- Indien besteuert Motorräder über 350 cm³ seit September 2025 mit 40 Prozent GST statt bisher 31 Prozent
- Triumph hat die komplette 400er-Reihe für Indien auf 349 cm³ umgestellt, KTM zieht mit Duke 390 und Adventure 390 nach
- Eine neue Triumph Bonneville 400 mit eigenständigem Chassis und Retro-Design befindet sich in der Erprobung
Wenn der weltgrößte Motorradmarkt seine Steuerregeln ändert, bleibt das nicht ohne Folgen. Indien, wo jährlich rund 20 Millionen Motorräder verkauft werden, hat im September 2025 die sogenannte GST (Goods and Services Tax) für Zweiräder grundlegend neu sortiert. Motorräder mit einem Hubraum bis 350 cm³ werden seitdem mit 18 Prozent besteuert statt wie zuvor mit 28 Prozent. Für alles darüber steigt der Steuersatz von vormals rund 31 Prozent auf 40 Prozent. Die Folge ist eine massive Preiskluft genau an der 350-cm³-Grenze, die Hersteller wie Triumph und KTM zum Handeln zwingt.

Warum haben Triumph und KTM ihre Motoren verkleinert?
Der Grund liegt ausschließlich in der Steuerstruktur. Beide Hersteller lassen ihre Motorräder der 400er-Klasse bei Bajaj Auto im indischen Werk Chakan fertigen. Bajaj ist sowohl Produktionspartner von Triumph als auch Mehrheitseigner von KTM. Manik Nangia, Präsident der Abteilung Probiking bei Bajaj Auto, sprach anlässlich des Triumph-Launches von einer starken Dynamik, die man durch die günstigere Steuerklasse für weitere Käufer nutzen wolle. Rajiv Bajaj, Geschäftsführer von Bajaj Auto, hatte die Markteinführung der verkleinerten Modelle bereits im Februar 2026 offiziell bestätigt.
Triumph war als erster am Markt und stellte am 6. April 2026 die komplette 400er-Reihe für Indien auf den neuen 349-cm³-Motor um. KTM folgte rund zwei Wochen später mit der Duke 390 und der Adventure 390 in der verkleinerten Variante.
Wie funktioniert das Downsizing technisch?
Beide Hersteller nutzen unterschiedliche Ansätze, um unter die 350-cm³-Grenze zu kommen. Bei Triumph wird eine neue Kurbelwelle verbaut, die den Hub von 64 mm auf 56,1 mm reduziert. Die Bohrung bleibt bei 89 mm. Dadurch müssen Kolben, Ventile und Brennraumgeometrie nicht verändert werden, was den Umstellungsaufwand begrenzt.
KTM geht bei seinem 399-cm³-Einzylinder einen ähnlichen Weg und reduziert den Hubraum auf exakt 349,32 cm³. Die technischen Details der Hubraumreduzierung sind bei KTM weniger detailliert kommuniziert, das Ergebnis ist aber vergleichbar: ein Motor, der knapp unter der steuerlich relevanten Grenze liegt und technisch eng mit dem größeren Aggregat verwandt bleibt.

Wie viel Leistung geht durch die Verkleinerung verloren?
Die Leistungseinbußen halten sich in einem Rahmen, der im Alltag kaum spürbar sein soll. Bei Triumph sieht die Situation je nach Modell so aus:
Die Speed 400, die Scrambler 400 X und die Scrambler 400 XC leisten in der 349-cm³-Version 27,21 kW (37 PS) bei 8.500 U/min statt 29,4 kW (40 PS) bei 8.000 U/min. Das Drehmoment sinkt von 37,5 Nm bei 6.500 U/min auf 32 Nm bei 7.000 U/min. Die Tracker 400 und die Thruxton 400, die in der 398-cm³-Version 30,89 kW (42 PS) bei 9.000 U/min und 37,5 Nm bei 7.500 U/min erreichen, kommen mit dem kleineren Motor auf 29,42 kW (40 PS) bei 8.750 U/min und 32 Nm bei 7.500 U/min. Die Speed T4, ein nur in Indien erhältliches Einstiegsmodell mit einfacherer Ausstattung, fällt von 23 kW (31 PS) auf 21,33 kW (29 PS) bei 7.500 U/min und von 36 Nm auf 31 Nm bei 5.500 U/min.
Bei KTM produziert der neue 349-cm³-Motor 41,5 PS bei 8.600 U/min und 33,5 Nm bei 7.000 U/min. Im Vergleich zum 399-cm³-Aggregat bedeutet das ein Minus von 4,5 PS und 5,5 Nm. Fahrberichte aus Indien beschreiben den Unterschied als spürbar beim Sprint (die 0-auf-100-km/h-Zeit soll bei der Scrambler 400 X von etwa 7,4 auf rund 8,8 Sekunden gestiegen sein), aber im normalen Straßenverkehr und beim Cruisen zwischen 80 und 100 km/h als kaum relevant.
Was kosten die neuen 349-cm³-Modelle in Indien?
Die Preissenkungen durch die niedrigere Steuerklasse fallen je nach Modell unterschiedlich aus. Bei Triumph beginnt die Preisspanne mit der Speed T4 bei 1,95 Lakh Rupien (circa 2.100 Euro / 2.340 USD). Die Speed 400 kostet 2,31 Lakh Rupien (circa 2.490 Euro / 2.770 USD), ein Rückgang um rund 7.100 Rupien gegenüber der 398-cm³-Version. Die Scrambler 400 X liegt bei 2,59 Lakh Rupien (circa 2.790 Euro / 3.100 USD), die Thruxton 400 bei 2,66 Lakh Rupien (circa 2.860 Euro / 3.190 USD) mit dem größten Preisnachlass von rund 10.800 Rupien.
Bei KTM startet die neue Duke 390 mit dem 349-cm³-Motor bei 2,77 Lakh Rupien (circa 2.980 Euro / 3.320 USD), die Adventure 390 bei 2,81 Lakh Rupien (circa 3.020 Euro / 3.370 USD). Der Preisunterschied zur weiterhin erhältlichen 399-cm³-Version ist hier deutlich größer. Die bisherige Duke 390 wird in Indien als Duke 390 R weiterverkauft und kostet 3,39 Lakh Rupien (circa 3.650 Euro / 4.070 USD). Der Preisunterschied zwischen der 349-cm³-Duke und der Duke 390 R beträgt damit rund 75.000 Rupien (circa 810 Euro / 900 USD).

Was behalten die verkleinerten Modelle an Ausstattung?
In beiden Fällen bleibt die Ausstattung nahezu identisch zur größeren Motorvariante. Die KTM-Modelle behalten ihr 5-Zoll-TFT-Display mit Smartphone-Anbindung, die Fahrmodi (Street, Rain und Track bei der Duke; Street, Rain und Off-road bei der Adventure), Cornering-ABS, Traktionskontrolle und den bidirektionalen Quickshifter. An Fahrwerk und Rahmen ändert sich nichts.
Bei Triumph gibt es eine Ausnahme, die unter dem Radar lief: Die neuen 349-cm³-Modelle für Indien werden ohne Wegfahrsperre (Immobilizer) ausgeliefert. Das Kontrolllicht im Cockpit ist zwar noch vorhanden, die Funktion selbst aber deaktiviert. Ob das eine dauerhafte Kostensenkungsmaßnahme bleibt oder nachträglich korrigiert wird, ist offen.
Welche Konkurrenten rutschen bereits unter die 350-cm³-Grenze?
Nicht alle Hersteller müssen ihre Motoren anpassen. Royal Enfields komplette 350er-Reihe mit der Classic 350, Hunter 350, Bullet 350 und Meteor 350 liegt mit dem luftgekühlten J-Series-Motor bereits unterhalb der Grenze und profitiert direkt von der Steuersenkung. Royal Enfield konnte die Preise dieser Modelle laut Branchenberichten um rund 22.000 Rupien (circa 235 Euro / 260 USD) senken. Rund 87 Prozent der Verkäufe von Royal Enfield entfallen auf 350-cm³-Modelle, was die Marke zu einem der größten Profiteure der Reform macht.
Ebenfalls bereits unter der Grenze liegen die BSA Bantam 350, die Honda CB350 sowie Yamahas MT-03 und R3. Classic Legends mit den Marken Jawa und Yezdi profitiert ebenfalls, da das gesamte Portfolio unterhalb von 350 cm³ angesiedelt ist.

Was bedeutet das für Käufer außerhalb Indiens?
Kurzfristig ändert sich für Kunden in Europa, Nordamerika oder Australien nichts. Triumph und KTM werden auf den internationalen Märkten weiterhin die größeren Motorvarianten mit 398 bzw. 399 cm³ verkaufen. Die 349-cm³-Versionen sind vorerst ausschließlich für den indischen Markt bestimmt.
Langfristig könnte die Situation aber anders aussehen. Indien ist zum globalen Produktionszentrum für kleine und mittlere Hubraumklassen geworden. Modelle wie die Triumph Speed 400 oder die KTM Duke 390 waren nie ausschließlich für den indischen Markt konzipiert, hängen aber maßgeblich von den dortigen Produktionsvolumen ab. Nur weil die Nachfrage in Indien so hoch war, konnten diese Motorräder zu international wettbewerbsfähigen Preisen angeboten werden.
Wenn sich die indische Nachfrage nun deutlich in Richtung 350 cm³ verschiebt, sinken die Produktionszahlen im 400-cm³-Segment. Weniger Stückzahlen bedeuten höhere Kosten pro Einheit, was sich langfristig in den Preislisten der Exportmärkte niederschlagen könnte. Bei zukünftigen Modellwechseln oder komplett neuen Plattformen ist es denkbar, dass die Hersteller aus Gründen der Skaleneffekte und Teilegleichheit global auf 350 cm³ umstellen.
Was hat es mit der kommenden Triumph Bonneville 400 auf sich?
Parallel zum Downsizing der bestehenden Modelle arbeitet Triumph bereits am nächsten Mitglied der 400er-Familie. Ein Entwicklungsprototyp wurde im April 2026 in Europa bei Testfahrten fotografiert und zeigt ein Retro-Naked-Bike, das sich stilistisch an den größeren Bonneville-Modellen T100 und T120 orientiert.
Anders als die übrigen 400er-Modelle, die alle denselben Rahmen teilen, bekommt die Bonneville 400 laut den verfügbaren Informationen ein eigenständiges Chassis. Der Hinterbau wurde auf eine klassische Doppelfederbein-Aufhängung umgestellt statt des Monoschock-Systems der Speed und Scrambler. Das verändert nicht nur die Optik, sondern auch den Fahrcharakter in Richtung eines entspannteren Roadsters.
Weitere erkennbare Details des Prototyps umfassen einen tropfenförmigen Tank, einen flachen Sitzbank-Sattel, Speichenräder mit Pirelli-Phantom-Sportscomp-Reifen, einen tief geführten Einzelauspuff im Stil der großen Bonneville T120, konventionelle Telegabeln mit Faltenbälgen, einen Hauptständer und eine Soziusausstattung mit Haltegriff. Ein neues Einzelrundinstrument wurde ebenfalls gesichtet, das bisher bei keinem anderen Modell der 400er-Reihe zum Einsatz kommt.
Der Motor soll in den Exportmärkten in der 398-cm³-Variante verbaut werden, in Indien in der 349-cm³-Version. Für den indischen Markt wird eine Abstimmung erwartet, die eher dem Charakter der Speed T4 entspricht, also mit Fokus auf Drehmoment im unteren Drehzahlbereich statt auf Spitzenleistung. Die Markteinführung wird für das vierte Quartal 2026 erwartet, möglicherweise rund um die indische Festivalsaison vor Diwali. Eine Enthüllung auf der EICMA 2026 gilt ebenfalls als wahrscheinlich.
Der Name Bonneville liegt aufgrund der Markenbekanntheit nahe, allerdings könnte Triumph auch einen historischen Namen aus der eigenen Einzylinder-Geschichte wiederverwenden. Bezeichnungen wie Cub, Trophy oder Terrier stehen dafür im Raum.

Wie ordnet sich die Steuerreform in den indischen Markt ein?
Die Neuordnung der GST wurde auf dem 56. GST Council Meeting beschlossen und trat am 22. September 2025 in Kraft. Der Kern der Reform ist eine Vereinfachung der bisherigen Steuerstruktur hin zu weniger Steuersätzen. Für den Motorradmarkt bedeutet das konkret: Motorräder bis 350 cm³ zahlen 18 Prozent GST, alles darüber 40 Prozent. Zuvor lag der Satz für alle Motorräder bei 28 Prozent GST plus 3 Prozent Cess (Zusatzsteuer), also effektiv 31 Prozent für größere Maschinen.
Die Lücke von 22 Prozentpunkten zwischen den beiden Steuersätzen (18 versus 40 Prozent) ist so groß, dass sie in einem preissensiblen Markt wie Indien den Kaufentscheidungsprozess fundamental verändert. Rund 98 Prozent des indischen Motorradmarkts liegen bereits unterhalb von 350 cm³ und profitieren von der Steuersenkung. Die Reform trifft vor allem die Premium-Mittelklasse zwischen 350 und 500 cm³, wo Hersteller wie Triumph, KTM und auch Royal Enfield mit neueren Modellen wie der Himalayan 450 und der Guerrilla 450 betroffen sind.
Triumph hatte die Preiserhöhung durch die höhere Steuer zunächst selbst getragen und im Oktober 2025 sogar Preissenkungen von rund 16.000 Rupien auf ausgewählte 400er-Modelle vorgenommen, um während der Festivalsaison wettbewerbsfähig zu bleiben. Laut Branchenberichten verkauft Triumph monatlich rund 3.500 Einheiten der 400er-Reihe in Indien und hatte bis April 2026 insgesamt 100.000 Triumph-Motorräder auf indische Straßen gebracht. Die Strategie, den Steuernachteil dauerhaft zu absorbieren, erwies sich aber als nicht tragfähig.

Häufige Fragen
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Was ist der Unterschied zwischen der Triumph Speed 400 mit 398 und 349 cm³?
Die 349-cm³-Version nutzt eine kürzere Kurbelwelle mit 56,1 mm Hub statt 64 mm bei gleicher Bohrung von 89 mm. Die Leistung sinkt um etwa 3 PS auf 37 PS bei 8.500 U/min, das Drehmoment um 5,5 Nm auf 32 Nm. Äußerlich sind die beiden Varianten nicht zu unterscheiden, da Triumph die Modellbezeichnung „400“ beibehält.
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Wird die KTM Duke 390 mit 349 cm³ auch in Europa verkauft?
Nein, die 349-cm³-Variante ist derzeit ausschließlich für den indischen Markt bestimmt. In Europa und anderen Exportmärkten bleibt die Duke 390 mit dem 399-cm³-Motor im Programm. In Indien existieren beide Varianten parallel, wobei die größere Version dort als Duke 390 R vermarktet wird.
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Wann kommt die Triumph Bonneville 400 auf den Markt?
Die Markteinführung der Triumph Bonneville 400 wird laut Branchenberichten für das vierte Quartal 2026 erwartet, voraussichtlich rund um die indische Festivalsaison. Eine offizielle Enthüllung auf der EICMA 2026 gilt als wahrscheinlich. Der Preis soll in Indien bei etwa 2,00 bis 2,25 Lakh Rupien (circa 2.150 bis 2.420 Euro / 2.400 bis 2.700 USD) liegen.
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Warum liegt die Steuergrenze in Indien bei genau 350 cm³?
Die 350-cm³-Grenze war bereits vor der GST-Reform die Trennlinie zwischen den Steuersätzen. Mit der Neuordnung im September 2025 wurde diese Grenze beibehalten, aber die Steuersätze darüber und darunter wurden deutlich auseinandergespreizt. Motorräder bis 350 cm³ zahlen nun 18 Prozent GST, Motorräder darüber 40 Prozent.
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Könnte die 349-cm³-Variante langfristig weltweit den 400-cm³-Motor ersetzen?
Kurzfristig nicht, aber bei zukünftigen Modellwechseln ist ein globaler Wechsel auf 350 cm³ denkbar. Die Produktionsvolumen in Indien sind so groß, dass sie die Stückkosten für den Weltmarkt beeinflussen. Wenn die Nachfrage in Indien dauerhaft in Richtung 350 cm³ kippt, könnten Skaleneffekte und Teilegleichheit dafür sorgen, dass auch Exportmodelle bei der nächsten Generation auf den kleineren Motor umgestellt werden.
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