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Motorcycles.News – Motorrad Magazin
Startseite » Alex Marquez siegt in Jerez, doch selbst der Gewinner traut dem Erfolg nicht
Marc Marquez auf der Ducati Desmosedici in Schräglage auf nasser Strecke – MotoGP GP Spanien Jerez 2026
MotoGP

Alex Marquez siegt in Jerez, doch selbst der Gewinner traut dem Erfolg nicht

By Andreas Denner27 April, 2026
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Der Spanien-GP 2026 in Jerez liefert einen überlegenen Sieger, zwei Ducati-Ausfälle und eine MotoGP-Saison, die nach vier Rennen mehr Fragen aufwirft als Antworten.
  • Alex Marquez gewinnt mit fast zwei Sekunden Vorsprung auf Marco Bezzecchi und feiert den ersten Ducati-Saisonsieg 2026
  • Weltmeister Marc Marquez stürzt in Runde zwei und gibt offen zu, nicht auf dem Niveau des Vorjahres zu fahren
  • Francesco Bagnaia fällt mit technischem Defekt aus, das Ducati-Werksteam bleibt seit neun Grands Prix ohne Podestplatz

Nach drei eher unauffälligen Saisonauftritten fuhr Alex Marquez beim Spanien-GP in Jerez allen davon. Der Gresini-Pilot übernahm Mitte der zweiten Runde die Führung und baute seinen Vorsprung bis ins Ziel auf knapp zwei Sekunden vor Aprilia-Fahrer Marco Bezzecchi aus. Es war der erste Sieg für Ducati in der MotoGP-Saison 2026, und ausgerechnet das Satellitenteam lieferte, was dem Werksteam bislang verwehrt bleibt. Doch die Reaktionen nach dem Rennen zeigten, dass in der Königsklasse derzeit niemand so recht weiß, wo er steht.

AlexMarquez

Alex Marquez zwischen Euphorie und Ernüchterung

Wer nach dem Rennen Erklärungen vom Sieger erwartete, wurde enttäuscht. Alex Marquez konnte schlicht nicht sagen, warum er in Jerez plötzlich der schnellste Mann im Feld war. „Was ist passiert? Gute Frage. Ich habe keine Antwort darauf. Ich glaube, es ist etwas Magisches, Jerez. Seit Freitag bin ich geflogen. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, warum“, gab der 30-Jährige nach dem Rennen zu.

Dabei lief der Grand Prix für den Gresini-Piloten nach Plan. Von Startplatz fünf aus arbeitete er sich noch in der Eröffnungsrunde auf Rang zwei vor und überholte kurz darauf seinen Bruder Marc in Kurve sechs. Ab diesem Moment kontrollierte er das Rennen nach Belieben. Er habe nur dann gepusht, wenn es nötig gewesen sei, und ansonsten exakt die Pace aus dem Freitagstraining abgerufen, erklärte der Spanier.

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Bemerkenswert offen sprach Alex Marquez allerdings über seine Zweifel. In den ersten drei Saisonrennen war der Vizemeister von 2025 bestenfalls im Mittelfeld unterwegs gewesen. Ducati hatte zwar kleinere Änderungen an der GP26 vorgenommen, um das Bremsverhalten zu verbessern, doch Marquez selbst räumte schon am Freitag ein, dass die bekannten Probleme weiterhin bestünden. Statt an der Technik habe er vor allem an seiner Einstellung gearbeitet. „Ich habe vier Wochen lang mit dem Team gesprochen und meine Fahrweise analysiert. Es wurde klar, dass ich die Probleme mehr umfahren muss und nicht an sie denken darf, anstatt mich in der Box immer über dieselben Sachen zu beschweren“, beschrieb er seinen neuen Ansatz.

Ob diese mentale Umstellung tatsächlich der Schlüssel war oder ob die Strecke in Jerez einfach die Schwächen der Ducati GP26 kaschiert, bleibt offen. Schon in der Vorsaison hatte Alex Marquez in Jerez gewonnen, damals sogar seinen allerersten MotoGP-Sieg. „An diesem Wochenende war es sehr ähnlich wie letztes Jahr. Aber es ist zu früh für ein Urteil. Wir müssen Le Mans, Montmelo und so weiter abwarten, um zu sehen, ob das echt ist oder einfach nur ein besonderer Tag war“, ordnete der Sieger seinen Erfolg selbst ein.

Trotz des dominanten Sieges sieht der Gresini-Pilot die Kräfteverhältnisse realistisch. In der WM-Wertung liegt er mit 48 Punkten Rückstand auf WM-Leader Bezzecchi nur auf Rang sieben. „Wir müssen jetzt weiter pushen. Schon morgen ist ein wichtiger Test. Ich denke, dass Aprilia uns immer noch einen halben Schritt voraus ist“, lautete seine nüchterne Einschätzung vor dem Montagstest in Jerez.

Marc Marquez und der nächste Jerez-Rückschlag

Nicht einmal 24 Stunden nach einem glücklich zustande gekommenen Sprintsieg am Samstag war beim amtierenden Weltmeister nichts mehr von Feierlaune übrig. Marc Marquez stürzte in der zweiten Runde des Grand Prix in der schnellen Rechtskurve elf, als er auf dem zweiten Platz hinter seinem Bruder lag. Die Ducati des neunmaligen Weltmeisters überschlug sich mehrfach und war ein Totalschaden. Marquez selbst blieb unverletzt.

Der 33-Jährige zeigte sich anschließend ratlos. „Ich habe sogar früher gebremst als in der Runde zuvor. Die Kurvengeschwindigkeit und die Schräglage waren gleich. Und dennoch bin ich gestürzt“, analysierte er. Die einzige Erklärung, die er anbieten konnte, fiel knapp aus: „Irgendwas muss ich falsch gemacht haben.“

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Eine mögliche Ursache lieferte ausgerechnet Marco Bezzecchi, der zum Zeitpunkt des Sturzes direkt hinter Marquez fuhr. Der Aprilia-Pilot hatte die Szene aus nächster Nähe beobachtet und sprach vom starken Wind in Jerez. „Der einzige Unterschied, den ich bemerkt habe, war, dass der Wind dort extrem stark war. Während des Wochenendes, auch gestern im Regen, hatten wir überhaupt keinen Wind. Heute war es ein typisches Jerez: sonnig, aber sehr windig“, erklärte der WM-Führende. Der Wind habe auch bei ihm zu einem Fehler in Kurve acht geführt, durch den er Platz zwei an Alex Marquez verloren hatte.

Bei ServusTV bewertete Ex-MotoGP-Pilot Stefan Bradl den Sturz deutlich schärfer. Er sprach davon, dass Marquez sich wieder einmal verhalte „wie ein 14-Jähriger“ und zu früh im Rennen zu viel gewollt habe. „Ein Fehler, der einfach nicht passieren darf“, kritisierte der deutsche Experte und fügte hinzu: „Mit dieser Mentalität ist er neunmaliger Weltmeister geworden. Aber das Problem ist, dass die Aktionen ihn auch mehrere Titel und Siege gekostet haben.“

Marquez widersprach dieser Einschätzung jedoch deutlich. Im Gegensatz zum Vorjahr, als er in Jerez ebenfalls früh stürzte, habe er diesmal nicht versucht, seinen Vordermann zu attackieren. „Letztes Jahr war das anders. Da habe ich zu viel gepusht, weil ich meinen Vordermann attackieren wollte. Aber dieses Jahr wollte ich gar nicht gegen Alex kämpfen. Ich wusste, dass er auf einem anderen Level war“, stellte der Ducati-Werkspilot klar.

Marquez gibt fehlende Form offen zu

Schwerer als der Sturz selbst wiegt die Erkenntnis, die Marquez im Anschluss formulierte. Auch ohne den Ausfall hätte es am Sonntag nicht für den Sieg gereicht, gestand er ein. „Es hätte nur zu Platz drei oder vier gereicht. Alex‘ Tempo war unerreichbar.“ Und der Weltmeister ging noch weiter: „Im vergangenen Jahr stimmt es, dass ich auf eine leichte Art gefahren bin, immer in einer guten Position auf dem Motorrad. Und dieses Jahr bekomme ich das nicht hin. Und ich stürze auch zu viel.“

Pedro Acosta, selbst einer der WM-Rivalen, vermutete einen Zusammenhang mit der Schulterverletzung, die Marquez beim GP in Indonesien im vergangenen September durch einen von Bezzecchi verursachten Unfall erlitten hatte. „Es sieht so aus, als würde er seit Indonesien nicht mehr so komfortabel fahren, wie er es im Vorjahr getan hat“, kommentierte der Tech3-KTM-Pilot. Marquez selbst betonte zwar, körperlich mittlerweile wieder auf einem guten Level zu sein, räumte aber ein: „Im Moment fahren wir weder auf unserem besten Niveau noch haben wir das Tempo, um um die Weltmeisterschaft zu kämpfen. Wenn man an Sonntagen nicht auf dem Podium steht, ist es sehr schwierig.“

In der WM-Wertung beträgt sein Rückstand auf Bezzecchi inzwischen 44 Punkte. Seit seinem WM-Gewinn im vergangenen September in Japan stand Marquez in keinem Grand Prix mehr auf dem Podium.

Marc Marquez auf der Ducati Desmosedici GP26 in Schräglage Nahaufnahme – MotoGP Spanien GP Jerez 2026

Bagnaia und der nächste Rückschlag für das Werksteam

Während Marc Marquez‘ Ausfall zumindest noch auf einen Fahrfehler zurückzuführen war, musste sein Teamkollege Francesco Bagnaia die Desmosedici GP26 aus technischen Gründen abstellen. Der Doppelweltmeister hatte nach einem schwachen Start von Platz neun zunächst nur Rang 13 nach der ersten Runde belegt. Nach fünf Umläufen kämpfte er sich immerhin zurück auf die neunte Position, ehe zur Rennhalbzeit Schluss war.

Das Problem lag laut Bagnaia im vorderen Bereich des Motorrads: Er konnte sein Motorrad am Ende der Start-Ziel-Geraden nicht mehr ausreichend verzögern. „Schon zu Rennbeginn hat es sich schlecht angefühlt und wurde schlimmer und schlimmer. Ich konnte die Geschwindigkeit letztlich gar nicht mehr abbauen“, schilderte der 29-jährige Italiener. Das Team arbeitete nach dem Rennen noch daran, die genaue Ursache des Defekts zu identifizieren.

Erinnerungen an den Vortag wurden wach, als Jorge Martin seine Aprilia im Sprint mit glühender Bremsscheibe und fehlender Verzögerung hatte abstellen müssen. Bagnaia betonte allerdings, dass sein Problem anders gelagert gewesen sei.

Durch den Ausfall rutschte Bagnaia in der WM-Wertung einen Rang nach hinten. Er liegt nun 14 Punkte hinter Trackhouse-Pilot Ai Ogura und nur noch vier Zähler vor Tech3-KTM-Fahrer Enea Bastianini. Zusammen mit dem Crash von Marc Marquez erlebte das Ducati-Werksteam einen der schwärzesten Renntage seit langem. Die einstige Referenzmannschaft der MotoGP wartet mittlerweile seit neun Grands Prix auf einen Podestplatz.

Ein Lichtblick aus Bagnaia-Sicht war ausgerechnet der Sieg von Alex Marquez. Daraus will sich der Werkspilot etwas abschauen: „Er hat deutliche Fortschritte mit der GP26 gemacht. Das werden wir jetzt analysieren und versuchen, das zu kopieren.“

Jorge Martin: Starker Start, dann Stillstand

Auch Jorge Martin lieferte in Jerez eine Leistung mit zwei Gesichtern. Der Aprilia-Werkspilot ging mit einer Strafversetzung um eine Startreihe ins Rennen, nachdem er am Freitag beim Bummeln auf der Ideallinie erwischt worden war. Das hinderte den Spanier jedoch nicht daran, eine seiner typisch starken Startrunden zu zeigen. Nach dem ersten Umlauf meldete ihn das Protokoll bereits auf Rang vier, direkt hinter WM-Leader Bezzecchi.

„Der Start war eigentlich keine große Überraschung. Ich komme mit der Aprilia immer sehr gut weg, und auch die erste Kurve hat perfekt geklappt“, beschrieb Martin den Beginn des Rennens. In der Eröffnungsrunde habe er noch Fabio Di Giannantonio und Johann Zarco überholt. „Die ganze erste Runde war sensationell. In diesem Moment dachte ich kurz: Vielleicht kann ich ja gewinnen!“

Doch der Gedanke verflog rasch. Am Hinterreifen fehlte der Grip, was Martin sowohl beim Beschleunigen als auch beim Bremsen einschränkte. „Dann wurde es schnell ein langweiliges Rennen, denn nach vorne ging es nicht mehr und nach hinten hatte ich genug Reserve“, fasste er seine restlichen 24 Runden zusammen. Den vierten Platz, den er zwischenzeitlich an Di Giannantonio verloren hatte, erbte er nach dem Sturz von Marc Marquez zurück.

Mit neun Sekunden Rückstand auf Sieger Alex Marquez kreuzte Martin die Ziellinie als Vierter. Bemerkenswert: Seine schnellste Rennrunde lag nur 0,008 Sekunden über der Bestzeit von Bezzecchi. In der WM-Wertung ist Martin weiterhin Zweiter, der Rückstand auf Bezzecchi wuchs allerdings von vier auf elf Punkte.

Auf die Frage nach dem technologischen Zweikampf zwischen Aprilia und Ducati gab sich Martin diplomatisch. In Jerez hatten Piloten beider Marken die Plätze eins bis sechs belegt. „Meine Meinung ist die, dass die Bikes sicher Unterschiede haben, aber in Summe sehr Ähnliches leisten. Ich denke, in der jetzigen Situation sind es die Fahrer, die den Unterschied ausmachen“, erklärte der ehemalige Ducati-Pilot.

Aprilia-Box beim MotoGP GP Spanien Jerez 2026

Montagstest als Schlüsselmoment für Ducati

Nach dem Jerez-Wochenende steht die MotoGP-Saison 2026 an einem interessanten Punkt. Aprilia dominiert mit Marco Bezzecchi an der WM-Spitze (101 Punkte), gefolgt von Martin (90 Punkte) und Di Giannantonio (71 Punkte). Ducati hat zwar durch Alex Marquez den GP-Sieg geholt, doch das Werksteam rund um Marc Marquez und Bagnaia steckt in einer veritablen Krise.

Der Montagstest in Jerez wird für alle Beteiligten richtungsweisend. Alex Marquez will herausfinden, ob seine Jerez-Form auf andere Strecken übertragbar ist. Marc Marquez muss das Vertrauen in die GP26 im Trockenen wiederfinden. „Wir müssen das Gefühl für das Motorrad verbessern. Das wird entscheidend sein“, unterstrich der Weltmeister. Und Bagnaia hofft, aus den Daten seines siegreichen Teamkollegen von Gresini Erkenntnisse für die eigene Abstimmung zu gewinnen.

Ob Jerez für Ducati nur ein einzelner Lichtblick war oder tatsächlich der Beginn einer Aufholjagd, wird sich frühestens beim nächsten Rennen in Le Mans zeigen.

Pecco Bagnaia auf der Ducati Desmosedici GP26 – MotoGP Spanien GP Jerez 2026

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