- Front-Holeshot-Geräte sind ab dem Grand Prix der Niederlande, 26. bis 28. Juni, aus allen MotoGP-Maschinen verbannt.
- Ab dem Deutschland-GP am Sachsenring, 10. bis 12. Juli, wächst der Reihenabstand im Startraster aller Klassen von neun auf zwölf Meter.
- Ab der Saison 2028 darf ein Hersteller maximal sechs Motorräder im MotoGP-Feld stellen, sofern mindestens fünf Hersteller antreten.
Am 22. Juni hat die Grand-Prix-Kommission, das Regelgremium der MotoGP, gleich drei Entscheidungen verkündet. Im Mittelpunkt stehen die Sicherheit am Start und die langfristige Struktur des Teilnehmerfeldes. Zwei der Maßnahmen greifen noch in dieser Saison, die dritte ordnet das Feld ab 2028 neu. Die Kommission setzt sich aus Vertretern der FIM, der Teamvereinigung IRTA, der Herstellervereinigung MSMA und der Rechteinhaber von MotoGP zusammen.

Was ändert sich beim MotoGP Holeshot-Verbot ab Assen?
Ab dem Grand Prix der Niederlande dürfen keine Front-Holeshot-Geräte mehr in MotoGP-Maschinen verbaut werden. Das Verbot betrifft ausschließlich die vorderen Systeme, die Heck-Ride-Height-Geräte bleiben für den Renneinsatz vorerst erlaubt. Laut FIM erfolgt die Entscheidung nach Rücksprache mit allen Teams und nachdem die Fahrer ihre Starts in zusätzlichen Übungseinheiten ohne das vordere Gerät erproben konnten.
Diese Tests fanden am Rennwochenende in Brno statt. Die Meinungen der Fahrer gingen dabei auseinander, der überwiegende Eindruck lautete jedoch, dass die Umstellung entweder eine Verbesserung bringt oder keinen Unterschied macht. Ursprünglich war das vorgezogene Front-Verbot laut Medienberichten für einen späteren Lauf vorgesehen, nach dem erfolgreichen Test in Brno wurde es jedoch auf Assen vorgezogen.
Einzuordnen ist der Schritt im größeren Zusammenhang des Technik-Resets, der für die kommende Saison ohnehin ein komplettes Verbot aller Ride-Height-Geräte vorsieht. Die Kommission zieht das Aus für die vorderen Start-Systeme damit um eine volle Saison vor.
Wie funktioniert ein Holeshot-Gerät?
Ein Holeshot-Gerät ist ein mechanisches System, das die Maschine unmittelbar vor dem Start absenkt und so die Neigung zum Steigen des Vorderrads unter starker Beschleunigung verringert. Der Fahrer komprimiert mit seinem Körpergewicht die vordere Gabel und verriegelt die Federung anschließend über einen Hebel an der oberen Gabelbrücke in der abgesenkten Position. Mit tiefer liegendem Schwerpunkt kann das Motorrad härter beschleunigen, ohne dass die Front abhebt und die Elektronik die Leistung reduziert.
Das System löst sich beim ersten Bremsmanöver in Kurve eins automatisch und darf nach den 2023 eingeführten Regeln im weiteren Rennverlauf nicht erneut aktiviert werden. Ducati brachte die Technik Ende 2018 ins Feld, bis 2021 verfügte jeder Hersteller über eine eigene Variante, zuletzt Suzuki. Echte fahrende Front-Ride-Height-Geräte, die während der Fahrt arbeiten, waren bereits seit 2023 untersagt, die reinen Start-Geräte blieben bis zu dieser Entscheidung zulässig.
Weil elektronisch geregelte Federelemente im Grand-Prix-Sport nicht erlaubt sind, handelt es sich bei diesen Systemen um bewusst einfache, manuell ausgelöste mechanisch-hydraulische Lösungen. Im Detail sind sie aufwendig, im Prinzip aber deutlich simpler als die semiaktiven Fahrwerke vieler hochwertiger Serienmotorräder.

Warum greift die FIM gerade jetzt ein?
Auslöser sind die Sicherheitsbedenken bei den Rennstarts, die sich zuletzt häuften. Das Gerät selbst gilt nicht als unmittelbares Sicherheitsrisiko, problematisch ist das harte Bremsen, das zum Lösen des Systems in der ersten Kurve nötig ist und nachfolgende Fahrer in Bedrängnis bringen kann. Hinzu kommt die Einschätzung, dass die Entwicklung der Systeme teuer ist, ohne das Renngeschehen zu bereichern.
Konkret verweisen Berichte auf Zwischenfälle in Catalunya und am Balaton Park. Beim Startunfall in Ungarn wurden in Kurve eins mehrere Fahrer ineinander verwickelt, ein typisches Beispiel dafür, wie ein dicht gestaffeltes Feld unter voller Beschleunigung in eine enge Kurveneinfahrt drängt. In der Summe stehen die Maßnahmen damit in einer Reihe von Startunfällen, bei denen Fahrer verletzt wurden und Rennen verpassten.
Neues Startraster ab dem Sachsenring
Ab dem Deutschland-GP am Sachsenring wird das Startraster in allen Klassen entzerrt. Der vertikale Abstand zwischen den Reihen steigt von drei auf vier Meter, wodurch sich der Abstand zwischen den jeweils drei Fahrern umfassenden Reihen von neun auf zwölf Meter vergrößert. Die Aufstellung mit drei Fahrern pro Reihe bleibt erhalten, ein Wechsel zu einem Format mit zwei Fahrern pro Reihe kommt nicht.
Diesem Schritt war eine Debatte vorausgegangen, in der die Fahrer einen ursprünglichen Vorschlag mit zwei Fahrern pro Reihe zugunsten größerer Reihenabstände ablehnten. Die Änderung greift erst ab dem Sachsenring und nicht schon in Assen, weil sichergestellt werden musste, dass sich das neue Layout auf allen verbleibenden Strecken des Kalenders umsetzen lässt. Für Assen kam die Ankündigung zu spät.
Das größere Raster bringt auch ein Risiko mit sich, da die Anfahrtsgeschwindigkeiten in die erste Kurve durch die weiteren Abstände steigen können. Zugleich gewinnt die Qualifikation an Bedeutung, weil die Startposition über noch größere Distanzen entscheidet. Die Regelung gilt für MotoGP, Moto2 und Moto3 gleichermaßen.

Was bedeutet das Sechs-Motorräder-Limit für die Hersteller?
Ab 2028 darf ein Hersteller höchstens sechs Fahrer mit seinen Maschinen ausstatten, was praktisch einem Werksteam plus maximal zwei weiteren Teams entspricht. Die Regel gilt unter der Bedingung, dass zu diesem Zeitpunkt mindestens fünf Hersteller im Feld vertreten sind. Derzeit erreicht nur Ducati diese Obergrenze mit dem Werksteam sowie Gresini und VR46, während Aprilia, KTM, Yamaha und Honda jeweils vier Maschinen stellen.
Kritik hatte sich daran entzündet, dass ein einzelner Hersteller das Feld zahlenmäßig dominieren und sich dadurch einen Vorteil bei Daten für Abstimmung und Entwicklung verschaffen kann. Ducati hatte zeitweise bis zu acht Motorräder im Feld, seit dem Wechsel von Pramac zu Yamaha zur Saison 2025 sind es sechs. Für 2027 wird erneut mit sechs Ducati gerechnet, die übrigen Hersteller dürften mit jeweils vier Maschinen ihr Werksteam und ein Satellitenteam beliefern.
Die Obergrenze soll die Vielfalt der Marken im Feld bewahren und verhindern, dass eine einzelne Marke das Teilnehmerfeld über die schiere Anzahl bestimmt. Eingebettet ist die Maßnahme in das kürzlich unterzeichnete Concorde-Agreement für die Jahre 2027 bis 2031, das alle fünf Hersteller und die Rechteinhaber von MotoGP umfasst und die Zusammensetzung des Feldes bis mindestens 2031 absichert. Das Limit liefert diesem Rahmen einen klaren Durchsetzungsmechanismus.
Welche Folgen hat das Holeshot-Verbot für den WM-Kampf?
Der Zeitpunkt fällt in eine enge Titelentscheidung, was den Wegfall des Front-Geräts besonders relevant macht. Zwischen den Aprilia-Teamkollegen Bezzecchi und Martin liegen acht Punkte, während Marc Marquez mit drei Siegen aus vier Rennen aufholt, zuletzt beim Lauf in Brno. Ohne das vordere System verlagert sich der Fokus am Start stärker auf Kupplungsgefühl, Gasannahme, Körperposition und die Anti-Wheelie-Strategie der Maschine.
Schwache Starts lassen sich damit schwerer kaschieren, während Fahrer mit ohnehin starker Startphase einen Teil ihres Vorteils zurückgewinnen könnten. Welche Maschine ohne die ausgereiften Start-Hilfen am saubersten beschleunigt, wird sich erst im Renneinsatz zeigen. Die Teams mit den am weitesten entwickelten Systemen stehen vor der Aufgabe, ihre Abstimmung in kurzer Zeit anzupassen.

Häufige Fragen
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Ab wann gilt das MotoGP Holeshot-Verbot?
Das MotoGP Holeshot-Verbot der Front-Geräte gilt ab dem Grand Prix der Niederlande in Assen vom 26. bis 28. Juni 2026. Es betrifft alle MotoGP-Maschinen. Die Heck-Ride-Height-Geräte bleiben für den Renneinsatz vorerst erlaubt.
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Was ist ein Holeshot-Gerät in der MotoGP?
Ein Holeshot-Gerät ist ein mechanisches System, das die Maschine vor dem Start absenkt und die Neigung zum Steigen des Vorderrads verringert. Der Fahrer verriegelt die komprimierte Federung über einen Hebel an der Gabelbrücke. Beim Bremsen in der ersten Kurve löst sich das System automatisch.
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Wie ändert sich das Startraster ab dem Sachsenring?
Ab dem Deutschland-GP vom 10. bis 12. Juli steigt der vertikale Abstand zwischen den Reihen von drei auf vier Meter. Der Abstand zwischen den Dreierreihen wächst damit von neun auf zwölf Meter. Es bleiben drei Fahrer pro Reihe in allen Klassen.
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Warum dürfen Hersteller ab 2028 nur noch sechs Motorräder stellen?
Ab 2028 darf ein Hersteller maximal sechs Fahrer ausstatten, also ein Werksteam plus höchstens zwei weitere Teams. Die Regel soll die Markenvielfalt im Feld sichern. Sie gilt nur, wenn mindestens fünf Hersteller antreten.
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Sind die Heck-Holeshot-Geräte auch verboten?
Nein, die Entscheidung betrifft ausschließlich die vorderen Geräte. Die Heck-Ride-Height-Geräte bleiben für den Renneinsatz zunächst zulässig. Das vollständige Verbot aller Ride-Height-Geräte ist Teil des Technik-Resets der kommenden Saison.












