe. Ziel sei, dass die Menschen in Adelaide stolz auf die Veranstaltung seien.
Für den WM-Kalender bedeutet der Wechsel eine spürbare Veränderung. Phillip Island stand für schnelle, fließende Kurven und eine Kulisse am Meer, Adelaide setzt auf enge Stadtkurse und Festivalatmosphäre. Wie sich das auf den Rennverlauf auswirkt, wird sich erst im November 2027 zeigen.
Häufige Fragen
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Wann findet das erste MotoGP-Rennen in Adelaide statt?
Der erste Grand Prix auf dem neuen Adelaide Street Circuit ist für November 2027 geplant. Ein genaues Datum wurde noch nicht bekannt gegeben. Das Rennen soll vor dem bp Adelaide Grand Final stattfinden.
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Wie lang ist die MotoGP-Strecke in Adelaide 2027?
Der Kurs ist 4,13 Kilometer lang und hat 15 Kurven. Im ersten Entwurf vom Februar 2026 waren es noch 4,195 Kilometer und 18 Kurven. Die Änderungen ergaben sich aus mehr als 20 Entwurfsvarianten.
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Warum verlässt die MotoGP Phillip Island?
Adelaide übernimmt ab 2027 den Grand Prix von Australien, der Vertrag läuft zunächst bis einschließlich 2032. Zuvor hatte es Gespräche über einen Umzug nach Melbourne gegeben, die Regierung von Victoria verfolgte diese Option jedoch nicht ernsthaft. Damit wurde der Weg für die Bewerbung aus Südaustralien frei.
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Wie schnell werden die Motorräder auf dem Adelaide Street Circuit?
Die Simulationen nennen eine Höchstgeschwindigkeit von rund 343 km/h. Die Rundenzeit für MotoGP-Maschinen liegt bei etwa einer Minute und 26 Sekunden. Supercars sollen mehr als 275 km/h erreichen.
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Wie viele Bäume müssen für die Strecke gefällt werden?
Für den Umbau werden 377 Bäume entfernt, davon gelten 42 als bedeutend. 88 weitere Bäume werden verpflanzt, bei 22 laufen noch Untersuchungen. Als Ausgleich sind rund 3.770 Neupflanzungen vorgesehen.
➜ Dieser Artikel ist Teil unserer umfassenden Übersicht: MotoGP-Saison 2026: Der komplette Überblick – Teams, Fahrer, Kalender & WM-Stand. Dort findest du alle wichtigen Informationen zum Thema gebündelt.












