- 23 Motorradunfälle auf der B500 bis September 2026, vier Menschen starben
- Nächstes Treffen am 17. November, Umsetzung zum Start der Motorradsaison 2027
- Die B500 soll als Pilotstrecke für weitere Strecken in der Region dienen
Die Schwarzwaldhochstraße ist wegen ihrer vielen Kurven eine der bekanntesten Motorradstrecken in Baden-Württemberg. Gleichzeitig gilt sie seit Jahren als Unfallschwerpunkt. Nach einem Sommer mit mehreren tödlichen Unfällen haben sich am Dienstag, 22. September 2026, Vertreter von Behörden, Kommunen und Polizei im Rathaus von Baden-Baden zu einem Runden Tisch getroffen. Das Ergebnis ist ein Paket aus schärferen Kontrollen, möglichen Umbauten an der Strecke und rechtlichen Schritten gegen Fahrer, die sich nach einem Verstoß nicht ermitteln lassen. Einiges davon ist neu. Anderes wurde auf der B500 schon vor Jahren ausprobiert.
Wer hat am Runden Tisch zur B500 teilgenommen?
An dem Treffen nahmen die Regierungspräsidien Freiburg und Karlsruhe, der Ortenaukreis, der Landkreis Rastatt, die Städte Bühl, Achern, Gaggenau und Baden-Baden sowie die Polizei teil. Das geht aus einer gemeinsamen Pressemitteilung der Stadt Baden-Baden und des Polizeipräsidiums Offenburg hervor.
Den Anstoß hatte Baden-Badens Oberbürgermeister Thomas Jung (parteilos) Anfang September gegeben. Nach drei tödlichen Unfällen innerhalb weniger Tage forderte er, dass alle Beteiligten schnell handeln. Nach eigenen Angaben lud er alle Gemeinden zwischen Achern und Baden-Baden ein. Die Polizei habe sich wegen des Runden Tisches ebenfalls bei ihm gemeldet, darüber habe er sich sehr gefreut. Das Treffen am Dienstag war als Auftakt gedacht, weitere Runden sollen folgen. Auch in Stuttgart beschäftigen sich laut Jung das Verkehrsministerium und das Innenministerium mit dem Thema.
Wie viele Motorradunfälle gab es 2026 auf der B500?
Bis September zählte die Polizei auf der B500 in diesem Jahr 23 Unfälle mit Motorrädern. Vier Menschen kamen dabei ums Leben.
Im Juli stürzte eine 25-jährige Motorradfahrerin zwischen Zimmerplatz und Lichtental in einer Linkskurve und prallte gegen die Schutzplanke. Ende August starben oberhalb von Bühl eine 18-jährige Motorradfahrerin und ein 41-jähriger Motorradfahrer bei einem Zusammenstoß. Wenige Tage später geriet am Helbingfelsen ein 58-jähriger Motorradfahrer in einer lang gezogenen Linkskurve auf die Gegenfahrbahn. Er stieß mit einem entgegenkommenden Auto zusammen und starb noch an der Unfallstelle. Die beiden Insassen des Autos blieben unverletzt. Warum der Mann auf die Gegenfahrbahn kam, war laut Polizei zunächst unklar.
Auch über die B500 hinaus sind die Zahlen deutlich gestiegen. Dabei lohnt sich ein genauer Blick, denn die Werte beziehen sich auf unterschiedliche Gebiete und Zeiträume:
- Auf den bekannten Schwerpunktstrecken im Nordschwarzwald, also der B500, dem Murgtal und der Strecke über den Kaltenbronn, hat sich die Zahl der Motorradunfälle bis Ende Juli im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mehr als verdoppelt. Sie stieg von 32 auf 65.
- Im gesamten Bereich des Polizeipräsidiums Offenburg gab es bis Ende Juli sieben tödliche Motorradunfälle. Im ganzen Jahr davor waren es drei.
- In den ersten acht Monaten des Jahres starben im Bereich des Polizeipräsidiums insgesamt 33 Menschen im Straßenverkehr, darunter 12 Motorradfahrer. Das sind mehr Verkehrstote als im gesamten Vorjahr und so viele wie zuletzt vor vier Jahren.
Als Hauptursache nennt die Polizei zu schnelles Fahren. Oft spielten aber auch Fahrfehler und Alkohol eine Rolle. Heiko Baumgärtner, Leiter der Verkehrspolizeiinspektion Baden-Baden, erklärt, dass gerade bei den Motorradunfällen auf der B500 immer ein sehr hoher Anteil auf nicht angepasste oder zu hohe Geschwindigkeit zurückgeht.
Welche Maßnahmen hat der Runde Tisch zur B500 vereinbart?
Die Beteiligten haben sich auf ein gemeinsames Paket geeinigt. Es sieht ein konsequenteres Vorgehen bei Verkehrsverstößen vor, außerdem intensivere Kontrollen und die Prüfung von baulichen und verkehrsrechtlichen Änderungen. Beschlossen ist bisher aber nur die Richtung. Welche Schritte konkret umgesetzt werden, soll erst im November festgelegt werden.
Kontrollen mit Drohnen und zivilen Fahrzeugen
Die Polizei will künftig stärker mit zivilen Fahrzeugen und Drohnen kontrollieren. Beim Runden Tisch war auch der Einsatz neuartiger Radargeräte ein Thema. Hintergrund ist ein Problem, das Jung in einem Interview beschrieben hat: Wird eine Radarkontrolle aufgebaut, wissen die „Knieschleifer“ seiner Aussage nach innerhalb von vier Minuten über WhatsApp-Kanäle Bescheid.
Wie solche Kontrollen bisher ablaufen, zeigte ein Einsatz im September. Die Polizei überprüfte an einem Samstagnachmittag 26 Motorräder und 3 Autos auf der Schwarzwaldhochstraße. Neben dem Tempo ging es auch um den technischen Zustand der Maschinen. Tempoverstöße bei Motorrädern stellten die Beamten an diesem Tag nicht fest. Die meisten kontrollierten Fahrer reagierten mit Verständnis.
Rüttelstreifen, Markierungen und Einbahnstraßen
Geprüft werden Rüttelstreifen und spezielle Fahrbahnmarkierungen in Kurven. Auf Strecken mit besonders vielen Unfällen oder Konflikten könnten zudem Einbahnstraßenregelungen infrage kommen. Ob und wo das tatsächlich passiert, steht noch nicht fest.
Rüttelstreifen sind auf der B500 allerdings nicht neu. Bereits 2021 wurden vor der Helbingkurve je fünf Streifen pro Fahrtrichtung aufgebracht. Sie sollen Fahrer dazu bringen, rechtzeitig vor der Kurve abzubremsen. Beim Runden Tisch ging es nun darum, solche Streifen auf weiteren besonders gefährlichen Abschnitten einzusetzen.
Auch beim Thema Markierungen gibt es eine Vorgeschichte. Das Verkehrsministerium Baden-Württemberg prüft nach eigenen Angaben eine neue Form von Fahrbahnmarkierung, die in Kurven die Ideallinie für Motorradfahrer deutlicher anzeigen soll. Diese Markierung wird bereits in Nordrhein-Westfalen erprobt, die Abstimmung mit dem Bundesverkehrsministerium läuft. Ob die am Runden Tisch genannten Kurvenmarkierungen genau diese Lösung meinen, geht aus der Mitteilung von Stadt und Polizei nicht hervor.
Mehr Aufklärung
Zusätzlich wollen Stadt, Polizei und Kommunen ihre gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit verstärken, um Motorradfahrer für die Risiken auf der Strecke zu sensibilisieren.
Was ist der Unterschied zwischen Halterhaftung und Fahrtenbuchauflage?
Bei einer Halterhaftung müsste der Halter eines Motorrads für Verstöße geradestehen, auch wenn der Fahrer unbekannt bleibt. Dafür wäre aber eine Gesetzesänderung nötig, die nicht vor Ort entschieden werden kann. Die Fahrtenbuchauflage dagegen ist eine Auflage, die Behörden anordnen können. Genau diese will der Runde Tisch prüfen.
Das Grundproblem ist bekannt. Motorradfahrer sind auf Blitzerfotos meist nicht zu erkennen. Deshalb können Raser oft nicht belangt werden. Auch der Halter muss sich bisher in der Regel nicht verantworten.
Die Halterhaftung war die wohl konkreteste Forderung aller Beteiligten am Runden Tisch. Oberbürgermeister Jung bezeichnet eine entsprechende Gesetzesänderung als wichtigen Schritt. Sasbachwaldens Bürgermeisterin Sonja Schuchter (CDU) hatte die Halterhaftung schon Anfang September gefordert. Über den Eigentümer des Motorrads könne man dann auch den Fahrer zur Verantwortung ziehen, argumentierte sie. Motorradfahrer müssten genauso kontrolliert werden können wie jeder Autofahrer. Sie zeigte sich überzeugt, dass die Zahl der Motorradunfälle sinken würde, wenn sich die Halterhaftung rechtlich durchsetzen ließe.
In der gemeinsamen Mitteilung von Stadt und Polizei taucht die Halterhaftung nicht auf. Dort ist stattdessen von behördlichen Fahrtenbuchauflagen die Rede. Sie sollen greifen, wenn ein Fahrer nach einem Verstoß trotz Ermittlungen nicht festgestellt werden kann. Die Fahrtenbuchauflage ist damit der Teil der Debatte, den die Behörden in der Region selbst umsetzen können. Die Halterhaftung bleibt eine Forderung an den Gesetzgeber.
Können Motorräder auf der B500 beschlagnahmt werden?
Die Behörden wollen die bestehenden rechtlichen Möglichkeiten zur Beschlagnahme von Motorrädern bei entsprechenden Verstößen künftig konsequent ausschöpfen. Welche Verstöße damit genau gemeint sind, nennen Stadt und Polizei nicht.
Beim Runden Tisch hatte Heiko Baumgärtner von der Verkehrspolizeiinspektion Baden-Baden das Thema noch vorsichtiger formuliert: „Wir müssen auch darüber nachdenken, wie man im Extremfall Motorräder beschlagnahmen kann.“ In der späteren Mitteilung klingt es verbindlicher. Dort geht es nicht mehr um das Nachdenken über neue Wege, sondern um das Nutzen der Möglichkeiten, die es bereits gibt.
Kommt ein Fahrverbot für Motorräder auf der B500?
Ein Fahrverbot ist derzeit nicht beschlossen. Alle Beteiligten nennen es das letzte Mittel.
Das Verkehrsministerium Baden-Württemberg äußert sich zurückhaltend. Ein Fahrverbot für Motorräder sei ein erheblicher Eingriff in den fließenden Verkehr und nur unter engen rechtlichen Voraussetzungen möglich. Reichen andere Maßnahmen nach rechtlicher Abwägung nicht aus, könnte die örtliche Verkehrsbehörde laut Ministerium ein solches Verbot aber erlassen.
In der Region haben sich die Positionen im Laufe des Septembers verschoben. Anfang des Monats forderte Bürgermeisterin Schuchter angesichts der Unfälle noch ein zeitweises Fahrverbot für Motorradfahrer. Wenige Tage später sprach sie davon, ein Verbot nur als allerletztes Mittel in Betracht zu ziehen, weil es alle Motorradfahrer treffen würde und nicht nur die wenigen Raser.
Jung, der die Strecke nach eigener Aussage selbst mit dem Motorrad fährt, sieht das ähnlich. Ein Fahrverbot sei für ihn „das letzte aller Dinge“. Er verweist auf den Tourismus. Viele Motorradfahrer kämen aus den Niederlanden oder Großbritannien, um in der Region Urlaub zu machen, und nicht, um zu rasen. Diese Gäste dürfe man nicht bestrafen. Es gehe darum, einige wenige in die Schranken zu weisen, die sich und andere gefährden.
Die Debatte ist nicht neu. Schon 2021 brachte die Stadt Baden-Baden eine tageweise Sperrung der Strecke für Motorräder ins Gespräch. Damals fehlte dafür die gesetzliche Grundlage. Der damalige Baden-Badener Bürgermeister Roland Kaiser (Grüne) sagte schon damals: „Eine Sperrung ist das letzte Mittel.“
Welche Sicherheitsmaßnahmen gibt es auf der B500 bereits?
Auf der Schwarzwaldhochstraße gibt es bereits Tempo 50 an einigen Stellen, verbesserte Leitplanken mit Unterfahrschutz, Rüttelstreifen und den sogenannten Schweigekilometer. Den gewünschten Effekt haben diese Maßnahmen nach Einschätzung von Polizei und Kommunen bisher nicht gebracht.
Der Unterfahrschutz soll verhindern, dass gestürzte Motorradfahrer unter der Leitplanke hindurchrutschen. 2021 wurden neben den Rüttelstreifen auch der Parkplatz am Helbingfelsen und ein weiterer Parkplatz zwischen Sand und Baden-Baden-Geroldsau gesperrt. Außerdem wurde die Höchstgeschwindigkeit auf 50 km/h abgesenkt. Am Parkplatz am Helbingfelsen erinnert heute ein Mahnmal an verstorbene Motorradfahrer.
Vor rund zwei Jahren kam der Schweigekilometer hinzu. Die etwa tausend Meter lange Strecke ist Gedenkstätte und Warnung zugleich. Schwarze Schilder mit dem Bikergruß, einer Faust mit ausgestrecktem Zeige- und Mittelfinger, sollen zum langsameren Fahren anregen. Die Idee stammt von Tobias Gaiser aus Baiersbronn. Er wollte die Zahl der Verkehrstoten ohne Warntafeln, Blitzer oder Fahrverbote senken.
Jung zieht eine ernüchternde Bilanz. Gerade im Bereich des Schweigekilometers sei die Fahrbahn voller schwarzer Striche, die zeigten, dass dort viel zu schnell gefahren werde. Tempo 50 wiederum nerve viele Fahrer. Er bringt deshalb auch bauliche Veränderungen ins Spiel: „Ich finde, wir müssen tatsächlich überlegen, ob wir bei den Strecken gegebenenfalls zurückbauen.“ Dabei müsse man aber größer denken. Wird eine Strecke unattraktiv, weichen Fahrer auf andere aus. Deshalb sitzen die Nachbargemeinden mit am Tisch.
Als weitere Idee nennt Jung Streetworker aus der Motorradszene. Er denkt dabei an eine Zusammenarbeit mit der Rennleitung 110, einer Initiative aus ehemaligen und aktiven Polizisten, denen das Thema ebenfalls am Herzen liegt.
Wie geht es nach dem Runden Tisch zur B500 weiter?
In den kommenden Wochen sollen die geplanten Maßnahmen konkretisiert und geprüft werden. Bei einem weiteren Treffen am 17. November wird das weitere Vorgehen festgelegt.
Ziel ist es, die vereinbarten Schritte zum Start der Motorradsaison 2027 umzusetzen. Oberbürgermeister Jung nennt dafür den März. Die B500 soll dabei als Pilotstrecke dienen. Was sich dort bewährt, könnte später auf andere Strecken übertragen werden. Jung nennt als Beispiele die Rote Lache und Loffenau.
Für Motorradfahrer bedeutet das: Die Saison 2027 auf der Schwarzwaldhochstraße dürfte mit dichteren Kontrollen beginnen. Ob zusätzlich bauliche Änderungen, Einbahnstraßen oder Fahrtenbuchauflagen kommen, entscheidet sich im November. Damit schreibt die B500 eine Entwicklung fort, die mit Rüttelstreifen, Parkplatzsperrungen und Tempolimits spätestens 2021 begonnen hat und seitdem immer wieder die Frage nach einer Streckensperrung aufwirft.
Häufige Fragen
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Wie viele Menschen sind 2026 bei Motorradunfällen auf der B500 gestorben?
Auf der B500 sind 2026 bislang vier Menschen bei Motorradunfällen ums Leben gekommen. Insgesamt zählte die Polizei bis September 23 Unfälle mit Motorrädern auf der Strecke. Drei der Todesopfer starben Ende August und Anfang September innerhalb weniger Tage.
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Was hat der Runde Tisch zur B500 beschlossen?
Der Runde Tisch hat ein gemeinsames Maßnahmenpaket vereinbart. Dazu gehören mehr Kontrollen mit zivilen Fahrzeugen und Drohnen sowie die Prüfung von Rüttelstreifen, Kurvenmarkierungen, Einbahnstraßen und Fahrtenbuchauflagen. Außerdem sollen die rechtlichen Möglichkeiten zur Beschlagnahme von Motorrädern konsequent genutzt werden.
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Droht auf der B500 ein Motorrad-Fahrverbot?
Ein Fahrverbot ist aktuell nicht geplant. Oberbürgermeister Thomas Jung und Bürgermeisterin Sonja Schuchter bezeichnen es als letztes Mittel. Das Verkehrsministerium verweist auf enge rechtliche Voraussetzungen.
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Wann sollen die neuen Maßnahmen auf der B500 gelten?
Die Maßnahmen sollen zum Start der Motorradsaison 2027 umgesetzt werden. Über die konkreten Schritte wird bei einem weiteren Treffen am 17. November entschieden.











