- Joan Mir und Luca Marini sollen am 22. Juni in Brünn die neue Honda RC214V mit 850 ccm testen
- Pol Espargaro gibt bei einem privaten KTM-Test in Misano sein Comeback nach Handverletzung
- Ab 2027 gelten 850 ccm, weniger Aerodynamik, keine Ride-Height-Devices und Pirelli-Reifen

Warum lässt Honda Joan Mir die neue 850er testen?
Honda setzt auf das Feedback seiner aktuellen Werksfahrer und nimmt dafür eine bislang einmalige Konstellation in Kauf. Medienberichten zufolge soll Joan Mir am offiziellen Testtag nach dem Tschechien-GP in Brünn die neue RC214V fahren, obwohl der Spanier den Hersteller am Saisonende verlässt und 2027 für Ducatis Satellitenteam Gresini antritt. Das gilt als bemerkenswert, da bislang praktisch ausgeschlossen war, dass ein Fahrer, der zu einem Konkurrenten wechselt, Zugang zu einem Entwicklungsprojekt für die kommende Motorrad-Generation erhält. Honda begründet den Schritt den Berichten zufolge mit den Worten „We gain more than we lose“ (deutsch: „Wir gewinnen mehr, als wir verlieren“). Der Hersteller bewertet den Nutzen von Mirs Erfahrung und technischem Feedback offenbar höher als das Risiko, Entwicklungsinformationen an einen künftigen Konkurrenten weiterzugeben.Wer sitzt in Brünn auf der RC214V?
Neben Joan Mir soll auch Luca Marini am Test in Brünn teilnehmen, dessen Zukunft über die laufende Saison hinaus noch offen ist. Damit setzt Honda auf das aktuelle Werksfahrer-Duo, um möglichst umfangreiche Rückmeldungen zum neuen Motorrad zu sammeln. Obwohl Honda mit Diogo Moreira bereits einen Fahrer für 2027 unter Vertrag hat, ist der junge Brasilianer nach aktuellem Stand nicht für den Test vorgesehen. Hintergrund ist die Begrenzung auf lediglich zwei 850er-Prototypen pro Hersteller während dieser Testfahrten.
Verletzungen zwingen Honda zum Umdenken
Ein wesentlicher Grund für die ungewöhnliche Entscheidung ist die angespannte Personalsituation. Testfahrer Aleix Espargaro fällt verletzungsbedingt weiterhin aus, sodass dem Werk praktisch nur Takaaki Nakagami als erfahrener Entwicklungsfahrer für die Arbeit an der RC214V zur Verfügung steht. Auch Johann Zarco kann derzeit nicht aktiv an der Entwicklung mitwirken. Der Franzose verletzte sich Mitte Mai in Barcelona und wird bei LCR weiterhin von Cal Crutchlow vertreten, dessen Einsatz bis zu den Grands Prix in Brünn und Assen verlängert wurde. Ein konkreter Termin für Zarcos Rückkehr steht nicht fest. Die Bedeutung des Projekts ist für Honda dennoch enorm, denn die neue Maschine soll die Grundlage bilden, um künftig wieder um den Weltmeistertitel mitzukämpfen, unter anderem mit Fabio Quartararo.KTM bringt Pol Espargaro in Misano zurück
Parallel zu Hondas Planungen nutzt KTM einen privaten Zweitagestest am Dienstag und Mittwoch auf dem Misano World Circuit, um den eigenen 850er-Prototyp voranzutreiben. Auf dem Motorrad sitzen die beiden Testfahrer Dani Pedrosa und Pol Espargaro, wobei vor allem die Rückkehr Espargaros im Fokus steht. Der 35-Jährige sitzt erstmals wieder bei einem offiziellen MotoGP-Test auf einem Prototyp, seit er sich Mitte April bei einem Dirt-Track-Training nahe seiner Heimatstadt Granollers an der linken Hand verletzt hatte. Die Blessur erwies sich als vergleichsweise harmlos, hatte für KTM aber spürbare Folgen: Espargaro stand als Ersatzmann nicht zur Verfügung und konnte den verletzten Maverick Vinales beim Grand Prix von Frankreich in Le Mans nicht vertreten. Stattdessen kam Jonas Folger zum Einsatz, bevor Vinales beim Grand Prix in Catalunya zurückkehrte.
Was bedeutet Espargaros Comeback für KTM?
Mit dem Test in Misano kehrt Espargaro in seinen eigentlichen Aufgabenbereich zurück. Gemeinsam mit Dani Pedrosa zählt er zu den wichtigsten Entwicklungspiloten des KTM-Programms und soll entscheidende Rückmeldungen für das Motorrad liefern, das der Hersteller auf die neue Reglement-Ära vorbereitet. Die Rahmenbedingungen gelten als günstig. Nachdem am vergangenen Wochenende die Superbike-WM auf der 4,2 Kilometer langen Strecke an der Adria gastierte, liegt viel Gummi auf dem Asphalt. Für Dienstag werden sonnige Bedingungen und etwa 27 Grad Celsius erwartet, am Mittwoch soll das Thermometer auf rund 30 Grad klettern, ohne Regenrisiko. Gefahren wird auf Pirelli-Reifen, die ab 2027 Michelin als alleinigen Ausrüster ablösen. Verläuft der Test nach Plan, könnte Espargaro auch beim Brünn-Test am Montag wieder auf der 850er sitzen.Was ändert sich mit dem MotoGP-Reglement 2027?
Ab 2027 kommen in der Königsklasse statt der aktuellen 1000er-Motoren nur noch Triebwerke mit 850 Kubikzentimetern zum Einsatz. Gleichzeitig wird die Aerodynamik eingeschränkt, die sogenannten Ride-Height-Devices entfallen, und Pirelli übernimmt von Michelin die Rolle des Einheitsausrüsters bei den Reifen. Diese Summe an Veränderungen markiert den Beginn einer neuen Ära und macht frühe Testkilometer besonders wertvoll. Der Test in Brünn ist der erste offizielle Einsatz der neuen Maschinen unter Bedingungen, die bereits weitgehend dem künftigen Reglement entsprechen. Auch Pirelli-MotoGP-Direktor Giorgio Barbier misst den Rückmeldungen der Werksfahrer große Bedeutung bei und betont, dass dieses Feedback eine zentrale Rolle bei der finalen Entwicklung der Reifen für 2027 spielen wird.
Welche Fahrer dürfen die neuen Maschinen schon testen?
Nicht alle Spitzenfahrer erhalten frühzeitig Zugang zu den 2027er-Prototypen. Zahlreiche aktuelle Topstars dürfen die neuen Motorräder vorerst nicht testen, darunter Fabio Quartararo, Francesco Bagnaia, Jorge Martin, Pedro Acosta, Alex Marquez, Fabio Di Giannantonio, Enea Bastianini und Ai Ogura, die allesamt vor einem Herstellerwechsel stehen. Für 2027 verfügen bislang nur wenige Fahrer über bestätigte Verträge. Dazu zählen Marc Marquez und Fermin Aldeguer bei Ducati, Marco Bezzecchi bei Aprilia, Toprak Razgatlioglu bei Yamaha sowie Diogo Moreira und Johann Zarco bei Honda. Beim Brünn-Test sollen alle fünf Hersteller mit maximal zwei Fahrern pro Marke antreten, wobei erstmals auch Stamm-Werksfahrer die 2027er-Technik fahren dürfen. KTM war der erste Hersteller, der Aufnahmen seines 850ers veröffentlichte, als Espargaro den Prototyp im Dezember in Jerez bewegte. Honda, Ducati und Aprilia haben ihre neuen Maschinen ebenfalls bereits getestet, Yamaha soll dies hinter verschlossenen Türen getan haben.Wie geht es nach dem Brünn-Test weiter?
Nach dem Auftakt in Brünn wird das Entwicklungsprogramm fortgesetzt, der nächste Test mit den 2027er-Prototypen ist für den Montag nach dem Grand Prix von Österreich vorgesehen. Ein weiterer wichtiger Termin folgt am 1. Dezember in Valencia unmittelbar nach dem Saisonfinale. In Valencia dürfen dann schließlich alle MotoGP-Fahrer ohne Einschränkungen die Maschinen der neuen Generation testen, jeweils mit ihren künftigen Teams. Damit könnte sich der Vorsprung jener Fahrer, die bereits in Brünn und in Spielberg testen dürfen, als entscheidender Faktor für den Start in die neue MotoGP-Ära erweisen.
Häufige Fragen
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Wann findet der erste MotoGP-Test mit den 2027er-Maschinen statt?
Der erste offizielle Test mit den 850er-Prototypen ist für Montag, den 22. Juni, in Brünn geplant, einen Tag nach dem Grand Prix von Tschechien. Es ist der erste Termin, bei dem die aktuellen Stamm-Werksfahrer die neue Technik und die Pirelli-Reifen fahren dürfen.
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Warum darf Joan Mir die neue Honda testen, obwohl er zu Ducati wechselt?
Honda will trotz des bevorstehenden Wechsels von Mirs Erfahrung profitieren und begründet das mit dem Argument, mehr zu gewinnen als zu verlieren. Hinzu kommt, dass dem Werk wegen der Verletzung von Aleix Espargaro nur Takaaki Nakagami als erfahrener Entwicklungsfahrer zur Verfügung steht.
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Was ändert sich technisch in der MotoGP 2027?
In der MotoGP 2027 sinkt der Hubraum von 1000 auf 850 Kubikzentimeter, die Aerodynamik wird eingeschränkt und die Ride-Height-Devices entfallen. Zusätzlich löst Pirelli den bisherigen Reifenausrüster Michelin ab.
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Warum kehrt Pol Espargaro erst jetzt zum Testen zurück?
Pol Espargaro hatte sich Mitte April bei einem Dirt-Track-Training an der linken Hand verletzt und fiel als Ersatzfahrer aus. Beim privaten KTM-Test in Misano am Dienstag und Mittwoch sitzt er nun erstmals wieder auf dem 850er-Prototyp.










