- Die Blockade der Straße von Hormus hat die Preise für Basisöle um bis zu 50 Prozent steigen lassen.
- Lagerbestände für synthetische Schmierstoffe in Europa könnten Ende Mai bis Anfang Juni erschöpft sein.
- Schmierstoffhersteller SCT/MANNOL reagiert mit vorausschauender Einkaufsplanung, kündigt aber unvermeidbare Preiserhöhungen an.
Wer in den kommenden Wochen einen Ölwechsel am Motorrad plant, sollte sich auf höhere Preise einstellen. Die seit Ende Februar 2026 andauernde Blockade der Straße von Hormus durch den Iran hat nicht nur die Kraftstoffpreise in die Höhe getrieben, sondern sorgt mittlerweile auch bei Motorölen und anderen Schmierstoffen für wachsende Engpässe. Der Wedeler Schmierstoffhersteller SCT, der unter der Marke MANNOL weltweit in über 90 Ländern Motor- und Getriebeöle vertreibt, hat Mitte Mai 2026 in einer Pressemitteilung auf die angespannte Lage reagiert und Preissteigerungen angekündigt.
Warum wird Motoröl durch die Hormus-Krise knapp?
Die Straße von Hormus ist das wichtigste Nadelöhr für den globalen Ölhandel. Rund 20 Prozent der weltweiten Öltransporte und ein Fünftel des globalen Flüssigerdgashandels werden normalerweise über diese Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman abgewickelt. Seit dem Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar 2026 ist die Passage faktisch blockiert. Der Tankerverkehr brach zunächst um etwa 70 Prozent ein, anschließend kam die Schifffahrt nahezu zum Erliegen. Der Brent-Ölpreis stieg zwischenzeitlich auf bis zu 126 US-Dollar pro Barrel und lag am 11. Mai 2026 bei rund 105 US-Dollar.
Doch die Auswirkungen gehen weit über teure Tankfüllungen hinaus. Der Markt für sogenannte Basisöle, die als Grundlage für sämtliche Schmierstoffe dienen, gerät zunehmend unter Druck. Besonders betroffen sind Grundöle der Gruppe III und Polyalphaolefine (PAO), die als Ausgangsstoffe für synthetische Schmierstoffe eingesetzt werden. Laut der Rohstoffagentur Argus Media entfallen auf die Golfstaaten im Nahen Osten 15 bis 20 Prozent der weltweiten Nennkapazität für Gruppe-III-Öle. Im vergangenen Jahr stammten 72 Prozent der europäischen Importe von Basisölen der Gruppe III aus dieser Region.
Konkret stehen zwei große Produktionsstandorte still oder arbeiten eingeschränkt: Die ADNOC-Raffinerie in Abu Dhabi mit einer Jahreskapazität von rund 500.000 Tonnen Gruppe-III-Öl sowie die Bapco-Raffinerie in Sitra mit etwa 400.000 Tonnen. Darüber hinaus ist die Golfregion ein wichtiger Lieferant von Ethylen, dem Ausgangsstoff für PAO.
Was bedeutet der Engpass für Motorradfahrer?
Die Folgen der Basisöl-Knappheit treffen grundsätzlich alle Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor, also auch Motorräder. Moderne Motorradmotoren sind auf hochwertige synthetische Schmierstoffe angewiesen, die auf Gruppe-III-Ölen oder vollsynthetischen Basisölen basieren. Gerade bei Hochleistungsmotoren mit hohen Drehzahlen und engen Toleranzen kommt es auf die richtige Ölqualität an.
Gabrielle Twining, führende Expertin für Basisöle bei Argus Media, warnte gegenüber Business Insider: „Die Lage ist schlimmer als während der Corona-Pandemie, und die Preise erreichen Rekordhöhen. Der Markt nimmt die Preissteigerungen widerwillig hin, da die Käufer wissen, dass alternative Bezugsquellen knapp sind, eingeschränkt werden oder gar nicht vorhanden sind.“ („The situation is worse than during the Covid pandemic, and prices are reaching record highs. The market reluctantly absorbs the price increases because buyers know that alternative sources of supply are scarce, restricted or do not exist at all.“)
Mehrere Lieferanten gaben laut Twining an, dass ihre Lagerbestände Ende Mai bis Anfang Juni leer sein werden. Für Motorradfahrer bedeutet das konkret: Wer ohnehin einen Ölwechsel plant oder die Saison gerade gestartet hat, muss mit spürbar höheren Preisen rechnen. Je nach Ölsorte und Hersteller fallen die Aufschläge unterschiedlich hoch aus.
Wie reagiert Schmierstoffhersteller SCT/MANNOL auf die Krise?
Der Schmierstoffhersteller SCT mit Sitz in Wedel bei Hamburg gehört zu den Unternehmen, die frühzeitig auf die Versorgungsengpässe reagiert haben. In einer Pressemitteilung vom 11. Mai 2026 erklärte das Unternehmen, dass es den kontinuierlichen Warenzufluss auch in den kommenden Monaten durch vorausschauende Einkaufsplanung und sorgfältige Bestandsplanung sicherstellen wolle.
SCT vertreibt unter der Marke MANNOL Schmierstoffe in über 90 Ländern und verarbeitet laut eigenen Angaben täglich rund eine Million Liter Schmieröl in seinen beiden Werken. Das Hauptwerk in Klaipėda, Litauen, ist eines der größten Schmierstoffwerke Nordeuropas und produziert auf rund 50.000 Quadratmetern mehr als 700.000 Liter pro Tag. Das neuere Werk in Dubai ergänzt die Kapazitäten mit weiteren 300.000 Litern täglich. Etwa 75 Prozent der Gesamtproduktion entfallen auf Motoröle.
Die Preissteigerungen bei den Endprodukten seien laut SCT aktuell unvermeidbar. Das Unternehmen verwies dabei auf einen konkreten Mechanismus: Die durchschnittliche Lieferzeit für Komponenten zur Schmierstoffherstellung liegt derzeit durch unterbrochene Transportwege bei etwa sechs Wochen. Da allerdings die Preise gelten, die zum Zeitpunkt der Anlieferung aktuell sind, müssen Hersteller schon jetzt die künftig höheren Beschaffungskosten auf die Endprodukte umlegen.
Welche Rolle spielt der Ausfall von GTL-Ölen?
Neben den direkten Lieferausfällen verschärft ein zweiter Effekt die Lage. Durch die beschädigten Raffinerien in der Hormus-Region ist die Verfügbarkeit von GTL-Ölen (Gas-to-Liquids) stark eingeschränkt. GTL-Öle werden aus Erdgas hergestellt und bisher vor allem in der Schmierstoffproduktion eingesetzt. Da diese Öle ausfallen, greifen Hersteller verstärkt auf HC-Öle (Hydrocrack-Öle) als Ersatzprodukt zurück. Das wiederum treibt auch dort die Preise in die Höhe, laut SCT um bis zu 50 Prozent.
Für den gesamten Schmierstoffmarkt entsteht so eine Kettenreaktion: Weniger Gruppe-III-Öle aus dem Nahen Osten, eingeschränkte GTL-Verfügbarkeit, steigende Nachfrage nach HC-Ölen als Ersatz und gleichzeitig höhere Energie- und Transportkosten. Alternative Lieferungen aus Südkorea, einem weiteren wichtigen Produktionsland für Gruppe-III-Öle, sind laut Argus Media ebenfalls eingeschränkt, da dort die Rohstoffversorgung zurückgegangen ist. Europäische Hersteller beliefern zudem bevorzugt asiatische Kunden, weil in Asien teilweise höhere Preise erzielt werden.
Wie groß ist das Problem für die Automobilindustrie insgesamt?
Die Schmierstoff-Knappheit trifft nicht nur den Aftermarket, also Werkstätten und Endverbraucher, sondern zunehmend auch die Fahrzeugproduktion. Laut Argus Media suchen erste deutsche Automobilhersteller bereits dringend nach neuen Bezugsquellen für Motoröl. Einige Hersteller erhalten nicht mehr die für die Erstbefüllung von Neufahrzeugen benötigten Motoröle (im Branchenjargon „First Fill“ oder „Factory Fill“ genannt).
Twining warnte, dass im Extremfall die Produktionsmengen reduziert werden müssten, wenn sich die Situation nicht entspanne. BMW erklärte auf Anfrage von Business Insider, man beobachte die Lage genau und stehe in engem Austausch mit dem Lieferantennetzwerk. „Derzeit ergeben sich keine Beeinträchtigungen in der Versorgung der BMW-Group-Werke mit Schmierstoffen wie Motorölen“, so ein Unternehmenssprecher.
Auch die Logistikbranche ist betroffen. Für Lkw und Busse werden vor allem Basisöle der Gruppe II eingesetzt. Lieferungen aus den USA, einem wichtigen Exporteur nach Europa, sind laut Twining eingeschränkt, weil große Raffinerien ihre Vertragskunden in Asien bevorzugen und ihr Geschäft dort ausbauen. Im schlimmsten Fall könnte auch der öffentliche Nahverkehr unter dem Mangel an Schmierstoffen leiden.
Wie entwickelt sich die geopolitische Lage an der Straße von Hormus?
Eine schnelle Entspannung der Versorgungslage ist nicht in Sicht. Anfang April 2026 einigten sich die USA und der Iran zwar auf eine zweiwöchige Waffenruhe, in deren Rahmen Iran die Straße von Hormus unter Auflagen wieder öffnete. Der Iran verlangte allerdings von Tankern eine Durchfahrtsgebühr von einem US-Dollar pro Barrel Öl. Anfang Mai wurde zudem der Frachter San Antonio der französischen Reederei CMA CGM in der Meerenge angegriffen und beschädigt.
Der Iran hat seine Kontrolle über die Meerenge weiter ausgebaut und das als Straße von Hormus definierte Gebiet deutlich erweitert. Es erstrecke sich nun von der Stadt Dschask im Osten bis zur Insel Siri im Westen, erklärte ein ranghoher Offizier der iranischen Revolutionsgarden. Saudi Aramco-Chef Amin Nasser machte deutlich, dass selbst bei einer sofortigen Öffnung der Meerenge eine Normalisierung des Marktes Monate dauern würde. Sollte sich die Öffnung bis nach Mitte Juni verzögern, rechne er nicht vor 2027 mit normalen Verhältnissen.
Laut einer Umfrage des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) vom 11. Mai 2026 leiden 90 Prozent der befragten Unternehmen unter gestiegenen Transportkosten. BGA-Präsident Dirk Jandura forderte die Bundesregierung auf, diplomatisch auf ein rasches Ende des Konflikts hinzuwirken.
Was können Motorradfahrer jetzt tun?
Für Motorradfahrer, deren Ölwechsel in den kommenden Wochen ansteht, empfiehlt es sich, frühzeitig Werkstatttermine und Ölverfügbarkeit zu klären. Wer eine bestimmte Ölsorte mit spezifischer Herstellerfreigabe benötigt, sollte rechtzeitig prüfen, ob das bevorzugte Produkt noch lieferbar ist. Kurzfristige Alternativen mit gleichwertiger Spezifikation und Freigabe kommen in Betracht, sofern sie den Anforderungen des jeweiligen Motors entsprechen.
Auf Hamsterkäufe sollte dagegen verzichtet werden. Motoröl ist in der Regel maximal fünf Jahre haltbar, und übermäßige Vorratshaltung durch Einzelkunden verschärft die Knappheit für alle Beteiligten.
Twining fasste die Lage gegenüber Business Insider zusammen: „Derzeit können Autofahrer ihre Ölwechsel noch hinauszögern, doch es könnte ein Punkt kommen, an dem sie das Öl benötigen, ihre Autos nicht mehr fahren können und diese nicht mehr ordnungsgemäß funktionieren.“ („For the time being, motorists can still delay their oil changes, but there could come a point where they need the oil, their cars can no longer be driven and they no longer function properly.“) Diese Einschätzung gilt im gleichen Maße für Motorräder.
Die aktuelle Situation reiht sich ein in eine Serie von Lieferkettenstörungen, die seit der Corona-Pandemie 2020 immer wieder verschiedene Branchen treffen. Die Hormus-Krise von 2026 zeigt dabei, wie tief die Abhängigkeit der gesamten Fahrzeugindustrie, einschließlich des Motorradsektors, von einer einzelnen Meerenge im Nahen Osten reicht.
Häufige Fragen
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Wird Motoröl für Motorräder teurer?
Ja, Motoröl wird aktuell spürbar teurer. Die Blockade der Straße von Hormus hat die Preise für Basisöle um bis zu 50 Prozent steigen lassen. Schmierstoffhersteller wie SCT/MANNOL geben die gestiegenen Beschaffungskosten bereits an Händler und Endkunden weiter.
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Warum ist Motoröl knapp?
Die Straße von Hormus, über die rund 20 Prozent der weltweiten Öltransporte laufen, ist seit Ende Februar 2026 durch den Iran-Krieg blockiert. Wichtige Raffinerien in der Region sind beschädigt oder ausgefallen. Europa bezog im vergangenen Jahr 72 Prozent seiner Basisöl-Importe der Gruppe III aus den Golfstaaten.
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Wann normalisiert sich die Motoröl-Versorgung?
Eine schnelle Entspannung ist nicht absehbar. Laut Saudi Aramco-Chef Amin Nasser würde selbst bei einer sofortigen Öffnung der Straße von Hormus die Marktnormalisierung Monate dauern. Branchenexperten warnen, dass die Lagerbestände für Basisöle in Europa bis Ende Mai oder Anfang Juni erschöpft sein könnten.
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Was bedeutet der Motoröl-Engpass für die Motorrad-Saison 2026?
Motorradfahrer müssen sich auf höhere Preise bei Ölwechseln einstellen. Bei spezifischen Ölsorten mit bestimmten Herstellerfreigaben kann es zudem zu Verfügbarkeitsproblemen kommen. Es empfiehlt sich, Werkstatttermine frühzeitig zu planen und gegebenenfalls auf gleichwertige Alternativprodukte auszuweichen.
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Wie reagiert MANNOL auf die Schmierstoff-Krise?
Der Schmierstoffhersteller SCT/MANNOL mit Sitz in Wedel bei Hamburg setzt laut eigener Aussage auf vorausschauende Einkaufsplanung und sorgfältige Bestandsplanung, um die Lieferfähigkeit zu sichern. Das Unternehmen hat allerdings Preissteigerungen bei seinen Endprodukten angekündigt.

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