- Die Schwinge soll im Rheoguss gefertigt werden, einem Verfahren mit halbfestem Aluminium
- Möglich werden dadurch Wandstärken unter 3,5 Millimeter bei ausreichender Verwindungssteifigkeit
- Das Bauteil hat nichts mit dem neuen Rahmen zu tun, den BMW für das Modelljahr 2027 angekündigt hat
Die Formensprache der nächsten S 1000 RR ist seit dem Concept RR und den Design-Anmeldungen weitgehend bekannt. Was unter der Verkleidung steckt, blieb dagegen lange offen. Ein neues Patent von BMW Motorrad schließt jetzt eine dieser Lücken, und zwar an einer Stelle, die im Rennsport über Rundenzeiten mitentscheidet: an der Hinterradschwinge. Die gezeichnete Form folgt dabei eng dem, was am Concept RR in Villa d’Este zu sehen war und was die Prototypen bei ihren Testfahrten am Nürburgring tragen.

Was zeigt das neue BMW-Patent?
Das Patent beschreibt eine komplett neu konstruierte Hinterradschwinge für die nächste Generation der RR-Modelle. Neu ist vor allem, wie das Bauteil hergestellt werden soll.
BMW setzt dabei auf ein Gussverfahren, das in der Serienfertigung von Motorrädern bislang keine große Rolle spielt. Die Konstruktion selbst folgt den Linien, die schon beim Concept RR erkennbar waren. Damit reiht sich die Anmeldung in eine Reihe von Patenten ein, mit denen die Hersteller derzeit Bauteile für kommende Superbike-Generationen absichern.
Wie funktioniert das Gussverfahren?
Beim Rheoguss wird die Aluminiumlegierung nicht flüssig verarbeitet, sondern in einem halbfesten Zustand. Ein elektromagnetisches Feld rührt das Metall so lange, bis es die Konsistenz von dichtem Speiseeis erreicht.
In diesem Zustand wird das Material in die Form gepresst. Der Vorteil liegt in der Struktur des fertigen Bauteils: Die Dichte fällt über das ganze Teil hinweg gleichmäßig aus, und es entstehen keine Poren. Poren sind winzige Lufteinschlüsse im Guss. Sie schwächen ein Bauteil genau dort, wo man es nicht vorhersehen kann, und zwingen Konstrukteure deshalb dazu, mehr Material einzuplanen als rechnerisch nötig wäre.

Warum sind dünne Wände bei einer Schwinge so wichtig?
Weil sich damit Gewicht sparen lässt, ohne dass die Schwinge ihre Aufgabe verliert. Laut dem Patent sind Wandstärken unter 3,5 Millimeter möglich, und trotzdem bleibt genug Verwindungssteifigkeit übrig, um mehr als 200 PS (147 kW) auf die Straße zu bringen.
Die Schwinge führt das Hinterrad und überträgt die gesamte Antriebskraft. Verwindet sie sich unter Last zu stark, geht Präzision verloren. Ist sie zu steif, fehlt dem Fahrer die Rückmeldung darüber, wie weit der Reifen noch trägt. Zwischen diesen beiden Polen muss ein Bauteil liegen, das gleichzeitig so leicht wie möglich sein soll. Genau deshalb ist das Fertigungsverfahren hier keine Randnotiz, sondern der eigentliche Hebel.
Wie ist die Schwinge aufgebaut?
Sie besteht aus zwei großen Halbschalen, die miteinander verschweißt werden. Im Inneren sitzen zahlreiche Rippen, die die auftretenden Kräfte verteilen.
Nach außen wird die Konstruktion durch flächige Paneele geschlossen. Das Ergebnis wirkt deutlich voller und fließender als der Arm, der aktuell an der S 1000 RR und der M 1000 RR verbaut ist. Dort handelt es sich um einen Kastenarm mit einer Verstrebung an der Unterseite, also um eine sichtbar offenere Bauform.

Ist das die Schwinge aus der Modellpflege 2027?
Nein. In den Modellpflegemaßnahmen für das Modelljahr 2027, die BMW Motorrad am 2. Juli 2026 veröffentlicht hat, taucht bei den RR-Modellen keine Schwinge auf. Dort geht es um den Rahmen.
Die Verwechslung liegt nahe, weil beide Bauteile mit demselben Rezept arbeiten. Für die M 1000 RR listet BMW einen M Motorsport Rahmen der dritten Generation als Serienausstattung auf. Die Wandstärken seien um circa 30 Prozent reduziert, das Gewicht um rund 1,3 Kilogramm (2,9 lbs). Als Ziel nennt der Hersteller deutlich verbesserte Flex-Eigenschaften sowie eine gezielt abgestimmte Steifigkeit und Flexibilität für die Chassis-Performance und den Grip. Bei der S 1000 RR 2027 stehen dagegen nur eine neue Farbstellung für die Edition M Sport, ein getöntes Windschild, M Schmiederäder und geänderte Paketinhalte in der Liste. Bestellbar sind die neuen Konfigurationen seit August 2026.
Das Patent gehört also zu einer anderen Modellstufe. Der Rahmen der dritten Generation ist die Basis für die laufende Baureihe, die Schwinge zielt auf deren Nachfolgerin.
Was die Erlkönigbilder vom Nürburgring dazu beitragen
Aufnahmen eines Prototyps, die Ende Juli 2026 auf der Nordschleife entstanden, zeigen bereits eine veränderte Schwinge am fahrenden Motorrad. Laut Medienberichten ist der Arm über einen deutlich größeren Teil seiner Länge geschlossen als beim Vorgänger, die Ausschnitte fallen kleiner aus.
Damit deckt sich die Beobachtung mit dem, was das Patent beschreibt. Berichtet wird außerdem von einem überarbeiteten Bereich der vorderen Motoraufnahme am Rahmen, mit einem Anbindungspunkt weiter unten und weiter hinten. In der Summe deutet das auf ein neues Chassis hin, dessen Änderungen tiefer reichen als die bereits angekündigte Rahmenüberarbeitung für 2027.
Bestätigt hat BMW davon nichts. Auf Anfrage teilte das Unternehmen mit: „BMW Motorrad doesn’t comment on spy shots or unreleased models.“ Auf Deutsch: BMW Motorrad äußert sich nicht zu Erlkönigbildern oder zu unveröffentlichten Modellen. Bemerkenswert ist allerdings, dass die Erprobung während eines öffentlich zugänglichen Trainingsprogramms am 22. und 23. Juli stattfand. Um ein streng gehütetes Geheimnis handelt es sich also offenbar nicht.

Wann die neue RR-Generation kommen könnte
Ein Termin steht nicht fest. Da die Modellpflege für 2027 bereits durch ist und die entsprechenden Modelle seit August 2026 bestellbar sind, gilt ein Marktstart der neuen Generation vor 2028 als unwahrscheinlich.
Das Patent spricht dafür, dass die Entwicklung hinter den Kulissen weit fortgeschritten ist. Wer die Bauteile schützen lässt, hat die Konstruktion in der Regel abgeschlossen. Ob die Schwinge in dieser Form tatsächlich in Serie geht, ist damit trotzdem nicht gesagt. Eine Patentanmeldung sichert eine technische Lösung ab, sie ist keine Produktankündigung.

Häufige Fragen
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Was ist neu an der BMW S 1000 RR Schwinge im Patent?
Neu ist vor allem das Fertigungsverfahren. Die Schwinge soll im Rheoguss aus halbfestem Aluminium entstehen, wodurch Wandstärken unter 3,5 Millimeter möglich werden. Konstruktiv besteht sie aus zwei verschweißten Halbschalen mit inneren Rippen und außen liegenden Deckelementen.
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Bekommt die BMW S 1000 RR 2027 die neue Schwinge?
Nein. In den Modellpflegemaßnahmen für das Modelljahr 2027 ist bei der S 1000 RR nur von einer neuen Farbstellung, einem getönten Windschild, M Schmiederädern und geänderten Paketinhalten die Rede. Die Schwinge aus dem Patent gehört zur nachfolgenden Generation.
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Was hat BMW für die M 1000 RR 2027 angekündigt?
Einen M Motorsport Rahmen der dritten Generation als Serienausstattung. Laut Hersteller sind die Wandstärken um circa 30 Prozent reduziert und das Gewicht um rund 1,3 Kilogramm (2,9 lbs). Damit sollen sich die Flex-Eigenschaften und der Grip verbessern.
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Warum ist die Verwindungssteifigkeit einer Schwinge so wichtig?
Weil sie darüber entscheidet, wie präzise das Hinterrad geführt wird. Eine zu weiche Schwinge kostet Genauigkeit, eine zu steife nimmt dem Fahrer die Rückmeldung über den Grip. Laut dem Patent reicht die Steifigkeit der neuen Konstruktion aus, um mehr als 200 PS (147 kW) zu übertragen.











