- Marc Marquez feiert seinen achten MotoGP-Sieg in Aragon und seinen vierten Saisonsieg
- Pedro Acosta holt auf der KTM Platz zwei, rund 23 Sekunden vor den nächsten Markenkollegen
- In der WM führt Jorge Martin mit 256 Punkten vor Marquez (237) und Marco Bezzecchi (232)
Das MotoGP Aragon 2026 hat den Titelkampf in der Schlussphase der Saison spürbar verengt. Marc Marquez gewann am Sonntag über 23 Runden mit 1,8 Sekunden Vorsprung auf Pedro Acosta, Marco Bezzecchi kam 3,6 Sekunden hinter dem Sieger als Dritter ins Ziel. Auf den Tribünen verfolgten 51.181 Zuschauer das Rennen, alle Fahrer starteten bei rund 50 Grad Asphalttemperatur vorne und hinten auf dem Medium-Reifen von Michelin. Dass der Sieger dabei fast einen schweren Fehler machte, wurde erst nach dem Rennen deutlich.

Was ging beim Start von Marc Marquez schief?
Marc Marquez hatte vergessen, das Ride-Height-Device am Heck seiner Ducati zu deaktivieren. Dadurch blieb das Motorrad hinten abgesenkt, er verlor in den Kurven zwei und drei viel Geschwindigkeit und fiel vom ersten auf den dritten Platz zurück.
Der Ablauf entsprach zunächst dem Drehbuch vom Samstag. Marquez bremste sich in Kurve eins innen an Polesetter Bezzecchi vorbei, doch danach ging es schief. „Mir ist da ein großer Fehler unterlaufen“, sagte er im MotoGP-Format After the Flag. „Ich habe vergessen, dass ich das Ride-Height-Device am Heck noch deaktivieren musste. Während der Aufwärmrunde habe ich es auf der Gegengeraden aktiviert und dann musst du es beim Start eigentlich wieder deaktivieren. Das habe ich einfach vergessen.“
Technisch ist das erklärbar. Alle MotoGP-Motorräder werden beim Start am Heck abgesenkt, verboten wurde vor einigen Wochen nur die Nutzung solcher Systeme an der Front. Das Heck-Device löst sich normalerweise beim nächsten harten Bremsmanöver von selbst. Weil Marquez in Kurve eins voll auf Bezzecchi konzentriert war und nicht hart genug bremste, blieb das System eingelegt. Erst in Kurve fünf löste es sich. Bis dahin sprühten Funken unter dem Heck, und Bezzecchi sowie der gut gestartete Jorge Martin zogen vorbei. Auch Alex Marquez verlor Positionen, weil er in der Hektik den dritten Gang nicht traf.
Marquez selbst sprach von einem Schreckmoment. „Als ich aus Kurve eins herausgekommen bin, habe ich mir bewusst gemacht, dass heute nicht der Zeitpunkt für einen Sturz ist. Ich habe dann nur versucht, nicht allzu viele Positionen zu verlieren und das Rennen neu aufzubauen.“
Wie holte sich Marquez die Führung zurück?
Marquez arbeitete sich in zwei Schritten nach vorne. In Runde zwei kassierte er Martin, in Runde sechs setzte er sich nach einem Highspeed-Duell auf der Gegengeraden gegen Bezzecchi durch.
Der entscheidende Angriff kam in Kurve 15. Beide Fahrer verloren am Kurvenausgang Schwung, auf der anschließenden langen Geraden fuhren sie Lenker an Lenker nebeneinander und berührten sich leicht. Bezzecchi beschrieb die Szene so: „Ich konnte vor Kurve 15 bereits das Motorrad von Marc hinter mir hören. Wir haben dann auf der Geraden gekämpft, der Windschatten hat mal gegriffen und dann wieder nachgelassen. Marc war heute aber unschlagbar mit seiner Erfahrung und auch seinem Speed hier.“
Danach folgte eine Phase auf Augenhöhe. In Runde elf fuhren Marquez und Acosta exakt dieselbe Zeit von 1:47,169 Minuten. Zwischen den Runden 13 und 15 legte Marquez dann drei Zeiten im 1:46er-Bereich nach und zog davon. Seine Erklärung dafür klang nüchtern: „Ich habe die meiste Zeit nur die Reifen verwaltet. Ich hatte damit kalkuliert, dass ich zehn Runden vor Schluss noch einen Schritt machen könnte, wenn ich in Führung liegen würde.“ Ein Verbremser in Kurve eins in Runde 18 änderte nichts mehr am Ausgang.

Warum war das Überholmanöver von Pedro Acosta so besonders?
Acosta nutzte den Zweikampf vor ihm und ging außen an Bezzecchi vorbei, während dieser auf der schmutzigen Innenlinie eingeklemmt war. Das Manöver in der vorletzten Kurve brachte ihm Platz zwei, den er bis ins Ziel behielt.
Für Zuschauer sah die Aktion spektakulär aus, für den Fahrer selbst nicht. “At the end, they were both on the left and I was a bit with the slipstream, and I just went to the right”, beschrieb Acosta in der Pressekonferenz. Auf Deutsch: „Am Ende waren beide links und ich war ein wenig im Windschatten, also bin ich einfach nach rechts gegangen.“ Und weiter: “It was an ‘easy move’, I would say, for the speed that I was coming.” Übersetzt: „Es war ein einfaches Manöver, würde ich sagen, bei der Geschwindigkeit, mit der ich kam.“
Acosta rechnete früh damit, dass mehr nicht drin sein würde. Er habe gemerkt, dass Marquez von hinten betrachtet sehr entspannt gewirkt habe, und deshalb erwartet, dass der Ducati-Fahrer zum Ende hin noch etwas zulegen könne. Vor spanischem Publikum wollte er es trotzdem versuchen: „Vor den spanischen Fans war ich glücklich, es zu versuchen. Es sieht so aus, als würden wir uns über das Wochenende hinweg verbessern. Es war ein langer Weg, dieses Podium zu holen. Jetzt ist es Zeit zu genießen.“
Was der zweite Platz für KTM bedeutet
Die Einordnung liefert der Blick auf die Markenkollegen. Enea Bastianini und Brad Binder kamen auf den Rängen acht und zehn ins Ziel, mit rund 23 Sekunden Rückstand auf Acosta. Für KTM war es zugleich das Ergebnis eines Wochenendes, an dem drei Motorräder der Marke in die Top Ten fuhren. Nach Angaben aus dem Umfeld der Serie hatte KTM zuvor grünes Licht erhalten, die Motoren zu öffnen und zu überarbeiten. Wie belastbar der Aufwärtstrend ist, lässt sich nach einem Rennen allerdings noch nicht beurteilen.
Motorsportchef Pit Beirer blieb bei ServusTV zurückhaltend: „Vom zweiten Platz aus hast du in so einem Rennen natürlich schon die Fantasie, dass irgendwann noch der nächste Schritt kommt. Aber jetzt sollten wir nicht abheben und erstmal froh sein, wieder diesen Zwischenboden drin zu haben, zurück auf dem Podium zu sein. Ich bin einfach nur glücklich, will jetzt nicht vom Sieg sprechen.“ Aleix Espargaro, der das Rennen als Honda-Testfahrer im Fernsehen verfolgte, schrieb in den sozialen Medien: „Pedro Acosta zaubert. Ihr habt gar keine Ahnung auf welchem Niveau er pilotiert mit dem Motorrad, das er fährt.“
Mit Marquez, Acosta und Bezzecchi standen erstmals in dieser Saison drei Fahrer von drei verschiedenen Herstellern gemeinsam auf dem Podium.

Wer schied in Aragon aus?
Vier Fahrer erreichten das Ziel nicht: Francesco Bagnaia, Franco Morbidelli, Raul Fernandez und Toprak Razgatlioglu.
Bagnaia stürzte aus Rang sieben, kurz darauf erwischte es Morbidelli. Raul Fernandez stellte seine Aprilia an der Box ab. Er selbst wollte sich zur Ursache nicht äußern und sagte nur: „Das ist Teil des Motorsports, das kann passieren.“ Aus der Box sowie von einem Boxenreporter der Serie hieß es, ein Getriebeproblem habe ihn zum Aufgeben gezwungen. Razgatlioglu stürzte drei Runden vor Schluss in Kurve zwölf, als er auf Platz 15 lag. Der Rookie klagte anschließend über Nackenschmerzen und stand für Interviews nicht zur Verfügung.
Wie lief es im Mittelfeld?
Alex Marquez wurde Vierter, Jorge Martin Fünfter. Beide fuhren nach der Anfangsphase weitgehend allein.
Alex Marquez schob den verpatzten Start teils auf die Situation vor ihm, nannte aber auch einen eigenen Fehler: „Ich habe den dritten Gang nicht eingelegt, und als ich vom Gas gegangen bin, haben mich zwei oder drei überholt, aber so ist das eben im Rennsport.“ Für ein Podium habe es ohnehin nicht gereicht, weil Marc und Pedro an diesem Tag mehr zu bieten gehabt hätten. Martin zog ein nüchternes Fazit: „Heute waren die Top fünf das Maximum und ich bin zufrieden, dass ich das mitgenommen habe.“
Dahinter holte Fermin Aldeguer bei seinem Comeback Platz sechs, Fabio Di Giannantonio wurde Siebter. Um Rang acht entwickelte sich ein langer Zweikampf, den Enea Bastianini erst in der letzten Runde gegen Rookie Diogo Moreira gewann. Moreira war als Neunter bester Honda-Fahrer und hielt über weite Strecken eine ganze Gruppe hinter sich. Brad Binder komplettierte die Top Ten. Jack Miller wurde als Elfter bester Yamaha-Fahrer, dahinter punkteten Joan Mir, Alex Rins, Luca Marini und Johann Zarco. Zarco holte damit bei seinem ersten Grand Prix nach der Verletzungspause einen Punkt, obwohl er wegen des Startunfalls von Barcelona zwei Long-Lap-Strafen absitzen musste.
In den Top Ten standen am Ende vier Ducati, drei KTM, zwei Aprilia und eine Honda. Yamaha war nicht vertreten.

Warum wurde Fabio Quartararo Letzter?
Quartararo verlor bereits in der zweiten Runde rund 15 Sekunden und kam mit 51 Sekunden Rückstand als Letzter ins Ziel.
Der Franzose schilderte eine Kettenreaktion: „Auf der Gegengerade haben mich Binder und Marini überholt. Ich war dann in deren Windschatten und sie bremsten viel früher, als ich das erwartet hatte. Mein Heck blockierte und ging komplett weit. Dann war ich hinter Toprak und blockierte die Front. Da bin ich wieder weit gegangen und habe mehrere Sekunden verloren. Danach hat dann einfach alles blockiert und ich bin bis ins Kiesbett.“ ServusTV-Experte Alex Hofmann sah darin mehr als ein technisches Problem und sprach mit Blick auf Platz 18 hinter Ersatzfahrer Lorenzo Savadori von einem Tiefpunkt der Motivation. Drei andere Yamaha-Fahrer holten Punkte oder lagen zum Zeitpunkt ihres Ausfalls in den Top 15.
Auch bei Francesco Bagnaia hält die schwierige Phase an. „Für mich ist der Mangel an Grip am Heck einfach zu viel. Die Realität ist, dass ich einfach null Grip habe. Absolut null Grip. Ich habe schon nach fünf Runden die Einstellung für weniger Leistung gewählt, weil der Hinterreifen bereits komplett hinüber war, obwohl ich nicht gepusht hatte“, sagte er. In den vergangenen beiden Grands Prix blieb er ohne Punkte.
Wie steht der Titelkampf nach dem Rennen?
Jorge Martin führt die Weltmeisterschaft mit 256 Punkten an, Marc Marquez folgt mit 237 Zählern, Marco Bezzecchi liegt mit 232 Punkten auf Rang drei.
Marquez hat seinen Rückstand binnen 24 Stunden von 40 auf 19 Punkte verkürzt, weil er sowohl den Sprint als auch den Grand Prix gewann. Bemerkenswert ist, dass die drei Erstplatzierten der WM über die vergangenen beiden Grand-Prix-Wochenenden nahezu identisch punkteten: Martin sammelte 48 Zähler, Marquez 47 und Bezzecchi 46. Dahinter folgen Fabio Di Giannantonio mit 208 Punkten und der verletzte Ai Ogura mit 203. Acosta verbesserte sich mit 189 Punkten wieder auf Rang sechs und zog an Raul Fernandez (186) vorbei. Bagnaia liegt bei 143 Zählern. In der Teamwertung führt Aprilia Racing mit 488 Punkten vor Trackhouse (389) und dem Ducati Lenovo Team (380).
Marquez selbst formulierte eine klare Vorgabe für den Rest der Saison: „Wenn wir auch nur eine geringe Chance auf einen Kampf um den Titel haben wollen, dann dürfen wir auf guten Strecken für uns keine Punkte verlieren. Das ist uns dieses Wochenende gelungen.“ Er rechnet damit, dass Martin und Bezzecchi im letzten Saisonabschnitt sehr schnell sein werden.

Was bedeutet der Sieg für die Rekordliste?
Es war der 77. MotoGP-Sieg von Marc Marquez. Damit ist er alleiniger Rekordsieger der MotoGP-Ära und hat Valentino Rossi überholt, der 76 Siege in dieser Klasse erzielte.
Für die Statistik der gesamten Königsklasse gilt das noch nicht. Rossi gewann zusätzlich 13 Rennen zu 500er-Zeiten, sein kombinierter Wert liegt bei 89 Siegen. In Aragon war es zudem der achte MotoGP-Sieg von Marquez und der vierte Saisonsieg. Nach dem Rennen feierte er vor der Tribüne mit der Startnummer 93 mit den Fans.
Wie geht die Saison weiter?
Der nächste Grand Prix findet in zwei Wochen in Misano statt. Acosta kündigte an, dort noch einmal zulegen zu wollen, und nannte für den weiteren Saisonverlauf Japan, Indonesien und Malaysia als Strecken, die ihm normalerweise liegen. Zusätzlich hofft er auf Regenrennen, um auch anderswo konkurrenzfähig zu sein. Marquez erwartet, dass Misano eher den beiden Aprilia-Werksfahrern entgegenkommt.

Häufige Fragen
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Wer hat das MotoGP-Rennen in Aragon 2026 gewonnen?
Marc Marquez gewann auf Ducati mit 1,8 Sekunden Vorsprung. Zweiter wurde Pedro Acosta auf KTM, Dritter Marco Bezzecchi auf Aprilia mit 3,6 Sekunden Rückstand.
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Wie lautet der WM-Stand nach dem MotoGP Aragon 2026?
Jorge Martin führt mit 256 Punkten vor Marc Marquez mit 237 und Marco Bezzecchi mit 232 Punkten. Marquez verkürzte seinen Rückstand am Wochenende von 40 auf 19 Zähler.
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Warum fiel Marc Marquez nach dem Start auf Platz drei zurück?
Er hatte vergessen, das Ride-Height-Device am Heck zu deaktivieren. Das Motorrad blieb abgesenkt, verlor in den Kurven zwei und drei an Tempo, und Marco Bezzecchi sowie Jorge Martin zogen vorbei.
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Wer ist in Aragon ausgefallen?
Francesco Bagnaia und Franco Morbidelli stürzten in der Anfangsphase, Toprak Razgatlioglu drei Runden vor Schluss. Raul Fernandez gab seine Aprilia mit einem technischen Defekt an der Box ab, dem Vernehmen nach wegen eines Getriebeproblems.
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Wann findet das nächste MotoGP-Rennen statt?
Der nächste Grand Prix steigt zwei Wochen nach Aragon in Misano. Für Acosta ist es die nächste Gelegenheit, den Aufwärtstrend zu bestätigen.












