- Rund 80 Gramm leichter pro Sattel, bei beiden Vorderradsätteln etwa 160 Gramm Ersparnis
- Gleiches hydraulisches Verhältnis und gleiche Kolben, dadurch vertrautes Bremsgefühl
- Bereits an alle Teams ausgeliefert, Tests in Misano und Brünn
Die MotoGP steht 2027 vor einem tiefgreifenden technischen Umbruch. Mit dem Wechsel auf 850 Kubikzentimeter Hubraum, reduzierter Aerodynamik, dem Wegfall der Ride-Height-Systeme und dem Reifenwechsel von Michelin zu Pirelli verändern sich die Anforderungen an nahezu allen Ecken der Prototypen. Auch die Bremsanlage bleibt davon nicht unberührt. Brembo hat darauf früh reagiert und einen komplett überarbeiteten Bremssattel vorgestellt, der speziell für die neue Generation der 850er-Maschinen ausgelegt ist.

Was ist neu am Brembo Bremssattel für 2027?
Der neue Brembo Bremssattel für 2027 ist rund 80 Gramm (etwa 0,18 lbs) leichter als das aktuelle Bauteil und verzichtet auf die markanten Kühlrippen. An ihre Stelle tritt eine deutlich schlichtere, technischer wirkende Form, die aus einer sogenannten topologischen Optimierung hervorgeht. Dabei wird ausgehend vom 3D-Modell des Bauteils Material genau dort entfernt, wo keine hohen Kräfte wirken, und nur dort belassen, wo es tatsächlich gebraucht wird. Für die Teams bleibt der Umstieg unkompliziert, denn der Sattel nutzt denselben Bremsbelag wie die aktuelle Version und ist weitgehend als Plug-and-play-Lösung ausgelegt. So lässt sich das neue Bauteil direkt mit der bisherigen Konstruktion vergleichen, ohne das gesamte Paket austauschen zu müssen.
Warum wird der neue Bremssattel leichter?
Der Sattel wird leichter, weil die Bremsbelastung mit den 850er-Maschinen etwas geringer ausfallen soll als bei den heutigen Motorrädern. Grund dafür sind der kleinere Hubraum, die reduzierte Aerodynamik am Vorderrad, der Wegfall der Downforce-Systeme und ein verändertes Gesamtgewicht. Brembo hat den Sattel deshalb vollständig neu gezeichnet. Pro Bauteil ergibt sich eine Ersparnis von rund 80 Gramm, bezogen auf beide Vorderradsättel summiert sich das auf etwa 160 Gramm (etwa 0,35 lbs). Andrea Pellegrini, bei Brembo für den Motorradrennsport zuständig, ordnet den Nutzen dieser Einsparung ein: „Dynamisch spürt der Fahrer den Unterschied nicht wirklich direkt, aber für die Ingenieure ist es immer wichtig, leichtere Lösungen zu haben, weil es uns dann erlaubt, das Gewicht dort zu positionieren, wo es am Motorrad gebraucht wird.“ Im Original sagt er: „Dynamically, the rider doesn’t really feel the difference directly, but for engineers, having lighter solutions is always important, because it then allows us to position weight where it’s needed on the bike.“ Gerade am Vorderrad, wo die Massen das Handling stark beeinflussen, kann eine solche Verlagerung von Bedeutung sein.

Bleibt das Bremsgefühl für die Fahrer gleich?
Ja, das Bremsgefühl soll weitgehend unverändert bleiben, weil Brembo das gleiche hydraulische Verhältnis und die gleichen Kolben wie beim bisherigen Sattel beibehält. Damit will der Hersteller vermeiden, dass sich die über Jahre eingespielte Rückmeldung am Hebel verändert. Äußerlich wirkt das Bauteil neu, funktional soll es sich für den Fahrer jedoch vertraut anfühlen. Erhalten bleibt auch das Anti-Drag-System, das verhindert, dass die Beläge die Scheibe berühren, sobald der Fahrer den Druck vom Hebel nimmt. Ebenso behält der Sattel die Schnellverschlüsse, die praktisch sind, wenn die Zange für einen Radwechsel oder Arbeiten an den Scheiben abgenommen wird, ohne das System jedes Mal entlüften zu müssen. Eine Änderung betrifft das Anti-Shaking-Ventil, das nicht mehr im Bremssattel sitzt, sondern in den Hauptbremszylinder verlegt wurde.
Wie kam es zum bisherigen Kühlrippen-Sattel?
Der aktuelle Sattel, der an den 1000er-Maschinen verbaut ist, wurde 2020 eingeführt, um deutlich gestiegene Leistung, Temperaturen und Belastungen zu bewältigen. Ein Teil dieser Belastung entstand durch die zunehmende Aerodynamik und die Downforce. Brembo vergrößerte damals die Fläche, die mit der Luft in Kontakt steht, um mehr Wärme ableiten zu können. Die dafür eingesetzten Kühlrippen wurden zu einem prägenden Merkmal und fanden später auch bei den Sätteln in der Moto2 und der Moto3 Verwendung. Viele dieser Ansätze haben ihren Ursprung in der Formel 1, aus der Brembo unter anderem die Kühlrippen-Bremssättel und die Supercooling-Kolben in den Motorradrennsport übertragen hat. Mit dem Wechsel auf die 850er kehrt sich die Entwicklung nun teilweise um, weil die thermischen Anforderungen anders ausfallen.

Wann kommt der neue Bremssattel zum Einsatz?
Der neue Bremssattel könnte bereits gegen Ende der laufenden Saison zum Einsatz kommen und dürfte zu den zentralen technischen Neuerungen der Saison 2027 gehören. Brembo hat je einen Satz an alle Hersteller und Teams ausgeliefert, damit alle zur gleichen Zeit dieselbe Möglichkeit zum Testen haben. Einige Teams haben das Bauteil bereits beim Test in Misano ausprobiert, weitere sollen in Brünn folgen. Die endgültige Entscheidung liegt anschließend bei den Teams. Dass Brembo überhaupt sämtliche Motorräder ausrüstet, ist dabei keine Vorgabe des Reglements, sondern das Ergebnis der Wahl aller Teams.
Was ändert sich bei den Bremsscheiben?
Bei den Bremsscheiben zeichnet sich ab, dass die großen 355-Millimeter-Scheiben, im Fahrerlager wegen ihrer Form auch „Pfannen“ genannt, im ersten Jahr der neuen Ära zunächst seltener zum Einsatz kommen könnten. Als am häufigsten genutzte Lösung gelten die 340-Millimeter-Scheiben, die in einer Standard- und einer belüfteten Ausführung verfügbar sind. Brembo behält jedoch alle Varianten im Programm, da die Wahl von den Strecken und den Anforderungen der Teams abhängt. Für 2028 hält Pellegrini die 355er-Scheiben etwa auf besonders bremsintensiven Kursen wie in Österreich und Motegi für sinnvoll. Die große Scheibe war ursprünglich eingeführt worden, um auf solchen Strecken das Risiko zu verringern, ein Rennen für einen Scheibenwechsel unterbrechen zu müssen. Sollten die Leistungen mit den neuen Maschinen dagegen deutlich sinken, wäre laut Pellegrini auch eine Rückkehr zu den 320-Millimeter-Scheiben denkbar, die seit rund drei Jahren nicht mehr verwendet werden.

Wie ordnet sich die Neuentwicklung in die MotoGP 2027 ein?
Der Bremssattel ist nur ein Baustein eines umfassenden Umbruchs, auf den sich die gesamte Startaufstellung vorbereitet. Bereits im Frühjahr 2026 fuhr Ducati mit Testfahrer Michele Pirro einen ersten 850er-Prototypen bei einem privaten Shakedown in Misano, ausgestattet mit vereinfachter Aerodynamik, ohne Höhenverstellung und mit frühen Versionen der Pirelli-Reifen. Genau diese Reifen gelten aus Sicht von Brembo als größte Unbekannte, da noch niemand sicher abschätzen kann, wie sich das Leistungsniveau entwickelt. Für die Bremsen ist das entscheidend, weil längere Bremsphasen die Anlage stärker aufheizen, während kürzere und härtere Bremsungen eher Druckspitzen erzeugen. Zur Gewichtsentwicklung der neuen Maschinen ist bislang von rund acht bis zwölf Kilogramm (rund 18 bis 26 lbs) weniger die Rede, wobei genaue Daten noch ausstehen. Ein erster gemeinsamer Test mit Pirelli ist für den Zeitraum nach dem Misano-Grand-Prix vorgesehen, zunächst mit angepassten aktuellen Maschinen.

➜ Dieser Artikel ist Teil unserer umfassenden Übersicht: MotoGP-Saison 2026: Der komplette Überblick – Teams, Fahrer, Kalender & WM-Stand. Dort findest du alle wichtigen Informationen zum Thema gebündelt.
Häufige Fragen
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Wie viel leichter ist der Brembo Bremssattel 2027?
Der Brembo Bremssattel 2027 ist rund 80 Gramm (etwa 0,18 lbs) leichter als das aktuelle Bauteil. Bezogen auf beide Vorderradsättel ergibt sich eine Ersparnis von etwa 160 Gramm. Möglich wird das durch eine topologische Optimierung, bei der Material nur an den belasteten Stellen erhalten bleibt.
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Ändert sich durch den neuen Bremssattel das Bremsgefühl?
Nein, das Bremsgefühl soll weitgehend gleich bleiben. Brembo behält das gleiche hydraulische Verhältnis und die gleichen Kolben wie beim bisherigen Sattel bei, sodass die Rückmeldung am Hebel vertraut bleibt. Auch das Anti-Drag-System und die Schnellverschlüsse bleiben erhalten.
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Wann wird der neue Bremssattel in der MotoGP eingesetzt?
Der neue Bremssattel könnte bereits gegen Ende der laufenden Saison zum Einsatz kommen und gehört voraussichtlich zu den technischen Neuerungen der Saison 2027. Brembo hat das Bauteil an alle Teams ausgeliefert, erste Tests fanden in Misano statt, weitere folgen in Brünn.
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Warum wird die MotoGP 2027 umgestellt?
Die MotoGP wechselt 2027 auf 850 Kubikzentimeter Hubraum, reduziert die Aerodynamik, streicht die Ride-Height-Systeme und wechselt beim Reifen von Michelin zu Pirelli. Die Änderungen sollen die Rennen sicherer machen sowie Kosten und Aufwand begrenzen. Sie verändern zugleich die Anforderungen an die Bremsanlage.
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Welche Bremsscheiben nutzt die MotoGP ab 2027?
Voraussichtlich kommen zunächst vor allem die 340-Millimeter-Scheiben zum Einsatz, verfügbar als Standard- und als belüftete Ausführung. Die großen 355-Millimeter-Scheiben könnten im ersten Jahr seltener genutzt werden, bleiben aber im Programm. Für besonders bremsintensive Strecken gelten sie ab 2028 wieder als Option.











