- Am 20. Juli 2026 wurden Insolvenzverwalter der Kanzlei KR8 Advisory bestellt, der Handel ruht mit sofortiger Wirkung.
- Das Unternehmen betrieb sechs Standorte in Großbritannien und verkaufte rund 15.000 gebrauchte Motorräder pro Jahr.
- Trotz eines Umsatzes von rund 83 Millionen Pfund (circa 97 Millionen Euro / 112 Millionen US-Dollar) trug das Geschäftsmodell nicht mehr.
Europas nach eigenen Angaben größter Gebrauchtmotorrad-Händler SuperBike Factory ist in die Insolvenz gegangen und hat den Betrieb eingestellt. Für Käufer, Verkäufer und mehrere Hundert Mitarbeiter stellt sich jetzt die Frage, wie es weitergeht. SuperBike Factory galt lange als eine der größten Erfolgsgeschichten im britischen Gebrauchtmotorrad-Handel. Aus einem einzelnen Ausstellungsraum in Macclesfield wurde ein Anbieter mit sechs Standorten, der Tausende Motorräder im Jahr ankaufte und weiterverkaufte. Von diesem Wachstum ist jetzt wenig übrig. Das Unternehmen hat Insolvenzverwalter bestellt und den Verkauf gestoppt.

Was ist mit SuperBike Factory passiert?
SuperBike Factory ist in die Insolvenz gegangen und hat den Betrieb eingestellt. Am späten 20. Juli 2026 wurden für die Superbike Factory Group Ltd und die Superbike Factory Ltd Insolvenzverwalter bestellt.
Vorausgegangen war eine sogenannte Absichtserklärung zur Bestellung eines Insolvenzverwalters, die das Unternehmen am 17. Juli 2026 einreichte. Ein solcher Schritt schützt eine Firma zunächst vor dem Zugriff der Gläubiger und verschafft ihr Zeit, um über eine Rettung oder einen Verkauf zu verhandeln. Wenige Tage später folgte dann die tatsächliche Insolvenzverwaltung. Der Geschäftsbetrieb wurde mit sofortiger Wirkung beendet.
Wer verwaltet das Unternehmen jetzt?
Die Abwicklung liegt bei der Kanzlei KR8 Advisory aus Manchester. Als gemeinsame Insolvenzverwalter wurden Michael Lennon, James Saunders und Robert Halliday bestellt.
Sie führen die Geschäfte, das Vermögen und die laufenden Angelegenheiten der beiden Gesellschaften und handeln dabei als Vertreter der Firmen. Anfragen von Kunden und anderen Betroffenen sollen ausschließlich per E-Mail an die Adresse SBF@kr8.co.uk gerichtet werden. Kommentare auf den Kanälen in den sozialen Medien wurden inzwischen eingeschränkt, eine direkte Kontaktaufnahme mit dem früheren Management war zuletzt nicht möglich.

Wie groß war SuperBike Factory?
SuperBike Factory war ein Schwergewicht im britischen Gebrauchtmarkt mit sechs Standorten und rund 15.000 verkauften Motorrädern pro Jahr. Im Jahr 2024 waren es nach den hinterlegten Zahlen 15.036 Maschinen, nach 13.588 im Jahr zuvor.
Das Geschäftsmodell war klar aufgebaut. Über die Plattform WeBuyAnyBike.com und weitere digitale Kanäle kaufte das Unternehmen Motorräder in großer Zahl an, bereitete sie zentral auf und verkaufte sie über große Ausstellungsräume sowie online weiter. Jedes verkaufte Motorrad kam nach Firmenangaben mit einer Garantie von 90 Tagen und einer Restlaufzeit von mindestens sechs Monaten bei der technischen Hauptuntersuchung. Parallel baute das Unternehmen ein eigenes Finanzierungsgeschäft auf und trat als einer der führenden Vermittler von Motorradkrediten in Großbritannien auf. Zuletzt beschäftigte SuperBike Factory rund 200 Menschen, Ende 2024 waren es nach den offiziellen Zahlen 276.
Welche Standorte gehörten dazu?
Die Zentrale in Macclesfield blieb das Aushängeschild und zählt zu den größten überdachten Motorrad-Ausstellungsräumen in Europa. 2021 kam ein zweiter Standort am Donington Park direkt neben der Rennstrecke hinzu, dort befinden sich auch das Factory Heads Café und ein eigener Zubehör-Shop. 2022 übernahm das Unternehmen den Händler Ritebike in Bradford und benannte ihn in SuperBike Factory West Yorkshire um. 2023 folgten Standorte in Bristol und Milton Keynes. Der sechste und letzte Standort entstand im Februar 2025 in Crawley auf dem früheren Gelände von P&H Motorcycles.
Warum geriet SuperBike Factory in Schwierigkeiten?
Ausschlaggebend war eine Mischung aus Problemen im Finanzierungsmarkt und einem schwachen Konsumumfeld. Bereits im Jahresabschluss für 2024 wies das Unternehmen auf mehrere Risiken hin.
Ein zentraler Punkt war die Verfügbarkeit von Finanzierungspartnern. Ein Gerichtsurteil in Großbritannien stufte bestimmte Händlerprovisionen ohne Wissen des Kunden als unzulässig ein. Dadurch drohten den Kreditgebern mögliche Entschädigungszahlungen an frühere Kunden, was den gesamten Markt für Motorradfinanzierungen belastete. Hinzu kamen steigende Lebenshaltungskosten und ein fragiles Verbrauchervertrauen. Das Unternehmen war im Dezember 2023 von Enact übernommen worden, dem Mittelstandsfonds des Finanzinvestors Endless. Gegründet wurde SuperBike Factory bereits 2010 von den Unternehmern Scott Behrens und James Watson, die sich in einem stark zersplitterten, klassisch händlergeprägten Markt als Herausforderer positionierten.
Auf dem Papier sah die Lage zunächst solide aus. Der zuletzt veröffentlichte Jahresabschluss für 2024, eingereicht im September 2025, wies einen Vorsteuergewinn von 8,5 Millionen Pfund (circa 10 Millionen Euro / 11 Millionen US-Dollar) bei einem Umsatz von rund 83 Millionen Pfund (circa 97 Millionen Euro / 112 Millionen US-Dollar) aus. Die genannten Risiken zeigen jedoch, wie fragil dieses Bild darunter war.

Was bedeutet die Insolvenz für Käufer und Verkäufer?
Für Kunden gilt vor allem: Der Verkauf ist gestoppt, und alle Fragen laufen jetzt über die Insolvenzverwalter. Wer ein Motorrad zur Reparatur oder Bearbeitung dort hatte, offene Zahlungen erwartet oder Fragen zu Garantie und Service hat, soll sich per E-Mail an SBF@kr8.co.uk wenden.
Da der Handel mit sofortiger Wirkung eingestellt wurde, sind Abläufe wie Auslieferungen, Auszahlungen an Verkäufer und Servicezusagen zunächst offen. Wie es mit der ebenfalls betriebenen Plattform WeBuyAnyBike.com weitergeht, ist derzeit nicht abschließend geklärt. In einem solchen Insolvenzverfahren prüfen die Verwalter, welcher Weg die Gläubiger am besten bedient. Möglich ist ein Verkauf des Geschäfts an einen neuen Eigentümer, möglich ist aber auch eine vollständige Abwicklung. Dass eine Marke aus der Insolvenz heraus fortgeführt werden kann, zeigt das Beispiel Norton, das nach finanziellen Problemen vom Hersteller TVS übernommen und weitergeführt wurde. Eine Garantie dafür gibt es im Fall von SuperBike Factory aber nicht.
Wie steht es um den Motorradmarkt insgesamt?
SuperBike Factory ist nicht der erste große Name, der in den vergangenen Jahren in Schwierigkeiten geraten ist. 2024 brach der Anbieter Completely Motorbikes zusammen, 2025 gingen Mutt Motorcycles und CCM in die Insolvenzverwaltung.
Der Markt stand länger unter Druck. Nach der Einführung der neuen Abgasnorm Euro 5 Plus verschob sich das Kaufverhalten, dazu kamen höhere Kreditkosten und eine zurückhaltende Ausgabebereitschaft. Zuletzt gab es allerdings auch positive Signale. Bis Ende Juni 2026 stiegen die Neuzulassungen von Motorrädern in Großbritannien um 15,7 Prozent auf 54.631, nach 47.222 im ersten Halbjahr 2025. Vor diesem Hintergrund wiegt das Aus für einen etablierten Anbieter wie SuperBike Factory umso schwerer, weil es zeigt, dass auch ein erholtes Marktumfeld einzelne Geschäftsmodelle nicht automatisch trägt.

Häufige Fragen
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Ist SuperBike Factory wirklich insolvent?
Ja, am 20. Juli 2026 wurden Insolvenzverwalter für die beiden Gesellschaften bestellt. Der Geschäftsbetrieb wurde mit sofortiger Wirkung eingestellt.
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Was bedeutet die SuperBike Factory Insolvenz für laufende Aufträge?
Alle Anfragen laufen ab sofort über die Insolvenzverwalter von KR8 Advisory. Kunden mit offenen Vorgängen sollen sich per E-Mail an SBF@kr8.co.uk wenden, da der Handel gestoppt ist und Garantie- sowie Servicezusagen zunächst offen sind.
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Wie viele Standorte hatte SuperBike Factory?
Das Unternehmen betrieb sechs Standorte in Großbritannien. Dazu zählten die Zentrale in Macclesfield sowie Filialen in Donington Park, Bradford, Bristol, Milton Keynes und Crawley.
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Wie viele Motorräder verkaufte SuperBike Factory pro Jahr?
Das Unternehmen verkaufte rund 15.000 gebrauchte Motorräder im Jahr. Für 2024 wurden 15.036 verkaufte Maschinen ausgewiesen, nach 13.588 im Jahr davor.
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Warum ist SuperBike Factory trotz hohem Umsatz gescheitert?
Trotz eines Umsatzes von rund 83 Millionen Pfund belasteten Probleme im Finanzierungsmarkt und ein schwaches Konsumumfeld das Geschäft. Ein Gerichtsurteil zu unzulässigen Händlerprovisionen erschwerte die Kreditvermittlung, dazu kamen steigende Lebenshaltungskosten und ein fragiles Verbrauchervertrauen.











