- Marc Marquez liegt nach seinem Doppelerfolg in Balaton Park 72 Punkte hinter WM-Spitzenreiter Marco Bezzecchi.
- KTM hat den MotoGP-Topspeed-Rekord an Aprilia abgegeben: 368,6 km/h stehen 366,1 km/h gegenüber.
- Am 22. Juni testen die Stammfahrer nach dem Grand Prix in Brünn erstmals die 2027er-Prototypen mit Pirelli-Reifen.
Die MotoGP-Saison 2026 hat eine Wendung genommen, mit der bei Ducati zu Jahresbeginn kaum jemand gerechnet hatte. Nach einem schwierigen Start hat sich der Rennstall zwar zurückgemeldet, doch der Vorsprung von Aprilia bleibt beträchtlich. Vor dem Rennwochenende in Tschechien bündeln sich gleich mehrere Handlungsstränge: die Aufholjagd von Marc Marquez, die technische Suche bei KTM, die Personalfrage bei LCR Honda und ein erster großer Blick auf die Motorradgeneration des Jahres 2027.

Warum spricht Davide Tardozzi von einem Albtraum-Start?
Teammanager Davide Tardozzi räumt ein, dass die ersten Rennen für Ducati einem Albtraum glichen, weil Aprilia überraschend schnell davonzog und Marc Marquez gesundheitlich zurückgeworfen wurde. Nach dem Wintertest in Sepang, bei dem fünf Desmosedici unter den ersten sechs landeten, hatte Tardozzi mit einem guten Jahr gerechnet.
Stattdessen machte Aprilia zwischen Sepang und dem abschließenden Test in Buriram nach Tardozzis Worten einen großen Schritt nach vorne. Gleichzeitig stockte die Genesung von Marquez, der nach den Schulterverletzungen der Vorsaison zurückgekehrt war und dann mit einem zunächst nicht erkannten, eingeklemmten Speichennerv im rechten Arm zu kämpfen hatte. Aprilia gewann die ersten drei Grands Prix mit Marco Bezzecchi und holte zusätzlich einen Sprintsieg durch Jorge Martin, während Ducati die Europarennen mit lediglich einem Sprinterfolg erreichte. Die Wende kam mit dem ersten Grand-Prix-Sieg durch Alex Marquez in Jerez, dem zweiten Saisonsieg von Fabio di Giannantonio in Barcelona und dem ersten Sonntagspodium des Werksteams durch Francesco Bagnaia, ebenfalls in Barcelona. Tardozzi spricht davon, dass man einen Teil des Rückstands aufgeholt habe, aus seiner Sicht aber noch nicht genug.
Wie nah ist Marc Marquez wieder an seiner Bestform?
Marc Marquez ist nach eigener Aussage noch nicht bei hundert Prozent, und Tardozzi rechnet mit ein bis zwei weiteren Monaten bis zur vollständigen Genesung. Der amtierende Weltmeister kehrte in Mugello zunächst verhalten mit Rang sieben zurück, ehe er in Balaton Park von der Pole-Position aus beide Rennen für sich entschied.
Tardozzi betont, dass Pole und Siege nicht bedeuten, dass Marquez wieder vollständig fit sei. In Balaton Park spielte zudem das Pech der Konkurrenz eine Rolle: Martin löste in der ersten Kurve einen Sturz aus, der seinen Teamkollegen Bezzecchi ebenso aus dem Rennen nahm wie den in der Meisterschaft führenden Ducati-Piloten di Giannantonio. Marquez verkürzte dadurch um 30 Punkte, liegt mit nun 72 Punkten Rückstand auf Bezzecchi aber weiterhin klar zurück. Im Fahrerlager von Barcelona, wo er die Rennpause für einen Besuch nutzte, beschrieb Marquez sich als auf dem Weg der Besserung und kündigte an, nach den kommenden Rennen und dem Deutschland-Grand-Prix bis zur Sommerpause einen weiteren Schritt machen zu wollen. Mit Blick auf die jungen Fahrer äußerte er, dass man als Athlet den Aufstieg von Talenten wie Pedro Acosta und Fermin Aldeguer akzeptieren müsse und selbst härter arbeiten wolle, um schwer zu schlagen zu bleiben.

Warum hat KTM den MotoGP-Topspeed-Rekord verloren?
KTM hielt mit 366,1 km/h lange den Topspeed-Rekord der Königsklasse, doch Aprilia überbot diesen Wert beim Italien-Grand-Prix gleich zweimal mit 368,6 km/h. Zunächst fuhr Martin die Bestmarke im zweiten Freien Training, wenige Stunden später bestätigte sie Bezzecchi im Sprint exakt.
Die KTM RC16 ist damit weiterhin zweimal in den Top fünf der Rekordliste vertreten, aber nicht mehr an der Spitze. Tech3-Pilot Enea Bastianini erklärt, dass der gute Topspeed der RC16 zwar erhalten geblieben sei, man im Verlauf der Entwicklung aber Kompromisse habe eingehen müssen. Auf einigen Strecken sei man auf den Geraden extrem schnell gewesen, auf anderen nicht, was auch mit dem Gripniveau der jeweiligen Strecke zusammenhänge. Bei wenig Grip wie in Barcelona habe das der RC16 entgegengekommen, weil die Beschleunigung dadurch mit der der Konkurrenz vergleichbar gewesen sei. Bei höherem Grip wie in Mugello fehle es dagegen an Beschleunigung, obwohl im Bereich vom vierten bis in den sechsten Gang reichlich Leistung vorhanden sei. Verbesserungsbedarf sieht Bastianini vor allem am Kurvenausgang.
Hilfe kam von einem Aerodynamik-Update beim Montagstest in Barcelona. Laut Acosta wurden einige der kleinen Flügel im Bereich der Gabel entfernt, weil auf schnellen Strecken zeitweise der Topspeed wichtiger ist als das Kurvenverhalten. Maverick Vinales berichtete, durch den geringeren Luftwiderstand drei bis vier km/h gefunden zu haben. Vinales selbst ist allerdings durch eine am Sachsenring 2025 erlittene Schulterverletzung weiterhin eingeschränkt und musste auch in der laufenden Saison mehrere Rennen auslassen. Bastianini, der 2023 und 2024 für das Ducati-Werksteam fuhr, tut sich mit einem direkten Vergleich der beiden Marken schwer, nennt das Bremsen in Geradeausfahrt aber als derzeit größte Stärke seines Motorrads.
Was wird aus Johann Zarco und Cal Crutchlow bei LCR Honda?
Johann Zarco ist vorerst nicht rennbereit, weshalb der frühere MotoGP-Pilot Cal Crutchlow für LCR Honda einspringt. Teamchef Lucio Cecchinello erklärt, dass die für Zarco vorgesehene Bänder-Operation am Knie erst möglich ist, wenn eine tiefe Verbrennung am Bein verheilt ist, da andernfalls ein Infektionsrisiko bestünde.
Ein fester Termin für den Eingriff steht damit noch nicht fest. Crutchlow, der seine Vollzeitkarriere 2020 beendet hatte, übernahm die Aufgabe auf Bitten von Cecchinello und bestreitet zumindest die anstehenden Rennen in Brünn und Assen. Ein dauerhaftes Comeback schließt der Engländer aus, eine künftige Rolle als Testfahrer hält er offen. Er verweist darauf, nach seinem Rücktritt intensiv mit Yamaha an der M1 gearbeitet und einzelne Rennen als Wildcard oder Ersatzmann bestritten zu haben. Trotz der körperlichen Belastung sieht er sich weiterhin in der Lage, ein präzises technisches Feedback zu liefern und auf seine gute Beziehung zu Honda aufzubauen.

MotoGP Brünn 2026: Der Geheimtest für die Zukunft
Am 22. Juni, dem Montag nach dem Grand Prix in Brünn, steigt der erste große Test für die MotoGP-Generation 2027, und das hinter weitgehend verschlossenen Türen. Es handelt sich nicht um einen offiziellen Test, sondern um einen Reifentest für die Saison 2027, in der die Königsklasse von Michelin- auf Pirelli-Reifen wechselt.
Erwartet wird, dass die Hersteller bei diesem Anlass erstmals geschlossen ihre 2027er-Prototypen mit Stammfahrern auf die Strecke schicken. Über das Maß an Geheimhaltung wird Stillschweigen gewahrt, denkbar sind ein eingeschränkter Medienzugang und der Verzicht auf offizielle Rundenzeiten. Laut Medienberichten ist der Test auf maximal zwei Fahrer pro Hersteller begrenzt, wobei mindestens einer ein Stammfahrer sein soll. Teilnehmen dürfen nur Fahrer mit einem gültigen Vertrag für 2027 oder solche, die bei ihrem aktuellen Hersteller verlängert haben. Bestätigt beim aktuellen Hersteller bleiben demnach bislang Bezzecchi bei Aprilia, Toprak Razgatlioglu bei Pramac Yamaha und Diogo Moreira bei LCR Honda, hinzu kommen Marquez und Aldeguer bei Ducati. Zarcos verletzungsbedingter Ausfall zeigt dabei, wie eng die Auswahl ist, denn er besitzt zwar einen Vertrag, kann aber nicht fahren.
Bei KTM ist die Lage komplizierter: Acosta wird Berichten zufolge zu Ducati wechseln, Bastianini wird mit Trackhouse Aprilia in Verbindung gebracht, und die Zukunft von Brad Binder und Vinales ist offen. Die Wahl für den Brünn-Test könnte daher einen Hinweis darauf geben, wer für 2027 noch im Rennen ist. Als Alternative stehen erfahrene Testfahrer wie Pol Espargaro und Dani Pedrosa bereit. In der Entwicklung haben KTM bereits im Dezember 2025, danach Honda und inzwischen auch Ducati ihre 850-ccm-Prototypen in Betrieb genommen, zuletzt drehte Testchef Michele Pirro in Misano Runden mit der 850er-Desmosedici GP27 auf Pirelli-Reifen. Zum technischen Reglement 2027 gehört neben dem kleineren Hubraum auch ein Verbot der sogenannten Ride-Height-Devices, also jener Systeme, die das Motorrad zur besseren Beschleunigung absenken. Ein zweiter Testtag dieser Art ist für den 21. September nach dem Österreich-Grand-Prix in Spielberg vorgesehen.

Häufige Fragen
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Worauf kommt es bei MotoGP Brünn 2026 an?
Im Mittelpunkt steht der WM-Kampf zwischen Marc Marquez und Aprilia, der vor dem Rennwochenende eng beieinander liegt. Zusätzlich richtet sich der Blick auf den Montag nach dem Rennen, an dem erstmals die 2027er-Prototypen mit Stammfahrern getestet werden.
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Wie viele Punkte fehlen Marc Marquez auf Marco Bezzecchi?
Marquez liegt 72 Punkte hinter WM-Spitzenreiter Bezzecchi. In Balaton Park hatte er den Rückstand zuvor um 30 Punkte verkürzt.
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Wer hält aktuell den MotoGP-Topspeed-Rekord?
Den Rekord hält Aprilia mit 368,6 km/h, aufgestellt beim Italien-Grand-Prix in Mugello durch Jorge Martin und Marco Bezzecchi. KTM lag mit 366,1 km/h zuvor an der Spitze.
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Wann testen die MotoGP-Stammfahrer erstmals die 2027er-Bikes?
Der erste Test mit Stammfahrern, mehreren Herstellern und Pirelli-Reifen findet am 22. Juni statt, am Montag nach dem Grand Prix in Brünn. Ein weiterer Termin folgt am 21. September in Spielberg.
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Warum fährt Cal Crutchlow für LCR Honda?
Crutchlow ersetzt den verletzten Johann Zarco, dessen Knieoperation erst nach dem Abheilen einer Verbrennung möglich ist. Er bestreitet zumindest die Rennen in Brünn und Assen.












