- Die Ortseingangsschilder sollen um etwa 200 Meter Richtung Neuenrade wandern, dazu wird ein gestuftes Tempolimit von 70 und 50 km/h geprüft.
- Ein stationärer Blitzer ist als letzte Stufe vorgesehen, falls die übrigen Maßnahmen nicht wirken.
- Die SPD will dieselben Maßnahmen auch am Ortseingang Evingsen an der L683.
Der Kohlberg gehört zu den Strecken im Märkischen Kreis, die bei Motorradfahrern beliebt sind. Genau das sorgt im Altenaer Ortsteil Dahle seit Jahren für Streit. Jetzt hat die CDU-Fraktion einen Antrag vorgelegt, der das Problem Schritt für Schritt angehen soll. Er stand am 22. September 2026 auf der Tagesordnung des Ausschusses für Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr. Eingebracht haben ihn Fraktionschef Tobias Röbbecke und der Dahler Ortsvorsteher Helmar Roder. Die beiden betonen dabei ausdrücklich, dass sich ihr Vorstoß nicht gegen Motorradfahrer im Allgemeinen richtet. Es geht ihnen um einzelne Fahrer, die sich nicht an die Regeln halten.
Was fordert die CDU für den Kohlberg in Altena?
Die CDU will, dass die Stadtverwaltung gemeinsam mit der Straßenverkehrsbehörde, der Polizei und dem Landesbetrieb Straßen.NRW ein abgestimmtes Konzept gegen Lärm und zu schnelles Fahren am Kohlberg erarbeitet. Dafür listet der Antrag zehn Punkte auf, die nacheinander geprüft und, wo rechtlich möglich, umgesetzt werden sollen.
Der Antrag trägt den Untertitel „konsequentes Vorgehen gegen Raser und rücksichtslose Verkehrsteilnehmer“. Hintergrund sind laut den Antragstellern Beschwerden über hohe Geschwindigkeiten und starken Lärm auf der Neuenrader Straße im Bereich des Kohlbergs. Besonders betroffen sind demnach die Wochenenden bei schönem Wetter und die Abendstunden.
Die CDU versteht ihren Antrag als mittelfristiges Konzept in mehreren Stufen. Die Fachämter sollen nicht mit allen Aufgaben gleichzeitig belastet werden. Zuerst sollen einfache Maßnahmen kommen, die direkt auf das Fahrverhalten wirken, etwa bessere Schilder und eine Anzeigetafel. Parallel dazu sollen belastbare Daten zu Tempo, Lärm und Unfällen gesammelt werden. Erst wenn das alles nicht reicht, steht ein fester Blitzer zur Debatte.
Schilder und Tempolimits
Der erste Punkt betrifft die Ortseingangsschilder auf der Neuenrader Straße. Sie sollen, sofern das rechtlich zulässig ist, um etwa 200 Meter in Richtung Neuenrade versetzt werden. So sollen vor allem Ortsfremde früher merken, dass die geschlossene Ortschaft beginnt und dort Tempo 50 gilt.
Hinter dem Abzweig „Alter Weg“ sollen zusätzliche und gut sichtbare Schilder auf die erlaubten 50 km/h hinweisen, möglichst auf beiden Straßenseiten. Außerdem soll mit Straßen.NRW geprüft werden, ob aus Richtung Neuenrade schon vor der letzten Rechtskurve vor dem Abzweig Mühlhofstraße Tempo 70 gelten kann. Spätestens vor dem Abzweig selbst soll das Limit dann auf 50 km/h sinken.
Anzeigetafel, Messungen und Unfallanalyse
An der Einfahrt Neuenrader Straße 27 soll möglichst bald eine mobile Geschwindigkeitsanzeigetafel stehen. Sie soll nicht nur das gefahrene Tempo anzeigen, sondern bei korrektem Fahren auch eine positive Rückmeldung geben. Gleichzeitig soll sie die Daten speichern, vor allem an Wochenenden mit gutem Wetter und in den Abendstunden.
Zwei feste Messstellen gibt es außerhalb der Ortschaft bereits. Deren Ergebnisse soll die Verwaltung dem Ausschuss vorlegen, darunter Durchschnitts- und Spitzenwerte, die Zahl der Verstöße und Unterschiede zwischen Werktagen, Wochenenden und Abenden. Die CDU bezweifelt allerdings, dass diese Messstellen die Lage im betroffenen Bereich richtig abbilden. Deshalb fordert sie ergänzende Messungen.
Dazu gehören zeitweise Lärmmessungen, eventuell durch die Immissionsschutzbehörde. Das ist die Behörde, die sich um Belastungen wie Lärm und Abgase kümmert. Zusätzlich soll die Stadt zusammen mit der Polizei die Unfälle der vergangenen Jahre am Kohlberg auswerten. Im Fokus stehen Motorradunfälle, schwere Verletzungen, Unfallschwerpunkte, Uhrzeiten und, soweit bekannt, die Ursachen.
Kontrollen, Blitzer und Bericht
Die Verwaltung soll sich bei der Polizei für regelmäßige Schwerpunktkontrollen einsetzen, und zwar genau zu den Zeiten mit der höchsten Belastung. Neben dem Tempo sollen riskante Fahrweisen, vermeidbarer Lärm und andere Verstöße kontrolliert werden. Ein besonderes Augenmerk soll auf Fahrern liegen, die die Strecke mehrfach und deutlich zu schnell fahren.
Zeigen die Maßnahmen keine ausreichende Wirkung, soll eine stationäre Blitzeranlage zwischen den Einfahrten der dort wohnenden Familien geprüft werden. Dabei geht es auch um praktische Fragen wie die Zuständigkeit und die Stromversorgung. Der zehnte Punkt verpflichtet die Verwaltung, dem Ausschuss nach einer gewissen Zeit über die Entwicklung von Tempo, Verkehr, Lärm, Kontrollen und Unfallzahlen zu berichten.
Richtet sich der Antrag gegen alle Motorradfahrer?
Nein, das betont die CDU in ihrer Begründung ausdrücklich. Wörtlich heißt es dort: „Motorradfahrer gehören ebenso wie alle anderen Verkehrsteilnehmer zum Straßenverkehr und sind selbstverständlich willkommen.“
Das Problem sehen die Antragsteller bei einzelnen Fahrern, die Regeln missachten und die Strecke nach ihrer Darstellung teilweise wie eine Rennstrecke nutzen. Vor allem starkes Beschleunigen in niedrigen Gängen soll für viel Lärm sorgen. Besonders belastend sei es, wenn einzelne Motorradfahrer den Kohlberg sechs bis acht Mal hintereinander hinauf- und wieder hinunterfahren. Für die Anwohner handelt es sich laut CDU nicht um eine gelegentliche Störung, sondern um eine regelmäßige Belastung an Wochenenden und Abenden.
Welcher Vorfall steht hinter dem Antrag?
Auslöser war unter anderem der Fall eines Motorradfahrers, der Mitte Juli sein Kennzeichen umgeklappt haben soll, als er fotografiert wurde. Diana und Joachim Schaumann wohnen direkt an der Sonnenstraße unterhalb des Kohlbergs und hatten sich zuvor öffentlich über Lärm und rücksichtsloses Fahren beschwert.
Nach ihrer Darstellung fuhr derselbe Motorradfahrer an diesem Tag bereits zum sechsten Mal die Serpentinen hinauf. Joachim Schaumann, von Beruf Anwalt, richtete daraufhin eine Kamera auf ihn. Ein Foto vom 15. Juli zeigt das Ehepaar, wie es einen deutlich zu schnell fahrenden Motorradfahrer beobachtet. Der Fahrer soll sein Kennzeichen hochgeklappt haben, um nicht erkannt zu werden. Schaumann hatte das Kennzeichen allerdings schon vorher fotografiert. Die Daten gingen an die Polizei.
Neu ist das Thema nicht. Anwohner der Neuenrader Straße, der Ehrenmalstraße, der Sonnenstraße und der Straßen auf der Kirchenseite weisen seit Jahren auf den Lärm und die Gefahren durch zu schnelles Fahren zwischen Altena und Neuenrade hin. Laut CDU wurde die Lage bereits im Frühjahr mit Bürgermeister Guido Thal vor Ort besprochen. Die dort angesprochenen Ideen sollen nun in das Konzept einfließen.
Warum ist der Kohlberg bei Motorradfahrern so gefragt?
Die Strecke über den Kohlberg ist kurvig, hat Serpentinen und eine sanierte Fahrbahn. Schon 2020 galt der Lärm von Motorradfahrern, die gern diese Route nehmen, in Dahle als Streitthema.
Die Sanierung der L698 über den Kohlberg geht nach eigener Darstellung auf Helmar Roder zurück. Der Ortsvorsteher, der das Amt seit rund 17 Jahren ausübt, hatte Straßen.NRW über längere Zeit mit Briefen auf den schlechten Zustand der Straße hingewiesen. Heute gehört er zu den Unterzeichnern des Antrags gegen den Lärm auf derselben Strecke.
Wie oft kontrolliert die Polizei am Kohlberg?
Die Polizei Märkischer Kreis kontrolliert den Kohlberg regelmäßig, allein 2026 bereits bei mindestens zwei größeren Einsätzen. Er zählt für die Behörde zu den bei Motorradfahrern beliebten Strecken im Kreis, ebenso wie die Nordhelle zwischen Meinerzhagen und Herscheid.
Beim Aktionstag „Sicher mobil leben“ Ende April 2026 gab es dort technische Kontrollen und Tempomessungen. Kreisweit wurden an diesem Tag nur zwei Motorradfahrer geblitzt. Einer davon war ein Niederländer, der in Lüdenscheid 32 km/h zu schnell unterwegs war.
Deutlich mehr Verstöße brachte ein Schwerpunkteinsatz am Sonntag, 12. Juli 2026, zwischen 11 und 19 Uhr. Er lief im Rahmen des sogenannten Netzwerks Krad, einem Zusammenschluss mehrerer Polizeibehörden in der Region. Kontrolliert wurde unter anderem am Kohlberg, an der Nordhelle, an der K2 und K3 in Kierspe, an der L539 bei Meinerzhagen-Ihne und an der L709 im Listertal. Die Bilanz für den gesamten Kreis sah laut Polizei so aus:
- 339 Verkehrsteilnehmer wurden verwarnt, darunter 103 Motorradfahrer.
- Bei Motorradfahrern stellte die Polizei 69 Tempoverstöße fest, dazu 21 technische Mängel und 11 weitere Verstöße.
- Ein KTM-Fahrer war außerorts 45 km/h zu schnell. Das bedeutet 320 Euro (circa 365 US-Dollar) Bußgeld, zwei Punkte in Flensburg und einen Monat Fahrverbot.
- Ein Motorrad wurde wegen unzulässiger Umbauten sichergestellt, bei zwei weiteren stellte die Polizei die Auspuffanlagen sicher.
- Zwei Fahrer bekamen eine Strafanzeige, weil sie keinen passenden Führerschein hatten.
Die Polizei kündigt an, solche Schwerpunktkontrollen gemeinsam mit den Partnern aus dem Netzwerk fortzusetzen.
Wie gefährlich ist die Strecke für Motorradfahrer?
Laut CDU kam es am Kohlberg auf Dahler und auf Neuenrader Seite auch in diesem Jahr erneut zu mehreren Motorradunfällen, teils mit so schweren Folgen, dass ein Rettungshubschrauber kommen musste. Eine genaue Auswertung für die Strecke gibt es bisher nicht. Genau die fordert der Antrag.
Wie solche Unfälle ablaufen können, zeigt ein Fall vom Juni 2025. In der zweiten Kurve der Serpentinen unterhalb des Restaurants Tiroler Stuben geriet ein 22-jähriger Motorradfahrer aus Dortmund laut Polizei gegen die Leitplanke. Er war mit einer Gruppe talwärts Richtung Neuenrade unterwegs und wurde über die Leitplanke in die Büsche geschleudert. Der Rettungshubschrauber Christoph 8 landete auf einer Skiwiese und brachte ihn in eine Klinik nach Bochum. Die Straße war bis etwa 20 Uhr voll gesperrt.
Für den gesamten Märkischen Kreis nennt die Polizei Zahlen: Im Jahr 2025 verunglückten dort 98 Motorradfahrer. Drei von ihnen starben, 35 wurden schwer verletzt. Zu hohe und nicht angepasste Geschwindigkeit gilt bei der Polizei als eine der Hauptursachen für Unfälle mit schweren Folgen.
SPD will die Maßnahmen auch für Evingsen
Die SPD-Fraktion unterstützt den gestuften Ansatz der CDU und hat einen Ergänzungsantrag gestellt. Sie will dieselben Maßnahmen auch am Ortseingang Evingsen auf der L683, aus Hemer kommend. Unterschrieben haben ihn SPD-Geschäftsführerin Nina Hoffmann und Evingsens Ortsvorsteher Thomas Schmitz.
Auch dort soll das Ortsschild früher stehen, und zwar an der Kreuzung L683 und Zur Roleye. Falls das nicht geht, soll ein gestuftes Tempolimit mit 70 und dann 50 km/h geprüft werden. Dazu kommen Lärmmessungen, eine Unfallauswertung für den Bereich Evingsen und Ihmert, regelmäßige Kontrollen und die Prüfung eines festen Blitzers. Laut SPD berichten Anwohner auch in Evingsen von wiederholten lauten Motorradfahrten. Die Lage des Dorfes in einem Talkessel soll den Schall zusätzlich verstärken.
Die SPD bezeichnet die L683 als „unfallträchtigsten Streckenabschnitt Altenas“, vor allem zwischen Elfenfohren und der Bachstraße. Im Jahr 2025 soll der Märkische Kreis dort 130 mobile Geschwindigkeitsmessungen durchgeführt haben. Mit ihrem Antrag will die SPD nach eigenen Angaben auch verhindern, dass sich das Problem vom Kohlberg auf andere Strecken verlagert. Auch sie betont, dass es nicht darum gehe, Motorrad- oder Autofahrer pauschal zu kritisieren.
Wie geht es mit dem Antrag weiter?
Ein Beschluss des Ausschusses zum Kohlberg ist bisher nicht veröffentlicht. Der CDU-Antrag stand am 22. September 2026 als Tagesordnungspunkt 5 auf dem Programm. Nach dem Ausschuss soll er laut CDU in der darauffolgenden Sitzung des Stadtrats beraten werden.
Der Ergänzungsantrag der SPD zu Evingsen soll am 12. Oktober 2026 im Hauptausschuss beraten werden. Für den 9. November 2026 ist die Ratssitzung dazu vorgesehen. Wie viele der zehn Punkte am Ende tatsächlich umgesetzt werden, hängt auch von den anderen Behörden ab, vor allem von der Straßenverkehrsbehörde, Straßen.NRW und der Polizei.
Der Kohlberg steht dabei nicht allein. Die Polizei im Märkischen Kreis kontrolliert gleich mehrere beliebte Motorradstrecken, und über das Netzwerk Krad arbeitet sie mit den Behörden in Olpe, Siegen-Wittgenstein, Soest, im Ennepe-Ruhr-Kreis, im Oberbergischen Kreis und im Hochsauerlandkreis zusammen. Die Debatte in Altena ist damit Teil einer größeren Auseinandersetzung um Lärm und Sicherheit auf den Motorradstrecken der Region.
Häufige Fragen
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Was tut Altena gegen Motorradlärm am Kohlberg?
Die CDU-Fraktion hat einen Zehn-Punkte-Plan vorgelegt, über den der Ausschuss für Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr am 22. September 2026 beraten sollte. Er sieht unter anderem neue Schilder, ein gestuftes Tempolimit, eine Anzeigetafel, Lärmmessungen und mehr Polizeikontrollen vor. Ein Beschluss ist bisher nicht veröffentlicht.
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Kommt am Kohlberg ein fester Blitzer?
Das ist noch offen. Die CDU will eine stationäre Blitzeranlage nur prüfen lassen, wenn die anderen Maßnahmen nicht ausreichend wirken. Dabei sollen auch die rechtlichen Voraussetzungen, die Zuständigkeit und die Stromversorgung geklärt werden.
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Wo liegt der Kohlberg und welche Straße führt darüber?
Der Kohlberg liegt zwischen dem Altenaer Ortsteil Dahle und Neuenrade im Märkischen Kreis. Über ihn führt die L698, die im Bereich Dahle Neuenrader Straße heißt. Die Strecke hat mehrere Serpentinen und gilt bei der Polizei als beliebte Motorradstrecke.
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Wie viele Motorradfahrer verunglückten 2025 im Märkischen Kreis?
Laut Polizei verunglückten im Jahr 2025 im Märkischen Kreis 98 Motorradfahrer. Drei von ihnen kamen ums Leben, 35 wurden schwer verletzt. Zahlen speziell für den Kohlberg liegen bisher nicht vor, ihre Auswertung ist Teil des CDU-Antrags.
➜ Alle Infos zur Strecke: L698 Kohlberg bei Altena: Maßnahmen gegen Motorradlärm geplant – Überblick & Chronik











