- Weltweiter Absatz im zweiten Quartal: 42.467 Motorräder, ein Plus von einem Prozent
- Nordamerika plus 3 Prozent, Europa, Naher Osten und Afrika minus 9 Prozent
- Prognose für 2026 angehoben auf 133.500 bis 138.500 verkaufte Motorräder
Die Zahlen für das zweite Quartal 2026 zeigen ein Unternehmen in zwei Geschwindigkeiten. Im Heimatmarkt läuft das Geschäft besser als erwartet, die Händlerlager sind deutlich leerer als vor einem Jahr, und die neuen Modelle kommen an. Gleichzeitig sinkt der Konzerngewinn, die Zölle kosten weiter Geld, und in Europa steht ein Minus, das sich nicht mit einer schwachen Marktlage erklären lässt. Genau diese Mischung hat das Management dazu bewogen, die Jahresprognose anzuheben, statt sie abzusichern.

Wie lief das zweite Quartal für Harley-Davidson?
Weltweit verkaufte Harley-Davidson im zweiten Quartal 42.467 Motorräder an Endkunden, ein Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Getragen wurde das Wachstum ausschließlich von Nordamerika mit 29.751 Einheiten und einem Plus von drei Prozent.
Damit verzeichnet die Region das dritte Quartal in Folge mit einem Zuwachs, nachdem bereits das erste Quartal ein Plus von 14 Prozent gebracht hatte. Beim Marktanteil in den USA für Motorräder über 601 Kubikzentimeter Hubraum hielt das Unternehmen 32 Prozent. Lateinamerika legte um vier Prozent auf 767 Einheiten zu, getragen vor allem von Mexiko, während Brasilien leicht nachgab. Der asiatisch-pazifische Raum blieb mit 4.990 Motorrädern praktisch unverändert, wobei Australien und Neuseeland die Region nach oben zogen.
Die Auslieferungen an die Händler, also der Großhandelsabsatz, stiegen um neun Prozent auf 39.209 Motorräder. Sie lagen damit bewusst unter dem Endkundenabsatz. Der weltweite Neufahrzeugbestand bei den Händlern sank gegenüber dem Vorjahr um 17 Prozent, in Nordamerika um 15 Prozent. Wichtiger als die reine Menge ist die Zusammensetzung: Rund 85 Prozent der Händlerbestände entfallen inzwischen auf Modelle des Jahrgangs 2026, vor einem Jahr waren es weniger als 75 Prozent.
Warum sinkt der Gewinn trotz besserer Motorradzahlen?
Der Rückgang beim Konzerngewinn geht fast vollständig auf die Finanzsparte zurück, nicht auf das Motorradgeschäft. Der auf den Konzern entfallende Nettogewinn lag bei rund 70 Millionen Euro (80 Millionen US-Dollar) und damit 26 Prozent unter dem Vorjahreswert.
Der Konzernumsatz fiel um sechs Prozent auf etwa 1,08 Milliarden Euro (1,23 Milliarden US-Dollar). Ursache ist der Einbruch bei Harley-Davidson Financial Services, kurz HDFS. Dort sank der Umsatz um 55 Prozent auf rund 103 Millionen Euro (117 Millionen US-Dollar), das Betriebsergebnis um 69 Prozent auf etwa 19 Millionen Euro (22 Millionen US-Dollar). Grund ist der Verkauf großer Teile des Kreditportfolios in der zweiten Jahreshälfte 2025. Die Sparte arbeitet seither mit deutlich weniger eigenem Kapital, was Umsatz und Ergebnis dauerhaft kleiner ausfallen lässt.
Die Motorradsparte HDMC entwickelte sich gegenläufig. Ihr Umsatz stieg um sechs Prozent auf rund 970 Millionen Euro (1,104 Milliarden US-Dollar), der Umsatz mit Motorrädern allein um neun Prozent auf etwa 744 Millionen Euro (848 Millionen US-Dollar). Das Betriebsergebnis der Sparte verbesserte sich um 18 Prozent auf rund 63 Millionen Euro (72 Millionen US-Dollar). Die bereinigte EBITDA-Marge, also die operative Rendite vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, kletterte von 9,3 auf 10,4 Prozent. Der Gewinn je Aktie sank derweil um 15 Prozent auf 0,66 Euro (0,75 US-Dollar) und lag damit dennoch über den Erwartungen der Analysten.
Schwächer lief das Zubehörgeschäft. Der Umsatz mit Teilen und Zubehör ging um fünf Prozent zurück, Bekleidung und Lizenzen legten um zwei Prozent zu.

Was steckt hinter der Strategie Back to the Bricks?
Back to the Bricks ist der im April 2026 vorgestellte Sanierungsplan, der Händlerbestände abbauen, die Auslieferungen an die echte Nachfrage koppeln und die Margen im Handel wieder erhöhen soll. Nach Angaben des Unternehmens greift der Plan messbar.
Vorstandschef Artie Starrs stellte in der Analystenkonferenz vor allem die Ertragslage der Händler in den Mittelpunkt. Er erklärte dort: „Based on current trends, we expect domestic dealer profitability to double in 2026“ (deutsch: „Auf Basis der aktuellen Trends erwarten wir, dass sich die Profitabilität der Händler im Inland 2026 verdoppelt“). Die Händlergesundheit bezeichnete er als nicht verhandelbar. Noch im vierten Quartal hätten praktisch alle Händler über zu hohe Bestände geklagt, inzwischen halte die große Mehrheit ihre Lager für passend oder frage sogar nach zusätzlichen Motorrädern.
Finanz- und Vertriebsvorstand Jonathan Root dämpfte zugleich die Erwartung, dass daraus wieder volle Lager werden. Er kündigte an, die Bestände in den kommenden Quartalen nicht nennenswert auszuweiten. Stattdessen gehe es darum, das passende Modell zur richtigen Zeit an den richtigen Ort zu bringen.
Warum verliert Harley-Davidson in Europa Marktanteile?
In Europa, dem Nahen Osten und Afrika sank der Absatz um neun Prozent auf 6.959 Motorräder, und das in einem stark wachsenden Marktumfeld. Besonders schwach lief es in der deutschsprachigen Region, zu der das Unternehmen Deutschland, Österreich und die Schweiz zählt.
Der Kontrast zum Gesamtmarkt ist deutlich. In den fünf größten europäischen Märkten stiegen die Neuzulassungen von Motorrädern und Rollern ab 50 Kubikzentimeter im ersten Halbjahr 2026 laut dem Herstellerverband ACEM um 16,8 Prozent auf 639.490 Fahrzeuge, ein Zuwachs von 94.363 Einheiten. Deutschland verzeichnete mit plus 27,6 Prozent das stärkste prozentuale Wachstum, gefolgt von Spanien mit plus 23,6 Prozent, Großbritannien mit plus 15,8 Prozent, Italien mit plus 13,2 Prozent und Frankreich mit plus 6,4 Prozent. Zusammen stehen diese Länder für gut 80 Prozent des europäischen Marktes.
Das Minus ist damit kein Marktproblem, sondern ein Markenproblem. Harley-Davidson selbst verweist auf ein schwächeres wirtschaftliches Umfeld und zurückhaltende Verbraucher. Innerhalb Europas liefen die Segmente Touring und Sport positiv, das Gesamtergebnis konnte das nicht drehen. Produktseitig soll sich etwas ändern: Für 2027 ist die Rückkehr der Sportster 883 geplant, also ein Modell in einer Klasse, die in Europa deutlich gefragter ist als schwere Tourer.

Wie stark belasten die Zölle das Geschäft?
Für das laufende Jahr rechnet Harley-Davidson unverändert mit Zollkosten von 66 bis 79 Millionen Euro (75 bis 90 Millionen US-Dollar). Im zweiten Quartal wirkte eine Rückerstattung von etwa 18 Millionen Euro (20 Millionen US-Dollar) entlastend.
Mit weiteren Rückerstattungen kalkuliert das Unternehmen für den Rest des Jahres nicht. Als Gegenmaßnahme holt Harley-Davidson die Fertigung der Revolution-Max-Motoren für nordamerikanische Modelle zurück in die USA. Das soll künftige Zollrisiken senken und die heimische Produktion stärken, kostet aber zunächst Zeit und Geld.
Neue Modelle und der Ausblick auf das zweite Halbjahr
Für das Gesamtjahr 2026 erwartet Harley-Davidson nun einen weltweiten Endkundenabsatz von 133.500 bis 138.500 Motorrädern statt der zuvor genannten 130.000 bis 135.000 Einheiten. Für die Auslieferungen an die Händler gilt dieselbe Spanne, was die enge Kopplung von Angebot und Nachfrage unterstreicht.
Das erwartete Betriebsergebnis der Motorradsparte wurde auf 9 bis 44 Millionen Euro (10 bis 50 Millionen US-Dollar) angehoben. Zuvor war das Unternehmen von einem Ergebnis zwischen einem Verlust von 35 Millionen Euro (40 Millionen US-Dollar) und einem Gewinn von 9 Millionen Euro (10 Millionen US-Dollar) ausgegangen. Für die Finanzsparte werden nun 48 bis 57 Millionen Euro (55 bis 65 Millionen US-Dollar) erwartet. Für die Elektrotochter LiveWire bleibt es bei einem prognostizierten Verlust von 61 bis 70 Millionen Euro (70 bis 80 Millionen US-Dollar). LiveWire selbst steigerte den Quartalsumsatz um 52 Prozent auf rund 8 Millionen Euro (9 Millionen US-Dollar), der operative Verlust verringerte sich leicht auf etwa 16 Millionen Euro (18 Millionen US-Dollar).
Getragen wird die Zuversicht auch von zwei Neuvorstellungen. Die im Juni eingeführte Super Glide und die kurz vor der Sturgis-Rally präsentierte Deadwood sollen laut Unternehmensangaben über den Erwartungen liegen. Starrs sprach von einem starken Abverkauf der Super Glide und davon, dass die tatsächlich erzielten Preise so nah an der Preisempfehlung liegen wie seit Längerem nicht. Beide Modelle zielen auf günstigere, stärker individualisierbare Motorräder, ergänzt durch die Nightster und die überarbeiteten Trike-Modelle.

Wie reagieren Analysten und Börse auf die Zahlen?
Die Reaktion fiel gespalten aus: Die Zahlen übertrafen die Erwartungen, die Aktie gab nach der Veröffentlichung dennoch nach. Laut Medienberichten liegt der Kurs weiterhin rund 27 Prozent über dem Niveau vom Jahresanfang.
Kurz vor den Quartalszahlen hatte ein Investmenthaus die Aktie von Neutral auf Kaufen hochgestuft und dabei auf Rückmeldungen aus dem Händlernetz verwiesen, wonach der Sanierungsplan zu wirken beginne. Erwartet wurden steigende Absätze und bessere Margen bis 2027. Auf der anderen Seite hatte die Ratingagentur S&P Global Ratings die Kreditwürdigkeit von Harley-Davidson erst Mitte Juli unter Investmentgrade gesenkt und dabei Zweifel an der langfristigen Profitabilität geäußert.
Starrs bestätigte in der Analystenkonferenz die mittelfristigen Ziele, ohne sie anzuheben. Bis 2027 sollen Fixkosten von 132 Millionen Euro (150 Millionen US-Dollar) eingespart und ein bereinigtes EBITDA der Motorradsparte von mehr als 307 Millionen Euro (350 Millionen US-Dollar) erreicht werden. Bei den Kosteneinsparungen sieht er das Unternehmen im Plan oder leicht darüber.
Für die Motorradsaison 2026 ergibt sich damit ein Bild, das sich mit der Entwicklung anderer Hersteller nur teilweise deckt. Während der europäische Markt nach dem Einbruch des Vorjahres kräftig zulegt und vor allem kleinere Hubraumklassen das Wachstum tragen, verdient Harley-Davidson sein Geld weiterhin fast ausschließlich mit schweren Modellen in Nordamerika. Ob sich das ändert, dürfte sich erst mit den angekündigten kleineren und günstigeren Modellen der kommenden Jahre zeigen.
Häufige Fragen
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Wie viele Motorräder hat Harley-Davidson im zweiten Quartal 2026 verkauft?
Harley-Davidson verkaufte im zweiten Quartal 2026 weltweit 42.467 Motorräder an Endkunden, ein Plus von einem Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Auf Nordamerika entfielen davon 29.751 Einheiten, auf Europa, den Nahen Osten und Afrika 6.959.
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Warum sind die Harley-Davidson Quartalszahlen beim Gewinn schlechter ausgefallen?
Der Nettogewinn sank um 26 Prozent auf rund 70 Millionen Euro (80 Millionen US-Dollar), weil die Finanzsparte HDFS nach dem Verkauf großer Teile ihres Kreditportfolios deutlich kleiner geworden ist. Das Motorradgeschäft selbst verbesserte sich dagegen: Dort stieg das Betriebsergebnis um 18 Prozent.
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Wie viele Motorräder will Harley-Davidson 2026 verkaufen?
Das Unternehmen erwartet für das Gesamtjahr 2026 einen weltweiten Endkundenabsatz von 133.500 bis 138.500 Motorrädern. Zuvor lag die Prognose bei 130.000 bis 135.000 Einheiten.
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Warum läuft das Geschäft von Harley-Davidson in Europa schlecht?
Der Absatz in Europa, dem Nahen Osten und Afrika sank um neun Prozent, obwohl die Neuzulassungen in den fünf größten europäischen Märkten im ersten Halbjahr 2026 um 16,8 Prozent gestiegen sind. Besonders schwach lief die deutschsprachige Region mit Deutschland, Österreich und der Schweiz.











