- Neue US-Aktion 26V500000 umfasst 43.913 Rebel 300, Rebel 500 und SCL500 statt bisher 19.406
- Fahrgestellnummern sind seit dem 4. August 2026 bei der US-Behörde abfragbar
- Die endgültige Reparatur soll nach Behördenangaben erst im Winter 2026 bereitstehen
Beim Honda Rebel Rückruf geht es um ein Bauteil, das kaum jemand auf dem Schirm hat: eine einzelne Schraube am Lenkerschloss. Sie kann sich lösen, zwischen Rahmen und Lenkrohr rutschen und dort die Lenkung stören. American Honda hat den Vorgang am 30. Juli 2026 bei der US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA neu eingereicht, weil die im März gestartete Aktion offenbar zu klein angesetzt war. Für die deutschen Halter ist das mehr als eine Randnotiz, denn hierzulande läuft seit dem Frühjahr eine vergleichbare Maßnahme.

Was genau kann an der Schraube passieren?
Die Schraube hält das Lenkerschloss an der unteren Gabelbrücke. Sitzt sie zu locker, kann sie sich mit der Zeit herausarbeiten und in den Spalt zwischen Rahmen und Lenkrohr fallen. Im Behördenbericht ist das knapp formuliert: „The handlebar lock screw can loosen and fall between the frame and stem.“ Übersetzt: Die Lenkerschloss-Schraube kann sich lösen und zwischen Rahmen und Lenkrohr fallen.
Was daraus folgt, beschreibt der Bericht ebenso nüchtern. Ein verklemmtes Teil an dieser Stelle kann die Lenkbewegung behindern und damit das Risiko für Sturz oder Verletzung erhöhen. In der deutschen Darstellung wird ergänzt, dass der Lenker nach einer Kurve unter Umständen nicht sauber in die Mittelstellung zurückkehrt. Fällt das Bauteil ganz heraus, landet es auf der Fahrbahn.
Kritisch ist das vor allem deshalb, weil Rebel 300 und Rebel 500 typische Einsteigermaschinen sind. Sie sind leicht, niedrig gebaut und werden häufig als erstes eigenes Motorrad gekauft. Ein plötzlicher Widerstand in der Lenkung trifft dort auf Fahrer mit vergleichsweise wenig Routine, etwa beim Rangieren oder in einer langsamen Wendung.
Welche Modelle und Baujahre stehen auf der Liste?
Die neue US-Aktion umfasst die Rebel 300 der Modelljahre 2017 bis 2023 sowie 2025 und 2026, die Rebel 500 der Modelljahre 2017 bis 2023 sowie 2025 und die SCL500 des Modelljahres 2025. Insgesamt sind 43.913 Motorräder erfasst, und Honda geht laut eigenen Unterlagen davon aus, dass der Fehler bei 100 Prozent dieser Fahrzeuge vorliegen kann.
Aufgeschlüsselt nach Fertigungszeiträumen verteilt sich das so: 23.948 Einheiten der Rebel 500 aus der Produktion vom 17. Januar 2017 bis 25. November 2022, 19.007 Einheiten der Rebel 300 vom 17. Januar 2017 bis 17. November 2022, 4.221 Einheiten der Rebel 500 des Modelljahres 2019 aus der Fertigung vom 24. Oktober 2018 bis 19. August 2019, 545 Einheiten der SCL500 vom 13. bis 31. März 2025, weitere 168 Einheiten aus der Fertigung vom 19. März bis 23. Mai 2025 sowie 245 Einheiten der Rebel 300 vom 8. April bis 19. September 2025.
Eine Auffälligkeit bleibt dabei offen: Das Modelljahr 2024 taucht in der neuen Aktion nicht auf, obwohl es Teil der ersten Rückrufstufe war. Eine Erklärung dafür liefern die Unterlagen nicht. Bei den 168 Einheiten weicht die Modellzuordnung ebenfalls ab. Der Behördenbericht führt sie als Rebel 500, in Medienberichten werden sie der SCL500 zugerechnet.
Motorräder, die nach dem 22. September 2025 gebaut wurden, sind nach Angaben von Honda nicht betroffen. An diesem Tag wurde das Anzugsverfahren in der Fertigung umgestellt.

Warum wurde der Rückruf ausgeweitet?
Weil nach dem Start der ersten Aktion Schadensmeldungen von Motorrädern eintrafen, die gar nicht auf der ursprünglichen Liste standen. Am 5. März 2026 hatte Honda den ersten Rückruf beschlossen, damals mit 19.406 Fahrzeugen und beschränkt auf jüngere Modelljahre.
Am 12. Mai 2026 gingen laut Chronologie des Behördenberichts erste Meldungen außerhalb dieser Menge ein, am 17. Juni 2026 kam ein weiterer Fall dazu. Nach einer Analyse des betroffenen Fahrzeugbestands am 23. Juni entschied Honda am 23. Juli 2026 den zweiten, deutlich größeren Rückruf. Zum selben Stichtag verzeichnete der Hersteller zwei Garantiefälle in den USA, keine Verletzten und keine Todesfälle.
Der Fehler selbst hat sich damit nicht verändert. Verändert hat sich die Einschätzung, wie weit das Montageproblem zeitlich zurückreicht.
Wie erklärt Honda die Ursache?
Honda führt mehrere Punkte in der Fertigung an, die zusammengewirkt haben sollen. Die Arbeitsanweisung für das Anziehen war demnach unklar und legte nicht fest, wie eine Einweg-Kreuzschlitzschraube korrekt angezogen wird, insbesondere mit welcher Andruckkraft in Schraubenrichtung.
Dazu kam ein personeller Wechsel bei der Einweisung. Danach fehlte die Vorgabe, beim Anziehen beide Hände zum Andrücken zu nutzen. Das Werkzeug wurde teilweise schräg statt senkrecht angesetzt. Als weiterer Punkt wird die Werkzeugpflege genannt: Der Bit war verschlissen und wurde nicht getauscht, was zu schwankenden Anzugsmomenten führte. In der europäischen Darstellung heißt es zugespitzt, dass es für diese Verschraubung ab Werk überhaupt keine festgelegte Drehmomentvorgabe gab.
Bei dem Bauteil handelt es sich um eine Flachkopfschraube der Größe 6 x 16 mit der Teilenummer 90164-GGK-003. Sie stammt von Thai Honda Manufacturing in Ladkrabang, Thailand. Die Schraube selbst gilt laut Hersteller als fehlerfrei. In der Werkstatt wird sie durch ein identisches Teil ersetzt, verändert wurde nur der Einbauablauf, ergänzt um ein Schraubensicherungsmittel. Fachlich gesprochen ist das kein Teilefehler, sondern ein Prozessfehler.
Eine Unschärfe bleibt: Der US-Bericht spricht durchgehend von einer Schraube und listet ein einziges Bauteil. In der europäischen Berichterstattung ist von zwei M6-Schrauben die Rede, die das Lenkerschloss an der unteren Gabelbrücke halten.

Wann bekommen Halter Post und wann gibt es die Reparatur?
Die Händler wurden am 27. Juli 2026 informiert, die Schreiben an die Halter sollen am 21. September 2026 herausgehen. Der Termin für die eigentliche Reparatur ist allerdings offen.
Hier gehen die Angaben auseinander. In der öffentlichen Kurzfassung der Behörde ist der 21. September als Zwischeninformation beschrieben, die zunächst nur über das Sicherheitsrisiko aufklärt. Ein zweites Schreiben soll folgen, sobald die endgültige Reparaturlösung verfügbar ist, erwartet wird das im Winter 2026. Im ausführlichen Formularteil desselben Vorgangs ist eine solche Zwischeninformation dagegen nur für die Rebel 300 des Modelljahres 2026 vorgesehen, während für alle übrigen Modelle die reguläre Rückrufmitteilung genannt wird. Wer nicht warten möchte, kann die Fahrgestellnummer seit dem 4. August 2026 bei der US-Behörde prüfen lassen. Die Aktion läuft dort unter der Nummer 26V500000, intern bei Honda unter dem Kürzel KUO.
Der Stand in Deutschland
Für Deutschland gilt bislang die im Frühjahr gestartete Stufe. Weltweit waren dabei 100.180 Motorräder erfasst, davon 6.977 in Deutschland, mit einem Produktionszeitraum vom 1. Dezember 2022 bis 31. März 2025. Das Kraftfahrt-Bundesamt überwacht die Aktion unter der Referenznummer 16305R und führt die Typbezeichnungen CMX500A2, CMX500A, CL500A, CL250A und CL250A3. Eine Einschränkung auf bestimmte Fahrgestellnummern gibt es nicht.
Die Abwicklung erfolgt in zwei Phasen. In Phase 1 unter dem Code 3S4 wurde die Schraube nur dort getauscht, wo sie sich bereits gelockert hatte, weil zunächst nicht genügend Ersatzteile bereitstanden. In Phase 2 unter dem Code 3RY folgt der vorsorgliche Austausch an allen betroffenen Fahrzeugen, jeweils mit Schraubensicherung. Sach- oder Personenschäden liegen dem Kraftfahrt-Bundesamt für den europäischen Rückruf nicht vor.
Ob die jetzige Ausweitung auf Baujahre ab 2017 auch für den deutschen Markt nachvollzogen wird, ist bislang nicht bekannt. Eine entsprechende Mitteilung gibt es derzeit nicht.

Was betroffene Fahrer jetzt tun können
Honda Deutschland bietet auf seiner Serviceseite eine Abfrage über die Fahrgestellnummer an, die anzeigt, ob für ein bestimmtes Motorrad Arbeiten offen sind. Die Nummer steht im Fahrzeugschein, im Fahrzeugbrief und am Fahrzeug selbst. Fällt die Abfrage positiv aus, folgt ein Termin beim autorisierten Händler. Die Arbeiten sind für den Halter kostenlos.
Besonders wichtig ist das bei gebraucht gekauften Maschinen. Wer nicht in der Kundenkartei des Herstellers geführt wird, bekommt möglicherweise kein Anschreiben und erfährt von der Aktion sonst gar nicht. Beim Kauf eines gebrauchten Modells aus den betroffenen Baujahren lohnt sich die Prüfung vor der Übergabe. Eine kurze Sichtkontrolle im Bereich der unteren Gabelbrücke ist zusätzlich möglich. Wer dort lose Teile bemerkt oder ungewöhnliche Geräusche und Vibrationen wahrnimmt, sollte das Motorrad stehen lassen und die Werkstatt kontaktieren.

Häufige Fragen
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Wie viele Motorräder umfasst der Honda Rebel Rückruf?
Die neue US-Aktion erfasst 43.913 Motorräder der Modelle Rebel 300, Rebel 500 und SCL500. Das ist mehr als das Doppelte der 19.406 Fahrzeuge aus der ersten Stufe vom März 2026. Honda geht davon aus, dass der Fehler bei allen erfassten Maschinen auftreten kann.
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Welche Baujahre sind betroffen?
Erfasst sind die Rebel 300 der Modelljahre 2017 bis 2023 sowie 2025 und 2026, die Rebel 500 der Modelljahre 2017 bis 2023 sowie 2025 und die SCL500 des Modelljahres 2025. Das Modelljahr 2024 fehlt in der neuen Aktion, obwohl es Teil der ersten Stufe war. Maschinen aus der Produktion nach dem 22. September 2025 sind nach Herstellerangaben nicht betroffen.
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Ist die Honda CMX 500 in Deutschland vom Rückruf betroffen?
Ja, allerdings über die im Frühjahr gestartete Stufe. Das Kraftfahrt-Bundesamt führt die Aktion unter der Referenznummer 16305R mit 6.977 betroffenen Fahrzeugen in Deutschland und den Typbezeichnungen CMX500A2, CMX500A, CL500A, CL250A und CL250A3. Ob die jetzige Ausweitung auf ältere Baujahre auch hier nachgezogen wird, ist offen.
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Was kostet die Reparatur?
Nichts. Der Austausch der Schraube samt Schraubensicherung erfolgt im Rahmen des Rückrufs kostenlos beim autorisierten Händler. Halter können vorab über die Fahrgestellnummer prüfen lassen, ob für ihr Motorrad Arbeiten offen sind.
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Wann steht die endgültige Reparatur in den USA bereit?
Nach der öffentlichen Kurzfassung der US-Behörde soll die endgültige Reparaturlösung im Winter 2026 verfügbar sein. Die für den 21. September 2026 geplanten Schreiben sind dort als Zwischeninformation über das Sicherheitsrisiko beschrieben. Der ausführliche Formularteil desselben Vorgangs sieht eine solche Zwischeninformation dagegen nur für die Rebel 300 des Modelljahres 2026 vor.












