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Startseite » Bezzecchi macht in Brasilien weiter, wo er aufgehört hat: Vier Siege in Folge und die WM-Führung
MotoGP Brasilien GP Goiania 2026 Aprilia Jorge Martin 04
MotoGP

Bezzecchi macht in Brasilien weiter, wo er aufgehört hat: Vier Siege in Folge und die WM-Führung

By Andreas Denner22 März, 2026
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Beim ersten MotoGP-Rennen in Brasilien seit 22 Jahren dominiert Marco Bezzecchi auf der Aprilia RS-GP und beschert dem Hersteller aus Noale das erste 1-2 in der Königsklasse. Jorge Martin wird Zweiter, Fabio di Giannantonio hält Marc Marquez in einem packenden Duell in Schach.
  • Renndistanz kurzfristig von 31 auf 23 Runden reduziert
  • Bezzecchi führt nun die WM mit 56 Punkten an
  • Bagnaia stürzt erneut und bleibt ohne Punkte

Die MotoGP ist nach Brasilien zurückgekehrt, und das mit ordentlich Spektakel. Beim zweiten Saisonlauf 2026 auf dem Autódromo Internacional Ayrton Senna in Goiânia hat sich Marco Bezzecchi eindrucksvoll an die Spitze des Feldes und der Weltmeisterschaft gesetzt. Der 27-jährige Italiener fuhr auf seiner Aprilia RS-GP von der ersten Runde bis ins Ziel an der Spitze und gewann mit über drei Sekunden Vorsprung auf seinen Teamkollegen Jorge Martin. Es war sein vierter Grand-Prix-Sieg in Folge, nachdem er bereits die letzten beiden Rennen 2025 und den Saisonauftakt in Thailand für sich entschieden hatte.

MotoGP Brasilien GP Goiania 2026 Aprilia Team 01
Bezzecchi macht in Brasilien weiter, wo er aufgehört hat: Vier Siege in Folge und die WM-Führung 10

Ein Wochenende voller Überraschungen und Probleme

Das erste MotoGP-Wochenende in Goiânia seit 1989 verlief alles andere als reibungslos. Schon am Freitag sorgten heftige Regenfälle für Verzögerungen und durcheinander gewürfelte Ergebnisse. Am Samstag tauchte dann nach dem Qualifying ein Sinkloch auf der Start-Ziel-Geraden auf, offenbar verursacht durch ein geplatztes Abflussrohr unter dem Asphalt. Die Reparaturarbeiten verzögerten das Sprintrennen um rund 80 Minuten. Das Moto2-Qualifying musste sogar auf den Sonntag verschoben werden.

Die Probleme mit der Strecke waren damit allerdings nicht vorbei. Wenige Minuten vor dem Start des Grand Prix am Sonntag kam die Nachricht, die das Feld überraschte: Die Renndistanz wurde von ursprünglich 31 auf 23 Runden gekürzt. Als Grund nannte die Rennleitung die Degradation der Streckenoberfläche, die sich über das gesamte Wochenende verschlechtert hatte. Bei Asphalttemperaturen von über 60 Grad und Lufttemperaturen jenseits der 30 Grad war die Belastung für Strecke und Reifen enorm. Die Fahrer hatten zu diesem Zeitpunkt bereits ihre Reifenwahl getroffen und konnten nicht mehr wechseln, was bei einigen Teams für Hektik sorgte.

Bezzecchi kontrolliert das Rennen von Anfang an

Als die Ampeln erloschen, war es Bezzecchi, der den besten Start erwischte. Der Aprilia-Werksfahrer schob sich am Polesetter Fabio di Giannantonio vorbei und übernahm die Führung noch in der ersten Kurve. Di Giannantonio wurde in der zweiten Runde dann an Kurve 1 etwas weit getragen, was Marc Marquez auf der Werks-Ducati sofort ausnutzte und auf Platz zwei vorrückte.

Hinter dem Spitzenduo entwickelte sich früh eine Dynamik, die das gesamte Rennen prägen sollte. Jorge Martin, am Samstag noch Dritter im Sprint, hatte nach einem kurzen Rückfall hinter Pedro Acosta schnell wieder den Anschluss nach vorne gefunden. In der sechsten Runde griff di Giannantonio Marquez an Kurve 4 aggressiv an, beide fuhren weit. Martin nutzte das Durcheinander und schob sich elegant auf Platz zwei.

An der Spitze war Bezzecchi da bereits über zwei Sekunden enteilt. Im Gegensatz zum Sprintrennen, wo er nach einem Fehler an Kurve 10 nur Vierter geworden war, zeigte er im Grand Prix eine makellose Vorstellung. Von Runde eins bis Runde 23 lag er in Führung und fuhr teilweise die mit Abstand schnellsten Zeiten des gesamten Feldes. Schon im Warm-up am Sonntagmorgen hatte er als einziger Fahrer eine Zeit unter 1:18 Minuten geschafft und damit seine Ambitionen deutlich gemacht.

MotoGP Brasilien GP Goiania 2026 Ducati Marc Marquez 02
Bezzecchi macht in Brasilien weiter, wo er aufgehört hat: Vier Siege in Folge und die WM-Führung 11

Das Duell um Platz drei: Di Giannantonio gegen Marquez

Während die beiden Aprilia-Piloten an der Spitze ihre eigene Klasse fuhren, entwickelte sich hinter ihnen ein packender Kampf um den letzten Podiumsplatz. Marc Marquez und Fabio di Giannantonio lieferten sich ein Duell, das an Intensität kaum zu überbieten war. Der amtierende Weltmeister versuchte über weite Strecken des Rennens, am VR46-Ducati-Piloten vorbeizukommen, während dieser mit allen Mitteln verteidigte.

Fünf Runden vor Schluss gelang Marquez schließlich die Attacke. Doch di Giannantonio steckte nicht auf und schlug nur zwei Runden später zurück, als Marquez an Kurve 12 einen Fehler machte und beinahe stürzte. Der Italiener, der im Sprint am Vortag noch das Nachsehen gegen Marquez gehabt hatte, holte sich die Position zurück und verteidigte sie bis ins Ziel.

Di Giannantonio verriet nach dem Rennen, dass ihn ein Sturz im Warm-up am Morgen beeinträchtigt hatte. Er schlug sich dabei die linke Schulter an, die ihm bereits Ende 2024 Probleme bereitet hatte. „Sobald ich das Rennen gestartet habe und in die Linkskurven gegangen bin, hatte ich wirklich zu kämpfen“, sagte er. Das Duell mit Marquez bezeichnete er trotzdem als großartig, auch wenn es hart und aggressiv zugegangen sei.

Martin feiert sein bestes Aprilia-Ergebnis

Für Jorge Martin war der zweite Platz in Goiânia ein Meilenstein. Es war sein erstes Grand-Prix-Podium seit dem Solidaritäts-GP 2024 in Valencia, wo er sich den WM-Titel gesichert hatte. Es war zugleich sein bestes Ergebnis auf der Aprilia RS-GP, nachdem er zuvor im Sprint seinen ersten Podiumsplatz überhaupt auf dem italienischen Motorrad geholt hatte.

Der Weltmeister von 2024 hatte eine schwierige Zeit hinter sich. Nach insgesamt 27 Knochenbrüchen und fünf Operationen war der Weg zurück an die Spitze lang und steinig. In Brasilien zeigte er erstmals, warum Aprilia ihn verpflichtet hatte. „Heute war Marco wirklich, wirklich stark. Irgendwann dachte ich, ich könnte ihn einholen, aber in der Schlussphase wurde es etwas schwieriger“, sagte Martin nach dem Rennen. Sein Rückstand auf Bezzecchi betrug am Ende 3,321 Sekunden.

Bagnaia und KTM erleben schwieriges Wochenende

Am anderen Ende des Spektrums erlebte Francesco Bagnaia ein Wochenende zum Vergessen. Der zweimalige Weltmeister hatte bereits im Qualifying Probleme, stürzte in Q2 und musste sich mit dem elften Startplatz begnügen. Im Sprint wurde er Achter, im Grand Prix lief es noch schlechter: In Runde elf verabschiedete er sich in Kurve 1 per Sturz aus dem Rennen. Zu diesem Zeitpunkt lag er nur auf dem vorletzten Ducati-Platz und versuchte, Johann Zarco auf der LCR-Honda einzuholen.

Auch für KTM war es ein durchwachsenes Wochenende. Pedro Acosta, der als WM-Führender nach Goiânia gekommen war, konnte nur den siebten Platz retten. Die anderen drei RC16 starteten von den letzten drei Positionen auf dem Grid. Brad Binder stürzte früh aus, Enea Bastianini und Maverick Viñales beendeten das Rennen auf den Plätzen 15 und 18. Die Konsequenz: Acosta verlor die WM-Führung an Bezzecchi und rutschte auf den dritten Gesamtrang ab.

Jack Millers 200. Grand Prix endet früh

Ein besonderer Meilenstein fiel in Brasilien eher unauffällig aus. Jack Miller bestritt in Goiânia seinen 200. MotoGP-Grand-Prix, erst der zehnte Fahrer in der Geschichte, der diese Marke erreicht. Doch das Jubiläum währte nur kurz: Der Australier stürzte bereits in der zweiten Runde auf seiner Pramac-Yamaha und schied aus. Vor dem Rennen war ihm noch zeremoniell ein Umhang überreicht worden, wie es in der MotoGP bei solchen Meilensteinen Tradition ist.

Aprilia als neue Macht in der MotoGP?

Die Ergebnisse in Brasilien untermauern den Trend, der sich schon beim Saisonauftakt in Thailand abgezeichnet hatte: Aprilia hat den Anschluss an die Spitze nicht nur gefunden, sondern fährt aktuell vorneweg. Bezzecchi und Martin belegten in Goiânia die Plätze eins und zwei, Ai Ogura auf der Trackhouse-Aprilia wurde Fünfter. In der Konstrukteurswertung liegt Aprilia nun 17 Punkte vor Ducati.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Bezzecchi hat in seinen letzten vier Grand-Prix-Rennen alle 101 Führungsrunden absolviert, ohne dass ein anderer Fahrer auch nur eine einzige Runde an der Spitze lag. Zuvor hatten in der modernen MotoGP-Ära nur Valentino Rossi, Marc Marquez und Jorge Lorenzo vier aufeinanderfolgende Siege geschafft.

Bezzecchi selbst gab sich nach dem Rennen dennoch zurückhaltend. „Es war ein hartes Wochenende, besonders der Freitag war wirklich schwierig. Wir haben schlecht angefangen und es war nicht einfach, die Motivation hochzuhalten“, sagte er. Am Freitag war er in den vom Regen geprägten Trainingssitzungen nur auf dem 20. Platz gelandet. „Aber die Jungs haben einen fantastischen Job gemacht. Ich habe mich selbst über das Limit gepusht, um alles zu kompensieren.“ Den Sieg widmete er seinem verstorbenen Freund Robbie Lunada aus Rimini, der in der vergangenen Woche bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen war.

In der WM-Wertung führt Bezzecchi nun mit 56 Punkten vor Martin (45) und Acosta (42). Der amtierende Weltmeister Marquez liegt mit 34 Zählern bereits 22 Punkte hinter der Spitze. Nächste Station ist der Circuit of the Americas in Austin, Texas, eine Strecke, die Marquez über Jahre hinweg dominiert hat. Sollte Aprilia auch dort vorne mitfahren, dürfte bei Ducati in Borgo Panigale endgültig die Alarmglocken läuten.

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