- Rund 20 Fahrzeuge von BMW, Toyota und Lexus fahren sechs Monate lang mit Repsols erneuerbarem Benzin Nexa 95.
- Der Kraftstoff soll den CO2-Ausstoß laut Repsol um mehr als 70 Prozent gegenüber herkömmlichem Benzin senken.
- Bosch überwacht mit einem digitalen System, dass tatsächlich nur der erneuerbare Kraftstoff getankt wird.
Lange sah es so aus, als führe bei sauberen Fahrzeugen nur ein Weg ans Ziel: der reine Elektroantrieb. Jetzt melden sich einige der größten Namen der Branche mit einer anderen Idee zurück. BMW, Toyota, der Zulieferer Bosch und der Energiekonzern Repsol wollen im Alltag beweisen, dass auch der Verbrennungsmotor eine Zukunft haben kann, wenn er den passenden Kraftstoff bekommt. Anfang Juli ist dazu in Spanien ein sechsmonatiger Test gestartet, den die Beteiligten am 15. Juli 2026 offiziell vorgestellt haben.

Was steckt hinter dem Test mit erneuerbarem Benzin?
Vier Unternehmen lassen in Spanien rund 20 Fahrzeuge ein halbes Jahr lang ausschließlich mit 100 Prozent erneuerbarem Benzin fahren, um unter echten Alltagsbedingungen Daten zu sammeln. Beteiligt sind die BMW Group, Toyota Motor Europe, Bosch und Repsol.
Die Flotte besteht aus Personenwagen von Toyota und Lexus, die von Toyota España bereitgestellt werden, sowie aus Fahrzeugen von BMW und Mini aus dem Firmenbestand. Wichtig ist den Partnern der Zusatz, dass es sich nicht um einen Laborversuch handelt. Die Autos fahren im normalen Betrieb und tanken an ganz gewöhnlichen Tankstellen. In der Fachsprache läuft das Projekt unter dem Begriff VEEF, das steht für Fahrzeuge, die ausschließlich mit zugelassenen Kraftstoffen fahren.
Wie funktioniert Repsols Nexa 95?
Nexa 95 ist ein Benzin, das komplett aus erneuerbaren Rohstoffen hergestellt wird und in normalen Benzinmotoren funktioniert. Der Kraftstoff lässt sich wie herkömmliches Benzin einfüllen, ohne dass am Motor etwas umgebaut werden muss.
Repsol stellt den Sprit aus Rohstoffen her, die den Vorgaben der europäischen Erneuerbare-Energien-Richtlinie entsprechen, etwa aus Abfällen und Reststoffen. Nach Angaben des Unternehmens soll Nexa 95 den CO2-Ausstoß um mehr als 70 Prozent senken, verglichen mit gewöhnlichem Benzin. Der Grundgedanke dahinter: Beim Verbrennen wird nur so viel CO2 frei, wie die organischen Ausgangsstoffe vorher aufgenommen haben. Von sogenannten E-Fuels unterscheidet sich dieser Ansatz. E-Fuels sind synthetische Kraftstoffe, die aus eingefangenem Kohlendioxid und aus Wasserstoff hergestellt werden. Erneuerbares Benzin dagegen entsteht aus organischen Reststoffen.

Wie stellt Bosch sicher, dass wirklich erneuerbarer Kraftstoff im Tank ist?
Bosch setzt ein digitales System mit dem Namen Digital Fuel Twin ein, das jeden Tankvorgang lückenlos nachverfolgt. So lässt sich belegen, dass über die gesamte Testdauer tatsächlich nur der erneuerbare Kraftstoff genutzt wird.
Das System sammelt dafür Daten aus mehreren Quellen und gleicht sie ab: Informationen aus dem Fahrzeug, von der Tankstelle und aus den Tankkarten-Abrechnungen. Bosch spricht davon, dass sein System volle digitale Transparenz über die gesamte Kette bringe, vom Moment an, in dem der Kraftstoff auf den Markt komme, bis zum Endkunden. Genau dieser Nachweis gilt als wichtig. Denn wenn erneuerbare Kraftstoffe später in Gesetze und Vorschriften einfließen sollen, brauchen Hersteller und Behörden eine verlässliche Methode, um zu prüfen, welchen Sprit ein Fahrzeug wirklich getankt hat.
Warum findet der Versuch ausgerechnet in Spanien statt?
Spanien wurde gewählt, weil Repsol dort als einziger Anbieter 100 Prozent erneuerbares Benzin an öffentlichen Tankstellen verkauft. Damit lässt sich der Test unter normalen Bedingungen durchführen und nicht nur als abgeschottete Vorführung.
Dazu kommen die enge Zusammenarbeit der Partner und die Unterstützung durch Toyota España im laufenden Betrieb. Das Projekt setzt komplett auf Fahrzeuge und Tankstellen, die es schon gibt. Neue Fahrzeugtechnik oder teure Investitionen in die Infrastruktur sind nach Angaben der Beteiligten nicht nötig. Genau darin sehen die Unternehmen einen Vorteil gegenüber dem Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektroautos, der viel Geld und aufwendige Bauarbeiten verlangt.
Was hat der Test mit der EU-Politik zu tun?
Die beteiligten Unternehmen wollen mit den Ergebnissen in Brüssel dafür werben, bei der Senkung der Verkehrsemissionen mehrere Technologien zuzulassen und nicht fast nur auf das Elektroauto zu setzen. Zwischenstände und Daten aus dem Projekt sollen an die EU-Politik, an die Branche und an Medien weitergegeben werden.
Pascal Ruch, bei Toyota Motor Europe für Unternehmens- und Regierungsfragen zuständig, spricht davon, dass erneuerbare Kraftstoffe neben der Elektrifizierung eine Schlüsselrolle bei der Senkung der CO2-Emissionen spielen könnten. Er weist darauf hin, dass mit fortschreitendem Wandel das Risiko wachse, dass sich das Ziel von 100 Prozent emissionsfreien Neuwagen bis 2035 nicht vollständig erreichen lasse. In diesem Fall könnten erneuerbare Kraftstoffe die Lücke schließen, vor allem in Verbindung mit Hybrid- und Plug-in-Hybrid-Technik.
Auch bei Repsol wird dieser Ansatz betont. Estíbaliz Pombo, dort für Energieprodukte zuständig, sagt: „At Repsol, we believe every emissions-reduction solution has a role to play in decarbonizing transport.“ Auf Deutsch: „Bei Repsol glauben wir, dass jede Lösung zur Emissionssenkung eine Rolle bei der Dekarbonisierung des Verkehrs zu spielen hat.“
Der Streit über den richtigen Weg läuft seit Jahren, und der Test reiht sich in die größere Debatte darüber ein, welche Rolle der Verbrennungsmotor in den kommenden Jahren noch spielt. Berichten zufolge wurde das für 2035 geplante Aus für neue Verbrenner Ende vergangenen Jahres gelockert. Demnach sollen Neuwagen mit Abgasen auch nach 2035 verkauft werden dürfen, sofern sie bestimmte Bedingungen erfüllen, etwa den Einsatz nachhaltiger Kraftstoffe. Die neuen Regeln sind allerdings noch nicht in Kraft und sehen vor, dass die Abgase neuer Fahrzeuge um 90 Prozent gegenüber dem Stand von 2021 sinken müssen. Reine Elektroautos bleiben damit ein zentraler Baustein der EU-Strategie. Ihr Anteil ist zuletzt deutlich gestiegen: Im Mai lag der Anteil neu zugelassener reiner Elektroautos in der EU, den EFTA-Staaten und Großbritannien bei 23,3 Prozent, nach 17,4 Prozent im Vorjahresmonat.
Welche Kritik gibt es an erneuerbaren Kraftstoffen?
Kritiker bezweifeln, dass sich erneuerbare Kraftstoffe in ausreichender Menge und zu bezahlbaren Preisen herstellen lassen, damit sie sich flächendeckend durchsetzen. Genau an diesem Punkt entscheidet sich, ob die Idee mehr wird als ein Nischenangebot.
Der Test allein wird diese Frage nicht klären. Zwanzig Fahrzeuge über sechs Monate reichen kaum aus, um die Verkehrspolitik eines ganzen Kontinents umzukrempeln. Er zeigt aber, dass mehrere große Hersteller weiter Zeit und Geld in den Verbrennungsmotor stecken. Marken wie BMW, Porsche und Toyota argumentieren seit Längerem, dass klimaarme Kraftstoffe neben der Elektromobilität stehen sollten, gerade weil Millionen Fahrzeuge mit Benzinmotor noch über Jahre auf europäischen Straßen unterwegs sein werden.
Häufige Fragen
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Was ist erneuerbares Benzin?
Erneuerbares Benzin ist ein Kraftstoff, der aus erneuerbaren Rohstoffen wie Abfällen und Reststoffen hergestellt wird und in normalen Benzinmotoren läuft. Im Test kommt Repsols Nexa 95 zum Einsatz, das ohne Umbau am Motor genutzt werden kann.
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Wie stark senkt Nexa 95 den CO2-Ausstoß?
Nach Angaben von Repsol senkt Nexa 95 den CO2-Ausstoß um mehr als 70 Prozent im Vergleich zu herkömmlichem Benzin. Belastbare Zahlen aus dem Alltag soll erst der sechsmonatige Feldversuch liefern.
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Welche Fahrzeuge nehmen an dem Test teil?
Am Test nehmen rund 20 Fahrzeuge teil, darunter Personenwagen von Toyota und Lexus sowie Modelle von BMW und Mini. Sie fahren im normalen Betrieb und tanken an öffentlichen Repsol-Stationen.
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Wie lange dauert der Versuch und wo läuft er?
Der Versuch läuft sechs Monate und findet in Spanien statt. Gestartet ist er Anfang Juli 2026, offiziell vorgestellt wurde er am 15. Juli 2026.
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Muss man den Motor für erneuerbares Benzin umbauen?
Nein. Nexa 95 ist so ausgelegt, dass es in bestehenden Benzinmotoren und über die vorhandene Tankstellen-Infrastruktur genutzt werden kann, ohne technische Änderungen am Fahrzeug.












