- Rückwärts gerichtete Mikrofone sollen andere Fahrzeuge am Geräusch erkennen und orten
- Beschleunigungssensoren gleichen die Kopfbewegungen des Fahrers aus
- Mehrfarbige Leuchtdioden im Kinnbügel projizieren Hinweise ins Visier
Seit dem Kauf des australischen Herstellers Forcite im Jahr 2024 war lange unklar, was GoPro mit der Technik vorhat. Im vergangenen Jahr kam eine Zusammenarbeit mit dem italienischen Helmhersteller AGV dazu. Jetzt liegen mehrere in den USA veröffentlichte Patentanmeldungen vor, die einen Blick auf den geplanten Helm erlauben. Sie zeigen, dass es nicht nur um eine eingebaute Kamera geht.

Was zeigen die neuen Patente von GoPro?
Die Unterlagen beschreiben einen Helm mit fest integrierter Kamera im Kinnbügel, einem Lichtsystem im Sichtfeld und einer Totwinkelwarnung über Mikrofone. Das Objektiv sitzt hinter einer bündig eingelassenen Schutzabdeckung, sodass es nicht aus der Helmkontur herausragt.
Angeschlossen sind zwei nach innen gerichtete Mikrofone, die die Stimme des Fahrers aufzeichnen sollen. Auf der Oberseite des Kinnbügels sitzt zusätzlich eine Reihe mehrfarbiger Leuchtdioden. Sie strahlen nach oben und werfen ihr Licht auf ein reflektierendes Segment im oberen Bereich des Visiers. Über unterschiedliche Farben und Abfolgen sollen so Hinweise übermittelt werden, etwa die Abbiegerichtung bei einer laufenden Navigation.
Ein Teil der Patente nennt Forcite-Gründer Alfred Boyadgis als Erfinder. Die Entwicklungen gehen also direkt auf die damalige Übernahme zurück.
Wie soll die Totwinkelwarnung per Mikrofon funktionieren?
Der eigentliche Kern der Patente ist eine Gruppe von Mikrofonen im hinteren Bereich des Helms, kombiniert mit einer Anbindung an die Cloud und mit maschinellem Lernen. Diese Mikrofone nehmen die Geräusche des umgebenden Verkehrs auf, aus denen die Software Position und Abstand anderer Fahrzeuge berechnen soll.
Damit das funktioniert, muss das System zwei Störfaktoren beherrschen. Zum einen soll der Helm lernen, das Geräusch des eigenen Motorrads auszublenden. Zum anderen erfassen eingebaute Beschleunigungssensoren die Kopfbewegungen des Fahrers. Dreht er sich zum Schulterblick um, weiß das System, dass sich die Mikrofone bewegt haben und nicht die anderen Fahrzeuge. In die Berechnung sollen laut den Unterlagen unter anderem die Reflexion des Schalls und die Nähe der Geräuschquelle einfließen.

Warum verzichtet GoPro auf Radar und Kamera?
Der Grund ist der Preis. Mikrofone sind deutlich billiger als Kameras oder Radarsensoren, wie sie bislang für Totwinkelwarner an Motorrädern verwendet werden.
GoPro gibt in den Patentunterlagen an, dass die Entwicklung eines solchen Systems günstiger ausfallen soll als bei den bestehenden Lösungen mit Kamera- und Radartechnik. Die Rechenleistung übernimmt dabei die Arbeit, die sonst teure Sensoren leisten müssten. Für einen Helm, der ohnehin schon Kamera, Akku und Elektronik unterbringen muss, ist das ein spürbarer Unterschied bei den Bauteilkosten.
Welche Schwächen hat eine Warnung per Schall?
Offen ist, ob sich andere Fahrzeuge allein über Geräusche zuverlässig orten lassen. Die Bedingungen auf dem Motorrad sind dafür schwierig.
Fahrtwind erzeugt am Helm dauerhaft laute und stark schwankende Störgeräusche. Dazu kommt, dass moderne Autos sehr unterschiedlich laut sind. Ein Kleinwagen im Teillastbetrieb klingt anders als ein Lieferwagen, ein Elektroauto ist bei niedrigem Tempo kaum zu hören. Ob eine Software daraus verlässliche Warnungen ableiten kann, lässt sich anhand der Patentunterlagen nicht beurteilen. Auch zu den Entwicklungskosten machen die Dokumente keine Angaben.

Lichtsignale im Sichtfeld statt klassischem Display
Beim Lichtsystem baut GoPro auf einer Lösung auf, die schon beim Forcite MK1S verwendet wurde. Dort saßen Leuchtdioden am unteren Rand der Sichtöffnung, direkt über dem Kinnbügel. Sie zeigten die Abbiegerichtung an, indem das Licht in die entsprechende Richtung wanderte. Ausgelegt waren sie so, dass sie auch bei hellem Tageslicht sichtbar blieben, ohne zu blenden.
Die Patente erweitern dieses Prinzip deutlich. Eine im Patenttext enthaltene Tabelle listet sechs verschiedene Lichtfarben auf, die in unterschiedlichen Mustern eingesetzt werden. Neben der wandernden Richtungsanzeige kommen Impulsfolgen dazu, die weitere Informationen übermitteln, etwa zum Wetter. Insgesamt ergeben sich daraus 38 verschiedene Bedeutungen.
Hinzu kommt, dass nicht nur der Helm leuchtet. Schon der MK1S hatte eine Bedieneinheit am Lenker, die getrennt vom Helm geladen werden musste. Auch die Patente von GoPro sehen eine separate Bedieneinheit vor. Helm und Bedienteil arbeiten dabei mit jeweils eigenen Lichtsystemen und eigenen Bedeutungen.
Welche Patente sind eingetragen?
Beim US-Patentamt sind mehrere Schutzrechte auf GoPro und auf das frühere Forcite-Team eingetragen. Die aktuellste Anmeldung stammt vom 24. März 2026 und wurde am 23. Juli 2026 veröffentlicht.
Diese Anmeldung mit der Nummer 20260206906 beschreibt eine Leuchtleiste, die entlang der Sichtöffnung des Helms verläuft und im seitlichen Blickfeld sichtbar ist. Die Signale bestehen aus Farben und aus Mustern, die seitlich über die Leiste wandern. Ebenfalls am 23. Juli 2026 wurde die Anmeldung 20260211247 mit dem Titel „Adjustable Helmet Display System“ veröffentlicht. Sie beschreibt ein Visier mit einem biegsamen Bildschirm, dessen Abstand zu den Augen sich verstellen lässt, um die Brennweite anzupassen.
Bereits erteilt ist das Patent 12604942 vom 21. April 2026. Es schützt den Aufbau des Kinnbügels mit Elektronikplatine, Akku und Kamera in einem Gehäuse, das in die äußere Form des Helms eingelassen ist. Ein älteres Patent mit der Nummer 12016421 vom Juni 2024 sichert das Prinzip der Leuchtdiodenreihe im Helm ab, die aus eingehenden Daten Fahrhinweise erzeugt. Die Wurzeln reichen noch weiter zurück: Schon 2017 meldete Forcite Helmet Systems ein Modul an, das Anbauteile am Helm bei einem Sturz kontrolliert abfedern soll.
Weitere Anmeldungen von GoPro tragen die Titel „Image Capture Device With Tracking Capability“ und „Image Capture With Face Blurring“, betreffen also das Nachverfolgen von Objekten und das Unkenntlichmachen von Gesichtern.

Datenschutz und offene Fragen
Ein Helm, der dauerhaft Bild und Ton aufzeichnet, Geräusche auswertet und Daten in die Cloud überträgt, sammelt zwangsläufig personenbezogene Daten. Der Forcite MK1S ließ sich nur mit einer Handy-App nutzen, und es gibt keine Hinweise darauf, dass das bei einer GoPro-Version anders sein wird.
Damit stellen sich Fragen, die bisher unbeantwortet sind: Was passiert mit den Aufnahmen, wie lange werden sie gespeichert, und wer hat Zugriff darauf. Das Patent zum Unkenntlichmachen von Gesichtern deutet darauf hin, dass GoPro das Thema zumindest im Blick hat. Wie weit die Datenverarbeitung tatsächlich geht, ergibt sich aus den Patentunterlagen jedoch nicht.
Wann kommt der Helm auf den Markt?
Dazu gibt es bislang keine Angaben. Weder ein Termin noch ein Preis oder eine Modellbezeichnung sind bekannt.
Patente belegen zunächst nur, dass ein Unternehmen sich eine technische Lösung sichert. Ob und in welcher Form sie in ein Serienprodukt einfließt, steht damit noch nicht fest. Im Zusammenhang mit dem Kauf von Forcite und der Zusammenarbeit mit AGV zeichnet sich aber ab, in welche Richtung sich vernetzte Helme in den kommenden Modelljahren entwickeln könnten. Ein Vorteil einer fest eingebauten Lösung liegt auf der Hand: Wer heute eine Actioncam nutzt, braucht Helm, Halterung und Kamera. Das erhöht das Gewicht am Kopf und wirkt bei einem Sturz als zusätzlicher Hebel auf Kopf und Nacken. Eine integrierte Kamera vermeidet dieses Problem.

Häufige Fragen
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Was steht im GoPro Helm Patent zur Totwinkelwarnung?
Das Patent beschreibt eine Gruppe von Mikrofonen im hinteren Helmbereich, die Verkehrsgeräusche aufnimmt. Aus diesen Geräuschen soll eine Software mit maschinellem Lernen Position und Abstand anderer Fahrzeuge berechnen. Das Geräusch des eigenen Motorrads wird dabei ausgeblendet.
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Warum nutzt GoPro Mikrofone statt Radar?
Weil Mikrofone deutlich günstiger sind als Radarsensoren oder Kameras. GoPro gibt an, dass die Entwicklung dadurch preiswerter ausfällt als bei bestehenden Systemen. Die eigentliche Arbeit übernimmt die Rechenleistung.
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Wie viele Lichtsignale hat der geplante GoPro-Helm?
Eine Tabelle in den Patentunterlagen listet 38 verschiedene Bedeutungen auf, verteilt auf sechs Lichtfarben. Die Signale erscheinen sowohl am Helm als auch an einer separaten Bedieneinheit, die jeweils eigene Muster verwenden.
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Wann erscheint der GoPro-Motorradhelm?
Ein Termin ist nicht bekannt. GoPro hat den australischen Helmhersteller Forcite 2024 übernommen und arbeitet seit 2025 mit AGV zusammen, ein konkretes Serienmodell wurde aber bisher nicht angekündigt.
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Was hat Forcite mit dem GoPro-Helm zu tun?
Forcite entwickelte den Smart-Helm MK1S mit Kamera im Kinnbügel und Leuchtdioden im Sichtfeld. Nach der Übernahme durch GoPro flossen diese Ansätze in die neuen Patente ein, in denen Forcite-Gründer Alfred Boyadgis als Erfinder genannt wird.












