- Termin laut Veranstalter: 1. bis 15. Januar 2027, Start und Ziel in der King Abdullah Economic City
- Laut Reuters arbeitet die ASO an einer Alternativroute im Norden Saudi-Arabiens
- Spanische Medien berichten zusätzlich von einem achttägigen Plan B in Marokko
Um die Rallye Dakar 2027 kursieren seit Wochen Gerüchte. Mal heißt es, die Rallye sei abgesagt. Dann soll sie in den Norden Saudi-Arabiens verlegt werden oder ganz nach Marokko umziehen. Dazu kam die Meldung, Fernando Alonso kehre zur Dakar zurück, die er selbst schnell wieder einkassierte. Offiziell ist nur wenig. Klar ist dagegen, dass die Lage im Nahen Osten die Planungen der Veranstalter massiv beeinflusst. Rund elf Wochen vor dem geplanten Start sind deshalb viele Fragen offen, für Werksteams genauso wie für Privatfahrer.

Findet die Dakar 2027 wie geplant statt?
Stand heute hat die Amaury Sport Organisation (ASO) die Dakar 2027 weder abgesagt noch verschoben. Offiziell gilt weiterhin der Termin vom 1. bis 15. Januar 2027 in Saudi-Arabien.
Die ASO hatte Gerüchte über eine Absage bereits im September zurückgewiesen. Damals erklärte der Veranstalter: „The rumours regarding a possible cancellation are unfounded.“ Auf Deutsch: „Die Gerüchte über eine mögliche Absage sind unbegründet.“ Die Organisation laufe nach Plan, man stehe in Kontakt mit den saudischen Partnern und beobachte die Lage genau. Ähnlich antwortete die ASO am 15. September dem Team TimeOut Racing, das ursprünglich zehn Fahrzeuge in der Dakar Classic einsetzen wollte. Man verstehe die Fragen, hieß es dort, und werde in Kürze weitere Informationen liefern.
Seitdem hat sich die Lage aber weiterentwickelt. Laut einem Reuters-Bericht vom 8. Oktober arbeiten die Organisatoren an einer alternativen Route, damit die Rallye trotzdem in Saudi-Arabien stattfinden kann. Die Nachrichtenagentur beruft sich auf drei Personen aus der Rally-Raid-Weltmeisterschaft, zwei Fahrer und ein Teammitglied. Die ASO, der Automobil-Weltverband FIA und der Motorrad-Weltverband FIM reagierten zunächst nicht auf Anfragen.
Warum steht die Dakar in Saudi-Arabien auf der Kippe?
Der Grund sind die zunehmenden Angriffe der jemenitischen Huthi-Miliz auf Ziele in Saudi-Arabien. Die mit dem Iran verbündete Gruppe greift verstärkt Städte, Flughäfen und Energieanlagen an.
Nach eigenen Angaben attackierten die Huthi Anfang Oktober unter anderem den King Khalid International Airport in Riad und eine Raffinerie des Ölkonzerns Aramco. Diese liegt nur rund 50 Kilometer von der King Abdullah Economic City entfernt, also vom geplanten Start- und Zielort der Dakar. Schon im September hatten die Huthi Angriffe auf Aramco-Anlagen in Yanbu und auf den Luftwaffenstützpunkt Khamis Mushait gemeldet. Großbritannien hat seine Reisehinweise für Teile Saudi-Arabiens angepasst.
Die ursprüngliche Strecke führt nicht durch Riad und auch nicht direkt an der Grenze zum Jemen entlang. Einige Etappen im Süden liegen aber in derselben Region wie die Angriffsziele. Geplant war eine Rundstrecke mit Start und Ziel in der King Abdullah Economic City am Roten Meer, unter anderem über Al-Ula, Ha’il, Al-Duwadimi, Bisha, Wadi Ad-Dawasir und Al Bahah.
Auch andere Rennserien haben bereits reagiert. Die Rallye-WM hat ihr Saisonfinale in Jeddah im November abgesagt, als Ersatz springt die Rallye Sardinien ein. Neben Sicherheitsbedenken soll dabei auch eine Rolle gespielt haben, dass Toyota und Hyundai nicht anreisen wollten. Die Formel 1 hat ihre Rennen in Saudi-Arabien und Bahrain gestrichen, die Langstrecken-WM ihren Lauf in Katar. Der MotoGP-Grand-Prix in Katar wurde von April auf November verschoben. Die Absage der Rallye-WM bedeutet allerdings nicht automatisch das Aus für die Dakar. Beide Veranstaltungen haben unterschiedliche Organisatoren, Strecken und Abläufe.

Wie sehen Plan A und Plan B der ASO aus?
Die ASO prüft offenbar zwei Szenarien. Das bevorzugte Szenario ist eine nach Norden verlegte Route in Saudi-Arabien, die Alternative eine verkürzte Rallye in Marokko. Bestätigt hat der Veranstalter keines der beiden.
Plan A: Eine Nord-Route in Saudi-Arabien
Laut Reuters waren Vertreter der Dakar-Organisation beim Rallye du Maroc vor Ort und haben dort mit Fahrern und Teamchefs gesprochen. Nach Angaben der Quellen soll an einer neuen Strecke im Norden des Landes gearbeitet werden, mit weniger Biwaks als bisher geplant. Ein Biwak ist das Nachtlager der Rallye, in dem die Teams übernachten und ihre Fahrzeuge reparieren.
Die spanischen Sportzeitungen Marca und AS berichten ebenfalls über diese Variante. Demnach soll sich die Route deutlich von der Grenze zum Jemen entfernen. Die Biwaks könnten näher an größere Orte rücken, die medizinische Versorgung entlang der Strecke würde dichter. Das würde bedeuten, dass ein großer Teil der Streckenplanung innerhalb weniger Wochen neu gemacht werden müsste.
Plan B: Eine Kurzversion in Marokko
Die zweite Variante ist eine Rallye in Marokko. Laut Marca und AS soll sie nur acht statt fünfzehn Tage dauern und am 8. Januar starten. Damit würde sie um den 16. Januar enden. Die ASO kennt das Land gut, weil dort seit Jahren ein Lauf der Rally-Raid-Weltmeisterschaft stattfindet. Im September war zudem von einer möglichen Ersatzroute durch Spanien, Portugal und Marokko die Rede.
Für die Teams hätte ein solcher Umzug Folgen. Viele haben ihre Schiffstransporte bereits organisiert. Eine kürzere Rallye würde außerdem den sportlichen Charakter der Dakar deutlich verändern. Die Entscheidung liegt bei Rallye-Direktor David Castera und der ASO.
Welche Rolle spielen Versicherungen und Werksteams?
Neben der Sicherheit ist der Versicherungsschutz eine der größten Hürden. Ohne Versicherung für Fahrer, Mechaniker und Begleitpersonal können die Teams nicht anreisen.
Darauf weist auch KTM-Berater Heinz Kinigadner hin. Gegenüber Speedweek sagte er, dass er persönlich mit einer Absage rechne, auch wenn noch nichts offiziell sei. Früher in Afrika hätten die Fahrer zwar Erklärungen unterschrieben, mit denen sie das Risiko akzeptierten. Das Problem des Veranstalters sei aber ein anderes: Bei Reisewarnungen ziehen sich die Versicherer zurück. Dann wären mehrere hundert Menschen ohne Schutz unterwegs, vom Fernsehteam bis zum restlichen Personal. Diese Verantwortung könne kein Veranstalter übernehmen.
Auch die Logistik wird teurer. Fahrzeuge und Ausrüstung werden von Europa aus per Schiff durch den Suezkanal und das Rote Meer nach Saudi-Arabien gebracht. Für Schiffe in Risikogebieten haben die Versicherer ihre Prämien bereits erhöht.
Bei den Werksteams wächst offenbar die Unruhe. Laut Motor16 drängt KTM seit Wochen auf eine schnelle Entscheidung. Wenn die Regierungen von Reisen abraten, sollen Toyota und KTM ihre Teams nach Berichten aus dem Fahrerlager nicht nach Saudi-Arabien schicken. Einige Teams sollen ihre Anmeldung bewusst hinauszögern, und manche, vor allem Privatteams, haben aus Sicherheitsgründen gar nicht gemeldet.
FIM-Präsident Jorge Viegas sagte gegenüber AS: „No es fácil, no es nada fácil.“ Übersetzt heißt das: „Es ist nicht einfach, es ist überhaupt nicht einfach.“ Er verwies dabei auf die interne Politik der Unternehmen und die Sicherheit von Fahrern und Mechanikern. Der fünfmalige Dakar-Sieger Nasser Al-Attiyah gibt sich dagegen zuversichtlich: „El Dakar se celebrará en Arabia Saudí.“ Auf Deutsch: „Die Dakar wird in Saudi-Arabien stattfinden.“ Er argumentiert, dass die Entscheidung bei der ASO als privatem Veranstalter liege und nicht bei der FIA.

Welche Termine sind für die Dakar 2027 jetzt entscheidend?
Die nächsten Wochen sind für die Planung entscheidend. Der Anmeldeschluss für die Dakar 2027 war für den 20. Oktober angesetzt.
Danach folgt die Logistik. Die Fahrzeuge sollen nach einer ersten technischen Abnahme am 27. und 28. November in Barcelona auf die Fähre verladen werden. Spätestens bis dahin brauchen die Teams also Klarheit. Fast zeitgleich steht vom 22. bis 27. November die Abu Dhabi Desert Challenge an, das Finale der Rally-Raid-WM 2026, in dem noch Titel entschieden werden.
Die Dakar sollte die Saison 2027 der Rally-Raid-Weltmeisterschaft eröffnen. Würde sie verschoben oder auf einen anderen Kontinent verlegt, müsste der gesamte Kalender angepasst werden. Parallel hat die Africa Eco Race ihre 18. Ausgabe bestätigt. Sie führt vom 24. Januar bis 6. Februar von Tanger nach Dakar. Einige Teams sollen sich bereits dort angemeldet haben, statt auf eine Entscheidung zu warten. Eine achttägige Dakar in Marokko würde vor dem Start in Tanger enden, beide Rallyes könnten also nebeneinander stattfinden.
Was war für die Dakar 2027 ursprünglich geplant?
Die ursprüngliche Planung sah die 49. Ausgabe der Dakar und die achte in Folge in Saudi-Arabien vor. Mit 5.320 Kilometern Wertungsprüfungen sollte sie mehr gezeitete Kilometer bieten als jede Ausgabe seit dem Umzug nach Saudi-Arabien im Jahr 2020.
Wertungsprüfungen sind die Abschnitte, auf denen die Zeit gemessen wird. Der bisherige Höchstwert in Saudi-Arabien lag 2025 bei 4.903 Kilometern. Vorgestellt wurde die Strecke im Mai. Sie enthielt drei komplett neue Etappen mit Schwerpunkt auf der Region am Roten Meer. Die Veranstalter versprachen mehr Sand und weniger Steinpassagen. Dazu kam eine Marathonetappe, bei der die Teilnehmer im Biwak ohne fremde Hilfe übernachten. Die Anmeldung für die Dakar und die Dakar Classic wurde damals eröffnet. Ob diese Strecke so gefahren wird, ist inzwischen offen.

Fährt Fernando Alonso die Dakar 2027?
Nach eigener Aussage nicht. Der zweifache Formel-1-Weltmeister hat Berichte über ein Dakar-Comeback dementiert.
Spanische Medien hatten gemeldet, Alonso starte 2027 mit einem früheren Dacia-Werksfahrzeug, das im Aston-Martin-Design antreten könnte. Er war bereits 2020 bei der Dakar am Start, damals mit Marc Coma als Beifahrer. Beim Grand Prix in Singapur stellte Alonso klar: „It’s nearly impossible to fit in demanding programmes like an F1 championship and Dakar.“ Übersetzt: „Es ist fast unmöglich, so anspruchsvolle Programme wie eine Formel-1-Meisterschaft und die Dakar unter einen Hut zu bringen.“ Für die nächste Herausforderung kündigte er an: „I will announce it, it will not be a rumour.“ Auf Deutsch: „Ich werde sie ankündigen, es wird kein Gerücht sein.“ Bei der Abu Dhabi Desert Challenge, dem letzten WM-Lauf, sind bisher weder Alonso noch Aston Martin gemeldet.
Wurde die Dakar schon einmal abgesagt?
Ja, bisher einmal. Die Ausgabe 2008 wurde kurz vor dem Start wegen Terrorwarnungen in Mauretanien gestrichen.
Ein Jahr später zog die Rallye von Afrika nach Südamerika um und bestand dort weiter. Auch in Saudi-Arabien gab es bereits einen ernsten Zwischenfall. Vor dem Start der Dakar 2022 explodierten ein Auto und ein Lkw, ein Anschlag galt als möglich. Die Sicherheitsmaßnahmen wurden verschärft, die Rallye lief bis ins Ziel. Anders als 2009 bliebe diesmal für einen Umzug aber nur wenig Zeit.

Häufige Fragen
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Wird die Dakar 2027 abgesagt?
Bisher nicht. Die ASO hat die Dakar 2027 weder abgesagt noch verschoben und Gerüchte über eine Absage als unbegründet bezeichnet. Laut Reuters arbeitet der Veranstalter aber an einer alternativen Route im Norden Saudi-Arabiens.
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Wann findet die Dakar 2027 statt?
Offiziell vom 1. bis 15. Januar 2027 in Saudi-Arabien. Start und Ziel ist die King Abdullah Economic City am Roten Meer. Sollte der Plan B in Marokko greifen, soll die Rallye laut spanischen Medien am 8. Januar starten und nur acht Tage dauern.
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Was ist der Plan B für die Dakar 2027?
Berichten zufolge prüft die ASO eine verkürzte Rallye in Marokko mit acht Tagen Dauer. Bevorzugt wird aber offenbar eine nach Norden verlegte Route in Saudi-Arabien mit weniger Biwaks. Offiziell bestätigt ist keine der beiden Varianten.
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Wie lang ist die Strecke der Dakar 2027?
Geplant waren 5.320 Kilometer Wertungsprüfungen. Das wären mehr gezeitete Kilometer als bei jeder bisherigen Dakar in Saudi-Arabien. Ob diese Strecke wegen der Sicherheitslage geändert wird, ist noch offen.
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Startet Fernando Alonso bei der Dakar 2027?
Nach eigener Aussage nein. Alonso erklärte in Singapur, dass sich eine Formel-1-Saison und die Dakar kaum kombinieren lassen. Seine nächste Herausforderung will er selbst offiziell ankündigen.












