- Aprilia belegt erstmals in einem Sprint die Plätze eins bis drei
- Martins 19. Sprintsieg bedeutet den Gleichstand mit Marc Marquez
- Der WM-Vorsprung von Martin auf Ai Ogura wächst auf 17 Punkte
Der zwölfte von 22 Läufen der MotoGP-Saison 2026 hat die Kräfteverhältnisse nach der Sommerpause deutlich verschoben. Zehn Runden reichten in Silverstone aus, um aus einem engen Titelkampf wieder eine Rangordnung zu machen. Vor dem Start lagen fünf Fahrer innerhalb von 24 Punkten, nach der Zieldurchfahrt waren es 31 Punkte auf fünf Fahrer, und an der Spitze steht ein Fahrer, der vor der Pause noch mit dem Vorderrad-Gefühl seiner Maschine gekämpft hatte.

Wer hat den MotoGP-Sprint in Silverstone gewonnen?
Den Sprint gewann Jorge Martin auf der Werks-Aprilia in 19:49,066 Minuten, mit 1,530 Sekunden Vorsprung auf Ai Ogura und 3,974 Sekunden auf Marco Bezzecchi. Es war Martins dritter Sprintsieg der Saison und sein erster Sieg überhaupt seit dem Großen Preis von Frankreich in Le Mans.
Martin hatte den Grundstein bereits am Vormittag gelegt. Im zweiten Qualifying-Abschnitt fuhr er eine 1:56,160 Minuten und damit die schnellste Runde, die je in Silverstone gefahren wurde. Raul Fernandez fehlten am Ende nur 0,021 Sekunden auf die erste Pole seiner Karriere, Ogura lag 0,189 Sekunden zurück. Damit stand zum dritten Mal in den vergangenen sechs Grands Prix eine reine Aprilia-Startreihe.
Im Rennen fuhr Martin einen Start-Ziel-Sieg. Er sicherte sich den Antritt zur ersten Kurve, hielt Ogura in den ersten Runden auf Distanz und baute den Vorsprung anschließend Runde für Runde aus. Nach eigenen Angaben lief das nicht so kontrolliert ab, wie es von außen aussah: Er habe am Ende keinen Hinterreifen mehr gehabt und damit gerechnet, noch eingeholt zu werden.
Warum brach Marc Marquez im Schlussteil ein?
Marc Marquez verlor in der zweiten Rennhälfte massiv an Grip am Hinterrad und fiel von Platz vier auf Platz neun zurück. Am Ende trennten ihn 13,965 Sekunden vom Sieger und nur 0,027 Sekunden vom ersten Fahrer außerhalb der Punkteränge.
Der Beginn hatte anders ausgesehen. Von Startplatz sechs arbeitete sich Marquez in der Anfangsphase auf Rang vier vor, unter anderem mit einem Überholmanöver gegen Bezzecchi auf der Anfahrt nach Stowe. Ab Rennmitte kehrte sich das Bild um. Zuerst holte sich Bezzecchi in Runde sechs die Position im Hochgeschwindigkeitsteil Maggots und Becketts zurück, danach zogen nacheinander Alex Marquez, Pedro Acosta, Joan Mir und Franco Morbidelli vorbei. Auf der letzten Runde war Marquez rund 2,3 Sekunden langsamer als Martin.
Die Fernsehbilder nach dem Rennen zeigten starkes Graining auf der rechten Flanke des Hinterreifens. Auch der Vorderreifen wirkte stark beansprucht. Ducati war damit nicht allein: Fabio Di Giannantonio lag zwischenzeitlich weniger als eine halbe Sekunde hinter der Spitze und überquerte die Ziellinie 8,651 Sekunden hinter Martin. Alex Marquez begrenzte den Schaden als bester Ducati-Fahrer auf Rang vier, lag aber ebenfalls fast sieben Sekunden zurück.

Welche Rolle spielte die Reifenwahl?
Alle 23 Fahrer starteten mit dem harten Vorderreifen, die große Mehrheit dazu mit der weichen Mischung hinten. Nur Iker Lecuona, Jack Miller und Brad Binder entschieden sich für den mittleren Hinterreifen.
Diese Entscheidung wurde erst spät getroffen. Raul Fernandez stand in der Startaufstellung noch ohne montierten Hinterreifen, und Teamchef Davide Brivio erklärte wenige Minuten vor der Aufwärmrunde, man denke über die mittlere Mischung nach, während alle anderen auf Weich setzten. Kurz vor dem Start kam dann doch der weiche Reifen.
Ein Detail spricht dafür, dass die Gegenrichtung die bessere Wahl gewesen wäre: Die schnellste letzte Runde fuhr Binder, einer der drei Fahrer auf der mittleren Mischung. Silverstone ist mit seinen langen, schnellen Richtungswechseln eine der härtesten Strecken für die Reifenflanken im Kalender.
Was macht Bezzecchis dritten Platz besonders?
Marco Bezzecchi fuhr das Rennen mit den Folgen eines Schlüsselbeinbruchs und einer Knieverletzung, die in der Sommerpause operiert wurden. Es war sein erster Renneinsatz seit dem Sturz im Qualifying am Sachsenring.
Trotzdem gehörte ihm eine der aktivsten Fahrten des Tages. Er ging von Startplatz fünf aggressiv in die erste Runde, holte sich in Runde sechs Platz vier von Marc Marquez zurück und zog kurz darauf in Copse an Di Giannantonio vorbei auf Rang drei. Nach dem Zielstrich brauchte er sichtbar Zeit, um von der Maschine zu steigen, im Parc Ferme flossen Tränen.
Für Bezzecchi war es das 15. Sprintpodium seiner Karriere und das beste Sprintergebnis der laufenden Saison, gleichauf mit seinen dritten Plätzen in Le Mans und Ungarn. Über die Bedeutung des Ergebnisses sagte er: „I wanna say just a massive thanks to all the team and all the people that stayed close to me.“ Auf Deutsch: „Ich möchte einfach ein riesiges Dankeschön an das ganze Team sagen und an alle Leute, die mir nahegeblieben sind.“
Aprilia-Rennchef Paolo Bonora hob nach dem Rennen neben Ogura ausdrücklich Bezzecchis Einsatz hervor und sprach davon, dass dieser trotz der Schmerzen das Podium erreicht habe. Auch Martin äußerte sich zu seinem Teamkollegen: „It’s crazy that he’s on the podium again.“ Auf Deutsch: „Es ist verrückt, dass er wieder auf dem Podium steht.“

Wie sieht der WM-Stand nach dem Sprint aus?
Jorge Martin führt die Weltmeisterschaft mit 220 Punkten an, 17 Punkte vor Ai Ogura. Marco Bezzecchi schiebt sich mit 193 Punkten an Marc Marquez vorbei auf Rang drei, der Titelverteidiger folgt mit 191 Punkten.
Dahinter liegt Di Giannantonio mit 189 Zählern auf Platz fünf, womit die ersten fünf Fahrer innerhalb von 31 Punkten liegen. Raul Fernandez fällt nach seinem Nuller auf 159 Punkte und damit 61 Zähler Rückstand zurück. Rechnerisch können nach dem Grand Prix am Sonntag nur noch Martin oder Ogura die Tabelle anführen.
Auch in den beiden anderen Wertungen zahlte sich der Dreifacherfolg aus. In der Konstrukteurs-Wertung baut Aprilia den Vorsprung auf Ducati auf 17 Punkte aus, in der Teamwertung liegt Aprilia Racing nun 51 Punkte vor Trackhouse.
Ogura selbst wollte den zweiten Platz nicht als einfache Übung verstanden wissen. Er beschrieb den Abbau des Hinterreifens als kaum vorhersehbar und sagte: „I wasn’t sure I can finish the race.“ Auf Deutsch: „Ich war mir nicht sicher, ob ich das Rennen beenden kann.“ Es war für ihn das dritte zweite Sprintergebnis in den vergangenen vier Sprintrennen.
Welche Stürze und Zwischenfälle gab es?
Drei Fahrer sahen das Ziel nicht. Raul Fernandez war nach einem schwachen Start von Platz zwei auf Rang sechs durchgereicht worden und stürzte kurz vor der Rennhälfte in Kurve vier.
Iker Lecuona, der bei Gresini den mit einem Wirbelbruch aus Assen ausfallenden Fermin Aldeguer vertritt, stürzte am Ende der ersten Runde aus den Top Ten. Nach dem Aufstehen richtete er eine Geste in Richtung Franco Morbidelli. Die Rennkommissare untersuchten den Zwischenfall und entschieden auf keine weitere Maßnahme. Lecuona hatte zuvor im Qualifying Startplatz zehn erreicht.
Cal Crutchlow, der bei LCR den weiterhin mit Knieband-Verletzungen ausfallenden Johann Zarco ersetzt, stürzte bereits in den ersten Kurven, nahm das Rennen wieder auf und ging danach an die Box. Für den Briten ist es der erste Heim-Grand-Prix seit 2021. Bei Tech3 fehlt Maverick Viñales wegen einer Schulterbehandlung, ihn vertritt KTM-Testfahrer Pol Espargaro.

Was steht am Sonntag an?
Der Große Preis von Großbritannien wird am Sonntag über 20 Runden gefahren, Start ist um 13:00 Uhr Ortszeit. Die Moto2-Klasse eröffnet den Renntag um 11:15 Uhr Ortszeit über 17 Runden.
Zwei Fragen bestimmen die Ausgangslage. Erstens: Ob Ducati über die doppelte Distanz eine Antwort auf den Reifenabbau findet, der die Marke im Sprint erstmals überhaupt in Silverstone geschlagen hat. Zuvor hatte Ducati alle drei dort ausgetragenen Sprints gewonnen, 2023 und 2025 durch Alex Marquez, 2024 durch Enea Bastianini. Zweitens: Ob die weiche Mischung überhaupt eine Option bleibt, nachdem sie bereits über zehn Runden bei vielen Fahrern deutlich abgebaut hat.
Hinzu kommt eine Serie, die seit elf Jahren hält: In den vergangenen elf Ausgaben des Großen Preises von Großbritannien gab es elf verschiedene Sieger. Martin könnte am Sonntag der zwölfte in Folge werden.

Häufige Fragen
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Wer hat den MotoGP Silverstone Sprint 2026 gewonnen?
Jorge Martin gewann den Sprint auf der Werks-Aprilia in 19:49,066 Minuten. Zweiter wurde Ai Ogura mit 1,530 Sekunden Rückstand, Dritter Marco Bezzecchi mit 3,974 Sekunden. Es war Martins dritter Sprintsieg in der Saison 2026.
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Warum wurde Marc Marquez in Silverstone nur Neunter?
Marc Marquez verlor in der zweiten Rennhälfte den Grip am Hinterrad und konnte sich nicht mehr wehren. Vier Fahrer überholten ihn auf den letzten Runden, der Reifen zeigte nach dem Rennen starkes Graining. Er rettete den letzten Punkteplatz mit 0,027 Sekunden Vorsprung auf Diogo Moreira.
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War der Aprilia-Dreifachsieg ein Rekord?
Ja, es war der erste Podestdreifachsieg von Aprilia in einem MotoGP-Sprint. Gleichzeitig verlor Ducati zum ersten Mal einen Sprint in Silverstone, nachdem die Marke die drei vorherigen Ausgaben gewonnen hatte.
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Wie viele Punkte liegen nach dem Sprint zwischen Martin und Ogura?
Der Abstand beträgt 17 Punkte, Martin steht bei 220, Ogura bei 203 Zählern. Die ersten fünf Fahrer der Gesamtwertung liegen innerhalb von 31 Punkten. Nach dem Grand Prix am Sonntag können rechnerisch nur Martin oder Ogura die Tabelle anführen.












