- Marc Marquez fuhr bei seinem Comeback nach Schulter- und Fußoperation auf Platz sechs und sicherte den direkten Einzug ins Q2.
- Fabio Di Giannantonio war mit 1:44,808 Minuten Schnellster, fünf der sechs Ducati lagen vorn.
- Aprilia Racing und Monster Energy bestätigten eine mehrjährige Partnerschaft, die in Mugello beginnt.
Der Freitag in der Toskana stand ganz im Zeichen der Rückkehrer. Während die laufende MotoGP-Saison 2026 von einem engen Dreikampf an der WM-Spitze geprägt ist, ging es in Mugello zunächst um die Frage, wer den Sprung in den entscheidenden Qualifying-Abschnitt schafft und in welcher Verfassung die zuletzt verletzten Stars auf ihre Maschinen zurückkehren. Das Nachmittagstraining, das über den direkten Weg ins Q2 entscheidet, brachte dabei mehrere Antworten und einige neue Fragen.

Wie schlug sich Marc Marquez bei seinem Comeback?
Marc Marquez kehrte in Mugello erstmals seit seiner Doppeloperation auf die Werks-Ducati zurück und beendete das Nachmittagstraining auf Platz sechs, womit ihm der direkte Q2-Einzug gelang. Trotzdem dämpfte der amtierende MotoGP-Weltmeister die Erwartungen und sieht sich an diesem Wochenende noch nicht in der Lage, um die Top 5 zu kämpfen.
Hintergrund ist ein schwerer Sturz im Sprint von Le Mans am 9. Mai, bei dem sich Marquez am rechten Fuß verletzte. Bereits am Tag darauf ließ er sich in Spanien operieren, und zwar nicht nur am gebrochenen fünften Mittelfußknochen, sondern auch an der seit Jahren angeschlagenen rechten Schulter. Dort hatte eine Schraube aus einer früheren Operation auf einen Nerv gedrückt und ihn beim Fahren immer wieder eingeschränkt. Das Sonntagsrennen in Le Mans und das komplette Wochenende in Barcelona musste er auslassen.
Im ersten Freien Training am Vormittag belegte er nach 13 Runden zunächst Rang 15, ehe er sich am Nachmittag mit vollem Einsatz auf Platz sechs steigerte. Den Schritt nach vorn erklärt er mit seinem Naturell: „Mein Fahrstil ist immer so: Wenn jemand vor mir ist, versuche ich, ihn zu überholen. Natürlich habe ich heute auf dieser einen Runde etwas riskiert. Aber ich bin im Moment noch nicht wieder bereit, um überhaupt um die Top 5 zu kämpfen.“ Ein Ziel für Rundenzeit oder Platzierung habe er nicht, einzig die stetige Weiterentwicklung zähle.
Das eigentliche Operationsziel sieht Marquez erreicht, auch wenn der erste Tag hinter seinen Hoffnungen zurückblieb. „Ich habe kein Kribbeln durch Reibung des Nervs gespürt. Aber es stimmt auch, dass ich erwartet hatte, mich auf dem Motorrad besser zu fühlen“, sagt er und räumt ein, sich schlechter gefühlt zu haben als gedacht. Vor allem in Rechtskurven und bei schnellen Richtungswechseln verliere er weiter Zeit, weshalb er davon ausgeht, dass das Wochenende für ihn von Tag zu Tag schwieriger wird. Sollte er als Zwölfter ins Rennen starten müssen, nehme er auch das hin.
Seine Geschichte gibt ihm Anlass zur Vorsicht. Zwischen 2020 und 2023 verpasste er fast ebenso viele Rennwochenenden wie er bestritt, Ausgangspunkt war der Sturz in Jerez 2020 mit gebrochenem rechten Oberarm und einer zu frühen Rückkehr. „Ich muss geduldig sein. Das habe ich gelernt“, sagt er heute. Der Arm, der vom Ellbogen bis zur Schulter sieben Operationen hinter sich hat, müsse nun erst wieder aufgebaut werden. Teamkollege Francesco Bagnaia, der den Freitag auf Rang zwei abschloss, beobachtete bei ihm ein bewusstes Haushalten mit den Kräften: Wenn eine schnelle Runde nötig sei, fahre Marquez sie, ansonsten teile er sich seine Energie für die Rennen ein.
MotoGP Mugello 2026: Wer fuhr am Freitag die Bestzeit?
Schnellster des Tages war Fabio Di Giannantonio, der das Nachmittagstraining in 1:44,808 Minuten anführte und damit bereits am Vormittag im FP1 vorn gelegen hatte. Hinter dem VR46-Piloten ordnete sich die Konkurrenz in engsten Abständen ein.
Bagnaia fehlten als Zweitem nur 0,091 Sekunden, Marquez verlor auf Platz sechs lediglich 0,202 Sekunden. Dazwischen schoben sich Enea Bastianini auf der KTM (Rang drei) sowie die weiteren Ducati von Franco Morbidelli und Fermin Aldeguer. Tatsächlich hätten fünf der sechs Ducati die vorderen Ränge belegt, wäre nicht Bastianini dazwischengefahren. Komplettiert wurde die Top 10 von Marco Bezzecchi (Aprilia, 7.), Jorge Martin (Aprilia, 8.), Alex Rins (Yamaha, 9.) und Diogo Moreira (Honda, 10.). Diese zehn Fahrer ziehen direkt in den zweiten Qualifying-Abschnitt am Samstag ein.
Di Giannantonio gelang die Bestzeit unter erschwerten Bedingungen. Nach einer leichten Handverletzung beim Catalunya-GP kann er die Finger noch nicht vollständig anwinkeln, dazu kamen am Freitag Magenprobleme. „Ich war ehrlich gesagt sehr überrascht, denn besonders nach dem FP1 hatte ich Magenprobleme und musste Medikamente nehmen“, schildert er. Sein Leistungshoch erklärt der WM-Dritte mit einem einfachen Bild: „Leistungssport funktioniert nach dem Schneeball-Prinzip. Wenn es schlecht läuft, wird es noch schlechter. Wenn es aber läuft, dann kann man sich weiter steigern.“ In der Gesamtwertung liegt er elf Punkte hinter dem WM-Zweiten Jorge Martin, während Marco Bezzecchi mit 26 Zählern Vorsprung führt. Da an einem Wochenende 37 Punkte vergeben werden, ist beim Heimrennen rechnerisch sogar ein Sprung an die WM-Spitze möglich.

Was bedeutet der Freitag für KTM und Pedro Acosta?
Für KTM verlief der Tag zweigeteilt: Während Bastianini als einziger Nicht-Ducati-Fahrer in die Spitzengruppe vordrang, verpasste Pedro Acosta als 13. den direkten Q2-Einzug. Der Werkspilot lag fast eine halbe Sekunde zurück und rutschte auf seiner letzten fliegenden Runde ins Kies.
Acosta zeigte sich überrascht vom Ausmaß der Probleme. „Es war ein Tag, an dem wir uns zu sehr abgemüht haben“ („It was a day that we struggled too much“), sagt der Spanier. Schon am Morgen sei schwer zu verstehen gewesen, woher die Schwierigkeiten kämen. Auffällig sei der Abschnitt der Kurven acht und neun, was ihn an sein Wochenende in Jerez erinnere. Als Lösungsansatz will er früh die Daten von Bastianini studieren, der mit der Satelliten-RC16 offenbar besser mit den fließenden Streckenabschnitten zurechtkommt. „Wir werden versuchen, Eneas Weg recht früh einzuschlagen“ („we will try to take Enea’s way quite early compared to last time“), kündigt er an.
Der Rückschlag trifft einen Fahrer in eigentlich starker Form. Der 21-Jährige sammelte über die ersten sechs Rennen mehrere Podestplätze und einen Sprintsieg in Buriram, sein Tiefpunkt war der Spanien-GP im April mit nur sechs Punkten als Zehnter. Beim jüngsten Catalunya-GP fühlte er sich seinem ersten Sieg in der Königsklasse so nah wie nie. Bei seinem Markenkollegen Brad Binder endete der Freitag mit einem technischen Defekt, der die KTM auf der Strecke ausrollen ließ und eine der beiden Unterbrechungen des Trainings auslöste.
Warum kämpft Jorge Martin trotz Q2-Einzug mit sich?
Jorge Martin schaffte als Achter zwar den direkten Q2-Einzug, sprach in Mugello aber vom geringsten Vertrauen ins eigene Motorrad in dieser Saison. Der Aprilia-Pilot führt das auf die Nachwirkungen seines sturzreichen Wochenendes in Barcelona zurück, das ihn körperlich und mental belastet.
Beim Heimrennen seines Arbeitgebers ging der Weltmeister von 2024 unter Schmerzen an den Start. „Vormittags ging es mir noch super. Am Nachmittag hatte ich starke Schmerzen“, berichtet er. Auf seiner schnellen Runde habe er kaum noch atmen können. Für Samstag kündigt er den Einsatz von Schmerzmitteln an, zugleich müsse eine drohende Entzündung im Griff behalten werden. Hinzu kommt ein ungewohntes Gefühl auf der RS-GP, die sich nach seinen Worten in Mugello in diesem Jahr bislang am schlechtesten anfühlt.
Mehr als die körperliche Verfassung beschäftigt ihn jedoch der Kopf. Nach mehreren Stürzen in Barcelona, die laut Berichten sechs Abflüge inklusive des Montagstests umfassten, sucht er sein Selbstvertrauen. „Vielleicht ist mein Motorrad ja völlig okay und es liegt eigentlich an mir“, sagt Martin und beschreibt, wie er beim Anbremsen mehrfach das Gefühl hatte zu stürzen, obwohl nichts passierte. Eine klare Einschätzung des Kräfteverhältnisses fällt ihm schwer: Vielleicht reiche es für einen Platz unter den ersten fünf, vielleicht auch für den Kampf um den Sieg. Priorität habe zunächst, Sprint und Grand Prix überhaupt durchzustehen.

Aprilia und Monster Energy: Was steckt hinter dem neuen Vertrag?
Während Martin mit der Form rang, sorgte Aprilia abseits der Strecke für eine positive Nachricht: Aprilia Racing und Monster Energy gaben in Mugello eine mehrjährige Partnerschaft bekannt. Laut Aprilia beginnt die Zusammenarbeit mit dem Großen Preis von Italien 2026.
Demnach tritt Monster Energy zunächst als Hauptsponsor auf und übernimmt ab 2027 die Rolle des Titelsponsors, was nach Angaben des Herstellers aus Noale der erste Titelsponsor in der Geschichte von Aprilia Racing wäre. Sichtbar werden soll die Verbindung über das bekannte Logo mit den drei Krallen auf den Werksmaschinen, den Lederkombis der Fahrer und weiteren Team-Elementen. Aprilia-Geschäftsführer Massimo Rivola bezeichnete die Vereinbarung als Meilenstein für das Projekt. Eingebettet ist der Deal in eine aus Herstellersicht starke Phase: Aprilia verweist auf die ersten drei Saisonsiege 2026, einen ersten Dreifachsieg beim Frankreich-GP und die Führung in der Fahrerwertung durch Bezzecchi und Martin. Solche Angaben stammen aus der Mitteilung des Herstellers und sind nicht unabhängig überprüfbar.
Wer ersetzt die verletzten Stars Zarco und Alex Marquez?
Gleich zwei Stammfahrer wurden in Mugello durch erfahrene Piloten vertreten: Cal Crutchlow sprang beim LCR-Honda-Team für den verletzten Johann Zarco ein, Michele Pirro übernahm bei Gresini Ducati den Platz des ebenfalls verletzten Alex Marquez. Beide brachten unterschiedliche Voraussetzungen mit.
Für Crutchlow war es eine besondere Rückkehr. Der 40-Jährige aus Coventry hatte vor seinem Test in Misano in dieser Woche fast drei Jahre kein MotoGP-Motorrad mehr gefahren und beendete das Nachmittagstraining als Letzter, mit rund drei Sekunden und zwei Zehnteln Rückstand. Den Einsatz übernahm er auf Bitte von Teamchef Lucio Cecchinello. Seine größte Hürde sei die fehlende körperliche Kraft. „Ich bin in Mugello von einem Fahrrad direkt auf ein MotoGP-Motorrad umgestiegen“ („I went from riding a bicycle to a MotoGP bike at Mugello“), beschreibt er den Sprung. Das Gefühl auf der Maschine sei gut, doch beim Forcieren fehle ihm die Kraft, weshalb gerade die Richtungswechsel am Gas schwerfielen. Über die Honda sagt er anerkennend: „Das Motorrad ist definitiv besser als ich“ („the bike’s definitely better than me“). Einer dauerhaften Rückkehr erteilt er eine klare Absage und betont, niemand solle glauben, er wolle wieder Vollzeit Rennen fahren. Pirro hingegen sitzt dank seiner Ducati-Testrolle regelmäßig auf einem MotoGP-Bike und lag eine Position vor Crutchlow.
Für den auffälligsten Auftritt aus dem Honda-Lager sorgte ein anderer: Rookie Diogo Moreira fuhr als einziger Honda-Pilot in die Top 10. Dem 22-jährigen Brasilianer von LCR Honda reichten 0,354 Sekunden Rückstand für Platz zehn und den direkten Q2-Einzug. Auf seiner entscheidenden Runde nach der zweiten roten Flagge habe der frisch gewechselte Hinterreifen stark über das Vorderrad geschoben, sodass er zwei beginnende Stürze abfangen musste. Eine clevere Taktik half zusätzlich: „Ich habe zu meinem Team gesagt, dass ich einem italienischen Fahrer folgen muss, weil diese hier die richtigen Linien fahren“, erklärt Moreira. Die hohen Geschwindigkeiten von rund 350 km/h und die Bewegungen des Motorrads hätten ihn dennoch überrascht.

Wie geht es am Samstag in Mugello weiter?
Am Samstag stehen das Qualifying und der Sprint auf dem Programm, ehe am Sonntag der Grand Prix folgt. Angesichts der geringen Abstände im Training deutet sich ein enger Kampf an der Spitze an, bei dem Ducati die Favoritenrolle innehat, KTM mit Bastianini und Aprilia mit Bezzecchi aber in Schlagdistanz liegen.
Das zweimal von roten Flaggen unterbrochene Training, zunächst nach einem Sturz von Fabio Quartararo auf der Yamaha, dann durch den technischen Defekt an Binders KTM, lieferte nur ein erstes Bild. Für Marquez gilt sein eigener Maßstab der Weiterentwicklung, für Acosta die nächtliche Datenanalyse, für Martin das Durchhalten unter Schmerzen. Mit Blick auf die WM kann Di Giannantonio bei seinem Heimrennen Boden gutmachen, während direkt im Anschluss der Doppelpack mit dem Großen Preis von Ungarn ansteht. Crutchlow dürfte zumindest für dieses Rennen einspringen, da Zarco mehrere Wochen ausfallen soll.

Häufige Fragen
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Wer war am Freitag beim MotoGP Mugello 2026 am schnellsten?
Fabio Di Giannantonio fuhr mit 1:44,808 Minuten die Bestzeit im entscheidenden Nachmittagstraining. Dahinter folgten Francesco Bagnaia mit 0,091 Sekunden Rückstand und Enea Bastianini auf der KTM.
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Auf welchem Platz kehrte Marc Marquez in Mugello zurück?
Marc Marquez beendete das Nachmittagstraining auf Platz sechs und schaffte damit den direkten Q2-Einzug. Trotzdem erklärte er, noch nicht für einen Platz unter den ersten fünf bereit zu sein, da er nach seiner Doppeloperation vorsichtig vorgeht.
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Ab wann gilt der Vertrag zwischen Aprilia und Monster Energy?
Die Partnerschaft beginnt laut Aprilia mit dem Großen Preis von Italien 2026, zunächst mit Monster Energy als Hauptsponsor. Ab 2027 soll Monster Energy die Rolle des Titelsponsors übernehmen.
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Warum fuhr Cal Crutchlow in Mugello mit?
Cal Crutchlow ersetzte beim LCR-Honda-Team den verletzten Johann Zarco. Der 40-Jährige betonte, dass es sich um einen kurzfristigen Einsatz handelt und er keine Rückkehr als Vollzeitfahrer anstrebt.












