- Ab 2027 soll ein eigenes Qualifying über die Startaufstellung des Sprints entscheiden
- Der Sprint soll anders als in der Formel 1 am Samstagnachmittag bleiben
- Zusätzlich wird ein dreistufiges Qualifying mit Q1, Q2 und Q3 diskutiert
Seit der Einführung der Sprints im Jahr 2023 entscheidet in der MotoGP ein einziges Qualifying über beide Rennen des Wochenendes. Wer am Samstagvormittag patzt, startet zweimal von hinten. Genau das soll sich Berichten zufolge ändern. Die Serienorganisation hat den Teams und Herstellern im gemeinsamen Dialogforum vorgeschlagen, das Qualifying zu trennen. Die Zustimmung wird in den kommenden Tagen erwartet, damit das neue Format mit der Saison 2027 starten kann. Der Vorschlag fällt in eine Phase, in der die Königsklasse ohnehin vor dem größten Umbruch seit Jahren steht.

Was plant die MotoGP beim Qualifying ab 2027?
Die MotoGP plant, ab 2027 an jedem Rennwochenende zwei getrennte Qualifyings auszutragen. Eine Session legt die Startaufstellung für den Sprint am Samstag fest, die andere die Startaufstellung für den Grand Prix am Sonntag.
Die Initiative wurde im Dialogforum zwischen Veranstalter, Teams und Herstellern eingebracht. Die meisten Beteiligten sollen den Vorschlag positiv aufgenommen haben, sowohl auf Seiten der Teams als auch bei den Herstellern. Offiziell bestätigt ist die Änderung allerdings noch nicht. Bevor sie ins Reglement aufgenommen werden kann, muss zunächst der Zeitplan für jedes Rennwochenende endgültig festgelegt werden.
Das Vorbild ist die Formel 1. Dort gibt es an Wochenenden mit Sprint bereits seit Jahren ein eigenes Sprint-Qualifying. Im Formel-1-Kalender 2027 stehen zehn Sprints, in der laufenden Saison 2026 sind es sechs. Die MotoGP fährt dagegen an allen 22 Wochenenden einen Sprint. Ein Sprint-Qualifying müsste also an jedem einzelnen Grand Prix untergebracht werden.
Wie läuft ein MotoGP-Wochenende aktuell ab?
Derzeit entscheidet in der MotoGP ein Qualifying am Samstagvormittag über die Startplätze für Sprint und Grand Prix. Der Weg dorthin beginnt aber schon am Freitag.
Am Freitagvormittag steht das erste freie Training mit 45 Minuten an. Am Nachmittag folgt die 60 Minuten lange Practice-Session. Sie hat großes Gewicht, denn die zehn schnellsten Fahrer ziehen direkt in das zweite Qualifying-Segment Q2 ein. Alle anderen müssen am Samstag den Umweg über Q1 nehmen.
Der Samstag beginnt mit einem 30 Minuten langen zweiten freien Training. Danach folgt Q1 mit 15 Minuten, aus dem nur die zwei Schnellsten in Q2 aufsteigen. Für den Rest sind die Startplätze 13 bis zum Ende des Feldes damit fix. Anschließend fahren zwölf Fahrer in Q2, ebenfalls 15 Minuten lang, um die Pole-Position und die ersten zwölf Startplätze aus. Am Nachmittag geht es in den Sprint über die halbe Distanz des Hauptrennens. Der Sonntag startet mit einem zehnminütigen Warm-up, bevor der Grand Prix über die volle Distanz gefahren wird.

Worin unterscheidet sich der MotoGP-Plan vom Formel-1-Format?
Der wichtigste Unterschied betrifft den Zeitpunkt des Sprints. Die MotoGP will den Sprint wie bisher am späten Samstagnachmittag lassen, während die Formel 1 ihren Sprint am Samstagvormittag fährt und den Nachmittag für das Qualifying zum Hauptrennen reserviert.
Wie genau die zwei Qualifyings in den Zeitplan der MotoGP passen sollen, ist noch offen. Die Fahrer empfinden ihre Wochenenden schon jetzt als sehr voll, zwischen Sessions auf der Strecke, Sponsorenterminen und Medienpflichten. Seit der Einführung der Sprints weisen sie zudem auf den gestiegenen Stress und das höhere Risiko hin. Sie haben nur ein einziges freies Training am Freitagvormittag, bevor es in der Practice-Session bereits um den direkten Einzug in Q2 geht.
Kommt auch ein dreistufiges Qualifying mit Q3?
Eine der beteiligten Parteien drängt zusätzlich darauf, das Qualifying selbst in drei Segmente aufzuteilen. Statt der bisherigen zwei Stufen Q1 und Q2 gäbe es dann Q1, Q2 und Q3, so wie in der Formel 1. Ob dieser Teil des Vorschlags eine Mehrheit findet, ist bislang nicht bekannt.
Warum soll das Qualifying überhaupt aufgeteilt werden?
Der Hauptgrund ist, dass ein schlechtes Qualifying im aktuellen System doppelt bestraft wird, weil es die Startplätze für zwei Rennen festlegt. Der Druck beginnt damit bereits am Freitagnachmittag.
Die Idee ist nicht neu. Davide Brivio, damals noch Teamchef von Trackhouse, hatte im Dezember 2025 genau dieses Modell öffentlich vorgeschlagen. „Personally, I would split the qualifying. One qualifying for the Sprint and one qualifying for the Grand Prix race“, sagte er. Übersetzt: „Persönlich würde ich das Qualifying aufteilen. Ein Qualifying für den Sprint und ein Qualifying für das Grand-Prix-Rennen.“ Er räumte ein, dass es schwierig sein könnte, den Zeitplan hinzubekommen. Trotzdem hielt er die Änderung für nötig, weil man sein gesamtes Wochenende nicht schon am Freitagnachmittag verspielen dürfe.
Aus Sicht der Fahrer kommt hinzu, dass äußere Umstände das Qualifying zerstören können. Gelbe Flaggen führen automatisch dazu, dass Rundenzeiten in dem betroffenen Sektor gestrichen werden. Honda-Pilot Luca Marini hat das Problem so beschrieben: „If you get screwed by a crash or a yellow flag, it’s a shame to throw away the entire weekend.“ Auf Deutsch: „Wenn man durch einen Sturz oder eine gelbe Flagge erwischt wird, ist es schade, das ganze Wochenende wegzuwerfen.“ Marini schlug vor, vier statt zwei Fahrer aus Q1 aufsteigen zu lassen.

Ist das Sprint-Qualifying schon beschlossen?
Nein, das Sprint-Qualifying ist noch nicht beschlossen. Die Änderung muss von der Grand Prix Commission ratifiziert werden, erst dann steht sie im Reglement.
Dass ein Vorschlag auf diesem Weg noch scheitern kann, hat sich in diesem Jahr bereits gezeigt. Die Ein-Motorrad-Regel für 2027 galt Anfang des Jahres als praktisch beschlossen und kippte dann doch. Unklar ist zudem, wie stark die Fahrer bei der Entscheidung über das Sprint-Qualifying einbezogen wurden. 2022 hatten sie beim Grand Prix von Österreich aus den Medien erfahren, dass die MotoGP die Sprints einführen wird.
Ausgerechnet Spielberg ist damit auch der Ort, an dem vor vier Jahren erstmals die Absicht bekannt wurde, Sprints in der MotoGP einzuführen. Die Formel 1 fuhr zu diesem Zeitpunkt bereits Sprints. Anders als die Formel 1, die mit drei Sprints pro Saison begann und die Zahl schrittweise erhöhte, führte die MotoGP das Format 2023 gleich an jedem Rennwochenende ein. Diese Entscheidung fiel drei Jahre, bevor Liberty Media die Übernahme von Dorna Sports abschloss. Der Deal mit dem Inhaber der kommerziellen MotoGP-Rechte wurde Mitte 2025 besiegelt.
Wie passt der Vorschlag zur MotoGP-Saison 2027?
Das Sprint-Qualifying wäre ein weiterer Baustein im Umbruch der MotoGP-Saison 2027, in der auch das neue technische Reglement mit 850-Kubik-Motoren in Kraft tritt. Brivio hatte das Format-Thema schon im Dezember 2025 in diesen Zusammenhang gestellt.
Das Reglement müsse immer auf die Show ausgerichtet sein, sagte er damals. Man stehe vor einer großen Regeländerung, müsse aber stets darüber nachdenken, was sich tun lasse, um die Show zu verbessern. Ob die MotoGP ab 2027 tatsächlich mit zwei Qualifyings fährt, dürfte sich in den nächsten Tagen entscheiden. Bis dahin bleibt es bei einem Vorschlag, der zwar breite Zustimmung findet, aber noch nicht durch alle Instanzen ist.

Häufige Fragen
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Wann führt die MotoGP das Sprint-Qualifying ein?
Die MotoGP plant das Sprint-Qualifying für die Saison 2027. Der Vorschlag soll in den kommenden Tagen grünes Licht erhalten, muss aber noch von der Grand Prix Commission ratifiziert werden.
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Wie viele Qualifyings gibt es in der MotoGP ab 2027?
Ab 2027 soll es an jedem Rennwochenende zwei Qualifyings geben, eines für den Sprint am Samstag und eines für den Grand Prix am Sonntag. Bisher legt ein einziges Qualifying die Startaufstellung für beide Rennen fest.
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Wann findet der MotoGP-Sprint mit dem neuen Format statt?
Der Sprint soll wie bisher am späten Samstagnachmittag gefahren werden. Darin unterscheidet sich der MotoGP-Plan von der Formel 1, die ihren Sprint am Samstagvormittag austrägt.
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Bekommt die MotoGP ein Qualifying mit Q1, Q2 und Q3?
Eine der beteiligten Parteien drängt auf ein dreistufiges Qualifying wie in der Formel 1. Ob dieser Teil des Vorschlags umgesetzt wird, ist noch offen.
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Wer hatte die Idee zum getrennten Qualifying?
Davide Brivio hatte das Modell bereits im Dezember 2025 als damaliger Trackhouse-Teamchef öffentlich vorgeschlagen. Er begründete das damit, dass ein schlechtes Qualifying im aktuellen System das ganze Wochenende kostet.












