- Gläubigerversammlung hat am 23. April 2026 einstimmig zugestimmt
- Polo meldet hohes Auftragsvolumen zum Saisonstart 2026
- Unternehmen sieht sich bis Jahresende aus eigener Kraft durchfinanziert
Die Polo Motorrad & Sportswear GmbH hat einen wichtigen Schritt in ihrem laufenden Sanierungsverfahren erreicht. Am 23. April 2026 stimmte die Gläubigerversammlung am Amtsgericht Mönchengladbach dem weiteren Restrukturierungskurs des Motorradzubehörhändlers einstimmig zu. Damit kann das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung, das Polo seit der Eröffnung am 1. Februar 2026 durchläuft, planmäßig fortgesetzt werden.
Was bedeutet die Zustimmung der Gläubiger für Polo Motorrad?
Das einstimmige Votum der Gläubigerversammlung gilt als zentraler Meilenstein im laufenden Verfahren. Es bestätigt die bisherige Ausrichtung des Unternehmens und schafft rechtliche Klarheit für den weiteren Verlauf der Restrukturierung. Ohne diese Zustimmung hätte das Verfahren in seiner bisherigen Form nicht fortgeführt werden können. Laut Unternehmensangaben verlaufen die eingeleiteten Sanierungsmaßnahmen planmäßig, und die rechtlichen sowie organisatorischen Voraussetzungen für die Neuaufstellung seien geschaffen.
Geschäftsführer Andrew Thorndike sprach von einem „starken Signal“ und einem „wichtigen Vertrauensbeweis“. Er erklärte: „Wir sehen klar, dass unser Kurs trägt: Die operative Entwicklung ist stabil, wir sind erfolgreich in die Saison gestartet, verfügen über volle Auftragsbücher und gut gefüllte Warenlager.“ Nach aktuellem Stand sei Polo bis zum Jahresende durchfinanziert, was dem Unternehmen zusätzlichen Handlungsspielraum verschaffe. Thorndike hob zudem die Einsatzbereitschaft der Belegschaft und die Loyalität der Kunden hervor, die das Unternehmen durch die laufende Phase begleiteten.
Wie läuft das operative Geschäft bei Polo?
Laut Polo hat sich das operative Geschäft stabilisiert. Das Auftragsvolumen liege zu Beginn der Motorradsaison 2026 auf hohem Niveau, und die Nachfrage entwickle sich stabil. Die 83 Filialen in Deutschland sowie der Onlineshop werden regulär weiterbetrieben, und die Gehälter der Mitarbeiter sind laut Unternehmen weiterhin gesichert.
Auch der begleitende Sanierungsexperte Prof. Dr. Volker Römermann von der Römermann Rechtsanwälte AG bestätigte die positive Entwicklung. Er erklärte, die bisherigen Maßnahmen würden greifen und das Unternehmen stehe auf einem belastbaren Fundament. Polo sei gut im Markt verankert und verfüge über stabile Kunden- und Lieferantenbeziehungen. Das Verfahren gebe den nötigen rechtlichen Spielraum, um die Neuaufstellung effizient umzusetzen.
Kommt ein Investor bei Polo Motorrad an Bord?
Gespräche mit potenziellen Investoren werden weitergeführt. Bereits Anfang Februar 2026 hatte Thorndike gegenüber der WirtschaftsWoche von einer „belastbaren Shortlist mit mehreren Interessenten, darunter vor allem Finanzinvestoren“ gesprochen. Polo bleibt externen Lösungen gegenüber offen, knüpft einen möglichen Einstieg jedoch an klare Bedingungen: Eine Beteiligung werde nur dann angestrebt, wenn sie strategisch und wirtschaftlich einen messbaren Mehrwert gegenüber der eigenständigen Sanierung biete.
Thorndike hatte im Februar zudem betont, es werde „keine große Entlassungswelle geben und auch keine flächendeckenden Standortschließungen“. Die Lieferanten unterstützten den Sanierungsprozess unter anderem durch verlängerte Zahlungsziele.
Warum ist Polo Motorrad insolvent?
Die Polo Motorrad & Sportswear GmbH hatte am 18. November 2025 beim Amtsgericht Mönchengladbach ein Eigenverwaltungsverfahren beantragt. Als Grund nannte das Unternehmen eine angespannte gesamtwirtschaftliche Lage und eine branchenweit spürbare Kaufzurückhaltung, die trotz einer nach eigenen Angaben guten Umsatzentwicklung die Liquidität unter Druck gesetzt habe. Thorndike verwies zudem auf eine Liquiditätslücke, die entstanden sei, nachdem der bisherige Gesellschafter entschieden habe, den finanziellen Fokus nicht auf Polo Deutschland zu legen.
Die Löhne und Gehälter der rund 700 Beschäftigten in Deutschland waren über das Insolvenzgeld zunächst bis einschließlich Januar 2026 gesichert. Am 1. Februar 2026 eröffnete das Amtsgericht Mönchengladbach planmäßig das Eigenverwaltungsverfahren. Als Sachwalter wurde Rechtsanwalt Rainer Frölich von der Kanzlei AHW Insolvenzverwaltung bestellt.
Polo Motorrad: Vom Versandhandel zum bundesweiten Filialnetz
Polo wurde 1980 als kleiner Versandhandel gegründet und entwickelte sich zu einem der führenden Anbieter für Motorradbekleidung, Helme und technisches Zubehör in Deutschland. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Jüchen in Nordrhein-Westfalen und beschäftigt rund 700 Mitarbeiter. Neben den deutschen Filialen betrieb Polo auch Standorte in Österreich und der Schweiz, wobei die Polo Motorrad Österreich GmbH mit vier Filialen in Wien, Salzburg und Traun mittlerweile ebenfalls ein Insolvenzverfahren durchläuft.
Es ist nicht das erste Insolvenzverfahren in der Unternehmensgeschichte. Bereits Ende 2011 hatte Polo Insolvenz angemeldet. Damals ermöglichte ein Investorenkonsortium unter Federführung der Beteiligungsgesellschaft Paragon Partners die Fortführung des Betriebs, gefolgt von einer Expansion nach Österreich und dem Ausbau des Onlinehandels. Ob die aktuelle Sanierung einen ähnlichen Verlauf nimmt, hängt maßgeblich davon ab, wie sich der Restrukturierungsplan in den kommenden Monaten umsetzt.
Der Fall Polo reiht sich in eine breitere Entwicklung im deutschen Motorradmarkt ein. Die Motorradbranche verzeichnete im Jahr 2025 einen deutlichen Rückgang der Neuzulassungen, was auch den Zubehörhandel unter Druck setzte. Ob Polo Motorrad die Neuaufstellung aus eigener Kraft abschließen kann oder am Ende doch ein externer Partner einsteigt, dürfte sich in der zweiten Jahreshälfte 2026 entscheiden.
Häufige Fragen
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Ist Polo Motorrad noch geöffnet?
Ja. Alle 83 Filialen in Deutschland sowie der Onlineshop sind regulär geöffnet. Laut Unternehmensangaben läuft der Geschäftsbetrieb trotz des laufenden Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung uneingeschränkt weiter.
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Was hat die Gläubigerversammlung bei Polo entschieden?
Die Gläubigerversammlung hat am 23. April 2026 am Amtsgericht Mönchengladbach einstimmig dem weiteren Restrukturierungskurs der Polo Motorrad & Sportswear GmbH zugestimmt. Damit kann das Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung fortgeführt werden.
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Warum ist Polo Motorrad insolvent?
Polo nannte als Hauptursache eine branchenweite Kaufzurückhaltung bei gleichzeitig angespannter gesamtwirtschaftlicher Lage. Zusätzlich habe eine Liquiditätslücke durch den Rückzug des bisherigen Gesellschafters die finanzielle Situation verschärft. Das Eigenverwaltungsverfahren wurde am 18. November 2025 beantragt.
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Werden die Polo-Filialen geschlossen?
Laut Geschäftsführer Andrew Thorndike wird es keine flächendeckenden Standortschließungen geben. Die Filialen sollen im Rahmen der Sanierung weiterbetrieben werden, und auch die Gehälter der rund 700 Mitarbeiter sind laut Unternehmen gesichert.
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Gibt es einen Investor für Polo Motorrad?
Gespräche mit potenziellen Investoren laufen. Polo sprach Anfang 2026 von einer Shortlist mit mehreren Interessenten, vor allem Finanzinvestoren. Das Unternehmen betont jedoch, einen Einstieg nur dann zu verfolgen, wenn er strategisch und wirtschaftlich einen klaren Mehrwert gegenüber der eigenständigen Sanierung bietet.

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