- Erstmals nennt die Konzernspitze zwei weitere RC-Modelle konkret beim Namen
- Die neue Baureihe zielt auf die mittlere und die kleine Hubraumklasse
- KTM bleibt bis 2031 in der MotoGP, der Straßenbereich steht für die Hälfte des Umsatzes
Fast zwei Jahrzehnte lang hatte KTM im Bereich der vollverkleideten Sportmotorräder nur wenig anzubieten. Mit der 990 RC R kehrte die Marke im vergangenen Jahr in dieses Feld zurück, Anfang 2026 folgte die reine Rennstreckenversion 990 RC R Track. Jetzt zeichnet sich ab, dass es nicht bei einem einzelnen Modell bleibt. In einem Gespräch am Rande des Tschechien-Grand-Prix hat Gottfried Neumeister, seit 2023 Chef der KTM AG, den Ausbau der Baureihe nach unten bestätigt.

Welche neuen RC-Modelle hat KTM angekündigt?
KTM plant eine 790 RC und eine 490 RC. Beide Modelle sollen die 990 RC R nach unten ergänzen und die RC-Reihe zu einer eigenständigen Sportmotorrad-Familie ausbauen.
Neumeister hat das im Gespräch mit dem Motorsportjournalisten Adam Wheeler ohne Umschweife formuliert: „the 990 was first and we’ll have a 790 and a 490“, also „die 990 kam zuerst, und wir werden eine 790 und eine 490 haben“. Er verweist dabei auf andere Hersteller, die in der mittleren und unteren Hubraumklasse längst vertreten sind, und beschreibt dieses Segment als wachsend.
Damit rückt KTM in einen Bereich, in dem sich zuletzt einiges bewegt hat. Aprilia bedient ihn mit der RS 457, BMW baut die Einstiegsklasse gemeinsam mit einem indischen Partner auf Zweizylinder um, und auch andere Konzernmarken arbeiten an vergleichbaren Plattformen. Genau in diese Lücke zielt die Ankündigung aus Mattighofen.
Woher soll der Motor der 790 RC kommen?
Die 790 RC dürfte den Zweizylinder der 790 Duke übernehmen. Bestätigt hat KTM das bislang nicht, die Modellbezeichnung legt es aber nahe.
Der LC8c-Reihenzweizylinder mit 799 Kubikzentimetern wird in China gefertigt, wo auch die 790 Duke und die 790 Adventure komplett vom Band laufen. Ein passender Antrieb ist also vorhanden, ebenso die Fertigungsstruktur dahinter. Für die 790 RC müsste KTM damit vor allem Rahmen, Verkleidung und Abstimmung entwickeln, nicht aber einen neuen Motor.

Was ist über die 490 RC bekannt?
Die 490 RC soll das Einstiegsmodell der RC-Reihe werden und entsteht laut Medienberichten in Zusammenarbeit mit CFMoto. Technisch soll sie auf der CFMoto 450SR S aufbauen.
Prototypen wurden bereits gesichtet. Berichten zufolge übernimmt die 490 RC den Reihenzweizylinder der chinesischen Schwester weitgehend unverändert, mit knapp 47 PS (rund 35 kW) und knapp unter 40 Nm (etwa 29 lb-ft). Die CFMoto wiegt fahrfertig 179 kg (395 lbs), bei der KTM soll der Unterschied gering ausfallen. Auffällig ist die Einarmschwinge, die in dieser Klasse selten vorkommt.
Unterschiede soll es vor allem bei Fahrwerk und Elektronik geben. Wo CFMoto auf Showa-Komponenten setzt, sollen bei KTM Teile von WP zum Einsatz kommen, dazu eine eigene Abstimmung von Federung und Motorsteuerung. Auch das Design soll eigenständig ausfallen und sich optisch an der 990 RC R orientieren. Auf einem der gesichteten Prototypen waren bereits RC-Schriftzüge zu erkennen, was üblicherweise auf eine späte Entwicklungsphase hindeutet.
Die Zusammenarbeit hat eine Vorgeschichte. CFMoto fertigt seit Jahren für KTM in China und hält 2 Prozent an der Muttergesellschaft Pierer Mobility. Im Sommer 2023 wurde neben der Produktionskooperation auch eine Zusammenarbeit bei Produktstrategie und Entwicklung vereinbart. Frühere Anläufe für eine kleine Zweizylinderklasse waren zuvor gescheitert: Ein auf rund 450 Kubik verkleinerter LC8c wurde verworfen, weil der Aufwand zu groß gewesen wäre, eine hubraumreduzierte 790 Duke mit etwa 650 Kubik kam ebenfalls nie.
Die 990 RC R als Maßstab der Baureihe
Die 990 RC R bildet die technische und stilistische Vorlage für alles, was in der RC-Reihe folgen soll. Ihr LC8c-Paralleltwin mit 947 Kubikzentimetern leistet nach Herstellerangaben 127,84 PS (94 kW) und liefert 103 Nm (76 lb-ft).
Dazu kommen ein Chrom-Molybdän-Stahlrahmen, in dem der Motor mittragend eingebunden ist, eine WP-Apex-Gabel und ein WP-Apex-Umlenkdämpfer. Vollgetankt wiegt sie 195 kg (430 lbs), ohne Kraftstoff 184 kg (406 lbs). Die Sitzhöhe liegt bei 845 mm, der Radstand bei 1.481 mm. Neumeister verweist mit sichtlichem Stolz darauf, dass die 990 RC R in Vergleichstests der Fachpresse gut abgeschnitten hat. Für ihn ist das der Beleg, dass sich der MotoGP-Aufwand nun auch im Straßenprogramm sichtbar auszahlt.

Warum bleibt KTM in der MotoGP?
Weil das Straßengeschäft für KTM inzwischen die Hälfte des Umsatzes ausmacht und die Marke ihre Kompetenz dort auf höchster Ebene zeigen will. Der Ausstieg aus der Königsklasse stand zwischenzeitlich im Raum.
Gemeinsam mit Motorsportdirektor Pit Beirer und mit Rückendeckung des Vorstands der Bajaj Mobility AG hat Neumeister einen neuen Fünfjahresvertrag unterschrieben. KTM ist damit bis 2031 als einer von fünf Herstellern in der MotoGP gesetzt, neben Ducati, Aprilia, Yamaha und Honda. Neumeister beschreibt das Offroad-Geschäft als über viele Jahre stabil, aber ohne kräftiges Wachstum. Der Straßenbereich sei deshalb zum wichtigen Feld geworden, und dort wolle man sich nicht in kleineren nationalen Meisterschaften beweisen, sondern ganz oben.
Die Zahlen dahinter sind beachtlich. Rund 150 Mitarbeiter arbeiten bei KTM am MotoGP-Projekt, vier der 22 Motorräder im Feld kommen aus Mattighofen. Die Serie selbst zählte 2025 fast drei Millionen Zuschauer vor Ort, kommt auf beinahe 40 Millionen Follower bei Facebook und Instagram und setzt rund 430 Millionen Euro (knapp 500 Millionen US-Dollar) um. Seit Mitte 2025 gehört die MotoGP zu Liberty Media, seither haben mindestens zwei der elf Teams der Königsklasse Investoren gefunden oder wurden übernommen.
Was hat die Krise mit der Modelloffensive zu tun?
Die schwierige Phase der vergangenen zwei Jahre hat beide Bereiche verzahnt: Ohne die abgeschlossene Restrukturierung wäre weder die MotoGP-Verlängerung noch der Ausbau der RC-Reihe wahrscheinlich gewesen.
Neumeister spricht offen darüber, dass Gerüchte über einen Rückzug und über den Verkauf von Teilen des Rennteams die Belegschaft verunsichert haben. Bei der Dakar sei zeitweise alles blockiert gewesen, Mitarbeiter hätten Sprit aus eigener Tasche bezahlt, ohne zu wissen, ob sie das Geld zurückbekommen oder ihren Job behalten. Dass die Fünfjahresbindung ohne Teilverkauf des Rennteams zustande kam, wertet er als Signal an Spezialisten und Ingenieure. Zum Geschäftsverlauf sagt er, der Absatz im ersten Quartal habe sich mehr als verdoppelt und auch das zweite Quartal laufe gut.

Wann kommen die 790 RC und die 490 RC?
Einen Termin hat KTM nicht genannt. Weder für die 790 RC noch für die 490 RC gibt es bislang offizielle Angaben zu Marktstart, Preis oder technischen Daten.
Für die 490 RC gilt der Zeitplan als besonders schwer einzuschätzen, weil die Entwicklung durch die Insolvenzphase verzögert wurde. Denkbar wäre auch, dass sie zunächst oder sogar ausschließlich in China angeboten wird. Angesichts der wachsenden Bedeutung dieser Klasse in Europa gilt das aber als eher unwahrscheinlich.
Der Ausbau fällt zeitlich mit einem größeren Umbruch zusammen. 2027 wechselt die MotoGP von 1.000 auf 850 Kubikzentimeter, dazu kommen Änderungen bei Aerodynamik und Höhenverstellsystemen. KTM gehörte nach eigenen Angaben zu den ersten Herstellern, die den 850er-Motor getestet haben. Bis zum Sommer 2026 hielt die Marke zudem den Topspeed-Rekord der Serie mit 364,2 km/h. Die Karten würden 2027 neu gemischt, sagt Neumeister, und genau in dieser Phase soll die RC-Reihe ihre Breite bekommen.

Häufige Fragen
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Welche Modelle gehören künftig zur KTM RC-Reihe?
Zur RC-Reihe sollen neben der 990 RC R und der 990 RC R Track künftig auch eine KTM 790 RC und eine 490 RC gehören. Bestätigt hat das KTM-Chef Gottfried Neumeister in einem Interview. Weitere Details zu den beiden neuen Modellen nannte er nicht.
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Wie viel PS hat die KTM 990 RC R?
Die 990 RC R leistet nach Herstellerangaben 127,84 PS (94 kW) und stellt 103 Nm (76 lb-ft) bereit. Der LC8c-Paralleltwin hat 947 Kubikzentimeter Hubraum und erfüllt die Norm Euro 5+. Vollgetankt wiegt sie 195 kg (430 lbs).
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Auf welcher Basis entsteht die KTM 490 RC?
Die 490 RC soll laut Medienberichten auf der CFMoto 450SR S aufbauen und in Zusammenarbeit mit dem chinesischen Partner entstehen. Der Reihenzweizylinder leistet dort knapp 47 PS (rund 35 kW). Bei Fahrwerk, Elektronik und Design soll KTM eigene Wege gehen.
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Wie lange bleibt KTM in der MotoGP?
KTM hat einen neuen Fünfjahresvertrag unterschrieben und startet damit bis 2031 in der MotoGP. Der Vertrag wurde gemeinsam mit Ducati, Aprilia, Yamaha und Honda geschlossen. Rund 150 Mitarbeiter arbeiten bei KTM an dem Projekt.
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Wann kommen die KTM 790 RC und die 490 RC auf den Markt?
Einen offiziellen Termin gibt es bislang nicht. KTM hat weder Marktstart noch Preise oder technische Daten genannt. Bei der 490 RC gilt der Zeitplan wegen der Verzögerungen aus der Restrukturierungsphase als besonders offen.












