- Ai Ogura sammelte seit Jerez 157 Punkte, Marc Marquez folgt mit 145 Zählern
- An den vergangenen vier Rennwochenenden holte Marquez 119 Punkte und damit mehr als jeder andere
- Marquez lebt seit seiner Verletzung in Madrid und begründet das mit den medizinischen Möglichkeiten vor Ort
Acht Rennen von Jerez bis zum Sachsenring liegen hinter der MotoGP, dazu kommt eine Sommerpause, in der sich vieles neu sortiert. Wer in diesem Zeitraum die meisten Punkte gesammelt hat, wer Boden verloren hat und warum ausgerechnet ein Umzug innerhalb Spaniens eine Rolle im Titelkampf spielt, zeigt ein Blick auf die Zahlen und auf die Aussagen von Marc Marquez in den vergangenen Tagen.

Wer hat seit dem Europa-Auftakt die meisten Punkte gesammelt?
Die meisten Punkte seit dem Grand Prix von Spanien in Jerez holte Ai Ogura. Der Trackhouse-Pilot kam in den acht Europa-Rennen auf 157 Zähler, im Schnitt also 19,6 Punkte pro Rennwochenende.
Damit ist der Japaner in diesem Abschnitt der erfolgreichste Punktesammler im gesamten Feld. In der Gesamtwertung schob er sich auf Rang zwei vor und liegt nur noch hinter seinem Aprilia-Markenkollegen Jorge Martin. Schon bei den ersten Überseerennen hatte Ogura eine starke Form gezeigt und von den Fortschritten der Aprilia RS-GP profitiert. Während andere Aprilia-Fahrer im Saisonverlauf immer wieder Rückschläge hinnehmen mussten, überzeugte der Vorjahres-Rookie vor allem durch Konstanz.
Die Wertung seit Jerez im Überblick:
- Ai Ogura, 157 Punkte
- Marc Marquez, 145 Punkte
- Fabio Di Giannantonio, 134 Punkte
- Jorge Martin, 131 Punkte
- Raul Fernandez, 119 Punkte
- Francesco Bagnaia, 118 Punkte
- Marco Bezzecchi, 105 Punkte
- Pedro Acosta, 88 Punkte
Zusammen mit seiner bekannten Stärke in der zweiten Rennhälfte hat sich Ogura damit als ernsthafter Kandidat im Titelkampf etabliert. Ob er dem Druck in seiner zweiten MotoGP-Saison dauerhaft standhält, wird sich allerdings erst in den kommenden Monaten zeigen.
Wie stark ist Marc Marquez seit seiner Rückkehr?
Marc Marquez ist seit seiner Rückkehr der Maßstab im Feld. An den vergangenen vier Rennwochenenden sammelte er 119 Punkte und damit deutlich mehr als jeder andere Fahrer.
Bemerkenswert ist seine Bilanz vor allem deshalb, weil der Ducati-Werksfahrer nach einer Operation das Sonntagsrennen in Le Mans und das komplette Wochenende in Barcelona verpasste. Erst nach seiner Rückkehr in Mugello fand er wieder zu der Form zurück, die ihm seit seinem Sturz in Indonesien im vergangenen Oktober gefehlt hatte. Seitdem gewann er drei der letzten vier Grands Prix. An den ersten drei Rennwochenenden der Saison hatte er lediglich 45 Punkte geholt, seit dem Europa-Start kamen 145 hinzu.
Die Wertung der vergangenen vier Rennwochenenden:
- Marc Marquez, 119 Punkte
- Ai Ogura, 102 Punkte
- Raul Fernandez, 72 Punkte
- Francesco Bagnaia, 61 Punkte
- Jorge Martin, 52 Punkte
- Fabio Di Giannantonio, 50 Punkte
- Pedro Acosta, 45 Punkte
- Enea Bastianini, 37 Punkte
- Luca Marini, 33 Punkte
- Alex Marquez, 20 Punkte
- Marco Bezzecchi, 13 Punkte

Wer hat in Europa Boden verloren?
Den deutlichsten Einbruch erlebte Marco Bezzecchi. Der Italiener sammelte seit Jerez zwar 105 Punkte und feierte in Mugello einen souveränen Grand-Prix-Sieg, ging danach aber an vier Rennsonntagen in Folge komplett leer aus.
Nur einige ordentliche Sprint-Ergebnisse verhinderten, dass Juni und Juli für ihn ganz ohne Ausbeute blieben. Unterm Strich kamen in diesem Zeitraum lediglich 13 Punkte hinzu.
Auch andere blieben unter ihren Möglichkeiten. Raul Fernandez und Francesco Bagnaia trennt in der Europa-Wertung nur ein einziger Punkt, 119 zu 118. Fernandez wurde zwischenzeitlich von gesundheitlichen Problemen ausgebremst, Bagnaia hatte mehrfach mit technischen Schwierigkeiten zu kämpfen und verlor dadurch Zähler. Fabio Di Giannantonio bestätigte dagegen seine starke Form. Der VR46-Pilot holte seit Jerez 134 Punkte, gewann in Katalonien und musste nur am Sachsenring einen Rückschlag hinnehmen. Jorge Martin übernahm im Sommer zwar die WM-Führung, seine Saison verlief bislang aber wechselhaft. Auf herausragende Ergebnisse folgten immer wieder schwierige Wochenenden, dazu warfen ihn teils heftige Stürze auch körperlich zurück.
Warum lebt Marc Marquez in Spanien und nicht in Andorra?
Marc Marquez ist fast seine gesamte Karriere über in Spanien geblieben, während viele seiner Landsleute nach Andorra gezogen sind. Er begründet das damit, dass er dort leben will, wo er die besten Voraussetzungen für seine Leistung auf der Rennstrecke sieht.
Für den Umzug ins Fürstentum gibt es mehrere Gründe. Das bergige Gelände eignet sich gut für Höhentraining, gleichzeitig lässt sich dort vergleichsweise zurückgezogen leben. Hinzu kommt, dass Andorra ein Land mit niedrigen Steuern ist, ein Argument, das viele Formel-1-Fahrer nach Monaco zieht.
Den steuerlichen Aspekt sieht Marquez für sich selbst nicht als entscheidend an, weil er nach eigener Darstellung genug verdient, auch wenn er Steuern zahlt. Auf die Frage nach Andorra antwortete er am Rande des Deutschland-Grand-Prix: „I understand the people that want to move, they are free to move.“ Auf Deutsch: „Ich verstehe die Leute, die umziehen wollen, es steht ihnen frei umzuziehen.“ Und weiter: „But just in my personal opinion, I feel free if I’m living where I want.“ Auf Deutsch: „Aber nach meiner persönlichen Meinung fühle ich mich frei, wenn ich dort lebe, wo ich will.“
In einem Fernsehinterview im Januar hatte er erzählt, dass er es durchaus versucht hat. Er kennt Andorra, seit er 15 Jahre alt ist, denn sein Heimatort Cervera liegt rund eine Stunde von der Grenze entfernt. Mit den Eltern fuhr er zum Einkaufen dorthin, verbrachte Wochenenden im Land und fuhr dort Rennen. Mit 22 Jahren, also 2015, kaufte er sich ein Haus als Zweitwohnsitz, unter anderem für seine Skiausrüstung. Aus einem Winter sollte mehr werden, gerade weil damals viele Fahrer diesen Schritt gingen und die Steuerlast deutlich niedriger ausfällt. Nach zwei Monaten am Stück brach er den Versuch ab und entschied sich für Spanien. Seine Steuern hat er nach eigenen Angaben während seiner gesamten sportlichen Laufbahn in Spanien gezahlt, das Haus in Andorra besitzt er weiterhin. Eine Botschaft will er damit ausdrücklich nicht senden, Botschaften vermittle er auf dem Motorrad.

Was der Umzug nach Madrid mit seiner Form zu tun hat
Der eigentliche Grund für seinen Wohnort liegt in der medizinischen Versorgung. Früher lebte Marquez in Cervera, weil er dort zur Ruhe kam und weder Physiotherapeuten noch spezielle Geräte brauchte. Seit der Verletzung hat sich das geändert.
„Now, since the injury, I need special machines, I need physios, I need different kind of training, and then I move to Madrid because I found there a good team and a good center.“ Auf Deutsch: „Jetzt, seit der Verletzung, brauche ich spezielle Geräte, ich brauche Physiotherapeuten, ich brauche eine andere Art von Training, und dann bin ich nach Madrid gezogen, weil ich dort ein gutes Team und ein gutes Zentrum gefunden habe.“
Vor dem Hintergrund der Operation, die ihn Le Mans und Barcelona gekostet hat, bekommt diese Entscheidung im Titelkampf 2026 eine sportliche Bedeutung. Die Punktebilanz seit Mugello zeigt, wie schnell er nach dem Eingriff wieder auf sein früheres Niveau gefunden hat.
Warum vermisst Marquez die MotoGP-Bikes von 2014 bis 2016?
Fahrerisch empfindet Marquez die Jahre 2014 bis 2016 als die schönste Phase seiner MotoGP-Karriere. Der Grund ist das Fehlen der Aerodynamik, die heute an jedem Prototypen zu finden ist.
Die Maschinen der Königsklasse sind schneller als je zuvor. Aerodynamik, Ride-Height-Systeme, die die Höhe des Fahrwerks verändern, und die stetige technische Entwicklung haben den Fahrstil grundlegend verändert. Für Marquez hat die Klasse dadurch einen Teil ihres ursprünglichen Charakters eingebüßt. Die heutigen Motorräder ließen sich zwar sehr schön fahren, entsprächen aber eher einem „Roboter-Stil“, wie er es in einem Videointerview beschreibt. Man müsse dem folgen, was die Aerodynamik vorgebe.
Konkret meint er damit, dass sich ein modernes Bike nicht mehr überfahren lässt. Wer es trotzdem versucht, arbeitet gegen die Aerodynamik und wird langsamer. In den Jahren 2014 bis 2016 sei genau das anders gewesen. Wer das Motorrad damals überfuhr, war schneller. Es gab Slides, das Vorderrad rutschte, und es war die Zeit vieler Saves, bei denen ein Sturz im letzten Moment abgefangen wird. Als entscheidenden Unterschied nennt Marquez den Abtrieb der heutigen Maschinen, also den aerodynamisch erzeugten Anpressdruck. Dieser Druck lastet auf dem Reifen. Kommt das Motorrad ins Rutschen, lässt sich der Grip nicht mehr aufbauen.
Wichtig ist ihm dabei die Klarstellung, dass es nicht um den Hersteller geht. In der genannten Zeit fuhr er für Honda, heute für Ducati. Er betont, dass er den Stil der damaligen Motorräder mehr genossen habe, nicht aber die eine Marke gegenüber der anderen.

Was sich mit dem Reglement 2027 ändert
Ab 2027 stellt die MotoGP auf 850er-Motoren um, gleichzeitig wird die Aerodynamik deutlich eingeschränkt. Das neue technische Regelwerk soll den Einfluss der Aerodynamik reduzieren und den Fahrern wieder mehr Möglichkeiten geben, den Unterschied auf der Strecke selbst zu machen.
Damit dürften die Aussagen von Marquez viele Anhänger der früheren Königsklasse aufhorchen lassen. Wer die Bikes ohne ausgeprägte Aero-Elemente in Erinnerung hat, findet in seiner Beschreibung genau die Argumente wieder, mit denen die Regeländerung begründet wird.
Wie geht es nach der Sommerpause weiter?
Nach der Sommerpause stehen zunächst vier weitere Europa-Rennen im August und September auf dem Programm. Danach reist die MotoGP zu einer Serie von fünf Überseeveranstaltungen in den Asien-Pazifik-Raum.
Abgeschlossen wird die Saison Ende November in Portugal und Valencia. Bis dahin bleibt auch die Frage offen, wie sich das Kräfteverhältnis zwischen Aprilia und Ducati weiter entwickelt. Aprilia gab zu Saisonbeginn den Ton an, Ducati kämpfte sich im Verlauf der Europa-Rennen zurück. Seitdem wechselte die Rollenverteilung mehrfach, je nach Streckencharakteristik hatte mal der eine, mal der andere italienische Hersteller Vorteile.

Häufige Fragen
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Wie viele Punkte hat Marc Marquez seit Jerez geholt?
Marc Marquez sammelte seit dem Europa-Auftakt in Jerez 145 Punkte. Damit liegt er in dieser Sonderwertung auf Rang zwei hinter Ai Ogura. An den ersten drei Rennwochenenden der Saison waren es lediglich 45 Zähler gewesen.
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Wer ist der erfolgreichste Punktesammler der Europa-Rennen?
Ai Ogura führt diese Wertung mit 157 Punkten aus acht Rennen an. Das entspricht einem Schnitt von 19,6 Punkten pro Rennwochenende. In der Gesamtwertung liegt er dadurch auf Rang zwei hinter Jorge Martin.
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Warum ist Marc Marquez nach Madrid gezogen?
Ausschlaggebend waren die medizinischen Möglichkeiten in der spanischen Hauptstadt. Seit seiner Verletzung benötigt er Physiotherapeuten, spezielle Geräte und ein verändertes Training. In Madrid fand er nach eigenen Angaben ein passendes Team und ein passendes Zentrum.
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Welche MotoGP-Bikes bevorzugt Marc Marquez?
Fahrerisch hat er die Motorräder der Jahre 2014 bis 2016 am meisten genossen, weil sie noch ohne die heutige Aerodynamik auskamen. Damals ließen sich die Maschinen überfahren, was Zeit brachte. Heute arbeitet ein solcher Fahrstil gegen den Abtrieb und kostet Rundenzeit.
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Wie viele Rennen stehen 2026 noch aus?
Nach der Sommerpause folgen zunächst vier Europa-Rennen im August und September. Anschließend stehen fünf Überseeveranstaltungen im Asien-Pazifik-Raum an. Das Saisonfinale steigt Ende November in Portugal und Valencia.












