- Tatort und Zeit: B308 im Bereich Rohrach bei Scheidegg, Freitagabend, 5. Juni 2026, zwischen 18:15 und 18:30 Uhr
- Tathergang: mit Öl gefüllte Plastikbeutel in zwei Kurven geworfen, größere Ölverschmutzung, niemand verletzt
- Ermittlungen: Polizei wertet den Fall als gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr und sucht Zeugen unter 08381 92010
Die kurvenreichen Strecken des West-Allgäus zählen zu den beliebten Zielen für Motorradtouren. Genau auf einer dieser Strecken kam es Anfang Juni zu einem Vorfall, der bei vielen Motorradfahrern in der Region alte Erinnerungen weckt. Auf der Passstraße der B308 im Bereich des Rohrachs landete Öl auf der Fahrbahn, und nach Einschätzung der Polizei nicht durch Zufall. Der Fall reiht sich thematisch in ein größeres Sicherheitsthema ein, das Motorradfahrer seit Jahren beschäftigt: gezielt aufgebrachte Hindernisse, die auf zwei Rädern besonders gefährlich werden.
Was ist auf der B308 bei Scheidegg passiert?
Auf der B308 bei Scheidegg wurden am 5. Juni 2026 in zwei Kurven der Passstraße mit Öl gefüllte Plastikbeutel auf die Fahrbahn geworfen, die aufplatzten und eine größere Ölverschmutzung verursachten. Die Mitteilung darüber ging gegen 18:30 Uhr bei der Polizeiinspektion Lindenberg ein. Nach bisherigem Ermittlungsstand fällt die Tat in den Zeitraum zwischen 18:15 und 18:30 Uhr. Die betroffene Stelle liegt im Bereich des Rohrachs, einem kurvenreichen Abschnitt im West-Allgäu. Die Straße wurde abgesperrt, die Feuerwehr reinigte den Fahrbahnbelag. Verletzt wurde nach Angaben der Polizei niemand, was vor allem daran lag, dass die Verschmutzung rechtzeitig gemeldet wurde.
Wie bewertet die Polizei den Vorfall?
Die Polizei geht von einer mutmaßlich vorsätzlichen Tat aus und ermittelt wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr. Zuständig ist das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West mit Sitz in Kempten, dieselbe Behörde, die bereits vor 15 Jahren in einem vergleichbaren Fall ermittelte. Ein Polizeisprecher äußerte sich vorsichtig zu möglichen Verbindungen. Er erklärte: „Natürlich untersuchen wir mögliche Parallelen.“ Zugleich betonte er: „Aufgrund der früheren Fälle sind wir aber sensibilisiert, wir ermitteln in alle Richtungen.“ Zu Details, etwa zur genauen Beschaffenheit der Beutel oder des verwendeten Öls, machte er keine Angaben. Auch dazu, ob es bereits Zeugen gibt oder ob, wie vor 15 Jahren, eine DNA-Spur gesichert werden konnte oder danach gesucht wird, äußerte er sich nicht.
Gibt es einen Zusammenhang mit der Ölspur-Serie von 2011?
Ein direkter Zusammenhang zwischen dem Vorfall bei Scheidegg und der früheren Ölspur-Serie ist nach öffentlich verfügbaren Informationen bislang nicht belegt. Es gibt bisher keine Aussage, dass Polizei oder Staatsanwaltschaft den aktuellen Fall der alten Serie zurechnen. Auffällig ist allerdings die räumliche Nähe, denn die neuen Fundstellen liegen weniger als 100 Kilometer von den damaligen Tatorten entfernt. Hinzu kommt, dass die Beamten von einer vorsätzlichen Tat ausgehen, ähnlich wie vor anderthalb Jahrzehnten. Die Polizei prüft daher mögliche Parallelen, hält sich mit Bewertungen aber bewusst zurück.
Der tödliche Fall von 2011
Der aktuelle Vorfall weckt Erinnerungen an ein tödliches Ereignis vom 17. April 2011, dem damaligen Palmsonntag. Ein 37 Jahre alter Motorradfahrer und zweifacher Familienvater geriet auf der Staatsstraße 2013 zwischen Markt Rettenbach und Ottobeuren im Landkreis Unterallgäu in einer Kurve auf eine Ölspur. Er verlor die Kontrolle über sein Motorrad, prallte gegen ein entgegenkommendes Auto und starb noch an der Unfallstelle.
Die Ermittler stellten fest, dass die Ölspur nicht fahrlässig entstanden war, sondern mit hoher Wahrscheinlichkeit vorsätzlich aufgebracht wurde. In der Region fanden sie insgesamt zehn Ölflecken, drei davon unmittelbar im Bereich der Unfallstelle. Die Staatsanwaltschaft stufte den Fall als vorsätzliches Tötungsdelikt ein. Verursacht wurden die Öllachen nach damaligen Ermittlerangaben durch grüne Weinflaschen und klare Sektflaschen, die mit gebrauchtem Motoröl gefüllt, auf die Fahrbahn geworfen worden waren und dort zerbarsten. Der Fall wurde später auch in der Fernsehsendung „Aktenzeichen XY … ungelöst“ behandelt.
Die Ermittler gingen schließlich nicht mehr von einem Einzelfall aus. Es entstand der Verdacht, dass ein überregional tätiger Wiederholungstäter für mehrere Ölanschläge verantwortlich sein könnte. Die bekannte Serie zwischen 2007 und 2011 erstreckte sich über Bayern und Baden-Württemberg. Genannt wurden unter anderem Fälle bei Bad Schussenried, Rennertshofen, Wittislingen, Freising, Leibertingen und Beuron, Höchstädt-Binswangen sowie Schwendi. Bei Rennertshofen stürzte ein Motorradfahrer, bei Wittislingen wurde ein Autofahrer schwer verletzt. Trotz umfangreicher Ermittlungen blieb der Täter unentdeckt. An mehreren Flaschenbruchstücken wurde eine identische DNA-Spur gesichert, ein Abgleich mit der Datei des Bundeskriminalamts brachte jedoch keinen Treffer. Auch eine DNA-Reihenuntersuchung mit mehr als 1.400 ausgewerteten Speichelproben blieb erfolglos. Die Belohnung für Hinweise wurde in Berichten auf mehr als 53.000 Euro (rund 57.000 US-Dollar) beziffert.
Bemerkenswert ist, wie sich das mögliche Täterbild im Laufe der Jahre veränderte. Zunächst stand ein Hass auf Motorradfahrer im Raum. Später beschrieben Profiler eher einen Täter, der durch das Erzeugen von Angst und Verunsicherung Macht ausüben und sein Selbstwertgefühl aufwerten wolle.
Welche Parallelen und Unterschiede gibt es zum Fall Scheidegg?
Die größte Gemeinsamkeit liegt in der mutmaßlichen Absicht und der Wahl des Orts, denn in beiden Fällen wurde Öl vermutlich vorsätzlich in oder an Kurven aufgebracht, wo es vor allem für Motorradfahrer gefährlich wird. Ein deutlicher Unterschied betrifft jedoch das Tatmittel. Die frühere Serie war durch Altöl in Wein- und Sektflaschen sowie durch zerborstene Glasscherben geprägt. In Scheidegg kamen dagegen nach bisherigen Erkenntnissen Plastikbeutel zum Einsatz. Dieser Unterschied spricht gegen eine vorschnelle Gleichsetzung. Denkbar wäre nach Einschätzung in Medienberichten ebenso eine Nachahmung oder ein neuer Täter mit ähnlicher Vorgehensweise. Ein möglicher Zusammenhang ließe sich nur über Spuren, Zeugen, Tatmittel, die Art des Öls, die Verpackung sowie über DNA, Fingerabdrücke oder Fahrzeughinweise klären.
Warum sind Ölspuren in Kurven für Motorradfahrer so gefährlich?
Öl in einer Kurve ist für Motorradfahrer besonders gefährlich, weil ein Motorrad nur über zwei kleine Kontaktflächen zur Fahrbahn verfügt und in Schräglage bereits ein großer Teil der Reifenhaftung für die Seitenführung gebraucht wird. Kommt in dieser Situation plötzlich Öl hinzu, kann das Vorder- oder Hinterrad ohne realistische Reaktionschance wegrutschen. Die Folge reicht vom Sturz über das Abkommen in den Gegenverkehr bis zum Aufprall auf eine Leitplanke. Genau ein solcher Ablauf führte 2011 zum tödlichen Unfall. Während Öl auf einer geraden Strecke bereits ein Risiko darstellt, wirkt es in einer Kurve faktisch wie eine Falle. Betroffen sind dabei nicht nur Motorradfahrer, sondern auch Rad- und E-Bike-Fahrer sowie Autofahrer, die ins Schleudern geraten können.
Wie sollten sich Motorradfahrer jetzt verhalten?
Motorradfahrer sollten auf der B308 und auf ähnlichen kurvenreichen Strecken derzeit besonders vorausschauend fahren, also mit weitem Blick, angepasster Geschwindigkeit und ausreichenden Reserven in unübersichtlichen Kurven. Bei verdächtigen dunklen Flecken auf der Fahrbahn ist abruptes Bremsen in Schräglage zu vermeiden. Wer eine mögliche Ölspur entdeckt, sollte zunächst die eigene Sicherheit herstellen, andere Verkehrsteilnehmer warnen und umgehend Polizei oder Feuerwehr verständigen.
Die Polizei sucht zudem Zeugen zum Vorfall bei Scheidegg. Wer am 5. Juni 2026 zwischen 18:15 und 18:30 Uhr im Bereich der B308 am Rohrach verdächtige Personen, Fahrzeuge, auffällige Haltemanöver oder weggeworfene Beutel beobachtet hat, wird gebeten, sich zu melden. Auch kleine Details können wichtig sein, etwa Fahrzeugfarbe, Kennzeichenfragmente, Fahrtrichtung, die genaue Uhrzeit oder Aufnahmen von Dashcams und Helmkameras. Hinweise nimmt die Polizeiinspektion Lindenberg unter der Telefonnummer 08381 92010 entgegen.
Häufige Fragen
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Was ist auf der B308 bei Scheidegg passiert?
Am 5. Juni 2026 wurden in zwei Kurven der B308 im Bereich Rohrach bei Scheidegg mit Öl gefüllte Plastikbeutel auf die Fahrbahn geworfen. Die Beutel platzten auf und verursachten eine größere Ölverschmutzung. Verletzt wurde niemand.
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Wann wurden die Ölfallen im Allgäu entdeckt?
Die Mitteilung über die Ölflecken ging am Freitag, 5. Juni 2026, gegen 18:30 Uhr bei der Polizeiinspektion Lindenberg ein. Die Tat fällt nach bisherigem Ermittlungsstand in den Zeitraum zwischen 18:15 und 18:30 Uhr.
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Gibt es einen Zusammenhang mit dem tödlichen Ölspur-Fall von 2011?
Ein direkter Zusammenhang ist nach öffentlich verfügbaren Informationen bislang nicht belegt. Es gibt Parallelen wie die räumliche Nähe und die mutmaßliche Absicht, aber auch einen klaren Unterschied beim Tatmittel, da 2011 Glasflaschen und in Scheidegg Plastikbeutel verwendet wurden.
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Wie gefährlich sind Ölspuren für Motorradfahrer?
Ölspuren in Kurven sind für Motorradfahrer lebensgefährlich, weil in Schräglage ein großer Teil der Reifenhaftung für die Seitenführung benötigt wird. Kommt Öl hinzu, kann das Rad wegrutschen, was 2011 zu einem tödlichen Unfall führte.
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An wen können sich Zeugen wenden?
Hinweise nimmt die Polizeiinspektion Lindenberg unter der Telefonnummer 08381 92010 entgegen. Wichtig sind Beobachtungen aus dem Tatzeitraum am 5. Juni 2026, etwa zu Fahrzeugen, Kennzeichen oder Dashcam- und Helmkameraaufnahmen.











