- Bagnaia sagt, er dürfe eine andere Grundabstimmung nicht fahren
- Dritter Ausfall in Folge, vierter in den vergangenen fünf Rennen
- Michelin bringt für Spielberg eine steifere Hinterreifen-Karkasse
Das Wochenende an der Adria hat die Tabellenspitze verschoben, doch die interessanteren Geschichten spielten abseits des Podiums. Bei Ducati wurde sichtbar, wie wenig Spielraum der langjährige Stammfahrer offenbar noch hat. Bei Aprilia stellt sich die Frage, warum das derzeit stärkste Motorrad im Feld die WM-Führung verloren hat. Und bei Yamaha und Honda mussten zwei Fahrer aufgeben, ohne dass Technik oder ein Sturz dafür verantwortlich waren.

Was hat Bagnaia am offenen Mikrofon gesagt?
Bagnaia erklärte seinem Kollegen Di Giannantonio, er dürfe die Grundabstimmung seiner Ducati nicht verändern. Beide warteten auf ihre Interviews, als die Kameras von DAZN das Gespräch einfingen.
Bagnaia schilderte darin, es fühle sich an, als ziehe er beim Bremsen die Kupplung. Das aufgesetzte Teil am Heck sei sein kleinstes Problem, er montiere ohnehin das, was man ihm vorgebe, und habe längst alles ausprobiert. Zwischen weicher und mittlerer Mischung spüre er vorne keinen Unterschied, zwischen gebrauchtem und frischem Reifen ebenso wenig. Di Giannantonio schlug daraufhin vor, eine einfachere Grundabstimmung zu fahren, so wie er selbst. Bagnaias Antwort fiel knapp aus: „Non me lo fanno fare.“ („Das lassen sie mich nicht machen.“) Der VR46-Fahrer beendete das Gespräch mit der Bemerkung, er gebe auf.
Welche konkrete Änderung gemeint ist, bleibt offen. Einen Hinweis liefert Bagnaia selbst, denn schon vor dem Wochenende hatte er beschrieben, was ihm helfen würde und was er nicht bekommen wird: Er sei überzeugt, keine neuen Teile zu brauchen, sondern alte. Gleichzeitig nahm er die Schuld auf sich, weil andere Fahrer mit demselben Motorrad schnell unterwegs sind. In Misano scheiterte er in Q1, wurde im Sprint Dreizehnter und stürzte im Rennen in der sechsten Runde. Erklären kann er den Zustand nicht: In Brünn sei das Griplevel ähnlich hoch gewesen, dort habe er sich aber deutlich besser gefühlt, in Misano dagegen praktisch nichts gespürt, während die übrigen Ducati-Fahrer von viel Grip sprachen.
Warum bringt Aprilia den WM-Vorteil nicht auf die Straße?
Weil die Sonntage fehlen, nicht das Tempo. In den sieben Rennen seit dem Italien-GP holte Marc Marquez 203 der 259 möglichen Punkte, Jorge Martin kam auf 118, Marco Bezzecchi auf 68.
Der Rückstand von Marquez auf die Tabellenspitze betrug nach dem Italien-GP im Mai noch 102 Punkte. Er ist vollständig abgebaut, und das mit einer rechten Schulter, die nach Angaben seines Operateurs nur etwa die Hälfte ihrer Leistungsfähigkeit erreicht. Die Ursache liegt in seinem Sturz beim Indonesien-GP im vergangenen Oktober, der eine Nervenschädigung zur Folge hatte und operiert werden musste.
Am Material liegt Aprilias Bilanz nicht. Bezzecchi fuhr in Misano einen Streckenrekord unter 1:30 Minuten und stand auf der Pole. Marquez berichtete, er habe auf der Jagd nach dieser Zeit mit 65 Grad einen internen Ducati-Rekord bei der Schräglage aufgestellt und trotzdem fast zwei Zehntelsekunden verloren. Was die Marke stattdessen kostet, ist eine Kette aus Ausfällen und Rückschlägen: Bezzecchis erneuter Nuller am Sonntag, Martins Arm-pump im Rennen und die Verletzung von Ai Ogura, der seit vor dem Aragon-GP fehlt und damit als dritter möglicher Kandidat der Marke ausfällt.
Bleibt ein Faktor, den keine Entwicklungsabteilung beeinflussen kann: Weder Bezzecchi noch Martin haben bisher einen kompletten Titelkampf gegen Marquez geführt. Bezzecchi selbst weist einen Zusammenhang zwischen Druck und Sturz zurück, sein erklärtes Ziel ist zunächst die Rückkehr zur Form vom Saisonbeginn.

Warum gaben Alex Rins und Joan Mir das Rennen auf?
Beide stiegen aus gesundheitlichen Gründen aus, nicht wegen eines Defekts oder eines Sturzes. Rins kämpfte mit Migräne und starker Übelkeit, Mir mit anhaltender Kraftlosigkeit.
Rins startete als Zwanzigster und fiel in der zweiten Runde ans Ende des Feldes zurück, als Toprak Razgatlioglu an ihm vorbeiging. Zehn Runden lang hielt er Anschluss an Franco Morbidelli, nachdem dieser seine Long-Lap-Strafe abgeleistet hatte, in Runde 17 von 27 fuhr er an die Box. Yamaha-Teamdirektor Massimo Meregalli nannte das enttäuschend für den Fahrer, betonte aber, dass „safety always has to come first“ („die Sicherheit immer an erster Stelle stehen muss“), gerade in diesem Sport. Weil Jack Miller zusätzlich mit einem technischen Problem ausfiel, erreichten nur zwei Yamaha das Ziel: Fabio Quartararo als Zehnter und Razgatlioglu als Zwölfter.
Mir gab bereits in Runde sechs auf, kurz nachdem Rins an ihm vorbeigefahren war. Er habe weder Energie noch Kraft auf dem Motorrad gehabt, alleine weiterzufahren hätte nichts gebracht und die Lage nur verschlimmert. Vor dem Österreich-Wochenende stehen Untersuchungen an, um seine körperliche Verfassung zu klären.
Der Helmfunk erreicht ein brauchbares Niveau
Abseits des Rennbetriebs kommt ein Projekt voran, das die Kommunikation in der Königsklasse verändern könnte. Luca Marini, einer der in die Entwicklung eingebundenen Fahrer, beschreibt den Stand der Funktechnik im Helm inzwischen als gut. Der Durchbruch gelang offenbar mit einem Ohrhörer, der für jeden Fahrer individuell abgeformt wird.
Zunächst soll das System Sicherheitsdurchsagen der Rennleitung übertragen, möglicherweise ab 2027. Marini arbeitet darüber hinaus an einem Mikrofon im Helm, das eine Verständigung in beide Richtungen zwischen Fahrer und Box ermöglichen würde. Beim Sprechen während der Fahrt stößt er noch an Grenzen und hält Misano wegen der hohen fahrerischen Anforderungen für eine ungeeignete Teststrecke. Auch die Gewöhnung braucht Zeit, weil die Fahrer seit ihrer Jugend an ihre eigenen Ohrstöpsel gewöhnt sind. Den Herstellern von Helmen und Schutzkleidung stellte er ein gutes Zeugnis aus.

Wie verschiebt der Reifen in Österreich die Lage?
Michelin bringt für den Red Bull Ring eine steifere Karkasse für den Hinterreifen. Die Karkasse ist der tragende Unterbau des Reifens und bestimmt mit, wie sich ein Motorrad beim Beschleunigen und in Schräglage verhält.
Für Aprilia spricht, dass die RS-GP mit dieser Bauart zu Saisonbeginn gut zurechtkam, während Ducati in den ersten beiden Rennen mehr Mühe damit hatte. Der Vergleich hinkt allerdings, weil Marquez damals körperlich noch weit von seiner heutigen Form entfernt war. Bagnaia zählt Spielberg zu seinen stärksten Strecken und hat dort in der Vergangenheit mit großem Vorsprung gewonnen. Ob ihm das in seiner aktuellen Lage hilft, will er erst vor Ort beurteilen, denn die steifere Karkasse könnte sein Gripproblem zusätzlich verschärfen. Für Martin wird das Wochenende zum Test, ob der Arm-pump wiederkehrt.

Häufige Fragen
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Was hat Bagnaia in Misano zu Di Giannantonio gesagt?
Er erklärte, er dürfe die Grundabstimmung seiner Ducati nicht ändern. Auf den Vorschlag, eine einfachere Konfiguration zu fahren, antwortete er mit dem Satz „Non me lo fanno fare“, also „Das lassen sie mich nicht machen“. Das Gespräch wurde von DAZN abseits des offiziellen Interviews aufgezeichnet.
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Wie viele Rennen hat Bagnaia zuletzt nicht beendet?
Misano war sein dritter Ausfall in Folge und der vierte in den vergangenen fünf Rennen. Im Rennen stürzte er in der sechsten Runde, nachdem er mehr Spin am Hinterrad bekommen und die Front verloren hatte.
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Warum hat Aprilia die WM-Führung verloren?
Nicht wegen fehlender Geschwindigkeit. In den sieben Rennen seit dem Italien-GP sammelte Marc Marquez 203 Punkte, Jorge Martin 118 und Marco Bezzecchi 68. Ausfälle, Verletzungen und der Ausfall von Ai Ogura kosteten die Marke die Ausbeute an den Sonntagen.
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Wann kommt der Helmfunk in der MotoGP?
Zunächst ist er für Sicherheitsdurchsagen der Rennleitung vorgesehen, möglicherweise ab 2027. Die Verständigung in beide Richtungen zwischen Fahrer und Box befindet sich noch in der Entwicklung.












