- Alex Marquez verlässt Gresini und wechselt 2027 zu KTM, wo er mit Fabio di Giannantonio ein neues Werksduo bildet.
- Cal Crutchlow kritisiert die Reifendruck-Regel, die auch nach dem Wechsel von Michelin zu Pirelli bestehen bleibt.
- Marc Marquez hat das 850er-Motorrad in Brünn getestet und sieht die größte Veränderung bei den Reifen.
In der MotoGP dreht sich derzeit vieles um ein Datum, das noch gar nicht erreicht ist. Zur Saison 2027 steht ein großer technischer Umbruch an, und schon jetzt richten Fahrer und Teams ihre Pläne danach aus. Das zeigt sich gerade an drei Entwicklungen: Alex Marquez bindet seine Zukunft an KTM, Cal Crutchlow ärgert sich über die Reifenregeln, und Marc Marquez hat die neue Maschine bereits ausprobiert. So unterschiedlich diese Geschichten wirken, sie hängen alle an derselben Frage, nämlich wie die neue Ära die Kräfteverhältnisse verschiebt.

Was ändert sich 2027 in der MotoGP?
Zur Saison 2027 stellt die MotoGP auf 850er-Motorräder um, dazu kommen neue Regeln und ein Reifenwechsel von Michelin zu Pirelli. Die Maschinen sollen weniger Aerodynamik nutzen, und die einheitlichen Reifen kommen künftig von einem neuen Ausrüster. Für die Fahrer bedeutet das, dass viel Vertrautes wegfällt und sich alle Beteiligten neu einstellen müssen. Genau dieser Umbruch erklärt, warum die MotoGP 2027 schon in der laufenden Saison das beherrschende Thema ist. Wer für die neue Ära gut aufgestellt sein will, muss die Weichen jetzt stellen.
Warum wechselt Alex Marquez zu KTM?
Alex Marquez verlässt Gresini und geht 2027 zu KTM, weil er dort wieder Werksfahrer sein kann. Diese Gelegenheit sei für ihn nicht auszuschlagen gewesen, erklärt der Spanier. Bei KTM bildet er ein komplett neues Werksduo mit Fabio di Giannantonio, der ebenfalls aus dem Ducati-Lager kommt. Für Marquez ist es erst das zweite Mal, dass er in der MotoGP für ein Werksteam fährt. Sein Debüt gab er 2020 bei Honda als Nachfolger des zurückgetretenen Jorge Lorenzo, bevor er zu LCR und damit in ein Kundenteam wechselte.
Der Weg zurück ins Werk sei nach seiner bislang stärksten Saison zum Ziel geworden. In der vergangenen Saison wurde Marquez Vizemeister und musste sich nur seinem Bruder Marc geschlagen geben. Danach habe er sich vorgenommen, einen Werksvertrag und vor allem einen Platz in einem echten Werksteam zu bekommen. Gerade wegen der neuen Regeln sei es wichtig, alle Neuerungen direkt vom Hersteller zu erhalten. KTM sei dann von sich aus auf ihn zugekommen. „we need you, we want you, and we want you in our project“ („Wir brauchen dich, wir wollen dich, und wir wollen dich in unserem Projekt“), habe es von dort geheißen.
Marquez betont, dass Geld nicht ausschlaggebend gewesen sei. Wichtiger seien das Projekt, die Menschen dahinter und sein Wunsch, wieder Werksfahrer zu sein. Mit inzwischen 30 Jahren und sieben Jahren Erfahrung in der Klasse traut er sich zu, ein Werksprojekt anzuführen. Er sei aber Fahrer und kein Ingenieur, seine Aufgabe sei es, schnell zu sein und für den Hersteller Podestplätze und Siege zu holen.
Der Abschied von Gresini fällt schwer
Den Wechsel begleitet ein emotionaler Abschied. Marquez kam 2023 zu Gresini, das ihm nach schwierigen Jahren bei Honda ein konkurrenzfähiges Motorrad und ein besseres Arbeitsumfeld bot. Schon in seiner ersten Saison gewann er einen Sprint, später etablierte er sich als einer der stärksten Ducati-Fahrer. In diesem Jahr bekam er ein Motorrad im Werkszustand, der Sprung ins offizielle Ducati-Team blieb ihm aber verwehrt. Dort holte man stattdessen Pedro Acosta von KTM, um den Platz von Francesco Bagnaia neu zu besetzen.
Der Abschied nach drei Jahren zähle zu den schwersten Teilen des Wechsels, sagt Marquez. Er habe mit Teamchefin Nadia Padovani täglich telefoniert und ihr alles erklärt. Bereits im vergangenen November habe er ihr versprochen, sich sofort persönlich zu melden, sobald das erste Werksteam auf ihn zukomme. „She was sad, but at the moment, she was super happy for me because she said to me, ‚you deserve it'“ („Sie war traurig, aber gleichzeitig sehr glücklich für mich, weil sie zu mir sagte: Du hast es verdient“), berichtet er.

Was stört Cal Crutchlow an der Reifendruck-Regel?
Cal Crutchlow stört sich daran, dass er sein Rennen wegen der Reifendruck-Regel nicht frei einteilen kann. Der Brite war Ende Mai aus dem Ruhestand zurückgeholt worden und sprang für den verletzten Johann Zarco bei LCR-Honda ein. Beim Großen Preis von Deutschland auf dem Sachsenring zeigte er seine stärkste Vorstellung seit dem Comeback. Am Ende kam er allerdings nicht ins Ziel, sondern stürzte in Runde 22. Bis dahin hatte er Maverick Vinales hinter sich gehalten und sich über mehrere Runden mit Toprak Razgatlioglu duelliert.
Zufrieden war Crutchlow trotzdem nicht, und das lag nicht am Sturz. Hätte er sich das Rennen über 30 Runden frei einteilen können, hätte er nach eigener Einschätzung mit Yamaha-Werksfahrer Alex Rins mithalten können, der als Vierzehnter zwei WM-Punkte holte. Der Grund für seine Probleme sei die Reifendruck-Regel gewesen. Sobald er hinter einem anderen Fahrer lag, sei der Luftdruck im Vorderreifen zu stark angestiegen, sodass er immer wieder Tempo herausnehmen und danach neu angreifen musste.
Wie funktioniert die Reifendruck-Regel?
Die Regel schreibt einen Mindestdruck im Vorderreifen vor. Über 60 Prozent der Renndistanz muss der Luftdruck mindestens 1,8 bar betragen. Wird dieser Wert auf mehr als 40 Prozent der Runden unterschritten, gibt es eine nachträgliche Zeitstrafe von 16 Sekunden. Im Sprint gilt die Grenze für 30 Prozent der Runden, hier sind es 8 Sekunden. Um einer Strafe zu entgehen, starten viele Fahrer mit einem höheren Druck als ihnen eigentlich lieb wäre, und genau daraus entsteht Crutchlows Problem.
Für den 40-Jährigen ist die Situation neu, weil es die Regel in seiner letzten vollen Saison 2020 noch nicht gab. Eingeführt wurde sie 2023, als er zuletzt vor seinem diesjährigen Comeback ein Rennen bestritt. Seine Kritik fällt deutlich aus. „Die Regeln sind einfach Bullshit!“, schimpft er und fordert, die Fahrer sollten ihr Rennen selbst einteilen dürfen. Den Sicherheitsgedanken verstehe er zwar, doch die Regel sorge dafür, dass vernünftiges Überholen kaum möglich sei. Michelin mache seit Jahren einen guten Job, die Vorschrift selbst nennt er einen Witz.
Für die Fahrer bleibt das Thema auch über 2026 hinaus aktuell. Die Reifendruck-Regel soll zunächst auch 2027 bestehen bleiben. Zwar kommen die Reifen dann nicht mehr von Michelin, sondern einheitlich von Pirelli, an der Regel selbst ändert das nach Angaben von Pirelli aber vorerst nichts.
Wie fällt Marc Marquez‘ Fazit zum 850er-Test aus?
Marc Marquez hält das neue 850er-Motorrad zwar für langsamer, sieht die größte Veränderung aber bei den Reifen. Er habe die Maschine in Brünn getestet, erklärt der Ducati-Champion. Das Publikum werde den Tempoverlust vermutlich gar nicht bemerken, entscheidend sei vielmehr der Wechsel beim Reifen. Bei der Aerodynamik hätte er sich sogar eine noch stärkere Reduzierung gewünscht. Ohne Aerodynamik wären engere Zweikämpfe möglich, ähnlich wie in der Moto3. In der MotoGP sei das schwieriger, weil mit dem Abtrieb auch die Leistung des Motorrads leide. Jede Ära habe eben ihre Vor- und Nachteile.
Marc Marquez und das Leben mit den Verletzungen
Neben der Technik sprach Marquez in einem Interview mit dem YouTube-Kanal Soy Blanc auch über seine körperliche Verfassung. Die vielen Verletzungen seiner Karriere begleiten ihn bis heute jeden Tag. Früher habe er zwischendurch noch Zeit zum Trainieren und Ausruhen gehabt, heute bleibe davon wenig übrig. Sein Programm reiche von Ausdauer- und Krafttraining über die Regeneration bis zu einer eigenen Einheit für seinen rechten Arm.
Als Sportler müsse man mit dem Schmerz leben und dürfe sich nicht ständig beklagen, sonst verbringe man den ganzen Tag in der Physiotherapie. Auf der rechten Seite könne er wegen seines Arms nicht schlafen, das sei für ihn tabu. Psychologische Unterstützung suche er nicht bei einem Fachmann, sondern bei den Menschen in seinem Umfeld. Er habe das Glück gehabt, von Menschen mit gesunder Einstellung umgeben zu sein, die ihn respektiert hätten. Gerade Verletzungen und die Zeit danach seien körperlich hart, mental aber noch härter.

Die Reifen als roter Faden der neuen Ära
So verschieden die drei Themen sind, ein Punkt zieht sich durch alle. Am Ende laufen sie beim Reifen zusammen. Marc Marquez nennt den Reifenwechsel die größte Veränderung für 2027, Cal Crutchlow zeigt am aktuellen Beispiel, wie stark die Reifenvorschriften ein Rennen prägen können, und Alex Marquez begründet seinen Wechsel unter anderem damit, dass er für die neuen Reifen und Regeln die volle Unterstützung eines Werksteams braucht. Der Umbruch zur Saison 2027 ist damit längst kein reines Zukunftsthema mehr, sondern beeinflusst schon jetzt Karriereentscheidungen, Rennverläufe und die Stimmung im Fahrerlager.

Häufige Fragen
-
Was ändert sich in der MotoGP 2027?
In der MotoGP 2027 kommen kleinere 850er-Motorräder zum Einsatz, außerdem wechselt die Serie von Michelin zu Pirelli als Reifenausrüster. Zusätzlich soll die Aerodynamik reduziert werden, was das Fahrverhalten spürbar verändert.
-
Zu welchem Team wechselt Alex Marquez 2027?
Alex Marquez verlässt Gresini und fährt ab 2027 im Werksteam von KTM. Dort bildet er ein neues Duo mit Fabio di Giannantonio.
-
Wie funktioniert die Reifendruck-Regel in der MotoGP?
Der Luftdruck im Vorderreifen muss über 60 Prozent der Renndistanz mindestens 1,8 bar betragen. Wird der Wert auf mehr als 40 Prozent der Runden unterschritten, folgt eine Zeitstrafe von 16 Sekunden, im Sprint sind es 8 Sekunden.
-
Bleibt die Reifendruck-Regel 2027 bestehen?
Ja, die Regel gilt zunächst auch 2027 weiter. Am Wechsel von Michelin zu Pirelli ändert das nach Angaben von Pirelli vorerst nichts.
-
Was sagt Marc Marquez über das neue 850er-Motorrad?
Nach seinem Test in Brünn hält Marc Marquez die Maschine für langsamer, sieht die größte Veränderung aber bei den Reifen. Eine noch stärkere Reduzierung der Aerodynamik hätte er sich gewünscht.












