- Priorität laut Jorge Martinez: zuerst die Superbike-WM, danach die MotoGP
- Kein fester Termin, Martinez spricht von vielleicht drei bis fünf Jahren
- Das Feld der MotoGP ist bis 2031 mit fünf Herstellern und elf Teams besetzt
CFMoto gehört seit 2022 zum Grand-Prix-Sport, damals noch als Partner des deutschen Teams PrüstelGP in der kleinsten Klasse. Aus diesem ersten Schritt ist inzwischen ein Programm geworden, das die Moto3, die Moto2, einen deutschen Rahmenbauer und ein eigenes Superbike umfasst. Wie weit die Pläne reichen, hat nun Jorge „Aspar“ Martinez beschrieben, dessen Team seit 2024 unter dem Namen des chinesischen Herstellers antritt.

Was hat Jorge Martinez über die MotoGP-Pläne von CFMoto gesagt?
Martinez bestätigt die MotoGP als gemeinsames Ziel, nennt aber ausdrücklich keinen Termin. Wichtiger ist ihm die Reihenfolge: „Die Prioritäten sind gesetzt. Unser Partner CFMOTO hat großes Interesse, sich in Richtung der Superbike-WM und dann auch der MotoGP zu entwickeln.“
Er ordnet das Engagement als Vorgang ein, den es in dieser Form in der Geschichte des Sports noch nicht gegeben habe: Ein großer Hersteller aus China tätige Investitionen, die alle wichtigen Bereiche abdecken, von der Förderung junger Fahrer über die Unterstützung von Teams bis zu Infrastruktur und Technologie.
Beim Zeitplan bleibt der Spanier vage. „Ich kann hier keinen klaren Zeitplan nennen, vielleicht sind es drei oder fünf Jahre, aber ich kann bestätigen, dass die gemeinsame Vision die MotoGP ist“, sagte er. Die Zusammenarbeit zwischen seinem Team und dem Hersteller ist Anfang des Jahres verlängert worden und läuft mindestens bis 2031.
Warum führt der Weg zuerst in die Superbike-WM?
Weil die Superbike-WM ein seriennahes Motorrad verlangt, an dem CFMoto ohnehin arbeitet. Ein MotoGP-Projekt würde dagegen einen reinen Prototypen erfordern, der von Grund auf neu entstehen müsste.
Andere chinesische Marken haben diesen Weg bereits eingeschlagen. Kove stieg 2023 in die Supersport-WM 300 ein, QJ Motor ist seit 2024 in der Supersport-WM aktiv, und mit ZXMoto kam für 2026 ein weiterer Anbieter in der mittleren Kategorie hinzu. CFMoto zielt allerdings direkt auf die Superbike-WM und würde damit als erster Hersteller aus China in dieser Kategorie antreten.
Vorbereitungen laufen laut Medienberichten seit vielen Monaten. Demnach besteht bereits eine Vereinbarung mit Matteo Ferrari als Testfahrer, erste Testfahrten sollen stattgefunden haben. Der Italiener gewann 2019 die MotoE-Meisterschaft und bringt Erfahrung aus der Moto2 sowie der Supersport-WM mit, in der er 2026 für ein Ducati-Team startet. Im Topmanagement des Herstellers wurde zwischenzeitlich diskutiert, ob vor dem Superbike-Einstieg zunächst Erfahrung in der Supersport-Klasse gesammelt werden sollte.

Was leistet die CFMoto V4 SR-RR?
Die V4 SR-RR ist ein Superbike mit 997 Kubikzentimeter Hubraum und mehr als 210 PS, das 2027 in den Handel kommen soll. Sie ist das Motorrad, mit dem der Einstieg in die Superbike-WM überhaupt erst möglich wird.
Den V4-Motor zeigte CFMoto erstmals auf der Motorradmesse EICMA 2024, ein Jahr später folgte der Prototyp des kompletten Motorrads. Im Gespräch waren zwischenzeitlich 212 PS (156 kW) bei 14.500 Umdrehungen pro Minute, mit Straßenzulassung und nach der Abgasnorm Euro 5+. Im Jahr davor genannte Werte lagen bei 209 PS bei 14.500 Umdrehungen und 114 Nm (rund 84 lb-ft) bei 12.500 Umdrehungen, bei einem Motorengewicht von 61,5 kg (rund 136 lbs). Das Gesamtgewicht soll vollgetankt unter 200 kg (rund 441 lbs) bleiben.
Technisch orientiert sich der Hersteller an dem, was im Rennsport üblich ist. Die Kurbelwelle dreht rückwärts, was der Neigung des Motorrads zum Steigen entgegenwirkt und das Handling verbessert. Dieses Prinzip nutzen auch die Maschinen der MotoGP. Der Zylinderwinkel beträgt 90 Grad, am Erprobungsmotorrad sitzen Bremssättel von Brembo, eine Auspuffanlage von Akrapovič und halbaktive Federelemente. Der Prototyp trägt zudem elektronisch gesteuerte Winglets, die sich der Fahrsituation anpassen. Ob das Serienmodell diese Technik übernimmt, ist offen.
Am 15. Juni 2026 meldete CFMoto einen Geschwindigkeitsrekord für in China gebaute Motorräder. Auf dem CCCC Automotive Testgelände in Shangrao wurden im Rahmen der China Motorcycle Topspeed Record Challenge 315,82 km/h (196,2 mph) gemessen und vor Ort notariell beglaubigt. Zum Vergleich: Der Bestwert in der MotoGP liegt bei 368,6 km/h, aufgestellt von Jorge Martin in Mugello.
Kalex, Moto3 und der schrittweise Aufbau von Wissen
Der Rennsport ist für CFMoto auch ein Weg, an technisches Wissen zu kommen. Sichtbar wurde das im Februar, als der Einstieg beim deutschen Rahmenhersteller Kalex bekannt wurde. Rechtlich abgeschlossen war der Vorgang bereits im Dezember 2025, öffentlich wurde er erst beim Saisonauftakt der MotoGP in Thailand.
CFMoto übernahm 51 Prozent der Kalex Engineering GmbH mit Sitz in Bobingen bei Augsburg. Zuvor hielten Alex Baumgärtel, Klaus Hirsekorn und Günther Holzer je ein Drittel. Der Anteil von Holzer ging vollständig an CFMoto, Baumgärtel und Hirsekorn traten jeweils so viel ab, dass die Mehrheit zustande kam. Kalex beliefert die Moto2 seit 2010, seit 2013 ging jeder Konstrukteurstitel der Klasse an das Unternehmen, das derzeit acht Mitarbeiter beschäftigt, davon drei Ingenieure. In der Saison 2026 rüstet Kalex zehn Teams mit je zwei Fahrern aus.
Baumgärtel bleibt Geschäftsführer und behält die alleinige Entscheidungsbefugnis in Sachen Moto2. „Es fühlt sich nicht wie eine Übernahme an, sondern wie eine Partnerschaft“, sagte er. Den Zweck der Verbindung beschreibt er so: „Das Ziel dahinter ist, die Rennsporttechnologie in deren Serienproduktion einzubringen, das heißt Know-how-Transfer.“ Eine Bevorzugung des Aspar-Teams schließt er aus, Auftragsarbeiten für andere Hersteller bleiben möglich.
Auch in der Moto3 wollte CFMoto Verantwortung übernehmen. Der Hersteller bewarb sich darum, ab 2028 als alleiniger Anbieter die neue technische Plattform der Klasse zu liefern. Neben CFMoto beteiligten sich KTM und Honda an der Ausschreibung, den Zuschlag erhielt jedoch Yamaha, das den Reihenzweizylinder der R7 mit 689 Kubikzentimetern für den Rennsport umbaut. Die Ausschreibung gab vor, dass ein Rolling-Chassis, also das Motorrad ohne Motor, ab 2028 höchstens 50.000 Euro (rund 57.000 US-Dollar) kosten darf. Derzeit liegt dieser Wert bei 100.000 Euro (rund 114.000 US-Dollar). Für CFMoto wäre die Moto3 eine Gelegenheit gewesen, in großem Umfang Erfahrung zu sammeln.

Wann wäre ein MotoGP-Einstieg frühestens möglich?
Vor 2032 ist kein Platz vorhanden. Der Rahmen für die neue Ära der MotoGP ab 2027 ist mit fünf Herstellern und elf Teams festgelegt und gilt bis einschließlich 2031.
Die Frage, wann CFMoto MotoGP fährt, hängt damit an der nächsten großen Verhandlungsrunde, in der die Serie ab 2032 definiert wird. Bis dahin dürfte der Hersteller nach Einschätzung aus dem Fahrerlager alle Voraussetzungen für einen Einstieg aus eigener Kraft beisammenhaben.
Dass ein schneller Einstieg ohnehin nicht sinnvoll wäre, hatte Martinez bereits im Januar deutlich gemacht: „Wir müssen realistisch sein. Wir sind im Jahr 2026, und wir haben bereits alles für 2026 vorbereitet und fertiggestellt. Die Infrastruktur für 2027 aufzubauen, wäre verrückt.“ Er verwies stattdessen auf ein schrittweises Vorgehen.
Erfahrung in der Königsklasse hätte er selbst. Martinez war fast ein Jahrzehnt lang in allen Klassen aktiv und zog sich Ende 2018 aus der MotoGP zurück, um sich stärker auf die Nachwuchsförderung zu konzentrieren. Für 2027 liefert seine Moto2-Struktur mit David Alonso und Dani Holgado gleich zwei Fahrer an die Königsklasse.
Was ein chinesischer Hersteller der MotoGP bringen würde
Für die Serie selbst geht es um Reichweite und Geld. Martinez formuliert es so: „Mit einem schlagkräftigen Hersteller erlangt die MotoGP ja den Zugang zu neuen Partnern und Sponsoren.“ Im nächsten Schritt könnten aus seiner Sicht weitere Projekte folgen, bis hin zu einem Grand Prix in China. Der Sport werde sich in den kommenden Jahren deutlich internationaler aufstellen, und das sei auch notwendig.
Käme es dazu, wäre CFMoto mit Programmen in beiden Serien in einer kleinen Gruppe. Derzeit sind nur Ducati, Honda und Yamaha gleichzeitig in der MotoGP und der Superbike-WM vertreten. Früher galt das auch für Suzuki, Aprilia und Kawasaki.
Im Gesamtbild der Saison 2026 fügt sich die Aussage in eine Reihe von Schritten ein, die alle in dieselbe Richtung weisen: die Verlängerung mit dem Aspar-Team bis 2031, die Mehrheit an Kalex, die Bewerbung um die Moto3-Plattform und die Entwicklung eines eigenen Superbikes. Ein Zeitplan für die MotoGP fehlt weiterhin. Die Bausteine dafür sammelt der Hersteller aber sichtbar ein.

Häufige Fragen
-
Wann fährt CFMoto MotoGP?
Ein Termin steht nicht fest. Jorge Martinez spricht von vielleicht drei bis fünf Jahren, betont aber, dass die MotoGP die gemeinsame Vision sei. Da das Startfeld bis 2031 mit fünf Herstellern und elf Teams festgelegt ist, wäre ein Einstieg realistisch erst ab 2032 möglich.
-
Warum will CFMoto zuerst in die Superbike-WM?
Die Superbike-WM verlangt ein seriennahes Motorrad, und genau daran arbeitet der Hersteller mit der V4 SR-RR. Nach Medienberichten ist ein Einstieg für 2027 geplant, als erster Hersteller aus China in dieser Kategorie.
-
Was hat CFMoto mit dem Aspar-Team zu tun?
CFMoto löste 2024 GasGas als Titelsponsor des Teams von Jorge Martinez ab und ist seither in der Moto3 und der Moto2 präsent. Die Zusammenarbeit wurde Anfang 2026 verlängert und läuft mindestens bis 2031.
-
Wie viel Leistung hat die CFMoto V4 SR-RR?
Der Hersteller nennt mehr als 210 PS aus 997 Kubikzentimetern Hubraum. Zwischenzeitlich waren 212 PS (156 kW) bei 14.500 Umdrehungen pro Minute im Gespräch. Das Serienmodell soll 2027 auf den Markt kommen.
-
Warum hat CFMoto die Moto3-Ausschreibung verloren?
Den Zuschlag für die neue Moto3-Plattform ab 2028 erhielt Yamaha mit einem Konzept auf Basis des Zweizylindermotors der R7. Neben CFMoto hatten sich auch KTM und Honda beworben. Ausschlaggebend war unter anderem die Kostenvorgabe von höchstens 50.000 Euro (rund 57.000 US-Dollar) für ein Rolling-Chassis.
➜ Dieser Artikel ist Teil unserer umfassenden Übersicht: MotoGP-Saison 2026: Der komplette Überblick – Teams, Fahrer, Kalender & WM-Stand. Dort findest du alle wichtigen Informationen zum Thema gebündelt.












