- 145 Personen und 133 Motorräder kontrolliert, 30 Motorräder beschlagnahmt, 179 Strafzettel
- Ab 1. November sollen illegale Rennen mit bis zu zwei Jahren Haft bestraft werden, im Wiederholungsfall mit bis zu fünf Jahren
- Am selben Ort gab es schon 2024 mehrere große Polizeiaktionen
Als Mat Rempit werden in Malaysia Motorradfahrer bezeichnet, die illegale Rennen auf öffentlichen Straßen fahren. Einer ihrer bekannten Treffpunkte liegt an der Butterworth Outer Ring Road, kurz BORR, im Ort Bagan Ajam. In den vergangenen Wochen kursierten in sozialen Medien Videos, die zeigen, wie Gruppen von Fahrern die Straße nachts in Beschlag nehmen. Die Szenen erinnerten eher an eine Party als an normalen Verkehr und sorgten im ganzen Land für Kritik. Jetzt hat die Verkehrspolizei durchgegriffen. Festnahmen gab es keine, dafür aber zahlreiche Strafzettel und beschlagnahmte Motorräder.

Was ist bei der Razzia am BORR in Penang passiert?
Die Verkehrspolizei von Penang hat am BORR in Bagan Ajam 145 Personen und 133 Motorräder überprüft. Am Ende stellten die Beamten 30 Motorräder sicher und verteilten 179 Strafzettel für verschiedene Verstöße.
Der Einsatz endete in der Nacht zum 19. Oktober gegen 2 Uhr. Anuar Abdul Rahman, Polizeichef des Bezirks Seberang Perai Utara, berichtete anschließend über die Ergebnisse. Die Beamten hatten es dabei nicht nur auf Rennen abgesehen. Sie kontrollierten gezielt auch umgebaute Motorräder und veränderte Auspuffanlagen. Die Motorräder wurden nach Abschnitt 64(1) des malaysischen Straßenverkehrsgesetzes von 1987 beschlagnahmt.
An der Kontrolle waren zwei Behörden beteiligt. Die Polizei stellte 158 der Strafzettel aus. Die restlichen 21 Bescheide kamen von der Verkehrsbehörde JPJ, die in Malaysia unter anderem für Fahrzeuge und Führerscheine zuständig ist.
Welche Verstöße hat die Polizei bei den Motorrädern festgestellt?
Am häufigsten fuhren die Kontrollierten ohne Führerschein, das betraf 25 Fälle. Knapp dahinter folgten Kennzeichen, die nicht den Vorschriften entsprachen, mit 24 Fällen.
Bei 17 Motorrädern fehlte die vorgeschriebene Lizenzplakette für das Fahrzeug. In 16 Fällen hatten die Besitzer Rahmen oder Ausstattung unerlaubt verändert. Dazu kamen 15 Strafzettel für umgebaute Auspuffanlagen. 13 Motorräder waren ganz ohne Kennzeichen unterwegs.
Ein Beispiel zeigt, wie weit manche Umbauten gehen. Unter den beschlagnahmten Motorrädern war eine Yamaha Y15ZR, in die der Besitzer mehr als 6.000 Ringgit (circa 1.310 Euro / 1.470 US-Dollar) gesteckt haben soll. Er ließ den Motor tunen, baute die Hinterradbremse aus und montierte sogenannte Sotong-Reifen. Das sind extrem schmale Reifen, deren Name in Malaysia auf das Wort für Tintenfisch zurückgeht. Weil sie weniger auf der Straße aufliegen und leichter sind, sollen sie das Motorrad schneller beschleunigen und eine höhere Endgeschwindigkeit ermöglichen. Der Preis dafür ist deutlich weniger Grip. Vor allem in Kurven rutschen die Reifen leicht weg. Gedacht sind sie eigentlich nur für Sprintrennen auf gerader Strecke. Auch die übrigen Umbauten zielen nach Angaben der Behörden darauf ab, das Motorrad schneller zu machen.

Warum ist der BORR seit Jahren ein Treffpunkt für illegale Rennen?
Der Abschnitt bei Bagan Ajam zieht schon lange Gruppen an, die dort Rennen fahren. Die Behörden haben dort bereits 2024 mehrfach große Kontrollen durchgeführt.
Die Rennen sollen nicht nur nachts stattfinden, sondern auch am Nachmittag und in den frühen Morgenstunden. Die Fahrer sollen dabei kaum Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmer nehmen, auch nicht auf Autofahrer, die die Schnellstraße nutzen.
Im Mai 2024 beschlagnahmten die Verkehrsbehörde JPJ und die Verkehrspolizei bei einem Einsatz zwischen 1 und 9 Uhr morgens 79 Motorräder. Insgesamt gab es damals 375 Bescheide. Die Liste der Verstöße ähnelt der heutigen stark. Sie reichte von stark getunten Motoren über Sotong-Reifen, ausgebaute Hinterradbremsen und ausgefallene Kennzeichen bis zu getauschten Schwingen. Dazu kamen Fahrer ohne Führerschein oder Versicherung sowie Minderjährige am Lenker.
Im August 2024 folgte die nächste Aktion. Damals kontrollierte die Polizei 67 Motorräder, von denen 48 beschlagnahmt wurden, und verteilte 195 Strafzettel. Kurz davor war eine Kontrolle am BORR aus dem Ruder gelaufen. Eine große Gruppe Motorradfahrer flüchtete entgegen der Fahrtrichtung, um der Polizei zu entkommen. Auch davon verbreitete sich ein Video in sozialen Medien.
Was ändert sich für Mat Rempit ab dem 1. November?
Ab dem 1. November 2026 soll in Malaysia ein neuer Abschnitt 42A im Straßenverkehrsgesetz gelten. Er macht die Teilnahme an einem Rennen oder einer Geschwindigkeitsfahrt zwischen zwei oder mehr Fahrzeugen zu einem eigenen Straftatbestand.
Die Strafen fallen deutlich höher aus als bisher. Beim ersten Verstoß drohen 2.000 bis 10.000 Ringgit (circa 435 bis 2.180 Euro / 490 bis 2.450 US-Dollar) Geldstrafe, bis zu zwei Jahre Haft oder beides. Wer erneut erwischt wird, muss mit 5.000 bis 20.000 Ringgit (circa 1.090 bis 4.365 Euro / 1.225 bis 4.900 US-Dollar), bis zu fünf Jahren Haft oder beidem rechnen.
Wichtig ist auch eine Änderung beim Vorgehen der Behörden. Bisher mussten sie nachweisen, dass eine Gefahr bestand oder dass etwas passiert war. Mit dem neuen Abschnitt können sie einschreiten, bevor es zu einem Unfall, Verletzten oder Toten kommt. Verkehrsminister Anthony Loke spricht davon, dass damit eine Lücke im bisherigen Recht geschlossen wird.
Muhammad Kifli Ma Hassan, Leiter der Durchsetzung bei der Verkehrsbehörde JPJ, macht deutlich, was auf die Fahrer zukommt:
„Kita akan mengenakan hukuman yang jauh lebih berat, termasuk hukuman penjara, terhadap kesalahan ‚mat rempit‘.“
Übersetzt: „Wir werden für Mat-Rempit-Vergehen deutlich härtere Strafen verhängen, einschließlich Haftstrafen.“
Er erklärt außerdem, dass die Änderungen den Ermittlern die Arbeit erleichtern sollen.
Steht der Termin schon fest?
Ganz sicher ist der Starttermin noch nicht. Das Parlament hat die Reform bereits beschlossen, sie muss aber noch offiziell im Amtsblatt veröffentlicht werden. Die Verkehrsbehörde wartet dafür auf eine Stellungnahme der Generalstaatsanwaltschaft. Nur wenn alles nach Plan läuft, gilt das neue Recht ab dem 1. November.
Das Unterhaus hatte das Gesetz am 24. Juni 2026 verabschiedet. Es war das einzige Gesetz, das in der ersten Woche dieser Sitzungsperiode durchkam. Nach Angaben von Loke wurden die Grundzüge der Reform schon zwei Jahre zuvor beschlossen. Danach dauerte es noch ein bis zwei Jahre, bis der Gesetzestext fertig war.

Was sieht die Reform des Straßenverkehrsgesetzes außerdem vor?
Die Regeln gegen illegale Rennen sind nur ein Teil einer größeren Reform. Insgesamt ändert sie 42 Klauseln in 11 Bereichen des Straßenverkehrsgesetzes.
Für schwere Verstöße und Wiederholungstäter steigen die Geldstrafen. Außerdem sollen die Behörden mehr digitale Technik einsetzen, etwa Kameras, die Kennzeichen automatisch erkennen. Ab dem 1. Januar 2029 soll zudem das maximale Verwarnungsgeld für Verkehrsverstöße von 300 Ringgit (circa 65 Euro / 75 US-Dollar) auf 500 Ringgit (circa 110 Euro / 120 US-Dollar) steigen. Loke betont, dass es dabei nicht um mehr Einnahmen für den Staat gehe, sondern darum, dass sich mehr Menschen an die Regeln halten. Ergänzend soll das Punktesystem für Verkehrssünder ausgebaut werden, damit wiederholte Verstöße auch Folgen für die Fahrerlaubnis haben.
Schon für das Jahresende ist eine weitere Änderung geplant. Sie soll Opfern von Unfällen mit betrunkenen oder unter Drogen stehenden Fahrern sowie deren Familien eine Entschädigung ermöglichen.
Die Razzia in Penang steht nicht für sich allein. Laut Verkehrsministerium haben die Behörden ihre Einsätze gegen illegale Rennen im ganzen Land verstärkt. Muhammad Kifli Ma Hassan bezeichnet die Mat Rempit als Problem von nationaler Bedeutung, gegen das dauerhaft vorgegangen werden muss. Als weiteres Beispiel nennt er den Flughafen Sultan Ismail Petra in Kota Bharu, wo es immer wieder zu ähnlichen Vorfällen kommt. Dort will die Verkehrsbehörde künftig enger mit der Polizei zusammenarbeiten.
Häufige Fragen
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Was bedeutet Mat Rempit?
Mat Rempit ist in Malaysia die Bezeichnung für Motorradfahrer, die illegale Rennen auf öffentlichen Straßen fahren. Oft sind ihre Motorräder stark umgebaut, zum Beispiel mit getuntem Motor, verändertem Auspuff oder ausgebauter Hinterradbremse.
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Welche Strafe droht Mat Rempit ab November 2026?
Beim ersten Verstoß drohen 2.000 bis 10.000 Ringgit Geldstrafe, bis zu zwei Jahre Haft oder beides. Im Wiederholungsfall sind es 5.000 bis 20.000 Ringgit, bis zu fünf Jahre Haft oder beides. Grundlage ist der neue Abschnitt 42A im malaysischen Straßenverkehrsgesetz.
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Wie viele Motorräder wurden bei der Razzia am BORR beschlagnahmt?
Die Polizei hat 30 von 133 kontrollierten Motorrädern beschlagnahmt. Zusätzlich gab es 179 Strafzettel, vor allem wegen fehlender Führerscheine, falscher Kennzeichen und unerlaubter Umbauten. Festnahmen gab es keine.
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Ab wann gilt das neue Gesetz gegen illegale Rennen in Malaysia?
Das Gesetz soll ab dem 1. November 2026 gelten. Voraussetzung ist, dass es rechtzeitig im Amtsblatt veröffentlicht wird. Das Parlament hat die Reform bereits im Juni 2026 beschlossen.











