- Gemeinsame Entwicklung der Bremssysteme für künftige CFMoto-Modelle der Mittel- und Großklasse
- Brembo steigt früher in den Entwicklungsprozess ein, von der Konzeptidee bis zur Freigabe
- Die Zusammenarbeit reicht über die Technik hinaus bis in Rennsport und Nachwuchsförderung
Der chinesische Hersteller CFMoto und der italienische Bremsenspezialist Brembo rücken enger zusammen. Beide Unternehmen haben eine langfristige strategische Partnerschaft bestätigt, die nach Angaben von CFMoto mehr sein soll als eine gewöhnliche Liefervereinbarung. Statt fertige Bremskomponenten erst spät einzukaufen, wollen die Partner die Bremssysteme künftiger Motorräder gemeinsam von Grund auf entwickeln. Die Vereinbarung wurde nach Angaben aus der Branche in dieser Woche in der chinesischen Stadt Hangzhou unterzeichnet.

Was wurde zwischen CFMoto und Brembo vereinbart?
CFMoto und Brembo haben eine langfristige strategische Partnerschaft geschlossen, die die gemeinsame Entwicklung von Bremssystemen für künftige Modelle der Mittel- und Großklasse vorsieht. Sie geht damit bewusst über die übliche Rolle eines Zulieferers hinaus.
Der Kern der Vereinbarung ist die Art der Zusammenarbeit. Brembo soll früher als bisher in die Entwicklung der Motorräder eingebunden werden und nicht erst dann, wenn ein Modell technisch schon weitgehend feststeht. Beide Seiten betonen den langfristigen Charakter der Zusammenarbeit.
Chen Zhiyong, Vice President von CFMoto, ordnet den Schritt so ein: „Establishing a long-term strategic partnership with Brembo will further strengthen CFMoto’s competitiveness and brand presence in global markets.“ Übersetzt bedeutet das: Der Aufbau einer langfristigen strategischen Partnerschaft mit Brembo werde die Wettbewerbsfähigkeit und die Markenpräsenz von CFMoto auf den globalen Märkten weiter stärken.
Auch von Brembo kommt eine klare Einordnung. Andrea Paganessi, Motorcycle GBU Chief Officer bei Brembo, erklärt: „Our collaboration with CFMoto is an important step in strengthening Brembo’s presence in the global motorcycle market and in supporting our mission as a solutions provider.“ Auf Deutsch: Die Zusammenarbeit mit CFMoto sei ein wichtiger Schritt, um Brembos Präsenz auf dem weltweiten Motorradmarkt zu stärken und die eigene Rolle als Lösungsanbieter zu untermauern.
Wie sollen die neuen Bremssysteme entstehen?
Brembo wird künftig deutlich früher in den Entwicklungsprozess eingebunden. Beide Unternehmen arbeiten dabei am Konzeptentwurf, an der Leistungsentwicklung, an der Integration ins Fahrzeug, an der Abstimmung und an der abschließenden Freigabe der Bremssysteme zusammen.
Hinter diesen Begriffen steckt vor allem eines: Das Bremssystem wird nicht mehr als fertiges Bauteil an ein bestehendes Motorrad angepasst, sondern von Beginn an auf den geplanten Einsatzzweck des jeweiligen Modells zugeschnitten. Mit Abstimmung ist die Feinjustierung gemeint, also das genaue Einstellen der Bremse auf Gewicht, Fahrwerk und Charakter des Motorrads. Die Freigabe wiederum bezeichnet die Prüfung, bei der das System vor dem Serienstart abgesichert wird.
Nach Angaben von CFMoto soll dieses Vorgehen für ein besseres Zusammenspiel von Sicherheit, Kontrolle, Leistung und Vertrauen des Fahrers sorgen. Weil die Entwicklung früher beginnt, lässt sich die Bremse enger an die Nutzung eines Modells anpassen, also etwa an ein sportliches Naked Bike oder ein schweres Reisemotorrad.

Welche Rolle spielt die Technik aus dem Rennsport?
Die Partnerschaft öffnet die Tür für Bremstechnik aus dem Rennsport auch bei den größeren Serienmodellen von CFMoto. Beide Firmen sind im Grand-Prix-Sport bereits miteinander verbunden.
CFMoto tritt derzeit in den Klassen Moto2 und Moto3 an, während Brembo die Bremssysteme quer durch MotoGP, Moto2 und Moto3 liefert. Aus dieser gemeinsamen Erfahrung im Rennsport soll künftig auch die Serie profitieren. Der Schritt passt in die breitere Strategie von CFMoto, die eigene Modellpalette in Richtung höherwertiger Motorräder zu entwickeln und international bekannter zu werden. Beispiele für diesen Kurs sind das Prototyp-Projekt V4 SR-RR und Modelle der Großklasse wie die 1000MT-X.
Was umfasst die Zusammenarbeit über die Bremsen hinaus?
Neben der Technik erstreckt sich die Partnerschaft auf Aktivitäten im Rennsport, auf die Markenentwicklung und auf die Nachwuchsförderung. Brembo wird dabei strategischer Partner des sogenannten CFMOTO Talent Project.
Ziel dieses Programms ist es nach Angaben der beiden Marken, die nächste Generation chinesischer Rennfahrer zu unterstützen. Damit wird die Vereinbarung breiter aufgestellt als eine reine Technikkooperation und verbindet Serienentwicklung, Motorsport und Ausbildung unter einem Dach.

Warum ist Brembo für Motorradhersteller so wichtig?
Brembo gilt als einer der wichtigsten Bremsenlieferanten der Branche, viele hochwertig ausgestattete Motorräder setzen auf Komponenten des Unternehmens. Eine bekannte Ausnahme ist KTM, das inzwischen bei vielen Modellen auf eigene Bremsen der Tochter WP setzt.
Diesen Weg hat KTM Anfang des Jahres bestätigt, zu sehen etwa an der 2027er 790 Duke mit WP-Bremsen. Vor diesem Hintergrund ist die Entscheidung von CFMoto ein deutliches Signal, wie ernst der Hersteller das Thema Bremsleistung nimmt, während seine Motorräder weiter in die Mittel- und Großklasse vorstoßen. Die Brembo-Gruppe deckt heute eine ganze Reihe von Marken und Techniken rund um das Bremsen und Fahrwerk ab, darunter Brembo, ByBre, J.Juan, AP Racing, SBS Friction, Marchesini und Öhlins.
Wer steckt hinter CFMoto und Brembo?
CFMoto wurde 1989 im chinesischen Hangzhou gegründet und ist heute in mehr als 100 Ländern und Regionen aktiv. Brembo entstand 1961 im italienischen Bergamo und beschäftigt rund 16.000 Mitarbeiter in 18 Ländern.
Das Angebot von CFMoto reicht von Motorrädern über ATVs und Produkte der Elektromobilität bis hin zu einzelnen Kernkomponenten. Brembo wiederum meldete für das Jahr 2025 einen Umsatz von 3,7 Milliarden Euro (rund 4,2 Milliarden US-Dollar). Für CFMoto ist die CFMoto-Brembo-Partnerschaft damit ein weiterer Baustein im Bemühen, sich als Anbieter hochwertiger Motorräder mit weltweiter Ausrichtung zu etablieren.
Häufige Fragen
-
Was beinhaltet die CFMoto-Brembo-Partnerschaft?
Die CFMoto Brembo Partnerschaft ist eine langfristige strategische Zusammenarbeit zur gemeinsamen Entwicklung von Bremssystemen. Sie umfasst zusätzlich Aktivitäten im Rennsport, die Markenentwicklung und die Nachwuchsförderung und geht damit über eine reine Liefervereinbarung hinaus.
-
Für welche Modelle gilt die Zusammenarbeit?
Die Zusammenarbeit gilt für künftige CFMoto-Modelle der Mittel- und Großklasse. Kleinere Modelle werden in der Vereinbarung nicht ausdrücklich genannt.
-
Nutzt CFMoto künftig Bremstechnik aus dem Rennsport?
Ja, die Partnerschaft öffnet die Tür für Bremstechnik aus dem Rennsport bei größeren Serienmodellen. CFMoto und Brembo arbeiten im Grand-Prix-Sport bereits zusammen, CFMoto in Moto2 und Moto3, Brembo als Lieferant in MotoGP, Moto2 und Moto3.
-
Warum setzt KTM keine Brembo-Bremsen mehr ein?
KTM verwendet bei vielen Modellen inzwischen eigene Bremsen der Tochter WP. Dieser Wechsel wurde Anfang des Jahres bestätigt und zeigt sich zum Beispiel an der 2027er 790 Duke.











