- Beirer spricht von Motoren, die aus Sicherheitsgründen nicht eingesetzt werden können
- Der Motorenstopp erlaubt Eingriffe nur mit Zustimmung aller anderen Hersteller
- Von vier Rivalen hat bislang nur Aprilia grünes Licht gegeben
Die erste Hälfte der MotoGP-Saison 2026 hat KTM eine Serie technischer Ausfälle beschert, wie sie der Hersteller aus Mattighofen so noch nicht erlebt hat. Kupplungsschäden, Fehlfunktionen der Absenkvorrichtung und vor allem Motoren, die ohne Vorwarnung ausgehen: Die RC16 ist zum Problemfall geworden. Nach dem Deutschland-Grand-Prix am Sachsenring hat Motorsportchef Pit Beirer nun bestätigt, was im Fahrerlager längst diskutiert wurde. Das Problem sitzt im Motor, es ist ungelöst, und KTM kommt allein nicht weiter.

Was genau stimmt mit den Motoren der KTM RC16 nicht?
KTM weiß bislang nicht sicher, wo der Fehler liegt. Beirer spricht von einem Risiko, das von bestimmten Bauteilen ausgeht, und von Triebwerken, die das Werk aus Sicherheitsgründen gar nicht mehr einsetzt.
Gegenüber Sky Italia sagte Beirer: „The situation is not easy, there is something wrong inside our engines. We know there’s still this risk with some parts. There is a problem, and we have to solve it; there are engines we cannot use also for safety reasons. We must use the summer break for this.“ Übersetzt heißt das: „Die Situation ist nicht einfach, in unseren Motoren stimmt etwas nicht. Wir wissen, dass bei einigen Teilen dieses Risiko weiter besteht. Es gibt ein Problem, und wir müssen es lösen. Es gibt Motoren, die wir auch aus Sicherheitsgründen nicht verwenden können. Wir müssen die Sommerpause dafür nutzen.“
Die Ratlosigkeit ist nicht neu. Schon Ende Mai räumte Beirer ein, dass sich das Werk mit der Fehlersuche schwertut. Damals sagte er, alle verbauten Teile seien neu, sämtliche Vorkehrungen getroffen. Die Motoren seien seit dem ersten Rennen 2025 homologiert und bestünden nachweislich aus denselben Komponenten. Es gebe deshalb eigentlich keinen Grund, warum diese Teile plötzlich Probleme machen sollten. Genau das ist der Kern des Rätsels: Ein Motor, der zwei Jahre lang funktioniert hat, fällt in der dritten Saison reihenweise aus.
Wie kam es zum schweren Unfall von Alex Marquez in Barcelona?
In Barcelona schaltete sich Acostas RC16 an einer der schnellsten Stellen der Strecke ab, während der Spanier das Rennen anführte. Alex Marquez folgte im Windschatten und fuhr auf, was zu einem der schwersten Stürze der jüngeren MotoGP-Geschichte führte.
Der Katalonien-Grand-Prix im Mai war ohnehin ein schwarzer Tag für KTM. Gleich drei Motorräder hatten technische Probleme: Brad Binder kämpfte schon am Start mit der Kupplung, Enea Bastianini rollte im Rennverlauf aus, und der Defekt an Acostas Maschine löste den Auffahrunfall aus. Am Trainingsfreitag zum Italien-Grand-Prix ging es weiter, Binder blieb zweimal stehen. Damit standen fünf Defekte in nur drei MotoGP-Sessions zu Buche.
Beirer sprach damals von einem Desaster und gestand offen ein: „Wir machen uns da definitiv Sorgen. Technische Probleme in einer so kurzen Zeit mit einer derartigen Häufigkeit haben wir bei KTM noch nie erlebt.“ Zu Acostas Ausfall erklärte er, es habe sich um ein elektronisches Problem gehandelt, das noch genau analysiert werden müsse. Man habe den Fehler bereits simulieren und Gegenmaßnahmen ergreifen können, die Ursache aber noch nicht geklärt.
In Assen wiederholte sich das Muster. Acostas Maschine schaltete sich mehrfach ab, diesmal wurde ein Sensorproblem verantwortlich gemacht, das offenbar mit dem Überfahren der Randsteine zusammenhängt.

Warum darf KTM die Motoren nicht einfach öffnen?
KTM unterliegt dem Motorenstopp der MotoGP und muss seine Triebwerke vor dem ersten Saisonrennen versiegeln. Öffnen darf sie der Hersteller nur mit Zustimmung aller anderen Werke.
Der Hintergrund ist ein Regelwerk, das eigentlich Kosten sparen sollte. Weil ab 2027 neue Motoren mit 850 Kubikzentimetern kommen, wurde die Entwicklung der aktuellen 1000er-Triebwerke für Aprilia, Ducati und KTM seit dem Saisonstart 2025 eingefroren. Honda kam nach dem Aufstieg im Konzessionssystem für 2026 dazu. Nur Yamaha, weiterhin im Konzessionsrang D, darf seine Motoren frei weiterentwickeln.
Hersteller oberhalb von Rang D müssen vor dem ersten Rennen ein identisches Referenztriebwerk bei der technischen Direktion der IRTA hinterlegen, damit Bauteile jederzeit verglichen werden können. Ist ein Motor einmal versiegelt, darf er ohne Zustimmung aller Mitglieder der Herstellervereinigung MSMA weder geöffnet noch zerlegt werden. Änderungen an inneren Bauteilen sind nur zulässig, wenn ein Hersteller nachweisbare Sicherheits- oder Kostengründe geltend macht. Genau diese Karte spielt Beirer nun.
Welche Hersteller stellen sich quer?
Von den vier Rivalen hat bislang nur Aprilia zugestimmt. Ducati, Honda und Yamaha haben die Freigabe laut Medienberichten bisher verweigert.
Am Sachsenring-Wochenende soll es mehrere Gespräche gegeben haben, in denen KTM um Unterstützung warb. Am Ende gab nur ein Werk grünes Licht. Beirer bedankte sich öffentlich bei den Verantwortlichen aus Noale: „I want to thank Fabiano Sterlacchini and Massimo Rivola of Aprilia who are helping us“, also: „Ich möchte Fabiano Sterlacchini und Massimo Rivola von Aprilia danken, die uns helfen.“ Sterlacchini ist Technikchef, Rivola Vorstandsvorsitzender des Aprilia-Rennprojekts.
Dass die übrigen Hersteller zögern, hat einen naheliegenden Grund. Die WM ist eng, und die Zahl der Motoren pro Fahrer und Saison ist begrenzt. Eine Sondergenehmigung könnte KTM in den Augen der Konkurrenz einen Vorteil verschaffen. Ein Präzedenzfall existiert: Yamaha erhielt 2020 die Erlaubnis, an den Triebwerken zu arbeiten. Damals war die Ursache allerdings bekannt, es ging um Ventile eines Zulieferers, deren Maße sich minimal verändert hatten. Bei KTM ist bislang nicht einmal sicher, wonach die Techniker überhaupt suchen. Weil das Problem erst 2026 auftrat, gilt ein Fertigungs- oder Materialfehler in den aktuellen Produktionslosen als wahrscheinlichste Erklärung.

Wie hat KTM kurzfristig reagiert?
KTM soll die Leistung der Motoren reduziert haben, um weitere Ausfälle zu vermeiden. Am Sachsenring ging das Konzept auf, das Wochenende verlief ohne erkennbare technische Probleme.
Der Preis dafür ist allerdings sportlicher Natur. Wer Leistung herausnimmt, verliert Rundenzeit. Acosta, der mit einem Sprint-Sieg in Buriram fulminant in die Saison gestartet war, ist laut Medienberichten inzwischen auf den siebten WM-Rang zurückgefallen. Hinzu kommt ein Sicherheitsaspekt, der über KTM hinausgeht: Wer im Windschatten einer RC16 fährt, muss damit rechnen, dass die Maschine vor ihm plötzlich verzögert. Der Unfall von Alex Marquez hat gezeigt, wie schnell das eskaliert.
Rückendeckung von Red Bull trotz der Krise
Parallel zur technischen Krise gibt es für KTM auch eine gute Nachricht. Red Bull hat den Vertrag verlängert, die MotoGP-Maschinen tragen also auch ab 2027 das bekannte Logo und die vertraute Lackierung. Erst kürzlich hatte sich KTM zu einem Verbleib in der Königsklasse für mindestens fünf weitere Jahre bekannt.
Die Verbindung der beiden österreichischen Marken reicht rund ein Vierteljahrhundert zurück und umfasst Motocross, Supercross, Enduro, die Dakar und den Rallyesport. Seit 2017 ist die MotoGP dazugekommen. In Moto3 und Moto2 gab es bereits Titel, in der Königsklasse steht die RC16 bislang bei sieben Siegen und 38 Podestplätzen, ein WM-Titel fehlt weiterhin.
Beirer ordnet die Partnerschaft so ein: „Red Bull and KTM just go together. It has been a great partnership for so long and is much more than just the colors of the bikes.“ Auf Deutsch: „Red Bull und KTM gehören einfach zusammen. Es ist seit so langer Zeit eine großartige Partnerschaft und weit mehr als nur die Farben der Motorräder.“ Er betont, dass Red Bull das Werk an der Strecke und hinter den Kulissen unterstützt und dass es noch viel gemeinsam zu erreichen gebe.

Was bedeutet das für die zweite Saisonhälfte?
Die Sommerpause entscheidet darüber, ob KTM die zweite Saisonhälfte mit einem sicheren Motor bestreiten kann. Ohne die Zustimmung der übrigen Hersteller bleiben die Triebwerke versiegelt und die Ursache im Dunkeln.
Damit steht KTM an einem ungewöhnlichen Punkt der MotoGP-Saison 2026. Der Hersteller hat die Fahrerpaarungen für 2027 sortiert, die Partnerschaft mit Red Bull gesichert und ein klares Bekenntnis zur Königsklasse abgegeben. Der sportliche Wert all dessen hängt aber an einer Frage, die KTM nicht allein beantworten kann: ob die Konkurrenz bereit ist, das Siegel zu brechen.

Häufige Fragen
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Was ist das KTM MotoGP Motorproblem genau?
KTM kämpft in der Saison 2026 mit Motoren der RC16, die sich ohne Vorwarnung abschalten. Motorsportchef Pit Beirer hat bestätigt, dass die Ursache im Inneren der Triebwerke liegt und noch nicht gefunden wurde. Einzelne Motoren setzt das Werk aus Sicherheitsgründen gar nicht mehr ein.
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Warum darf KTM die MotoGP-Motoren nicht selbst reparieren?
Weil die Motorenspezifikation für Aprilia, Ducati und KTM seit dem Saisonstart 2025 eingefroren ist. Versiegelte Motoren dürfen nur mit Zustimmung aller Mitglieder der Herstellervereinigung MSMA geöffnet werden. Bislang hat lediglich Aprilia zugestimmt.
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Welche Rolle spielt der Unfall von Alex Marquez in Barcelona?
Beim Katalonien-Grand-Prix im Mai schaltete sich Pedro Acostas RC16 in Führung liegend an einer sehr schnellen Streckenstelle ab. Alex Marquez fuhr im Windschatten auf und stürzte schwer. Der Vorfall gilt als deutlichster Beleg dafür, dass die Defekte ein Sicherheitsrisiko darstellen.
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Hat KTM die Motorleistung reduziert?
Nach Medienberichten soll KTM die Leistung der Triebwerke zurückgenommen haben, um weitere Ausfälle zu verhindern. Das Sachsenring-Wochenende verlief ohne technische Probleme. Sportlich hat der Schritt allerdings Rundenzeit gekostet.
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Bleibt Red Bull KTM in der MotoGP erhalten?
Ja. Red Bull und KTM haben ihren Vertrag verlängert, die MotoGP-Maschinen tragen auch ab 2027 die bekannte Lackierung. KTM hatte zuvor einen Verbleib in der Königsklasse für mindestens fünf weitere Jahre bestätigt.












