- Bagnaia hat seit dem Sachsenring am 12. Juli keinen einzigen WM-Punkt mehr geholt
- Franco Morbidelli fordert Funksprüche und blaue Flaggen nach dem Vorbild der Formel 1
- Joan Mir weiß nicht, ob er den Grand Prix am Sonntag überhaupt fahren kann
Der Samstag in Misano endete für die Spitze mit einem engen Duell und für einen großen Teil des Feldes mit offenen Fragen. In den Interviews nach dem Sprint ging es weniger um das Ergebnis als um Ursachen: um ein Motorrad, das nicht mehr das tut, was sein Fahrer erwartet, um Strafen für zu langsames Fahren und um einen Reifen, der für die einen eine Wahl ist und für die anderen die einzige Option. Der Grand Prix von San Marino ist der 14. von 22 Läufen der MotoGP-Saison 2026, und an der Adria zeigt sich gebündelt, wo die Hersteller im Endspurt stehen.

Warum spricht Bagnaia nach dem Misano-Sprint von einer Demütigung?
Bagnaia wurde im Sprint 13. und beschreibt seine Lage als frustrierend und demütigend. Es war sein letztes Heimrennen als Werksfahrer von Ducati, und er kam damit seit fast zwei Monaten ohne WM-Punkt aus.
Der zweifache Weltmeister hatte sich im Qualifying nur als 14. platziert, das schlechteste Ergebnis seiner Laufbahn auf dieser Strecke. Im Rennen gewann er genau eine Position. Im Ziel lag er 17,8 Sekunden hinter seinem Teamkollegen Marc Marquez, der den Sprint gewann.
Nach dem Rennen sagte Bagnaia, er fühle sich „frustrated, but also humiliated“, auf Deutsch also frustriert, aber auch gedemütigt. Er verwies darauf, dass der Unterschied zwischen seinem Motorrad und den übrigen Ducati aus seiner Sicht leicht zu erkennen sei, der Grund dafür aber nicht. Auch sein Team habe darauf keine Antwort. Ab der kommenden Saison fährt Bagnaia für das Werksteam von Aprilia, wo ihn ein Vertrag über vier Jahre erwartet.
Was macht seine Ducati anders als die übrigen Maschinen?
Bagnaia beschreibt ein Motorrad, das auf Abstimmungsänderungen falsch herum reagiert. Früher half mehr Last auf dem Hinterrad, wenn der Grip fehlte, heute verliert er dadurch zusätzlich Haftung.
Er schilderte, dass er am Samstagmorgen zwischen einem weichen und einem mittelharten Vorderreifen keinen Unterschied gespürt habe. Ein fabrikneuer weicher Hinterreifen habe sich angefühlt wie ein bereits gebrauchter. Für ihn ist das ein Hinweis darauf, dass das Problem groß ist und tiefer liegt als in der Abstimmung.
Besonders deutlich wird es beim Bremsen. Normalerweise verzögert ein MotoGP-Fahrer mit beiden Reifen, also mit der Vorderbremse und zusätzlich über die Motorbremse am Hinterrad. Genau das funktioniert bei Bagnaia derzeit nicht: Bremst er mit beiden Rädern, wird es schlechter, als wenn er nur das Vorderrad nutzt. Das Gefühl beim Einlenken beschreibt er so, als würde er mit gezogener Kupplung in die Kurve fahren, also komplett ohne Motorbremse. Ein Motorrad könne so nicht arbeiten.

Warum verlor Bezzecchi in den ersten Runden Zeit?
Marco Bezzecchi führt sein frühes Tempodefizit auf ein Stabilitätsproblem mit vollem Tank zurück. Das Hinterrad habe gedrückt und dadurch die Front belastet, und genau das begleitet ihn nach eigener Darstellung seit den vergangenen beiden Grand-Prix-Wochenenden.
Der Pole-Setter verlor die Führung schon in der ersten Kurve an Marquez und kam in den Folgerunden nicht mehr heran. Bezzecchi erklärte, in den freien Trainings habe er sich deutlich besser gefühlt, in den ersten drei oder vier Rennrunden mit vollem Tank falle es ihm dagegen schwerer. Erst als das Vertrauen zurückkam, sei er schneller geworden.
Anders als zwei Wochen zuvor in Aragon sieht er bei sich keinen Fehler. Dort sei Marquez aggressiver gewesen und er selbst zu zurückhaltend. In Misano habe er hart gebremst und die Linie zugemacht. Sein Fazit zum Start fiel entsprechend aus: „I did everything right“, also dass er alles richtig gemacht habe. Bezzecchi fuhr den weichen Hinterreifen und wollte sich vor dem Grand Prix noch nicht auf eine Mischung festlegen, weil der Verschleiß in Misano gering ausfällt.
Warum fordert Morbidelli ein Warnsystem wie in der Formel 1?
Morbidelli hält die bestehende Regelung für unzureichend und wünscht sich Funksprüche, Anzeigen im Cockpit und blaue Flaggen. Er selbst muss am Sonntag eine Long-Lap-Strafe abarbeiten, also einen markierten längeren Weg neben der Ideallinie durchfahren, der je nach Strecke zwei bis fünf Sekunden kostet.
Verhängt wurde die Strafe, weil er im Training am Freitag Enea Bastianini aufgehalten hat. Im Schreiben der Rennkommissare wird der Vorfall als gefährliches langsames Fahren eingestuft, und ausdrücklich wird auf mehrere Verstöße dieser Art in der laufenden Saison verwiesen. Es war nicht der einzige Fall an diesem Wochenende: Johann Zarco rückt für den Grand Prix um drei Startplätze zurück, weil er Bezzecchi im zweiten Qualifying behindert hat.
Auf die Frage italienischer Medien, warum es immer wieder ihn treffe, antwortete Morbidelli: „I’m dumber than the other riders“, also dass er dümmer sei als die anderen Fahrer. Er fügte an, eine Regel, die der Sicherheit dienen solle, müsse aber narrensicher funktionieren.
Sein Vergleich mit der Formel 1 zielt auf die Informationslage. Dort würden die Fahrer während langsamer Runden über Funk darüber informiert, wer sich von hinten nähert und wie weit er entfernt ist. Er spricht darüber, dass ihn das schmunzeln lasse, weil Autofahrer vier Räder und Spiegel haben, während die MotoGP-Fahrer sich auf zwei Rädern bei hohem Tempo umdrehen müssen. Eine Kombination aus Cockpitanzeige, Funkspruch und blauer Flagge würde das Problem aus seiner Sicht lösen. Die MotoGP plant ein Funksystem, mit dem Fahrer vor Gefahren gewarnt werden sollen. Ob damit auch herannahende Fahrer gemeldet werden, ist bislang offen.

Wie bewertet Acosta seinen Zweikampf mit Aldeguer?
Pedro Acosta hält den Zweikampf für fair, aber für beide Seiten teuer. Er wurde Sechster, Fermin Aldeguer fiel bis auf Rang acht zurück.
Aldeguer war von Startplatz drei losgefahren und verlor schon in der ersten Runde Positionen an Fabio Di Giannantonio und Jorge Martin. Acosta griff ihn kurz darauf an, die beiden blieben bis zur nächsten Kurve nebeneinander und trugen sich dabei nach außen. Alex Marquez nutzte die Lücke und kam vorbei, später auch Raul Fernandez. Acosta sagte über den Verlauf: „This cost us a lot of time“, also dass es beide viel Zeit gekostet habe. Ohne das Duell wären aus seiner Sicht beide näher an Di Giannantonio und Martin gewesen.
Als Ursache seines schwachen Samstags nennt er ein Problem beim Verzögern. Das Motorrad zum Stehen zu bringen ist normalerweise eine seiner Stärken, in Misano fehlte ihm genau das. Nach seiner Darstellung betrifft dieses Problem derzeit alle KTM.
Quartararos Sturz und die Lage bei Yamaha
Fabio Quartararo stürzte in Kurve 14, als er Diogo Moreira um Platz elf attackierte. Er beschreibt den Zweikampf als Jo-Jo-Rennen, bei dem sich die Abstände auf den Geraden ständig verschoben.
Um den Angriff vorzubereiten, ging er in den Kurven davor spät ans Limit. Dabei fehlte ihm nach eigenen Worten die Unterstützung am Hinterrad, das Vorderrad blockierte bereits beim Einlenken, und er landete innen neben Moreira. Er nahm das Rennen wieder auf und kam als Letzter ins Ziel.
Sein Teamkollege Alex Rins ordnete das Tempo des Franzosen nach dem Sturz als bemerkenswert ein und rechnet für Sonntag mit einem starken Rennen. Für Yamaha insgesamt verlief der Samstag zäh: Bester Fahrer der Marke war Jack Miller auf Platz 17.

Wie geht es Joan Mir vor dem Grand Prix?
Mir kämpft in Misano mit einem unklaren Infekt und weiß nicht, ob er am Sonntag starten kann. Er wurde im Sprint 20. und lag 22 Sekunden hinter der Spitze.
Der Weltmeister von 2020 spricht davon, kaum Kraft zu haben, und hat bereits einen Arzt aufgesucht. Seinen Zustand beschrieb er mit den Worten „I don’t feel at 50%“, also dass er sich nicht einmal bei 50 Prozent fühle. Dazu kommen Kopfschmerzen und das Gefühl, nicht präzise arbeiten zu können. Eine Behandlung soll es voraussichtlich in der kommenden Woche geben. Am Freitag sei es noch einigermaßen gegangen, danach habe es sich verschlechtert. Schon 2024 hatte Mir den Grand Prix von San Marino wegen einer Erkrankung ausgelassen.
Abseits davon liegt Honda in Misano gut im Rennen. Luca Marini, Zarco und Moreira belegten im Sprint die Plätze neun bis elf.
Was die Reifenwahl über die Rangordnung verrät
Auffällig war am Samstag, dass die Spitzenfahrer und der Rest des Feldes unterschiedliche Hinterreifen wählten. Der größere Teil startete auf der weichen Mischung, während Marquez und einige seiner Verfolger die mittlere nahmen.
Marquez begründete seine Wahl mit Stürzen von Ducati-Fahrern im Qualifying. Dort habe der Grip des weichen Hinterreifens die Front überlastet. Für Honda stellt sich die Rechnung genau umgekehrt dar. Marini erklärte, seinem Motorrad fehle die Haftung, deshalb sei der weiche Reifen die einzige Option gewesen und die mittlere Mischung nie ein Thema. Über die Konkurrenz sagte er, wenn diese mehr Grip habe und trotzdem die mittlere Mischung fahre, dann „it’s better for them“, also dass es für sie besser sei. Der Vorteil liege in mehr Stabilität am Kurvenausgang und im schnellen dritten Streckenabschnitt.
Für den Grand Prix über 27 Runden dreht Honda die Wahl um. Marini beschreibt es als jährliches Muster an dieser Strecke: weich im Sprint, mittel im Rennen. Der weiche Reifen werde mit zunehmendem Verschleiß unruhig am Kurvenausgang und koste Beschleunigung, während sich die mittlere Mischung bis zum Schluss voll ausfahren lässt.

Häufige Fragen
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Warum war Bagnaia in Misano 2026 nur 13.?
Bagnaia fehlt nach eigener Darstellung jedes Gefühl für den Grip am Hinterrad. Er spürte weder einen Unterschied zwischen weichem und mittelhartem Vorderreifen noch zwischen neuem und gebrauchtem weichem Hinterreifen. Er startete nach seinem schlechtesten Misano-Qualifying von Platz 14 und gewann im Rennen eine Position.
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Seit wann hat Bagnaia keine WM-Punkte mehr geholt?
Seit dem Sachsenring am 12. Juli ist Bagnaia ohne Punkt geblieben. In Misano wurde er 13., also einen Rang außerhalb der Punkteränge, und lag 17,8 Sekunden hinter Sprintsieger Marc Marquez.
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Welche Strafen gab es beim Grand Prix von San Marino?
Zwei Fahrer wurden wegen Behinderung bestraft, beide nur für den Grand Prix. Franco Morbidelli muss eine Long-Lap-Strafe abarbeiten, weil er Enea Bastianini im Freitagstraining aufgehalten hat. Johann Zarco rückt drei Startplätze zurück, weil er Bezzecchi im zweiten Qualifying behindert hat.
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Startet Joan Mir beim Grand Prix in Misano?
Das war nach dem Sprint offen. Mir kämpft mit einem unklaren Infekt, fühlt sich nach eigenen Worten nicht einmal zur Hälfte belastbar und will von Tag zu Tag entscheiden. Eine Behandlung ist für die Folgewoche vorgesehen.
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Welchen Hinterreifen wählten die Fahrer im Sprint?
Der größere Teil des Feldes fuhr die weiche Mischung, Marc Marquez und einige Verfolger die mittlere. Für Honda war der weiche Reifen laut Luca Marini die einzige Möglichkeit, weil der Maschine sonst der Grip fehlt. Für das Rennen über 27 Runden plant Honda dagegen die mittlere Mischung.












