- 13.581 Meilen (rund 21.860 Kilometer) in 24 Tagen
- 38 US-Bundesstaaten, Start am 29. Juni in Olympia im Bundesstaat Washington
- Tagespensum von etwa 600 Meilen (knapp 1.000 Kilometer)
Wendy Crockett und Liza Miller haben im Sommer 2026 etwas gemacht, das es in dieser Form noch nicht gab. Statt einfach möglichst viele Kilometer zu sammeln, nutzten sie die Landkarte der Vereinigten Staaten als Zeichenfläche. Jede gefahrene Etappe wurde per GPS aufgezeichnet, und die Summe aller Linien ergibt am Ende einen lesbaren Schriftzug. Herausgekommen ist die Buchstabenfolge „WRWR 2026“, das Kürzel der Women Riders World Relay mit der Jahreszahl. Die Aktion trägt den Namen WR3 Ride, kurz für Women Riders World Relay World Record.

Was genau wurde als Weltrekord anerkannt?
Guinness World Records zertifizierte die Fahrt als größte koordinierte GPS-Zeichnung eines Motorradpaares. Das Zertifikat wurde den beiden Fahrerinnen nach Abschluss der Reise überreicht.
Der Titel unterscheidet sich damit bewusst von reinen Distanzrekorden. Bewertet wurde nicht, wie viele Kilometer zusammenkamen, sondern wie groß das gezeichnete Motiv ausfällt und ob es sauber koordiniert entstanden ist. Nach Angaben aus dem Umfeld der Fahrt soll die bisherige Bestmarke bei etwa 4.451 Kilometern gelegen haben. Belastbar bestätigt ist dieser Vergleichswert bislang nicht.
Für Wendy Crockett war das ein bewusster Bruch mit ihrer eigenen Vergangenheit. Sie beschreibt, dass sie nach ihrer großen Distanzfahrt von 2022 gemerkt habe, dass sich Kilometer nicht endlos stapeln lassen und Größe auch anders funktionieren kann. In ihren Worten: „And genuinely, what is bigger than using the entire United States as your canvas, right?“ Auf Deutsch: „Und mal ehrlich, was ist größer, als die gesamten Vereinigten Staaten als Leinwand zu benutzen?“
Wie kam es zu der Idee?
Die Wurzel liegt in der Women Riders World Relay des Jahres 2019. Damals wurde ein Staffelstab von Fahrerin zu Fahrerin weitergereicht, bis er einmal um die Welt gewandert war.
Nach Angaben der Organisatoren verband diese Staffel mehr als 20.000 Motorradfahrerinnen aus über 102 Ländern, der Staffelstab selbst passierte 78 Länder. Liza Miller, Mitgründerin und Geschäftsführerin der Organisation, war damals für die Etappen durch die Vereinigten Staaten verantwortlich. Sieben Jahre später wollte sie die Botschaft erneut sichtbar machen und holte sich Wendy Crockett dazu.
Miller beschreibt den Auslöser ihres Engagements deutlich: „This all started because the industry doesn’t cater to women riders.“ Übersetzt: „Das alles begann, weil die Branche sich nicht um Motorradfahrerinnen kümmert.“ Sie verweist darauf, dass Frauen oft auf Ausrüstung und Maschinen zurückgreifen müssten, die für Männer entwickelt wurden. Das Motto der Organisation lautet „Connect, Challenge, Change“, also verbinden, herausfordern, verändern.
Crockett bringt für so ein Vorhaben die passende Erfahrung mit. Sie ist mehrfach werksseitig zertifizierte Motorradtechnikerin, Tourguide und Ausbilderin für Erste Hilfe an Unfallstellen. 2019 gewann sie als erste Frau die Iron Butt Rally, ein Ausdauerrennen über elf Tage und 11.000 Meilen (rund 17.700 Kilometer). 2022 stellte sie gemeinsam mit Ian McPhee einen Guinness-Rekord für die längste zusammenhängende Motorradfahrt innerhalb eines Landes im Team auf, den Guinness mit 80.208 Meilen (129.082 Kilometer) anerkannte. Insgesamt hat sie nach eigenen Angaben mehr als eine Million Meilen (rund 1,6 Millionen Kilometer) zurückgelegt, darunter in 49 US-Bundesstaaten und in jeder mit dem Motorrad erreichbaren kanadischen Provinz.

Wie plant man eine Zeichnung in dieser Größe?
Von Hand und mit vielen Fehlversuchen. Eine Software, die Zeichnungen dieser Dimension automatisch in eine fahrbare Route übersetzt, existiert nicht.
Crockett fasst das trocken zusammen: „Yeah, so there’s no app to make GPS drawings on this scale.“ Übersetzt: „Ja, es gibt eben keine App, die GPS-Zeichnungen in dieser Größenordnung erstellt.“
Der westliche Teil des Motivs, das erste „WR“, war vergleichsweise einfach, weil Crockett viele dieser Straßen bereits kannte. Weiter im Osten wurde es komplizierter. Das Motiv musste lesbar bleiben, gleichzeitig musste jede Tagesetappe in einem Ort beginnen und enden, in dem sich eine wechselnde Zahl von Teilnehmern unterbringen ließ. Nicht selten sah eine Linie auf der Karte perfekt aus, bis klar wurde, dass es im Umkreis von 300 Meilen kein Hotel gab. Dann musste neu geplant werden. Ergänzend soll jede Straße vorab über Google Street View auf Befahrbarkeit geprüft worden sein.
Miller zieht dabei eine Parallele zur ursprünglichen Staffel, für die sie eine Route durch Länder planen musste, in denen sie selbst nie gewesen war, samt Prüfung von Monsunzeiten und unbefestigten Abschnitten.
Knapp 1.000 Kilometer pro Tag über 24 Tage
Das Tempo lag bei rund 600 Meilen (knapp 1.000 Kilometer) täglich, und zwar 24 Tage hintereinander. Für die meisten Mitfahrer war das deutlich mehr, als sie je an einem Stück gefahren waren.
Die Fahrt startete am 29. Juni in Olympia im Bundesstaat Washington und endete Ende Juli in Erie im Bundesstaat Pennsylvania. Unterwegs berührte die Route 38 Bundesstaaten. Interessierte konnten den Verlauf über eine öffentliche Livekarte mitverfolgen.
Crockett beschreibt, dass ihre Rolle vor allem darin bestand, den Rhythmus zu halten. Bei zehn Personen werde aus einer geplanten Pause von fünf Minuten schnell eine halbe Stunde, und aus acht solchen Pausen ein Tag, an dem die Gruppe erst ankommt, wenn die Restaurants geschlossen haben. Einmal sei das kein Problem, über 24 Tage summiere sich der Schlaf- und Essensmangel jedoch zu einem echten Risiko.
Auch das Wetter forderte seinen Tribut. An mehreren Tagen soll die Temperatur bei 40 Grad Celsius (104 Grad Fahrenheit) gelegen haben, Rauch von Waldbränden schränkte die Sicht ein, Starkregen machte das Visier zeitweise nahezu blind. Der längste Fahrtag soll 15 Stunden gedauert haben.

Welche Probleme traten unterwegs auf?
Zwei Vorfälle stechen heraus: ein technischer Defekt auf der Autobahn und ein Krankenhausaufenthalt am achten Tag.
Bei Miller brach während der Fahrt das Ventil des Hinterrads, der Reifen verlor schlagartig Luft. Sie hielt die Sache für erledigt, bis Crockett ein Reparaturventil aus ihrem Werkzeug zog, ein Bauteil, von dessen Existenz Miller nach eigener Aussage nichts wusste. Weitere technische Zwischenfälle wie ein beschädigter Kühler und eine stark verschlissene Antriebskette sollen ebenfalls aufgetreten sein.
Ernster wurde es am achten Tag. Miller litt an schwerer Dehydrierung, bekam Atemprobleme und ein Kribbeln in Händen und Füßen. Sie brach die Etappe ab und kam ins Krankenhaus. Zufällig war am Vorabend eine ausgebildete Krankenschwester zur Gruppe gestoßen. Sie sagte ihre eigenen Pläne ab und begleitete Miller so lange weiter, bis sich deren Zustand stabilisiert hatte. Der Zeitplan blieb trotzdem bestehen, weil an jedem Zielort bereits Mitfahrer für die nächste Etappe warteten.
Wer durfte mitfahren?
Die WR3 Ride war von Anfang an offen angelegt. Dutzende Frauen und vereinzelt auch Männer schlossen sich für einzelne Tage oder ganze Abschnitte an.
Die größte Gruppe umfasste rund zehn Motorräder. Eine Teilnehmerin namens Rose blieb fast die gesamte Strecke dabei und teilte sich mit Crockett und Miller die Funkverbindung, was die Führung größerer Gruppen deutlich vereinfachte. Das Erfahrungsniveau reichte weit auseinander. Crockett dazu: „We had so many people joining us, all sorts of different skill levels.“ Übersetzt: „Es kamen so viele Leute dazu, mit ganz unterschiedlichem Können.“ Vier Veteranen der Iron Butt Rally seien ebenso dabei gewesen wie relativ frische Motorradfahrer.
Als Symbol führten die beiden den originalen Staffelstab von 2019 mit. Teilnehmer durften ihn in die Hand nehmen, wenn sie zur Gruppe stießen. Für Frauen, die schon 2019 dabei gewesen waren, sei das ein emotionaler Moment gewesen.
Miller machte aus dem Kraftakt keinen Ausflug. Auf die Frage, ob sie Spaß habe, antwortete sie: „No! This isn’t fun! If it was fun, everyone would do it.“ Übersetzt: „Nein! Das macht keinen Spaß! Wenn es Spaß machen würde, würde es jeder tun.“

Wie weit war die Strecke tatsächlich?
Die Angaben schwanken je nach Quelle. Der am häufigsten genannte und für den Rekord relevante Wert liegt bei 13.581 Meilen, also rund 21.860 Kilometern.
Vor dem Start hatte Crockett die reine Zeichnungsroute mit etwa 13.600 Meilen angegeben, die Verbindungsetappen zwischen den einzelnen Buchstaben und Ziffern nicht eingerechnet. Inklusive dieser Zwischenstücke sollte die Gesamtstrecke bei 16.000 Meilen (rund 25.750 Kilometer) oder darüber liegen. In einzelnen Berichten kursiert außerdem eine Distanz von 13.204 Meilen. Welche Zahl Guinness im Detail zugrunde gelegt hat, ist bislang nicht öffentlich dokumentiert.
Was bleibt von der Aktion?
Ein Zertifikat, eine Landkarte mit vier Buchstaben und eine Reihe von Mitfahrern, die ihre eigene Reichweite neu einschätzen.
Miller wurde während der Fahrt 60 Jahre alt und beschreibt, dass sie sich selbst bewiesen habe, weiterhin an ihre Grenzen gehen zu können. Nach eigener Aussage erreichen sie inzwischen Nachrichten von Menschen, die ihre erste Iron-Butt-Fahrt planen, also 1.000 Meilen (1.600 Kilometer) innerhalb von 24 Stunden. Ihr Fazit zur gesamten Unternehmung fällt kurz aus: „Just say yes.“ Auf Deutsch: „Sag einfach ja.“
Ganz vorbei ist die Saison für die beiden nicht. Kurz nach der Rekordfahrt reisten sie gemeinsam nach Sturgis, um dort an der Veranstaltung Pearl’s Jam teilzunehmen. Für einen möglichen nächsten Versuch würde Miller nach eigener Aussage auf ein Motorrad setzen, das stärker auf Langstreckenkomfort ausgelegt ist, angefangen bei einem besseren Sitz.
Damit reiht sich die WR3 Ride in eine Serie von Rekordfahrten ein, die in den vergangenen Jahren immer wieder neue Kategorien erschlossen haben, von reinen Distanzmarken bis hin zu Bestmarken bei Geschwindigkeit und Ausdauer. Der Ansatz, die Landkarte selbst zum Ergebnis zu machen, ist dabei neu.

Häufige Fragen
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Was ist die größte GPS-Zeichnung der Welt?
Es handelt sich um den Schriftzug „WRWR 2026“, den Wendy Crockett und Liza Miller 2026 mit ihren Motorrädern quer über die Vereinigten Staaten gefahren sind. Guinness World Records erkannte sie als größte koordinierte GPS-Zeichnung eines Motorradpaares an. Die Strecke betrug 13.581 Meilen, also rund 21.860 Kilometer.
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Wie lange dauerte die Rekordfahrt?
Die Fahrt dauerte 24 Tage. Sie begann am 29. Juni in Olympia im Bundesstaat Washington und endete Ende Juli in Erie im Bundesstaat Pennsylvania. Das durchschnittliche Tagespensum lag bei etwa 600 Meilen, also knapp 1.000 Kilometern.
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Durch wie viele US-Bundesstaaten führte die Route?
Die Strecke berührte 38 der 50 Bundesstaaten. Der westliche Teil des Motivs verlief über Straßen, die Wendy Crockett bereits kannte, im Osten musste die Route mehrfach neu geplant werden. Ausschlaggebend war dabei oft die Frage, ob es am Etappenziel überhaupt Übernachtungsmöglichkeiten für die Gruppe gab.
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Wer sind Wendy Crockett und Liza Miller?
Wendy Crockett ist Motorradtechnikerin, Tourguide und Langstreckenfahrerin. Sie gewann 2019 als erste Frau die Iron Butt Rally und hält seit 2022 gemeinsam mit Ian McPhee einen Guinness-Rekord über 80.208 Meilen (129.082 Kilometer). Liza Miller ist Mitgründerin und Geschäftsführerin der Women Riders World Relay sowie Gründerin des Gemeinschaftsprojekts Re-Cycle Garage.
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Was ist die Women Riders World Relay?
Die Women Riders World Relay ist eine internationale Initiative für Motorradfahrerinnen mit dem Motto „Connect, Challenge, Change“. 2019 organisierte sie eine weltweite Staffel, an der nach Angaben der Organisation mehr als 20.000 Frauen aus über 102 Ländern teilnahmen. Die GPS-Zeichnung von 2026 greift dieses Projekt auf.












