- BMW gewann die Superbike-WM 2024 und 2025 mit Toprak Razgatlioglu
- Unterhalb der M1000RR existiert kein Sportmodell für die Supersport- oder Sportbike-WM
- Blusch nennt keine Details, sieht aber eine Chance auf Veränderung
In der Superbike-WM gehört BMW zu den etablierten Größen, in den darunterliegenden Klassen taucht der Hersteller dagegen nicht auf. Genau diese Lücke wird inzwischen zum Thema. Motorsport-Direktor Sven Blusch hat sich zur Frage geäußert, ob die Münchner ihr sportliches Engagement über die Superbike-WM hinaus ausweiten könnten. Seine Aussagen lassen einen Spielraum erkennen, den es zuvor in dieser Form nicht gab. Eingeordnet in die Saison 2026, in der BMW das eigene Projekt nach dem Abgang von Titelträger Toprak Razgatlioglu neu sortiert, gewinnt das Thema zusätzlich an Gewicht.

Wie kam BMW in die Superbike-WM?
BMW stieg parallel zur Entwicklung des ersten eigenen Superbikes in die Serie ein und kehrte nach einer Pause 2019 dauerhaft zurück. In den 2000er-Jahren wollte der Hersteller sein bis dahin eher konservatives Image ablegen. Die 2009 vorgestellte S1000RR mit der internen Bezeichnung K46 entwickelte sich rasch zum Erfolg und markierte den Beginn einer neuen Phase für die Marke. Zeitgleich wagte BMW mit einem Werkseinsatz den Schritt in die Superbike-WM.
Die zunächst hoch gesteckten Ziele wurden allerdings klar verfehlt. Nach einem Wechsel im Management zog sich BMW wieder aus der Meisterschaft zurück, ehe 2019 die Rückkehr folgte. Den sportlichen Durchbruch brachten schließlich die beiden WM-Titel mit Toprak Razgatlioglu in den Jahren 2024 und 2025. Dass der Spitzensport auf zwei Rädern für BMW auf die Superbike-WM beschränkt blieb, hängt auch mit einer anderen Entscheidung zusammen: Einen möglichen MotoGP-Einstieg hatte Geschäftsführer Markus Flasch im März 2024 zum Thema gemacht, Ende Oktober 2025 jedoch wieder verworfen, weil dieser mit den derzeitigen wirtschaftlichen Voraussetzungen nicht umsetzbar sei.
Warum fehlt BMW eine Plattform für den Nachwuchs?
BMW besitzt unterhalb der M1000RR kein sportliches Modell, mit dem sich eine Teilnahme an der Supersport- oder Sportbike-WM realisieren ließe. Während Ducati, Yamaha, Kawasaki und Honda in mehreren Kategorien antreten und ihre Nachwuchsfahrer über die kleineren Klassen Schritt für Schritt an die Spitze heranführen können, verfügt BMW über keine vergleichbare Struktur. Ein Werkseinstieg in die Supersport-WM oder die Sportbike-WM ist deshalb derzeit kein Thema. Damit fehlt dem Hersteller zugleich die Möglichkeit, eigene Talente innerhalb des eigenen Systems aufzubauen.
Blusch sieht darin einen klaren Nachteil. „Wir haben erkannt, dass Motorsport auch für BMW Motorrad ein sehr wichtiger Baustein ist. Wir haben es zur obersten Priorität gemacht“, betonte er. Gleichzeitig räumte er ein, dass der fehlende Unterbau die Möglichkeiten begrenzt: „Natürlich ist es schwierig, wenn der Unterbau fehlt. Wir hätten diese Möglichkeit gern. Wenn wir diesbezüglich Möglichkeiten hätten, wäre das eine Hilfe.“

Was sagt Sven Blusch zu einem möglichen Sportmodell?
Blusch schließt ein zusätzliches Sportmodell nicht aus, knüpft es aber an die Gesamtstrategie von BMW Motorrad. Eine Erweiterung des Modellprogramms soll nicht allein aus sportlichen Gründen erfolgen. Ein entsprechendes Motorrad müsse vielmehr zur langfristigen Ausrichtung der Marke passen. „Es muss auch zur Langzeitstrategie von BMW Motorrad passen. Wir müssen die richtigen Motorräder haben, um dieses System zu füttern. Es muss in die Strategie des Unternehmens passen“, erklärte er.
Aufhorchen lässt vor allem eine Formulierung. Während BMW in den vergangenen Jahren konsequent in den Rennsport investierte und die M1000RR zum siegfähigen Motorrad entwickelte, fehlten bislang konkrete Hinweise auf weitere sportliche Modelle. Nun deutet Blusch an, dass sich das ändern könnte: „Motorsport hat jetzt eine hohe Priorität. Und deshalb besteht die Chance, das zukünftig zu ändern.“ Konkrete Details nannte er nicht. Seine Worte lassen damit Raum für ein künftiges Sportmotorrad, das die Lücke zwischen Straßenmodell und Rennstrecke schließen könnte.
Satellitenteam als möglicher Kanal für junge Fahrer
Das Thema Nachwuchsförderung berührt bei BMW noch einen zweiten Punkt: ein bislang fehlendes Satellitenteam in der Superbike-WM. Nach dem Ende des Bonovo-Projekts ist BMW nur noch mit zwei Werksmaschinen im Feld vertreten. Zum Vergleich: Ducati hat aktuell neun Motorräder am Start und kann auf einen entsprechend großen Datenpool zurückgreifen. BMW setzt stattdessen auf ein umfangreiches Testprogramm mit Michael van der Mark, der zusätzlich als Ersatzpilot einspringt.
Dass bislang kein Kundenteam aufgebaut wurde, hängt nicht nur mit der sportlichen Lage zusammen. Zunächst musste intern die langfristige Zukunft des Superbike-Projekts geklärt werden. „Es wäre in unserer jetzigen Situation falsch gewesen, ein zweites Team in die Meisterschaft zu holen, ohne die schriftliche Bestätigung von BMW über die Zukunft zu haben“, erklärte Blusch. Nachdem diese Bestätigung vorliegt, rückt das Szenario näher. „Für uns wäre es sehr interessant, ein Satellitenteam zu haben. Das wäre auch ein Kanal für junge Fahrer“, sagte er. Voraussetzung sei allerdings, dass die Motorräder technisch auf identischem Niveau betrieben werden können. Die Grundlage dafür schuf der Konzern bereits Mitte Mai, als Blusch einen langfristigen Plan verkündete, der die Superbike- und die Endurance-WM sowie den Kundensport umfasst. „Motorsport ist wichtig für unsere Marke, er liegt in unserer DNA“, fasste er die Haltung des Vorstands zusammen.

Wie schlägt sich BMW in der Superbike-WM 2026?
Sportlich befindet sich BMW 2026 in einer Übergangsphase, in der die Werkspiloten noch nicht um Siege kämpfen. Mit dem Wechsel von Toprak Razgatlioglu in die MotoGP musste das gesamte Projekt neu aufgestellt werden. Mit Miguel Oliveira und Danilo Petrucci verpflichtete BMW zwei erfahrene Fahrer, an der Spitze geben jedoch weiterhin die Ducati-Werkspiloten den Ton an. Im WM-Zwischenstand führt Nicolò Bulega mit 434 Punkten, bester BMW-Fahrer ist Oliveira auf Rang neun mit 97 Zählern.
Blusch verweist trotz der Rückstände auf Fortschritte und nennt das Wochenende in Ungarn als positives Signal. „Wir haben einen guten Schritt gemacht, auch im Vergleich zum vergangenen Jahr. Unsere beiden Fahrer sind mit unserem Motorrad schneller als es im letzten Jahr der Fall war“, betonte er. Für mehr reiche es derzeit aber nicht: „Wir haben einen Schritt gemacht, doch der war nicht groß genug, um momentan Rennen zu gewinnen.“ Die Konkurrenz aus Bologna lobt er ausdrücklich, mahnt zugleich aber mehr Spannung an der Spitze an: „Wir können alle sehen, wie gut Ducati gearbeitet hat. Doch unterm Strich wollen wir alle sehen, wie sich verschiedene Hersteller an der Spitze duellieren. Wir geben natürlich unser Bestes, sind im Moment aber nicht an der Spitze.“

Häufige Fragen
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Steigt BMW in die Supersport-WM ein?
Aktuell nicht. Ein Werkseinstieg in die Supersport-WM oder die Sportbike-WM ist derzeit kein Thema, weil BMW unterhalb der M1000RR kein passendes Sportmodell anbietet. Motorsport-Direktor Sven Blusch sieht aber die Chance, das künftig zu ändern.
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Welche Titel hat BMW in der Superbike-WM gewonnen?
BMW gewann die Superbike-WM in den Jahren 2024 und 2025, jeweils mit Toprak Razgatlioglu. Nach dessen Wechsel in die MotoGP stellte der Hersteller das Projekt mit Miguel Oliveira und Danilo Petrucci neu auf.
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Warum hat BMW kein Satellitenteam in der Superbike-WM?
BMW wollte zunächst die langfristige Zukunft des Superbike-Projekts intern absichern, bevor ein Kundenteam unterstützt wird. Nach Ende des Bonovo-Projekts ist BMW nur noch mit zwei Werksmaschinen vertreten. Ein Satellitenteam gilt inzwischen als realistisches Zukunftsszenario, sofern die Motorräder technisch identisch betrieben werden können.
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Plant BMW einen MotoGP-Einstieg?
Nach derzeitigem Stand nicht. Geschäftsführer Markus Flasch hatte einen MotoGP-Einstieg im März 2024 zum Thema gemacht, Ende Oktober 2025 aber wieder verworfen, weil er unter den derzeitigen wirtschaftlichen Voraussetzungen nicht machbar sei.











