- Zweijahresvertrag mit Laufzeit bis Ende 2028, bislang ohne offizielle Bestätigung
- Tech3 tauscht beide Fahrer aus, neben Marini gilt Moto2-Pilot Senna Agius als gesetzt
- Marini liegt aktuell auf Platz zehn der WM-Wertung und ist bester Honda-Fahrer
Der Fahrermarkt der MotoGP nähert sich dem Abschluss, und einer der letzten offenen Punkte betrifft Luca Marini. Der 28-Jährige aus Tavullia gehört nicht mehr zu den Plänen von Honda für die Saison 2027, bleibt der Königsklasse aber erhalten. Nach übereinstimmenden Berichten aus Italien hat er sich mit KTM auf einen Zweijahresvertrag verständigt und wechselt zum französischen Kundenteam Tech3. Der Vertrag soll bis Ende 2028 laufen.

Was steckt hinter dem Wechsel von Luca Marini zu Tech3?
Marini und KTM sollen sich auf einen Vertrag über zwei Jahre geeinigt haben, der 2028 endet. Eine offizielle Mitteilung des Herstellers oder des Teams gab es bis zum 4. August 2026 nicht, die Informationen stammen aus italienischen Medienberichten.
Für Marini wäre KTM der dritte Hersteller seiner MotoGP-Laufbahn. Begonnen hat er in der Königsklasse beim Team seines Halbbruders Valentino Rossi, ehe er 2024 den frei gewordenen Platz von Marc Marquez bei Honda übernahm. Nach drei Jahren endet dieses Kapitel nun. Bemerkenswert ist dabei, worauf Marini bewusst verzichtet hat: Eine Rückkehr zu VR46 wäre eine Option gewesen, doch er entschied sich dagegen, weil er darin einen Schaden für seine Glaubwürdigkeit sah.
Warum hat Honda keinen Platz mehr für Marini?
Honda hat sein Aufgebot für 2027 bereits ohne ihn festgelegt. Während der Sommerpause bestätigte der Hersteller die Verpflichtungen von Fabio Quartararo und Moto2-Fahrer David Alonso, dazu besitzen Johann Zarco und Diogo Moreira Verträge für das Kundenteam LCR.
Offen ist bei Honda nur noch, wer von den beiden Neuzugängen im Werksteam an der Seite von Quartararo fährt und wer bei LCR unterkommt. Für Marini blieb in dieser Rechnung kein Platz. Sportlich ist das durchaus bemerkenswert, denn er ist derzeit der stärkste Fahrer der vier Honda-Piloten. Mit 79 Punkten liegt er auf Rang zehn der Weltmeisterschaft, 31 Zähler vor Moreira, 45 vor dem verletzten Zarco und 53 vor seinem Teamkollegen Joan Mir, der bereits einen Platz bei Gresini sicher hat.
Vor dem Neustart der Saison in Silverstone will Marini genau diese Rolle verteidigen. „We need to keep taking good points to protect our position in the top ten in the standings and stay as the fastest Honda“, sagte er, also: „Wir müssen weiter gute Punkte holen, um unsere Position in den Top Ten der Wertung zu verteidigen und der schnellste Honda-Fahrer zu bleiben.“ Die Qualifikation nennt er dabei als ersten kritischen Punkt des Wochenendes, weil der direkte Einzug in Q2, also den entscheidenden zweiten Qualifikationsabschnitt, für Honda in dieser Saison eine Schwachstelle ist.

Wer wird Marinis Teamkollege bei Tech3?
Als Partner an Marinis Seite gilt der Australier Senna Agius als gesetzt. Der Moto2-Fahrer soll als Neuling in die Königsklasse aufsteigen, offiziell bestätigt ist auch diese Personalie noch nicht.
Lange lief es auf ein Duell zwischen den beiden Intact-GP-Piloten Manuel Gonzalez und Agius hinaus. Teamchef Günther Steiner bestätigte im Juli, dass beide auf seiner Liste stehen. Er schwärmte von beiden und wollte sich nicht festlegen. Im Fahrerlager gilt der Australier trotz der WM-Führung von Gonzalez als Favorit, auch weil im Feld bereits zahlreiche Spanier fahren. Mit David Alonso, Dani Holgado und Izan Guevara steigen ohnehin schon drei weitere Moto2-Piloten auf.
Erfahrung neben einem Neuling: Steiners Linie für 2027
Die Kombination aus Routinier und Aufsteiger ist keine Notlösung, sondern abgestimmte Strategie. KTM-Motorsportchef Pit Beirer machte deutlich, dass er das Kundenteam nicht als zweite Wahl versteht: „Unser zweites Team ist kein B-Team.“ Man plane gemeinsam und habe sich für einen jungen Fahrer aus der Moto2 mit einem erfahrenen Piloten an seiner Seite entschieden.
Steiner beschrieb seine Herangehensweise bei der Fahrerwahl beim Deutschland-GP so, dass für ihn nicht nur Rundenzeiten zählen. Er habe mit mehreren Fahrern gesprochen, um sie vorher kennenzulernen, weil man eben nicht nur jemanden bekomme, der ein Motorrad fährt, sondern eine Persönlichkeit, die ins Team passen müsse. Zu Marini wurde er dann konkret: Er habe ihn vorher nicht gekannt, halte ihn aber für einen sehr angenehmen Menschen mit viel Erfahrung, der dem Team helfen könne, besser zu werden. Und weiter: „Könnte er einen Wert für das Team haben? Vielleicht ja.“
Neu ist auch die vertragliche Konstruktion. Bisher standen die Tech3-Fahrer direkt bei KTM unter Vertrag, künftig schließt das Team die Verträge selbst ab und zahlt auch die Gehälter. Steiner begründet das mit mehr Kontrolle über die eigene Mannschaft und verweist auf ein deutsches Sprichwort: Wer zahlt, schafft an.

Was bedeutet der Umbau für Maverick Vinales und Brad Binder?
Beide verlieren durch die neue Aufstellung ihre Perspektive innerhalb der KTM-Struktur. Vinales steht für 2027 ohne Motorrad da, Brad Binder findet in Steiners Planungen ebenfalls keine Berücksichtigung.
Vinales hatte KTM in Assen öffentlich scharf kritisiert und die Verantwortung für seine Lage beim Hersteller gesehen. Steiner reagierte zurückhaltend und hielt die Schuldzuweisung für zu hart, weil die Leistung des Motorrads durchaus vorhanden sei. Er vermutete, dass dem Spanier schlicht die Emotionen durchgegangen seien, und hielt eine Fortsetzung der Zusammenarbeit für unrealistisch, weil sich eine solche Situation nach einem öffentlichen Schlagabtausch kaum kitten lasse. Beim Saisonstart nach der Sommerpause in Silverstone fehlt Vinales verletzungsbedingt.
Bei Binder liegt der Fall anders. Der Südafrikaner verlor seinen Platz im Werksteam an Fabio Di Giannantonio und wäre bei Tech3 eine naheliegende Lösung gewesen. Steiner lehnte das mit einer klaren Begründung ab: „Wir wollen keine Altlasten. Wir wollen einen frischen Start und daher passen da vielleicht keine Leute, die bereits mit der Gruppe, nicht nur Tech3, sondern auch KTM, für zu lange Zeit assoziiert werden.“
Was ändert sich bei Tech3 über die Fahrer hinaus?
Der Umbau betrifft auch das Erscheinungsbild. Tech3 prüft, ob Red Bull als Sponsor bleibt, und will sich optisch wie kommerziell stärker von KTM lösen.
Steiner erklärte, das Team werde gemeinsam mit KTM einen eigenen Weg gehen, auch was das Aussehen betreffe. Sollte der bisherige Titelsponsor wegfallen, ändere sich das Erscheinungsbild in jedem Fall. Selbst bei einem Verbleib soll Red Bull das Team nicht mehr im heutigen Umfang unterstützen. In den vergangenen beiden Jahren waren die Farben identisch mit denen des Werksteams. Dass die Motorräder 2027 nicht mehr orange sind und der Name Red Bull KTM Tech3 verschwindet, hält Steiner für plausibel. Die technische und personelle Bindung nach Mattighofen soll dabei bestehen bleiben.

Wie sieht das MotoGP-Feld 2027 aus?
Bis auf die beiden Tech3-Plätze ist die Aufstellung für die neue Ära mit den 850-Kubikzentimeter-Motorrädern praktisch fertig. Ducati setzt im Werksteam auf Marc Marquez und Pedro Acosta, bei VR46 sollen Fermin Aldeguer und Superbike-Dominator Nicolo Bulega fahren, Gresini meldet Daniel Holgado und Joan Mir.
Aprilia geht mit Marco Bezzecchi und Francesco Bagnaia an den Start, der einen Vierjahresvertrag unterschrieben hat, dazu kommt Trackhouse mit Raul Fernandez und Enea Bastianini. Bei KTM bilden Alex Marquez und Fabio Di Giannantonio das Werksduo. Yamaha stellt Jorge Martin und Ai Ogura ins Werksteam, im Kundenteam Pramac stehen Toprak Razgatlioglu und Izan Guevara. Der Wechsel von Marini ist damit eines der letzten Puzzleteile im Fahrermarkt für die kommende Motorrad-Generation.
Ein Dominoeffekt hängt direkt daran: Weil Marini nicht zu VR46 zurückkehrt, rückt Bulega dort in eine gute Position. Der Italiener dominiert die Superbike-WM und hatte bis Ende Juni sämtliche 21 Saisonrennen gewonnen. Ducati sicherte ihm fünf Testtage mit dem neuen 850er-Prototypen zu. Abgeschlossen ist auch dieser Wechsel noch nicht, weil unter anderem geklärt werden muss, welchen Anteil an Gehalt und Motorradkosten der Hersteller und welchen das Team übernimmt.

Häufige Fragen
-
Für welches Team fährt Luca Marini 2027?
Luca Marini soll 2027 für Tech3 fahren, das Kundenteam von KTM. Der Vertrag soll über zwei Jahre laufen und Ende 2028 enden. Offiziell bestätigt haben KTM und Tech3 den Wechsel bislang nicht.
-
Warum verlässt Luca Marini Honda?
Honda hat sein Aufgebot für 2027 ohne Marini geplant. Der Hersteller bestätigte während der Sommerpause Fabio Quartararo und David Alonso, dazu besitzen Johann Zarco und Diogo Moreira Verträge. Marinis Kontrakt läuft zum Saisonende aus und wird nicht verlängert.
-
Wer fährt 2027 neben Luca Marini bei Tech3?
Als Favorit für den zweiten Platz gilt der australische Moto2-Fahrer Senna Agius. Zeitweise war auch dessen Teamkollege Manuel Gonzalez im Gespräch. KTM und Tech3 hatten sich darauf verständigt, einen erfahrenen Fahrer mit einem Neuling zu kombinieren.
-
Was passiert mit Maverick Vinales und Brad Binder?
Beide haben innerhalb der KTM-Struktur für 2027 keinen Platz mehr. Vinales steht nach öffentlicher Kritik am Hersteller ohne Cockpit da, Binder verlor seinen Werksplatz an Fabio Di Giannantonio. Steiner schloss eine Verpflichtung Binders aus, weil er einen personellen Neuanfang will.
-
Auf welchem WM-Platz liegt Luca Marini 2026?
Marini liegt mit 79 Punkten auf Rang zehn der Weltmeisterschaft und ist damit bester Honda-Fahrer. Sein Vorsprung beträgt 31 Punkte auf Diogo Moreira, 45 auf Johann Zarco und 53 auf Teamkollege Joan Mir.












