- Teaser auf Instagram und dem europäischen YouTube-Kanal von Kawasaki, ohne ein einziges Bild des Motorrads
- EPA und CARB führen die Ninja H2 2027 mit den Emissionsdaten der Z H2 SE: 197 PS statt bisher 228 PS
- Ein Debüt auf der EICMA Anfang November 2026 gilt als wahrscheinlich, bestätigt ist es nicht
Seit 2021 gibt es die Ninja H2 in Europa nicht mehr zu kaufen. Die Supersportlerin mit Kompressor scheiterte an der Abgasnorm Euro 5 und blieb nur in den USA und anderen Märkten außerhalb Europas im Programm. Jetzt hat Kawasaki ein kurzes Video veröffentlicht, das nichts zeigt, aber viel andeutet. Zu hören ist ein hohes, metallisches Motorengeräusch, wie es für einen mechanisch angetriebenen Kompressor typisch ist. Dazu erscheint auf schwarzem Hintergrund der Satz „Return To Beyond Belief“, auf Deutsch etwa „Rückkehr zum Unglaublichen“. Der YouTube-Short trägt den Titel „A new chapter of ‚Beyond Belief‘ begins“, also „Ein neues Kapitel von ‚Beyond Belief‘ beginnt“. Wer die Geschichte der H2 kennt, versteht die Botschaft sofort.

Warum deutet der Teaser auf die Kawasaki Ninja H2 hin?
Die Formulierung „Beyond Belief“ ist seit 2014 der feste Werbeclaim der H2-Baureihe, und Kawasaki nutzt sie im neuen Video ganz bewusst wieder. Als der Hersteller die erste Ninja H2 damals ankündigte, lautete der Slogan „Built Beyond Belief“. Auch die Machart des aktuellen Clips ist eine Anspielung auf diese Kampagne. 2014 veröffentlichte Kawasaki einen Teaser mit dem Titel „Mysterious Sound“, der ebenfalls nur ein Motorengeräusch über einem schwarzen Bild zeigte. Damals blendete Kawasaki die Worte „Howling and Chirping“ ein, bevor das H2-Logo erschien. „Howling“ beschreibt das Heulen des Kompressors, „Chirping“ das Zwitschern, das entsteht, wenn beim Gaswegnehmen überschüssiger Ladedruck entweicht. Das neue Video greift genau dieses Muster auf. Das Wort „Return“ ist dabei der entscheidende Unterschied: Es geht nicht um ein neues Modell, sondern um eine Rückkehr.
Wann kommt die Kawasaki Ninja H2 nach Europa zurück?
Kawasaki nennt im Teaser keinen Termin, doch die EICMA in Mailand Anfang November 2026 gilt als wahrscheinlichster Rahmen für die Vorstellung. Dafür spricht neben dem Zeitpunkt des Videos auch die Vorgeschichte: Die erste Ninja H2 feierte 2014 ebenfalls auf der EICMA ihre Premiere. Bis dahin könnten weitere Teaser folgen, so lief es auch bei der ursprünglichen Kampagne, die sich über Monate erstreckte. Zusammen mit dem angekündigten neuen Motor von Yamaha und weiteren Neuheiten für das Modelljahr 2027 dürfte die Mailänder Messe damit zu einem der wichtigsten Termine des Jahres werden. Ob Kawasaki neben der Ninja H2 auch wieder eine Carbon-Variante zeigt, ist offen. Die australischen Zulassungsdokumente führen jedenfalls beide Versionen.

Was verraten die EPA- und CARB-Dokumente über die Ninja H2 2027?
Die US-Umweltbehörde EPA und die kalifornische Behörde CARB haben die Ninja H2 für das Modelljahr 2027 zertifiziert, allerdings nicht mehr mit eigenen Werten, sondern mit den Emissionsdaten der Z H2 SE. Das Naked Bike nutzt eine schwächere Abstimmung desselben aufgeladenen 998-Kubik-Vierzylinders. Laut EPA leistet die Ninja H2 des Modelljahrs 2026 noch 228 PS (168 kW) bei 11.500 Umdrehungen pro Minute. Für 2027 steht in den Unterlagen der Wert der Z H2 SE: 197 PS (145 kW) bei 10.500 Umdrehungen. Die Spitzenleistung fällt also um rund 31 PS und liegt 1.000 Umdrehungen früher an. Wir haben über die Leistungskürzung der Ninja H2 2027 bereits im Juli berichtet.
Die CARB-Unterlagen enthalten keine Leistungsangaben, bestätigen aber, dass die Ninja H2 künftig das Auspuffsystem der Z H2 SE mit einem zweiten Katalysator übernimmt. Interessant ist dabei ein Blick zurück: 197 PS entsprechen exakt der Leistung, mit der die erste Ninja H2 zum Modelljahr 2015 zertifiziert wurde. Auf dem Papier schließt sich damit ein Kreis.
Die Behörden prüfen nur abgasrelevante Daten. Über Fahrwerk, Elektronik oder Design sagen die Dokumente nichts aus. Ein weiteres Detail deutet jedoch auf mehr als eine reine Motorabstimmung hin: In Australien wurden die Ninja H2 und die Ninja H2 Carbon für 2027 mit den neuen Modellcodes ZXT02W und ZXT02X homologiert. Das aktuelle Modell trägt den Code ZXT02J. Ein solcher Buchstabenwechsel bedeutet bei Kawasaki üblicherweise, dass der Hersteller das Modell intern als neue Generation einstuft. Wie groß die Unterschiede tatsächlich ausfallen, ist noch nicht bekannt.
Warum verzichtet Kawasaki auf rund 30 PS?
Der naheliegende Grund ist die Zulassung in Europa. Die Z H2 und die sportlich-touristische Ninja H2 SX waren nie aus dem europäischen Programm verschwunden, weil ihre Abstimmung die geltenden Abgasvorschriften erfüllt. Beide Modelle hat Kawasaki Europe bereits für das Modelljahr 2027 angekündigt. Übernimmt die Ninja H2 die Abstimmung der Z H2, erfüllt sie damit die Voraussetzungen, um wieder legal in Europa verkauft zu werden.
Medienberichten zufolge könnte noch ein zweiter Grund eine Rolle spielen: die Produktion. Zwei eng verwandte Kompressormotoren in deutlich unterschiedlichen Leistungsstufen zu bauen und einzeln zu zertifizieren, ist aufwendig. Nutzt Kawasaki eine gemeinsame Motor- und Auspuffspezifikation für beide Baureihen, spart das Kosten und vereinfacht die Fertigung. Für Kunden in den USA bedeutet das allerdings einen Leistungsverlust gegenüber dem bisherigen Modell. Kawasaki setzt offenbar darauf, dass die Verkäufe in Europa diesen Nachteil mehr als ausgleichen.
Was bleibt bei der Ninja H2 gleich?
Der Kern des Konzepts bleibt erhalten: ein Reihenvierzylinder mit mechanisch angetriebenem Kompressor. Anders als ein Turbolader, der von den Abgasen angetrieben wird, sitzt bei der H2 ein Zentrifugalverdichter direkt an der Kurbelwelle. Diese Lösung zeichnet die gesamte H2-Familie aus, von den Straßenmodellen über den Jet Ski Ultra bis zur reinen Rennstreckenversion H2R. Auch mit weniger Spitzenleistung dürfte sich das Fahrgefühl nicht grundlegend ändern. Die Abstimmung der Z H2 setzt stärker auf die Leistungsentfaltung im mittleren Drehzahlbereich als auf den reinen Maximalwert im Datenblatt. Ein Vergleich, der in Fachkreisen genannt wird: Als Suzuki die Hayabusa mit einer geringeren Leistungsangabe neu auflegte, erwiesen sich Befürchtungen über ein langsameres Motorrad in Tests als unbegründet.
Für Großbritannien ist die Lage übrigens unklar. Dort hatte Kawasaki im vergangenen Jahr angekündigt, keine neuen Bestellungen für die Ninja H2 und die H2 Carbon mehr anzunehmen. Der Jahrgang 2026 sollte die letzte Auflage sein. Ob die für 2027 zertifizierte Version das ändert, ist offen.













