- Die Entwicklungsarbeit läuft bereits fast vollständig für das 850er-Projekt des kommenden Jahres
- Drei Aprilia-Piloten liegen in der WM vor dem besten Ducati-Fahrer Marc Marquez
- Pirro erwartet in Aragon eine starke Ducati und rechnet damit, dass Fehler den Titel entscheiden
Die MotoGP-Saison 2026 ist die letzte mit den 1000er-Prototypen. Ab dem kommenden Jahr gilt ein neues technisches Reglement mit 850 Kubikzentimetern Hubraum. Spätestens seit der Sommerpause steckt ein großer Teil der Entwicklungsarbeit bei allen Herstellern in den Motorrädern für diese neue Ära. Bei Ducati ist das inzwischen offen ausgesprochen. Michele Pirro, seit über einem Jahrzehnt Testfahrer der Marke aus Borgo Panigale, hat in einem Interview klargemacht, dass für die aktuelle Desmosedici kaum noch große Schritte geplant sind.

Warum bekommt die Ducati GP26 keine neuen Teile mehr?
Weil die Ressourcen bereits im 850er-Projekt für die kommende Saison stecken. Pirro betrachtet die Arbeit an der aktuellen Maschine als beendet und erwartet für den Rest des Jahres keine grundlegenden technischen Antworten.
Der Italiener formuliert es knapp: „In programma non c’è molto da provare, perché comunque siamo già nell’era delle 850.“ Auf Deutsch: „Im Programm gibt es nicht viel zu testen, weil wir ohnehin schon in der Ära der 850er sind.“ Damit muss Ducati die verbleibenden Rennen im Wesentlichen mit dem Paket bestreiten, das jetzt schon zur Verfügung steht.
Noch deutlicher wird er bei der Frage nach den Schwierigkeiten, die sich durch die Saison ziehen. „Non c’è una soluzione immediata ai problemi, ci si lavora. Consideriamo però che questo progetto è ormai giunto al capolinea“, sagte er, also: „Es gibt keine sofortige Lösung für die Probleme, es wird daran gearbeitet. Wir gehen aber davon aus, dass dieses Projekt inzwischen an der Endstation angekommen ist.“
Pirro ist derjenige, der diese Verlagerung am direktesten spürt. Sein Arbeitsschwerpunkt liegt seit Monaten auf der neuen 850er-Maschine. Der erste offizielle Test mit dem neuen Motorrad fand nach dem Grand Prix in Brünn statt, allerdings ohne Zeitnahme und ohne Bildmaterial. Der zweite Termin mit Stammfahrern folgt im September, direkt im Anschluss an das Rennwochenende am Red Bull Ring.
Wie sieht der WM-Stand vor dem Rennen in Aragon aus?
Aprilia stellt die ersten drei Plätze der Meisterschaft. Jorge Martin führt mit 240 Punkten vor seinem Teamkollegen Marco Bezzecchi mit 209 Zählern und Trackhouse-Pilot Ai Ogura mit 203 Punkten.
Marc Marquez folgt als bester Ducati-Fahrer mit 200 Punkten auf Rang vier, dicht dahinter liegt Fabio Di Giannantonio mit 199 Zählern. Auch Raul Fernandez zählt mit 184 Punkten noch zum Kreis der möglichen Titelanwärter. Nach Einschätzung aus dem Fahrerlager sind damit sieben bis acht Piloten in der Entscheidung.
Der Verlauf der vergangenen Wochen zeigt, wie schnell sich das Bild dreht. Vor der Sommerpause war Marquez bis auf 18 Punkte an die Spitze herangekommen. In Silverstone drehte sich die Lage komplett: Aprilia besetzte sowohl im Sprint als auch im Grand Prix das gesamte Podium, den Sieg holte Raul Fernandez. Marquez kam mit auffälligem Reifenverschleiß nur auf Rang sieben ins Ziel, Francesco Bagnaia stürzte.

Auf welchen Strecken sieht Pirro die Ducati noch vorn?
Vor allem in Aragon. Das MotorLand gehört traditionell zu den Kursen, auf denen sich die Desmosedici und Marc Marquez besonders wohlfühlen.
Pirro ordnet die Lage so ein: „Abbiamo visto che le piste, le condizioni e le caratteristiche dei circuiti fanno più differenza di tutto il resto.“ Übersetzt: „Wir haben gesehen, dass die Strecken, die Bedingungen und die Eigenschaften der Kurse mehr Unterschied machen als alles andere.“ Für Aragon erwartet er deshalb, dass Ducati wieder das Maß der Dinge sein kann und Marquez die Referenz stellt.
Beim darauffolgenden Wochenende in Misano rechnet er dagegen mit starker Gegenwehr. Bezzecchi war dort schon im Vorjahr schnell, weshalb Pirro das Rennen als schwierig einstuft. Ganz abschreiben will er Marquez aber auch dort nicht. Eine Woche nach Misano geht es in Spielberg weiter, danach zieht das Feld nach Asien. Das letzte Rennen der Saison und damit auch das letzte der 1000er-Ära steigt am 29. November in Valencia.
Warum setzt Pirro im Titelkampf ausgerechnet auf Marc Marquez?
Weil Marquez der einzige der sechs Ducati-Piloten ist, der auch im kommenden Jahr bei der Marke bleibt. Pirro will die Rolle des Speerspitzen-Fahrers nicht bei jemandem sehen, der das Lager ohnehin verlässt.
Er begründet das offen: „È chiaro che se devo puntare su un cavallo punto su di lui, perché è il pilota che rimarrà in Ducati.“ Auf Deutsch: „Es ist klar, dass ich auf ihn setze, wenn ich auf ein Pferd setzen muss, weil er der Fahrer ist, der bei Ducati bleiben wird.“ Wichtig sei ihm vor allem, dass überhaupt eine Ducati den Titel gewinnt.
Gegen Di Giannantonio richtet sich das ausdrücklich nicht. Pirro spricht darüber, dass der VR46-Pilot nach seiner Einschätzung eine starke Saison fährt und sich sehr gut an die GP26 angepasst hat. Di Giannantonio war über weite Strecken des Jahres der beste Ducati-Fahrer, während Marquez früh in der Saison mit einer Verletzung zu kämpfen hatte. Für das kommende Jahr wechselt Di Giannantonio allerdings ins KTM-Werksteam, und genau deshalb möchte Pirro die Nummer eins nicht auf einem Motorrad sehen, das im nächsten Jahr zur Konkurrenz gehört.
Auch für den Ausgang der Meisterschaft hat er eine klare Erwartung. Er hält das Jahr für eine Angelegenheit kleinster Details und geht davon aus, dass die Fehler des einen oder anderen Fahrers am Ende den Ausschlag geben, weil der Abstand zwischen den Spitzenleuten sehr gering ist.

Die offene Frage um das Rennen in Katar
Ein weiterer Punkt kann den Saisonverlauf beeinflussen. Der Grand Prix in Katar gilt wegen des Kriegs im Nahen Osten als gefährdet, eine Absage steht im Raum.
Ob ein Wegfall dieses Rennens Ducati helfen oder schaden würde, will Pirro nicht beantworten. Er verweist darauf, dass sich die Verhältnisse in dieser Saison von Strecke zu Strecke verschieben und auch die Form der einzelnen Fahrer stark schwankt. Sein Fazit fällt entsprechend zurückhaltend aus: „Ripeto: vediamo passo dopo passo per poi tirare le somme a Valencia.“ Auf Deutsch: „Ich wiederhole: Sehen wir Schritt für Schritt und ziehen dann in Valencia Bilanz.“
Damit läuft der Schlussteil der 1000er-Ära auf ein Bild hinaus, das stark von der jeweiligen Strecke abhängt. Ducati verliert nach der Dominanz bis Ende 2025 spürbar an Vorsprung, während die technischen Ressourcen längst im kommenden Reglement gebunden sind. Für die Meisterschaft bedeutet das: Tagesform, Streckencharakteristik und vermiedene Fehler bekommen mehr Gewicht als jedes Update, das ohnehin nicht mehr kommt.

Häufige Fragen
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Bekommt die Ducati GP26 in dieser Saison noch Updates?
Größere Entwicklungsschritte sind nicht mehr vorgesehen. Testfahrer Michele Pirro hat bestätigt, dass kaum noch Testarbeit für die aktuelle Maschine geplant ist, weil die Ressourcen im 850er-Projekt für die kommende Saison stecken.
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Wer führt die MotoGP-Weltmeisterschaft 2026 an?
Jorge Martin liegt mit 240 Punkten vorn, gefolgt von Marco Bezzecchi mit 209 und Ai Ogura mit 203 Zählern. Alle drei fahren eine Aprilia. Bester Ducati-Pilot ist Marc Marquez mit 200 Punkten auf Rang vier.
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Auf welchen Strecken rechnet Ducati mit guten Ergebnissen?
Pirro erwartet vor allem in Aragon eine starke Vorstellung, weil das MotorLand zu den Paradestrecken der Desmosedici und von Marc Marquez zählt. In Misano rechnet er dagegen mit starker Konkurrenz durch Marco Bezzecchi.
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Wann endet die 1000er-Ära der MotoGP?
Das letzte Rennen mit den 1000-ccm-Prototypen findet am 29. November in Valencia statt. Ab der Saison 2027 gilt ein neues technisches Reglement mit 850 Kubikzentimetern Hubraum.
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Warum setzt Michele Pirro auf Marc Marquez und nicht auf Fabio Di Giannantonio?
Pirro begründet das damit, dass Marquez als einziger Ducati-Pilot auch im kommenden Jahr bei der Marke bleibt. Di Giannantonio bewertet er ausdrücklich positiv, der VR46-Fahrer wechselt jedoch ins KTM-Werksteam.












